Ver­mö­gens­ver­fall – und die sich häu­fen­den Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men

Ein Ver­mö­gens­ver­fall ist gege­ben, wenn sich der Rechts­an­walt in unge­ord­ne­ten, schlech­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen befin­det, die er in abseh­ba­rer Zeit nicht ord­nen kann, und außer­stan­de ist, sei­nen Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men; Beweis­an­zei­chen hier­für sind ins­be­son­de­re die Erwir­kung von Schuld­ti­teln und Voll­stre­ckungs­maß­nah­men gegen ihn [1].

Ver­mö­gens­ver­fall – und die sich häu­fen­den Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men

Lie­gen Anzei­chen dafür vor, dass der Rechts­an­walt nur wirt­schaf­ten kann, indem er neue Schul­den auf­lau­fen lässt, und zahlt er sei­ne Schul­den über einen gewis­sen Zeit­raum ledig­lich unter dem Druck des Wider­rufs einer Zulas­sung oder von Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men, kann der Nach­weis eines Ver­mö­gens­ver­falls regel­mä­ßig als geführt ange­se­hen wer­den [2].

Hier­bei ist nach der stän­di­gen Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines Wider­rufs infol­ge des ab 1.09.2009 gel­ten­den Ver­fah­rens­rechts auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens – hier: Wider­rufs­ver­fü­gung vom 11.02.2015 – abzu­stel­len; danach ein­ge­tre­te­ne Ent­wick­lun­gen blei­ben der Beur­tei­lung in einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [3].

Fäl­li­ge Ver­bind­lich­kei­ten hat der Rechts­an­walt sofort und nicht erst nach Vor­hal­tung und Hin­weis durch die Rechts­an­walts­kam­mer zu erfül­len. Zahlt er sei­ne Schul­den hin­ge­gen erst auf Vor­hal­tung und Hin­weis durch die Rechts­an­walts­kam­mer und damit unter dem Druck des Wider­rufs sei­ner Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft, ist dies neben den gegen ihn ein­ge­lei­te­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men ein wei­te­res Indiz für die Annah­me sei­nes Ver­mö­gens­ver­falls.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Okto­ber 2015 – AnwZ (Brfg) 48/​15

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 4; und vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 77/​13, jeweils m.w.N.[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 14.10.2014 – AnwZ (Brfg) 22/​14; und vom 07.10.2013 – AnwZ (Brfg) 30/​13, m.w.N.[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011, aaO Rn. 9 ff.; und vom 10.03.2014, aaO Rn. 3[]