Aus­kunft über die Sach­leis­tungs­pau­scha­le der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten

Sofern pri­va­te oder öffent­li­che Inter­es­sen dem Aus­kunfts­be­geh­ren ent­ge­gen­ste­hen kön­nen, kommt ein aus dem Grund­ge­setz abge­lei­te­ter Aus­kunfts­an­spruch grund­sätz­lich nicht in Betracht. Das ist der Fall, wenn Aus­kunft über die Ver­wen­dung der Sach­leis­tungs­pau­scha­le der Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges erteilt wer­den soll, denn ein sol­ches Aus­kunfts­be­geh­ren berührt das freie Bun­des­tags­man­dat.

Aus­kunft über die Sach­leis­tungs­pau­scha­le der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Jour­na­lis­ten, der Aus­kunft dar­über begehr­te, wel­che Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten im Jahr 2013 unter Inan­spruch­nah­me der Sach­leis­tungs­pau­scha­le mehr als fünf Tablet Com­pu­ter sowie ein Smart­pho­ne erwor­ben haben. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin 1hat­te dem Jour­na­lis­ten einen Aus­kunfts­an­spruch zuge­spro­chen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg gibt es kei­ne Anspruchs­grund­la­ge für einen der­ar­ti­gen Aus­kunfts­an­spruch. Die Lan­des­pres­se­ge­set­ze sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht ein­schlä­gig, wes­halb sich der ent­spre­chen­de Anspruch allein aus der in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 des Grund­ge­set­zes garan­tier­ten Pres­se­frei­heit erge­ben kann. Die­se Vor­schrift sichert aber ledig­lich einen "Mini­mal­stan­dard", denn die Abwä­gung und Gewich­tung der einem Aus­kunfts­an­spruch ent­ge­gen­ste­hen­den Inter­es­sen ist grund­sätz­lich dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten. Sofern pri­va­te oder öffent­li­che Inter­es­sen dem Aus­kunfts­be­geh­ren ent­ge­gen­ste­hen kön­nen, kommt ein aus dem Grund­ge­setz abge­lei­te­ter Aus­kunfts­an­spruch somit grund­sätz­lich nicht in Betracht.

Das ist hier anzu­neh­men, denn die bean­trag­te Aus­kunft berührt das freie Bun­des­tags­man­dat. Die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges haben die Mög­lich­keit, bis zu einem Höchst­be­trag von 12.000,00 Euro jähr­lich Gegen­stän­de für ihren Büro­be­darf zu kau­fen und über die Ver­wal­tung des Bun­des­ta­ges abzu­rech­nen. Die Aus­stat­tung der Abge­ord­ne­ten mit Arbeits­ma­te­ri­al ermög­licht die­sen die Wahr­neh­mung ihrer par­la­men­ta­ri­schen Auf­ga­ben. Eine Pflicht zum Nach­weis der zweck­ent­spre­chen­den Ver­wen­dung der Pau­scha­le ist nicht vor­ge­se­hen, wes­halb eine Kon­trol­le auch nicht mit­tel­bar über eine sich nur aus einem Mini­mal­stan­dard erge­ben­de pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­pflicht ermög­licht wer­den darf. Außer­dem dürf­te es sich um per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten han­deln, die dem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung unter­fal­len.

Einen Aus­kunfts­an­spruch aus dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz oder der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on hat das Gericht eben­falls ver­neint.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2013 – OVG 6 S 46.13

  1. VG Ber­lin, Beschluss vom 22.08.2013 – 27 L 185.13[]