Euro­päi­scher Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus? Fis­kal­pakt? Kein (ver­fas­sungs­recht­li­ches) Pro­blem!

Bereits im Janu­ar hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren zur Euro-Kri­se nach den betrof­fe­nen Rechts­fra­gen sor­tiert und, einen Pro­blem­kreis – das Anlei­henkauf­pro­gramm ("Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions” – OMT) der Euro­päi­schen Zen­tral­bank – an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung wei­ter­ge­reicht. Die danach noch ver­blei­benen zwei Pro­blem­krei­se – der Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und der Fis­kal­pakt ("Ver­trag vom 2. März 2012 über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on") – hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt heu­te erle­digt und die bei ihm anhän­gi­gen Organ­streit­ver­fah­ren zum ESM und zum Fis­kal­pakt abge­wie­sen.

Euro­päi­scher Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus? Fis­kal­pakt? Kein (ver­fas­sungs­recht­li­ches) Pro­blem!

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und das Organ­streit­ver­fah­ren gegen die Errich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, den Fis­kal­pakt sowie die natio­na­len Zustim­mungs- und Begleit­ge­set­ze, das Zustim­mungs­ge­setz zu Art. 136 Abs. 3 AEUV, das TAR­GE­T2-Sys­tem und das sog. Six­pack sind nach dem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts teil­wei­se unzu­läs­sig und im Übri­gen unbe­grün­det.

Trotz der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, bleibt die Haus­halts­au­to­no­mie des Deut­schen Bun­des­ta­ges hin­rei­chend gewahrt. Es ist jedoch haus­halts­recht­lich sicher­zu­stel­len, dass etwai­ge Kapi­tal­ab­ru­fe nach dem ESM-Ver­trag im Rah­men der ver­ein­bar­ten Ober­gren­zen frist­ge­recht und voll­stän­dig erfüllt wer­den kön­nen und somit eine Aus­set­zung von Stimm­rech­ten Deutsch­lands in den ESM-Gre­mi­en zuver­läs­sig aus­ge­schlos­sen bleibt.

  1. Durch die Haf­tungs­be­gren­zung nach Arti­kel 8 Absatz 5 des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus in Ver­bin­dung mit Anhang II des Ver­tra­ges sowie durch die gemein­sa­me Aus­le­gungs­er­klä­rung der Ver­trags­par­tei­en des ESM-Ver­tra­ges vom 27. Sep­tem­ber 2012 1 und die gleich­lau­ten­de ein­sei­ti­ge Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 2 ist hin­rei­chend sicher­ge­stellt, dass durch den Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus kei­ne unbe­grenz­ten Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen begrün­det wer­den.
  2. Der Gesetz­ge­ber ist mit Blick auf die Zustim­mung zu Arti­kel 4 Absatz 8 des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ver­pflich­tet, haus­halts­recht­lich durch­ge­hend sicher­zu­stel­len, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Kapi­tal­ab­ru­fen nach dem Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus frist­ge­recht und voll­stän­dig nach­kom­men kann.
  3. Arti­kel 32 Absatz 5, Arti­kel 34 und Arti­kel 35 Absatz 1 des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ste­hen in der Aus­le­gung der Erklä­run­gen vom 27.09.2012 einer hin­rei­chen­den par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus durch den Deut­schen Bun­des­tag und sei­ner umfas­sen­den Unter­rich­tung nicht ent­ge­gen.
  4. Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges setzt vor­aus, dass der Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und dem Par­la­ment unter kei­nen Umstän­den unter­bro­chen wird. Da der Bei­tritt neu­er Mit­glie­der zum Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nach Arti­kel 44 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 5 Absatz 6 Buch­sta­be k des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus einen ein­stim­mi­gen Gou­ver­neurs­rats­be­schluss erfor­dert, besteht die Mög­lich­keit sicher­zu­stel­len, dass die gegen­wär­tig gege­be­ne und ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­te Veto­po­si­ti­on der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auch unter ver­än­der­ten Umstän­den erhal­ten bleibt.

ESM und Fis­kal­pakt[↑]

Auf sei­ner Tagung vom 28./29.10.2010 einig­te sich der Euro­päi­sche Rat dar­auf, zur Bewäl­ti­gung der Finanz- und Staats­schul­den­kri­se einen "stän­di­gen Kri­sen­me­cha­nis­mus zur Wah­rung der Finanz­sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ins­ge­samt" ein­zu­rich­ten 3. Des­sen all­ge­mei­ne Merk­ma­le leg­ten die Finanz­mi­nis­ter der Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets am 28.11.2010 fest.

Am 16./17.12 2010 einig­te sich der Euro­päi­sche Rat grund­sätz­lich auf eine Ände­rung des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on, nach der Art. 136 ein neu­er Absatz 3 hin­zu­ge­fügt wer­den soll­te. Am 17.03.2011 nahm der Deut­sche Bun­des­tag den Antrag der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und FDP zur Her­stel­lung des Ein­ver­neh­mens von Deut­schem Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung zur Ergän­zung von Art. 136 AEUV an 4. Am 25.03.2011 beschloss der Euro­päi­sche Rat den (end­gül­ti­gen) Ent­wurf eines künf­ti­gen Art. 136 Abs. 3 AEUV mit fol­gen­dem Wort­laut 5:

(3) Die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist, kön­nen einen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ein­rich­ten, der akti­viert wird, wenn dies unab­ding­bar ist, um die Sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ins­ge­samt zu wah­ren. Die Gewäh­rung aller erfor­der­li­chen Finanz­hil­fen im Rah­men des Mecha­nis­mus wird stren­gen Auf­la­gen unter­lie­gen.

Die Bestim­mung ist nach Rati­fi­ka­ti­on durch alle Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on am 1.05.2013 in Kraft getre­ten 6.

Den in der Fol­ge erar­bei­te­ten – ers­ten – Ent­wurf eines Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESMV) unter­zeich­ne­ten die Wirt­schafts- und Finanz­mi­nis­ter der Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets am 11.07.2011. Am 21.07.2011 kamen die Staats- und Regie­rungs­chefs des Euro-Wäh­rungs­ge­biets über­ein, die Euro­päi­sche Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät und den künf­ti­gen Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) mit wei­te­ren Instru­men­ten aus­zu­stat­ten. Die ent­spre­chen­den Nach­ver­hand­lun­gen wur­den am 2.02.2012 mit der erneu­ten Unter­zeich­nung des – zwei­ten – Ent­wurfs des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus abge­schlos­sen 7.

Mit dem Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus grün­den die Ver­trags­par­tei­en (ESM-Mit­glie­der) den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus als inter­na­tio­na­le Finanz­in­sti­tu­ti­on (Art. 1 ESMV). Die­ser soll einem ESM-Mit­glied unter stren­gen, dem gewähl­ten Finanz­hil­fein­stru­ment ange­mes­se­nen Auf­la­gen Sta­bi­li­täts­hil­fe gewäh­ren dür­fen (Art. 12 ESMV), wenn dies zur Wah­rung der Finanz­sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ins­ge­samt und sei­ner Mit­glied­staa­ten unab­ding­bar erscheint; in Betracht kom­men vor­sorg­li­che Finanz­hil­fen in Form einer vor­sorg­li­chen beding­ten Kre­dit­li­nie oder eine Kre­dit­li­nie mit erwei­ter­ten Bedin­gun­gen (Art. 14 ESMV), die Gewäh­rung von Finanz­hil­fen mit­tels Dar­le­hen zum Zwe­cke der Reka­pi­ta­li­sie­rung von Finanz­in­sti­tu­ten (Art. 15 ESMV) oder all­ge­mein zuguns­ten eines ESM-Mit­glieds (Art. 16 ESMV) sowie der Ankauf von Staats­an­lei­hen eines ESM-Mit­glieds am Pri­mär- oder Sekun­där­markt (Art. 17, 18 ESMV). Für das Ver­fah­ren ist in Art. 13 ESMV vor­ge­se­hen, dass nach dem Ein­gang des Sta­bi­li­täts­hil­fe­er­su­chens von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on im Beneh­men mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank das Bestehen einer Gefahr für die Finanz­sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ins­ge­samt oder sei­ner Mit­glied­staa­ten, die Trag­fä­hig­keit der Staats­ver­schul­dung und der tat­säch­li­che oder poten­zi­el­le Finan­zie­rungs­be­darf des betref­fen­den ESM-Mit­glieds bewer­tet wer­den. Auf der Grund­la­ge des Ersu­chens und die­ser Bewer­tung beschließt der Gou­ver­neurs­rat (vgl. Art. 5 ESMV) sodann, ob dem betrof­fe­nen ESM-Mit­glied eine Sta­bi­li­täts­hil­fe zu gewäh­ren ist. Fällt die Ent­schei­dung posi­tiv aus, so han­delt die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on – im Beneh­men mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und nach Mög­lich­keit zusam­men mit dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds – mit dem betref­fen­den ESM-Mit­glied ein Memo­ran­dum of Under­stan­ding (MoU) aus, in dem die mit der Finanz­hil­fe ver­bun­de­nen Auf­la­gen im Ein­zel­nen aus­ge­führt wer­den. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on unter­zeich­net das Memo­ran­dum of Under­stan­ding im Namen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, vor­be­halt­lich der Zustim­mung des Gou­ver­neurs­rats. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on wird – im Beneh­men mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und nach Mög­lich­keit zusam­men mit dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds – damit betraut, die Ein­hal­tung der mit der Finanz­hil­fe ver­bun­de­nen wirt­schafts­po­li­ti­schen Auf­la­gen zu über­wa­chen.

Ein aus­drück­li­ches Aus­tritts- oder Kün­di­gungs­recht ent­hält der Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nicht.

Der ESM-Ver­trag ist am 27.09.2012 in Kraft getre­ten 8; der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus hat sei­ne ope­ra­ti­ve Arbeit mit dem erst­ma­li­gen Zusam­men­tre­ten des ESM-Gou­ver­neurs­rats am 8.10.2012 auf­ge­nom­men.

Als wei­te­re Maß­nah­me zur Bei­le­gung der euro­päi­schen Finanz- und Staats­schul­den­kri­se wur­de am 2.03.2012 der Ver­trag über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on (SBVerfGV) unter­zeich­net 9.

Auch der Ver­trag über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on ent­hält kein aus­drück­li­ches Kün­di­gungs- oder Aus­tritts­recht. Er ist am 1.01.2013 in Kraft getre­ten 10.

Das Gesetz zur inner­staat­li­chen Umset­zung des Fis­kal­ver­tra­ges 11, das unter ande­rem Ände­run­gen des Haus­halts­grund­sät­ze­ge­set­zes und des Sta­bi­li­täts­rats­ge­set­zes umfasst, ist nach Beschluss­fas­sung durch den Deut­schen Bun­des­tag am 31.01.2013 12, Betei­li­gung des Ver­mitt­lungs­aus­schus­ses 13 und Zustim­mung durch den Bun­des­rat am 5.07.2013 14 am 19.07.2013 in Kraft getre­ten 15.

Am 29.06.2012 stimm­ten der Deut­sche Bun­des­tag und der Bun­des­rat dem Ent­wurf eines Geset­zes zu dem Beschluss des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 zur Ände­rung des Arti­kels 136 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on hin­sicht­lich eines Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus für die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist 16, dem Ent­wurf eines Geset­zes zu dem Ver­trag vom 02.02.2012 zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus in der Fas­sung der Beschluss­emp­feh­lung des Haus­halts­aus­schus­ses 17 und dem Ent­wurf eines Geset­zes zu dem Ver­trag vom 02.03.2012 über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on in der Fas­sung der vom Haus­halts­aus­schuss beschlos­se­nen Ände­rungs­vor­schlä­ge vom 27.06.2012 18 jeweils mit einer Mehr­heit von mehr als zwei Drit­teln der Stim­men zu. Der jewei­li­ge Arti­kel 1 die­ser Geset­ze ent­hält die Zustim­mung zu dem ent­spre­chen­den Ver­trag oder Beschluss. Ergän­zend bestimmt das Gesetz zu dem Ver­trag vom 02.02.2012 zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus im Wesent­li­chen 19:

Arti­kel 2
(1) Erhö­hun­gen des geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tals nach Arti­kel 10 Absatz 1 des Ver­trags bedür­fen zum Inkraft­tre­ten einer bun­des­ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung zur Bereit­stel­lung wei­te­ren Kapi­tals.
(2) Der deut­sche Gou­ver­neur im Gou­ver­neurs­rat des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und im Fal­le einer Dele­ga­ti­on der Ent­schei­dung nach Arti­kel 5 Absatz 6 Buch­sta­be m des Ver­trags der deut­sche Direk­tor im Direk­to­ri­um des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus dür­fen einem Beschluss­vor­schlag zur Ände­rung der Finanz­hil­fein­stru­men­te nach Arti­kel 19 des Ver­trags nur zustim­men oder sich bei der Abstim­mung über einen sol­chen Beschluss­vor­schlag der Stim­me ent­hal­ten, wenn hier­zu zuvor durch Bun­des­ge­setz ermäch­tigt wur­de.
(3) Ände­run­gen des Stamm­ka­pi­tals nach Arti­kel 10 Absatz 3 des Ver­trags und Ände­run­gen des Bei­trags­schlüs­sels nach Arti­kel 11 Absatz 3 und 4 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 11 Absatz 6 und Anhang I des Ver­trags sind im Bun­des­ge­setz­blatt zu ver­öf­fent­li­chen.

Den Ent­wurf eines Geset­zes zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz – ESMFinG), das den finan­zi­el­len Gesamt­rah­men der deut­schen Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und die par­la­men­ta­ri­schen Betei­li­gungs­rech­te bei der lau­fen­den Tätig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus regeln soll­te, brach­ten die Frak­tio­nen der CDU/​CSU und FDP am 20.03.2012 in den Bun­des­tag ein 20. Der Gesetz­ent­wurf bestand aus vier Para­gra­phen, wobei § 3 des Ent­wurfs mit der Über­schrift "Betei­li­gungs­rech­te" noch kei­nen Text, son­dern ledig­lich eine Leer­stel­le ("(1) […]") ent­hielt. In der Begrün­dung heißt es dazu, die Aus­ge­stal­tung der Betei­li­gungs­rech­te wer­de im Rah­men des par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­rens erfol­gen. Ein Ände­rungs­an­trag der Arbeits­grup­pe Haus­halt der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und FDP vom 30.04.2012 ent­hielt Rege­lun­gen zur Par­la­ments­be­tei­li­gung 21. In die­ser Aus­schuss­fas­sung war der Gesetz­ent­wurf Gegen­stand einer öffent­li­chen Anhö­rung am 7.05.2012 22 und der zwei­ten und drit­ten Lesung im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges 23.

Der Deut­sche Bun­des­tag beschloss das Gesetz zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus 24 am 29.06.2012 in der Fas­sung der Beschluss­emp­feh­lung des Haus­halts­aus­schus­ses 25. Der Bun­des­rat stimm­te am sel­ben Tag zu 26. Gemäß § 1 ESMFinG betei­ligt sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land am Gesamt­be­trag des ein­zu­zah­len­den Kapi­tals des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus mit einem Betrag in Höhe von 21, 71712 Mil­li­ar­den Euro sowie am Gesamt­be­trag des abruf­ba­ren Kapi­tals mit einem Betrag in Höhe von 168, 30768 Mil­li­ar­den Euro. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen wird ermäch­tigt, für das abruf­ba­re Kapi­tal in Höhe von 168, 30768 Mil­li­ar­den Euro Gewähr­leis­tun­gen zu über­neh­men 27.

Mit Urteil vom 27.11.2012 ent­schied der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, dass gegen die Ein­fü­gung von Art. 136 Abs. 3 AEUV weder mit Blick auf das gewähl­te ver­ein­fach­te Ände­rungs­ver­fah­ren gemäß Art. 48 Abs. 6 EUV noch hin­sicht­lich sei­ner Ver­ein­bar­keit mit den sons­ti­gen Rege­lun­gen über die Wäh­rungs­uni­on, ins­be­son­de­re Art. 125 AEUV, Beden­ken bestün­den 28.

Am 15. und 24.03.2013 einig­te sich die Euro­grup­pe auf Eck­punk­te eines Hilfs­pro­gramms für die Repu­blik Zypern. Am 13.04.2013 bean­trag­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen beim Deut­schen Bun­des­tag die Zustim­mung gemäß § 4 Abs. 1 Nr. 1 und 2 ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz (ESMFinG) zur Gewäh­rung einer Sta­bi­li­täts­hil­fe in Form einer Finanz­hil­fe­fa­zi­li­tät nach Art. 13 Abs. 2 ESMV, zur Ver­ein­ba­rung über eine Finanz­hil­fe­fa­zi­li­tät nach Art. 13 Abs. 3 Satz 3 ESMV sowie zu einem bereits aus­ge­han­del­ten Memo­ran­dum of Under­stan­ding nach Art. 13 Abs. 4 ESMV. In der Begrün­dung des Antrags heißt es, "vor dem Hin­ter­grund der poli­ti­schen Über­ein­kunft der Euro­grup­pe vom 24./25.03.2013 und der zwi­schen­zeit­lich erfolg­ten Vor­ab­maß­nah­men zur Restruk­tu­rie­rung des zypri­schen Ban­ken­sek­tors" sehe die Bun­des­re­gie­rung "die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer Finanz­hil­fe an die Repu­blik Zypern als gege­ben an". Die Kom­mis­si­on habe in Zusam­men­ar­beit mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank "gegen­über der Euro­grup­pe die Gefähr­dung der Finanz­sta­bi­li­tät der Euro­zo­ne bestä­tigt" 29. In der von der Bun­des­re­gie­rung als Anla­ge vor­ge­leg­ten, im Beneh­men mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank erstell­ten Mit­tei­lung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 12.04.2013 heißt es unter ande­rem, eine Zah­lungs­un­fä­hig­keit Zyperns hät­te "mit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen für das Euro-Wäh­rungs­ge­biet ins­ge­samt und könn­te erneut Zwei­fel an der Inte­gri­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets auf­kom­men las­sen" 30; der Deut­sche Bun­des­tag stimm­te den Anträ­gen der Bun­des­re­gie­rung am 18.04.2013 zu 31. Einen Antrag der Beschwer­de­füh­rer zu VI. auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuvor abge­lehnt 32.

Der Gou­ver­neurs­rat des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus beschloss am 24.04.2013, der Repu­blik Zypern grund­sätz­lich Sta­bi­li­täts­hil­fe in Form einer Finanz­hil­fe­fa­zi­li­tät zu gewäh­ren (Art. 13 Abs. 2 ESMV). Am 8.05.2013 bil­lig­te das Direk­to­ri­um des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nach Art. 13 Abs. 5 ESMV die mit Zypern aus­ge­han­del­te Ver­ein­ba­rung über die Merk­ma­le der Finanz­hil­fe­fa­zi­li­tät ("Finan­ci­al Assi­s­tan­ce Faci­li­ty Agree­ment bet­ween European Sta­bi­li­ty Mecha­nism and the Repu­blic of Cyprus and Cen­tral Bank of Cyprus" vom 08.05.2013).

Bereits am 24./25.03.2011 war der "Euro-Plus-Pakt" vom Euro­päi­schen Rat beschlos­sen wor­den 33. Aus­weis­lich des Ver­trags­tex­tes und der Schluss­fol­ge­run­gen soll er dar­auf abzie­len, die wirt­schaft­li­che Säu­le der Wäh­rungs­uni­on zu stär­ken, eine neue Qua­li­tät der wirt­schafts­po­li­ti­schen Koor­di­nie­rung zwi­schen den Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets zu errei­chen, ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu ver­bes­sern und dadurch einen höhe­ren Grad an Kon­ver­genz zu errei­chen. Der Schwer­punkt soll vor allem auf die Poli­tik­be­rei­che gelegt wer­den, die in die Zustän­dig­keit der Mit­glied­staa­ten fal­len und die für die Stei­ge­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit und die Ver­mei­dung schäd­li­cher Ungleich­ge­wich­te von ent­schei­den­der Bedeu­tung sind 34.

Im Novem­ber 2011 hat­te die Euro­päi­sche Uni­on zudem sechs Sekun­där­rechts­ak­te (sog. Six­pack) beschlos­sen:

  1. Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1173/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 über die wirk­sa­me Durch­set­zung der haus­halts­po­li­ti­schen Über­wa­chung im Euro-Wäh­rungs­ge­biet 35 gilt nur für die Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets und sieht ein Sank­ti­ons­sys­tem zur bes­se­ren Durch­set­zung der prä­ven­ti­ven und der kor­rek­ti­ven Kom­po­nen­te des Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pakts im Euro-Wäh­rungs­ge­biet vor (Art. 1).
  2. Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1174/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 über Durch­set­zungs­maß­nah­men zur Kor­rek­tur über­mä­ßi­ger makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te im Euro-Wäh­rungs­ge­biet 36 gilt eben­falls nur für die Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets und legt ein Sank­ti­ons­sys­tem für die wirk­sa­me Kor­rek­tur über­mä­ßi­ger makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te im Euro-Wäh­rungs­ge­biet fest (Art. 1).
  3. Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1175/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1466/​97 des Rates über den Aus­bau der haus­halts­po­li­ti­schen Über­wa­chung und der Über­wa­chung und Koor­di­nie­rung der Wirt­schafts­po­li­ti­ken 37 stärkt die prä­ven­ti­ven Über­wa­chungs- und Koor­di­na­ti­ons­in­stru­men­te des Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pak­tes.
  4. Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1176/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 über die Ver­mei­dung und Kor­rek­tur makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te 38 legt detail­lier­te Regeln für die Erken­nung makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te und für die Ver­mei­dung und Kor­rek­tur über­mä­ßi­ger makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te inner­halb der Uni­on fest (Art. 1 Abs. 1). Die­se Regeln betref­fen vor allem die Mög­lich­keit der Orga­ne der Euro­päi­schen Uni­on, bei über­mä­ßi­gen Ungleich­ge­wich­ten mit­tels Emp­feh­lun­gen auf den betrof­fe­nen Mit­glied­staat ein­zu­wir­ken.
  5. Mit der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1177/​2011 des Rates vom 08.11.2011 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1467/​97 über die Beschleu­ni­gung und Klä­rung des Ver­fah­rens bei einem über­mä­ßi­gen Defi­zit 39 soll durch enge­re Vor­ga­ben zum Ablauf des Defi­zit­ver­fah­rens nach Art. 126 AEUV die Wirk­sam­keit der kor­rek­ti­ven Ein­wir­kung bei einem über­mä­ßi­gen Defi­zit ver­bes­sert wer­den.
  6. Die Richt­li­nie 2011/​85/​EU des Rates vom 08.11.2011 über die Anfor­de­run­gen an die haus­halts­po­li­ti­schen Rah­men der Mit­glied­staa­ten 40 zielt mit detail­lier­ten Vor­ga­ben unter ande­rem für die Sys­te­me des öffent­li­chen Rech­nungs­we­sens, den Ein­satz nume­ri­scher Haus­halts­re­geln, die mit­tel­fris­ti­ge Haus­halts­pla­nung und die Durch­füh­rung unab­hän­gi­ger Ana­ly­se und Über­wa­chung auf die Siche­rung von Trans­pa­renz und Ver­füg­bar­keit der erfor­der­li­chen Daten­grund­la­gen als Vor­aus­set­zung für die Ein­hal­tung und Durch­set­zung der ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen hin­sicht­lich der Ver­mei­dung über­mä­ßi­ger Haus­halts­de­fi­zi­te.

Der Rat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank hat im Zuge der Finanz- und Staats­schul­den­kri­se ins­be­son­de­re in den Jah­ren 2011 und 2012 wie­der­holt die Anfor­de­run­gen an die Boni­tät von noten­bank­fä­hi­gen Wert­pa­pie­ren als Sicher­hei­ten für Zen­tral­bank­kre­di­te gesenkt 41 und zugleich durch zwei umfang­rei­che lang­fris­ti­ge Refi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te zusätz­lich etwa eine Bil­li­on Euro den Geschäfts­ban­ken zu güns­ti­gen Kre­dit­zin­sen für drei Jah­re zur Ver­fü­gung gestellt 42. Mit dem TAR­GE­T2-Sys­tem betreibt das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken ein grenz­über­schrei­ten­des Zah­lungs­sys­tem, mit dem die meis­ten Zen­tral­ban­ken der Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on sowie über 4.000 Geschäfts­ban­ken ihre Zah­lungs­ge­schäf­te abwi­ckeln.

Eil­rechts­schutz und Teil­aus­set­zung[↑]

Mit Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2012 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die im Ver­fah­ren des Eil­rechts­schut­zes gestell­ten Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gegen die Rati­fi­zie­rung des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus sowie des Ver­tra­ges über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on und die Aus­fer­ti­gung der inner­staat­li­chen Zustim­mungs- und Begleit­ge­set­ze mit der Maß­ga­be abge­lehnt, dass die Rati­fi­ka­ti­on des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nur erfol­gen darf, wenn zugleich völ­ker­recht­lich sicher­ge­stellt wird, dass die Rege­lung des Art. 8 Abs. 5 Satz 1 ESMV sämt­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus die­sem Ver­trag der Höhe nach auf die in Anhang II des Ver­tra­ges genann­te Sum­me in dem Sin­ne begrenzt, dass kei­ne Vor­schrift die­ses Ver­tra­ges so aus­ge­legt wer­den kann, dass für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ohne Zustim­mung des deut­schen Ver­tre­ters höhe­re Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen begrün­det wer­den, und dass die Rege­lun­gen der Art. 32 Abs. 5, Art. 34 und Art. 35 Abs. 1 ESMV nicht der umfas­sen­den Unter­rich­tung des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes ent­ge­gen­ste­hen 43.

Dar­auf­hin ver­stän­dig­ten sich die ESM-Mit­glie­der auf der Grund­la­ge eines Ent­wurfs des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen auf eine gemein­sa­me Erklä­rung, über die der Deut­sche Bun­des­tag am 21.09.2012 unter­rich­tet wur­de 44. Die ESM-Mit­glie­der gaben die­se Erklä­rung am 27.09.2012, dem Tag des Inkraft­tre­tens des ESM-Ver­tra­ges 8 ab. Sie wur­de dem Gene­ral­se­kre­ta­ri­at des Rates der Euro­päi­schen Uni­on als Ver­wah­rer des Ver­tra­ges (Art. 46 ESMV) durch die Regie­rung der Repu­blik Zypern über­mit­telt 45:

Die Ver­tre­ter der Ver­trags­par­tei­en des am 2.02.2012 unter­zeich­ne­ten Ver­trags zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM), die am 26.09.2012 in Brüs­sel zusam­men­ge­tre­ten sind, ver­ein­ba­ren fol­gen­de Aus­le­gungs­er­klä­rung:

Arti­kel 8 Absatz 5 des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (im Fol­gen­den "Ver­trag") begrenzt sämt­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der ESM-Mit­glie­der aus dem Ver­trag in dem Sin­ne, dass kei­ne Vor­schrift des Ver­trags so aus­ge­legt wer­den kann, dass sie ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung des Ver­tre­ters des Mit­glieds und Berück­sich­ti­gung der natio­na­len Ver­fah­ren zu einer Zah­lungs­ver­pflich­tung führt, die den Anteil am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal des jewei­li­gen ESM-Mit­glieds gemäß der Fest­le­gung in Anhang II des Ver­trags über­steigt.

Arti­kel 32 Absatz 5, Arti­kel 34 und Arti­kel 35 Absatz 1 des Ver­tra­ges ste­hen der umfas­sen­den Unter­rich­tung der natio­na­len Par­la­men­te gemäß den natio­na­len Vor­schrif­ten nicht ent­ge­gen.

Die oben genann­ten Punk­te stel­len eine wesent­li­che Grund­la­ge für die Zustim­mung der ver­trag­schlie­ßen­den Staa­ten dar, durch die Bestim­mun­gen des Ver­trags gebun­den zu sein.

Zugleich hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auch eine ein­sei­ti­ge Erklä­rung gegen­über dem Gene­ral­se­kre­ta­ri­at abge­ge­ben, die fol­gen­den Wort­laut hat 2:

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bezieht sich auf die von den Par­tei­en des Ver­tra­ges vom 02.02.2012 zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus abge­ge­be­ne und durch Zypern in ihrem Namen mit Ver­bal­no­te vom 27.09.2012 dem Rats­se­kre­ta­ri­at als Ver­wah­rer noti­fi­zier­te Erklä­rung, die wie folgt lau­tet:

Die Ver­tre­ter der Ver­trags­par­tei­en des am 2.02.2012 unter­zeich­ne­ten Ver­trags zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM), die am 26.09.2012 in Brüs­sel zusam­men­ge­tre­ten sind, ver­ein­ba­ren fol­gen­de Aus­le­gungs­er­klä­rung:

Arti­kel 8 Absatz 5 des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (im Fol­gen­den "Ver­trag") begrenzt sämt­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der ESM-Mit­glie­der aus dem Ver­trag in dem Sin­ne, dass kei­ne Vor­schrift des Ver­trags so aus­ge­legt wer­den kann, dass sie ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung des Ver­tre­ters des Mit­glieds und Berück­sich­ti­gung der natio­na­len Ver­fah­ren zu einer Zah­lungs­ver­pflich­tung führt, die den Anteil am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal des jewei­li­gen ESM-Mit­glieds gemäß der Fest­le­gung in Anhang II des Ver­trags über­steigt.

Arti­kel 32 Absatz 5, Arti­kel 34 und Arti­kel 35 Absatz 1 des Ver­tra­ges ste­hen der umfas­sen­den Unter­rich­tung der natio­na­len Par­la­men­te gemäß den natio­na­len Vor­schrif­ten nicht ent­ge­gen.

Die oben genann­ten Punk­te stel­len eine wesent­li­che Grund­la­ge für die Zustim­mung der ver­trag­schlie­ßen­den Staa­ten dar, durch die Bestim­mun­gen des Ver­trags gebun­den zu sein.

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bestä­tigt und wie­der­holt hier­mit aus­drück­lich die­se Erklä­rung, die sie gemein­sam mit den ande­ren Ver­trags­par­tei­en abge­ge­ben hat.

Durch Ver­bal­no­te vom 04.06.2013 gab das Gene­ral­se­kre­ta­ri­at des Rates der Euro­päi­schen Uni­on als Ver­wah­rer des Ver­tra­ges den ESM-Mit­glie­dern die Noti­fi­zie­rung der ein­sei­ti­gen Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land förm­lich bekannt.

Mit Beschluss vom 26 Sep­tem­ber 2012 lehn­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Erlass einer von einem der Beschwer­de­füh­rer bean­trag­ten Voll­stre­ckungs­an­ord­nung ab, da nicht zu erken­nen sei, dass es zur Durch­set­zung der im Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 12. Sep­tem­ber 2012 ent­hal­te­nen Vor­ga­ben einer sol­chen Anord­nung bedür­fe 46.

Mit Beschluss vom 17. Dezem­ber 2013 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fah­ren abge­trennt und ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet, soweit sie sich gegen den Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 6. Sep­tem­ber 2012 betref­fend Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMT), die Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen durch das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken am Sekun­där­markt und ein dies­be­züg­li­ches Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung und des Bun­des­ta­ges wen­den und soweit die Fest­stel­lung bean­tragt wird, dass den Bun­des­tag bestimm­te Hand­lungs- und Unter­las­sungs­pflich­ten im Zusam­men­hang mit dem genann­ten Beschluss tref­fen 47.

Zur Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind zuläs­sig, soweit die Beschwer­de­füh­rer rügen, dass durch das Gesetz zu dem Beschluss des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 zur Ände­rung des Art. 136 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on hin­sicht­lich eines Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus für die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist, das Gesetz zu dem Ver­trag vom 02.02.2012 zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, das Gesetz zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und das Gesetz zu dem Ver­trag vom 02.03.2012 über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on sowie durch unzu­rei­chen­de haus­hal­te­ri­sche Vor­sor­ge für den Fall von Kapi­tal­ab­ru­fen unkal­ku­lier­ba­re Risi­ken ein­ge­gan­gen und demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se auf die supra­na­tio­na­le oder inter­gou­ver­ne­men­ta­le Ebe­ne ver­la­gert wür­den, so dass eine Wahr­neh­mung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung durch den Bun­des­tag nicht län­ger mög­lich sei. Sie legen hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar, dass die Haus­halts­au­to­no­mie des Bun­des­ta­ges beein­träch­tigt wer­de und sie in ihren Rech­ten aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG ver­letzt sei­en 48.

Im Übri­gen sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den unzu­läs­sig. Das gilt zum einen, soweit sie unter Beru­fung auf Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG die for­mel­le Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes, die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen Ple­num, Aus­schüs­sen und sons­ti­gen Unter­glie­de­run­gen des Bun­des­ta­ges sowie das feh­len­de Erfor­der­nis einer Zwei-Drit­tel-Mehr­heit rügen, und zum ande­ren für die gegen die Geset­ze erho­be­nen Grund­rechts­rü­gen. Unzu­läs­sig sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den fer­ner, soweit sich eini­ge Beschwer­de­füh­rer gegen Hand­lun­gen oder Unter­las­sun­gen im Zusam­men­hang mit dem TAR­GE­T2-Sys­tem und der Refi­nan­zie­rung der Geschäfts­ban­ken sowie gegen die Anwend­bar­keit bestimm­ter sekun­där­recht­li­cher Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wen­den. Das gilt auch, soweit ein Beschwer­de­füh­rer rügt, dass ein koor­di­nier­tes Vor­ge­hen von Euro­päi­schem Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und Euro­päi­scher Zen­tral­bank nicht aus­ge­schlos­sen sei und dass es an einem aus­rei­chen­den Risi­ko­ma­nage­ment und ent­spre­chen­den Rech­nungs­le­gungs­vor­schrif­ten feh­le.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind unzu­läs­sig, soweit die Beschwer­de­füh­rer unter Beru­fung auf Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG die for­mel­le Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes, die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen dem Ple­num des Bun­des­ta­ges, sei­nen Aus­schüs­sen und Unter­glie­de­run­gen und das feh­len­de Erfor­der­nis einer Zwei-Drit­tel-Mehr­heit © rügen sowie eine Ver­let­zung ande­rer Grund­rech­te als Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG durch die genann­ten Geset­ze gel­tend machen.

Die Rüge, das ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz sei man­gels ord­nungs­ge­mä­ßer Ein­brin­gung in den Deut­schen Bun­des­tag for­mell ver­fas­sungs­wid­rig, ist unzu­läs­sig, weil es inso­weit an der Dar­le­gung einer mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­gen Grund­rechts­po­si­ti­on fehlt 49. Der mate­ri­el­le Gehalt des Wahl­rechts wird durch Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG nur inso­weit geschützt, als er in einem für die poli­ti­sche Selbst­be­stim­mung des Vol­kes wesent­li­chen Bereich leer­zu­lau­fen droht, das heißt wenn die demo­kra­ti­sche Selbst­re­gie­rung des Vol­kes dau­er­haft der­art ein­ge­schränkt wird, dass zen­tra­le poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen nicht mehr selbst­stän­dig getrof­fen wer­den kön­nen 50. Die­ser mate­ri­el­le Schutz­ge­halt von Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG kommt vor allem in Kon­stel­la­tio­nen zum Tra­gen, in denen die Kom­pe­ten­zen des Bun­des­ta­ges auf eine Art und Wei­se aus­ge­höhlt wer­den, die eine par­la­men­ta­ri­sche Reprä­sen­ta­ti­on des Volks­wil­lens, gerich­tet auf die Ver­wirk­li­chung des poli­ti­schen Wil­lens der Bür­ger, recht­lich oder prak­tisch unmög­lich macht 51. Einen "Anspruch auf Demo­kra­tie" ver­mit­telt Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG jen­seits von Ultra-vires-Kon­stel­la­tio­nen 52 nur inso­weit, als durch einen Vor­gang demo­kra­ti­sche Grund­sät­ze berührt wer­den, die Art. 79 Abs. 3 GG auch dem Zugriff des ver­fas­sungs­än­der­nen­den Gesetz­ge­bers ent­zieht 53.

Unzu­läs­sig sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den fer­ner, soweit eini­ge Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung ihres Wahl­rechts damit begrün­den, dass für bestimm­te Maß­nah­men des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus die Mit­wir­kung ledig­lich des Haus­halts­aus­schus­ses und nicht des Ple­nums des Bun­des­ta­ges vor­ge­se­hen ist.

Die par­la­ments­in­ter­ne, funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen dem Ple­num des Bun­des­ta­ges, sei­nen Aus­schüs­sen und ande­ren Unter­glie­de­run­gen kann nicht mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wer­den.

Die Zustän­dig­keits­ver­tei­lung inner­halb des Bun­des­ta­ges zählt grund­sätz­lich nicht zum rüge­fä­hi­gen Kern des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG. Demo­kra­ti­sche Min­des­ter­for­der­nis­se im Sin­ne von Art. 79 Abs. 3 GG sind auch bei Mehr­heits­ent­schei­dun­gen des Haus­halts­aus­schus­ses gewahrt. Das Grund­ge­setz selbst sieht ple­n­a­rer­set­zen­de Aus­schuss­ent­schei­dun­gen in Art. 45, Art. 45c, Art. 45d und Art. 53a GG vor. Es wür­de zudem den Aus­nah­me­cha­rak­ter der auf Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG gestütz­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­ken­nen und den Unter­schied zum Organ­streit­ver­fah­ren ver­wi­schen, wenn unter Beru­fung auf den demo­kra­ti­schen Kern des Wahl­rechts die inner­par­la­men­ta­ri­sche Auf­ga­ben­ver­tei­lung gerügt wer­den könn­te.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind auch inso­weit unzu­läs­sig, als hier­mit gel­tend gemacht wird, zur Siche­rung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung müss­ten Bun­des­tag und Bun­des­rat über beson­de­re Maß­nah­men des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, etwa eine Erhö­hung des Stamm­ka­pi­tals, ent­spre­chend Art. 79 Abs. 2 GG mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit beschlie­ßen. Der Ver­fas­sungs­be­schwer­de lässt sich kei­ne schlüs­si­ge Begrün­dung für das Bestehen eines dahin­ge­hen­den Rechts der Wahl­be­rech­tig­ten ent­neh­men. Art. 79 Abs. 2 GG – auch in Ver­bin­dung mit Art. 23 Abs. 1 Satz 3 GG – ist eine Regel des objek­ti­ven Ver­fas­sungs­rechts, die die Wil­lens­bil­dung inner­halb des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes betrifft 54. Sie ver­mit­telt den Wahl­be­rech­tig­ten und damit auch den Beschwer­de­füh­rern zu IV. – abge­se­hen von den Fäl­len einer Ultra-vires-Kon­stel­la­ti­on 55 – kei­ne Rech­te, weil der Umfang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Bun­des­ta­ges, mit­hin die Sub­stanz des Wahl­rechts, nicht davon abhängt, mit wel­cher Mehr­heit der Bun­des­tag sei­ne Beschlüs­se fasst. Davon abge­se­hen, lässt sich aus der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges kein grund­recht­li­cher Anspruch auf ein qua­li­fi­zier­tes Mehr­heits­er­for­der­nis ablei­ten. Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung wird grund­sätz­lich durch Ver­hand­lung und Beschluss­fas­sung im Ple­num wahr­ge­nom­men, durch den Beschluss über das Haus­halts­ge­setz, durch finanz­wirk­sa­me Geset­ze oder durch sons­ti­ge kon­sti­tu­ti­ve Beschlüs­se des Bun­des­ta­ges 56. Dafür ist – soweit das Grund­ge­setz nichts ande­res bestimmt – ent­spre­chend Art. 42 Abs. 2 Satz 1 GG die Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men erfor­der­lich. Anhalts­punk­te dafür, dass es je nach Höhe der Ver­pflich­tun­gen oder Gewähr­leis­tungs­über­nah­men abge­stuf­te Anfor­de­run­gen an die par­la­men­ta­ri­sche Legi­ti­ma­ti­on gäbe, sind nicht ersicht­lich. Eine Erhö­hung des Stamm­ka­pi­tals des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus stell­te weder eine Ände­rung des Grund­ge­set­zes (vgl. Art. 79 Abs. 1 und Abs. 2 GG) noch eine Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on dar, die das Grund­ge­setz sei­nem Inhalt nach ändern wür­de (vgl. Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 i.V.m. Art. 79 Abs. 2 GG).

Soweit gerügt wird, Art. 35 Abs. 1 ESMV ver­let­ze den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG, weil es für die den Organ- und Amts­wal­tern des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zuer­kann­te per­sön­li­che Immu­ni­tät von der Gerichts­bar­keit hin­sicht­lich ihrer in amt­li­cher Eigen­schaft vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung gebe, sind sie durch die­se Rege­lung nicht selbst nach­tei­lig betrof­fen. Eine Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG kommt von vorn­her­ein nicht in Betracht 57. Inso­weit wird der Sache nach ein all­ge­mei­ner Geset­zes­voll­zie­hungs­an­spruch gel­tend gemacht, der sich aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz eben­so wenig ablei­ten lässt wie aus Art.19 Abs. 4 GG oder Art. 2 Abs. 1 GG 58.

Soweit Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung ihres Grund­rechts aus Art. 14 Abs. 1 GG im Hin­blick auf infla­tio­nä­re Ent­wick­lun­gen durch den Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und die Begleit­ge­setz­ge­bung gel­tend machen, haben sie die­se Rüge nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert. Der Geld­wert ist in beson­de­rer Wei­se gemein­schafts­be­zo­gen und gemein­schafts­ab­hän­gig 59. Es ist regel­mä­ßig nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, im Rah­men eines Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens wirt­schafts- und finanz­po­li­ti­sche Maß­nah­men auf nega­ti­ve Fol­ge­wir­kun­gen für die Geld­wert­sta­bi­li­tät zu über­prü­fen. Eine sol­che Kon­trol­le kommt allen­falls in Grenz­fäl­len einer evi­den­ten Min­de­rung des Geld­werts durch Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt in Betracht 60. Tat­sa­chen, die zu einer sol­chen Kon­trol­le Anlass geben könn­ten, sind nicht vor­ge­tra­gen (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG; vgl. BVerfGE 132, 195, 236, Rn. 96).

Man­gels Beschwer­de­be­fug­nis unzu­läs­sig ist schließ­lich die Rüge einer Ver­let­zung des grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 20 Abs. 4 GG durch die Beschwer­de­füh­rer zu II. Das Wider­stands­recht ist ein sub­si­diä­res Aus­nah­me­recht, des­sen Ver­let­zung nicht in einem Ver­fah­ren gerügt wer­den kann, in dem gegen die behaup­te­te Besei­ti­gung der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung gera­de gericht­li­che Abhil­fe gesucht wird 61.

Soweit eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Hin­blick auf die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung inner­halb des Deut­schen Bun­des­ta­ges und im Hin­blick auf die im ESM-Ver­trags­ge­setz und im ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Mehr­heits­er­for­der­nis­se unzu­läs­sig ist, kann sie nicht in eine Organ­kla­ge umge­deu­tet wer­den.

Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – nicht nur bei der Aus­le­gung unkla­rer Anträ­ge – den eigent­li­chen Sinn des mit einem Antrag ver­folg­ten Begeh­rens zu erfas­sen und die­sem, soweit pro­zes­su­al mög­lich, Gel­tung zu ver­schaf­fen 62. Auch ist die Umdeu­tung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de in eine Organ­kla­ge grund­sätz­lich mög­lich. Dies setzt vor­aus, dass der Antrag im Organ­streit zuläs­sig wäre 63. Das ist hier nicht der Fall.

Als Abge­ord­ne­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges hät­ten die Beschwer­de­füh­rer im Organ­streit mög­li­cher­wei­se gel­tend machen kön­nen, dass die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen gegen ihre par­la­men­ta­ri­schen Betei­li­gungs­rech­te gemäß Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ver­sto­ßen 64. Inso­fern fehlt es jedoch an einer hin­rei­chen­den Begrün­dung des Antrags. Die Beschwer­de­füh­rer beru­fen sich ledig­lich auf ihr Wahl­recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG. Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG ist im Organ­streit jedoch kei­ne rüge­fä­hi­ge Rechts­po­si­ti­on. Die Ver­let­zung von Grund­rech­ten und grund­rechts­glei­chen Rech­ten kann inso­weit nicht gel­tend gemacht wer­den 65.

Unzu­läs­sig sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den fer­ner, soweit sich Beschwer­de­füh­rer gegen "die Ein­rich­tung des TAR­GE­T2-Sys­tems" wen­den und ver­schie­de­ne Unter­las­sun­gen deut­scher Ver­fas­sungs­or­ga­ne in Bezug hier­auf bean­stan­den.

Die Beschwer­de­füh­rer wen­den sich gegen die "Ein­rich­tung des TAR­GE­T2-Sys­tems", weil sein Voll­zug durch das Uni­ons­recht nicht gedeckt sei und sich dar­aus Gefähr­dun­gen für die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ergä­ben. Dabei bleibt aller­dings unklar, ob sie sich gegen die Leit­li­nie der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 26.04.2007 über ein trans-euro­päi­sches auto­ma­ti­sier­tes Echt­zeit-Brut­to-Express-Zah­lungs­ver­kehrs­sys­tem (TARGET2) EZB/​2007/​2 66, geän­dert durch die Leit­li­nie der EZB vom 07.05.2009 EZB/​2009/​9 67 und die Leit­li­nie EZB/​2009/​21 vom 17.09.2009 68 wen­den oder ob der Antrag gegen die tat­säch­li­che Durch­füh­rung des Sys­tems gerich­tet ist. Das kann jedoch dahin­ste­hen, weil die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in bei­den Fäl­len unzu­läs­sig ist.

Ver­steht man die Ver­fas­sungs­be­schwer­de als gegen die Leit­li­nie EZB/​2007/​2 gerich­tet, ist sie – unab­hän­gig von der Fra­ge, ob die­se über­haupt zum Gegen­stand einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemacht wer­den könn­te – jeden­falls ver­fris­tet (§ 93 Abs. 3 BVerfGG). Zwar wur­de die Leit­li­nie aus dem Jahr 2007 zuletzt durch die Leit­li­nie der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 05.12 2012 über ein trans­eu­ro­päi­sches auto­ma­ti­sier­tes Echt­zeit-Brut­to-Express-Zah­lungs­ver­kehrs­sys­tem (Neu­fas­sung) EZB/​2012/​27 69 geän­dert. Die Ände­run­gen betref­fen aus­weis­lich des ers­ten Erwä­gungs­grun­des der Leit­li­nie vor allem den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch im Sys­tem der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken und die Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten gegen Ban­ken. Da weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich ist, dass die Neu­fas­sung eine Beschwer für die Beschwer­de­füh­rer begrün­det hat 70, konn­te der Erlass der Neu­fas­sung die – bezo­gen auf die letz­te vor­an­ge­gan­ge­ne Ände­rung im Okto­ber 2010 abge­lau­fe­ne – Frist zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht erneut eröff­nen.

Soweit mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Durch­füh­rung der TAR­GE­T2-Leit­li­nie ange­grif­fen wer­den soll, ist sie eben­falls unzu­läs­sig, weil die jewei­li­gen Beschwer­de­füh­rer bereits nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt haben (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG), dass sie in eige­nen Rech­ten ver­letzt wer­den 71. Das TAR­GE­T2-Sys­tem dient der tech­ni­schen Abwick­lung von grenz­über­schrei­ten­den Zah­lungs­vor­gän­gen. Die Deut­sche Bun­des­bank beschreibt es inso­weit als das Zah­lungs­sys­tem der Zen­tral­ban­ken des Euro­sys­tems für die Abwick­lung eil­be­dürf­ti­ger Über­wei­sun­gen in Echt­zeit, bei dem Kre­dit­in­sti­tu­te gegen eine monat­li­che Fix­ge­bühr ihren Zah­lungs­ver­kehr über eine ein­heit­li­che Platt­form abwi­ckeln. TAR­GE­T2-Sal­den ent­ste­hen durch die täg­li­che Sal­die­rung der grenz­über­schrei­ten­den Trans­ak­tio­nen. Sie stel­len For­de­run­gen oder Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über der Euro­päi­schen Zen­tral­bank dar. Die Beschwer­de­füh­rer haben nicht auf­ge­zeigt, auf wel­che Wei­se und in wel­chem Umfang von der Durch­füh­rung des TAR­GE­T2-Sys­tems eine Beein­träch­ti­gung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges und damit ihrer Rech­te aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG aus­ge­hen könn­te.

Soweit sich der Beschwer­de­füh­rer mit Blick auf das TAR­GE­T2-Sys­tem gegen das Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung wen­det, dar­auf hin­zu­wir­ken, dass die TAR­GE­T2-Sal­den der Höhe nach begrenzt, regel­mä­ßig aus­ge­gli­chen und abge­baut wer­den, sowie gegen das Unter­las­sen, auf eine Ände­rung der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des Sys­tems der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken in dem Sin­ne hin­zu­wir­ken, dass die Geld­schöp­fung einer natio­na­len Zen­tral­bank pro­zen­tu­al nicht ihren Kapi­tal­an­teil an der Euro­päi­schen Zen­tral­bank über­stei­gen darf, hat er eine mög­li­che Ver­let­zung von Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG durch die gerüg­te Untä­tig­keit nicht auf­ge­zeigt. Er trägt inso­weit ledig­lich vor, dass sich das TAR­GE­T2-Sys­tem auf­grund eines Kon­struk­ti­ons­feh­lers der Wäh­rungs­uni­on zu einem Mecha­nis­mus ent­wi­ckelt habe, der auf die Haf­tungs­über­nah­me für Wil­lens­ent­schei­dun­gen frem­der Staa­ten hin­aus­lau­fe und über­dies das Demo­kra­tie­prin­zip ver­let­ze, weil die bestehen­den TAR­GE­T2-Sal­den die Ent­schei­dungs­frei­heit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – etwa mit Blick auf ein Ver­las­sen des Euro-Wäh­rungs­ge­biets – erheb­lich beein­träch­tig­ten. Er legt jedoch nicht dar, war­um die Ent­ste­hung der Sal­den gleich­be­deu­tend mit einem Haf­tungs­me­cha­nis­mus im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist und wie und in wel­cher Höhe sich auf­grund des ver­meint­li­chen Mecha­nis­mus Haf­tungs­ri­si­ken für den Bun­des­haus­halt erge­ben.

Ent­spre­chen­des gilt, soweit Beschwer­de­füh­rer die Fest­stel­lung begeh­ren, das Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung, Nich­tig­keits­kla­ge gemäß Art. 263 Abs. 1 und Abs. 2 AEUV beim Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gegen das TAR­GE­T2-Sys­tem zu erhe­ben, ver­let­ze Art. 38 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 79 Abs. 3 GG. Aller­dings machen die Beschwer­de­füh­rer zu II. auch gel­tend, die unkor­ri­gier­te Fort­füh­rung des TAR­GE­T2-Sys­tems stel­le einen aus­bre­chen­den Rechts­akt dar, der mit dem uni­ons­recht­li­chen Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung unver­ein­bar sei und daher der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on ent­beh­re. Inso­weit fehlt es indes an Dar­le­gun­gen dazu, inwie­fern das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken, indem es, wie behaup­tet, aus der Kre­dit­ver­ga­be ein­zel­ner Noten­ban­ken resul­tie­ren­de über­mä­ßi­ge TAR­GE­T2-Sal­den nicht regel­mä­ßig abbaue oder kom­pen­sie­re, in recht­li­cher Hin­sicht – nicht nur in bestimm­ter öko­no­mi­scher Per­spek­ti­ve – jen­seits sei­nes Man­dats han­delt. Bereits des­halb gibt das Beschwer­de­vor­brin­gen kei­nen Anlass, der Fra­ge nach­zu­ge­hen, inwie­weit die im BVerfG, Beschluss vom 14.01.2014 72 aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der Ver­fas­sungs­or­ga­ne ent­wi­ckel­ten Hand­lungs­pflich­ten hier von Bedeu­tung sein könn­ten.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­rer ist auch inso­weit unzu­läs­sig, als sie Maß­nah­men der Euro­päi­schen Zen­tral­bank im Zusam­men­hang mit der Refi­nan­zie­rung der Geschäfts­ban­ken bean­stan­det. Der Beschwer­de­vor­trag genügt bereits nicht den Min­dest­an­for­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG). Sie behaup­ten ledig­lich pau­schal, die Euro­päi­sche Zen­tral­bank akzep­tie­re unge­eig­ne­te Sicher­hei­ten.

Unzu­läs­sig sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den schließ­lich, soweit sie sich gegen die Anwen­dung bestimm­ter sekun­där­recht­li­cher Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on und des Euro-Plus-Pak­tes in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wen­den. Die Beschwer­de­füh­rer rügen inso­weit, die Rechts­ak­te des soge­nann­ten Six­pack sei­en aus­bre­chen­de Rechts­ak­te im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, weil sie eine Wirt­schafts­re­gie­rung der Euro­päi­schen Uni­on begrün­de­ten und damit ein wesent­li­cher Bau­stein eines Bun­des­staa­tes sei­en. Zugleich ent­leer­ten sie das Wahl­recht der Deut­schen, weil die Wäh­ler nicht län­ger über ihr wirt­schaft­li­ches Schick­sal bestim­men könn­ten.

Mit die­sem Vor­trag legen die Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung in ihrem Wahl­recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG weder unter dem Gesichts­punkt eines Ein­griffs in die von Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Ver­fas­sungs­iden­ti­tät noch unter dem Gesichts­punkt einer Ver­let­zung von Reak­ti­ons­pflich­ten deut­scher Staats­or­ga­ne auf qua­li­fi­zier­te Ultra-vires-Akte dar 73. Die pau­scha­le Behaup­tung, die sechs Sekun­där­rechts­ak­te des Six­packs begrün­de­ten eine Wirt­schafts­re­gie­rung der Euro­päi­schen Uni­on, genügt weder zur Dar­le­gung einer Ent­lee­rung des Wahl­rechts durch Ver­lust unver­zicht­ba­rer Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Deut­schen Bun­des­ta­ges noch zur Dar­le­gung eines etwai­gen Anspruchs auf Fest­stel­lung eines Ultra-vires-Han­delns der Euro­päi­schen Uni­on. Die Beschwer­de­füh­rer befas­sen sich weder mit den Ein­zel­hei­ten der von ihnen ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen noch damit, dass die­se sich eng an Art. 126 AEUV und die ent­spre­chen­de Staats­pra­xis anleh­nen. Über die Behaup­tung der Errich­tung einer "Wirt­schafts­dik­ta­tur" der Euro­päi­schen Uni­on hin­aus tra­gen sie zudem nichts Greif­ba­res zu erwart­ba­ren Aus­wir­kun­gen der im Six­pack gebün­del­ten Maß­nah­men vor. Ins­be­son­de­re bleibt offen, wes­halb der Deut­sche Bun­des­tag durch die Umset­zung der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen dar­an gehin­dert wer­den könn­te, eigen­stän­di­ge wirt­schafts­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

Auch soweit sich die Beschwer­de­füh­rer gegen die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1176/​2011 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.11.2011 über die Ver­mei­dung und Kor­rek­tur makro­öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te wen­den, legen sie eine mög­li­che Ver­let­zung von Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar. Die Rüge, die Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (Art. 121 Abs. 6 AEUV) sei unzu­tref­fend gewählt und dadurch sei­en zugleich wesent­li­che Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­kürzt wor­den, genügt dafür nicht. Ins­be­son­de­re ist nicht vor­ge­tra­gen, wel­che Mit­wir­kungs- und Infor­ma­ti­ons­rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­letzt wor­den sein sol­len.

Eben­so wenig sub­stan­ti­iert ist der Antrag auf Fest­stel­lung einer Ver­let­zung ihrer Rech­te durch den Euro-Plus-Pakt. Die Beschwer­de­füh­rer hal­ten die­sen für einen aus­bre­chen­den Rechts­akt, der dazu bei­trägt und bei­tra­gen soll, die Euro­päi­sche Uni­on zu einem Bun­des­staat zu ent­wi­ckeln. Inwie­fern der Euro-Plus-Pakt, der selbst Sank­tio­nen nicht vor­sieht 74 und zudem von den Beschwer­de­füh­rern als "Augen­wi­sche­rei" bezeich­net wird, gleich­wohl dem Deut­schen Bun­des­tag in einem Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG berüh­ren­den Umfang Kom­pe­ten­zen ent­zie­hen könn­te, erschließt sich nach dem Beschwer­de­vor­trag nicht. Die Beschwer­de­füh­rer zu II. begrün­den im Wesent­li­chen mit öko­no­mi­schen Argu­men­ten ledig­lich, war­um aus ihrer Sicht der Euro-Plus-Pakt einen wei­te­ren Schritt auf dem Weg zu einer mit der Sou­ve­rä­ni­tät des Deut­schen Vol­kes unver­ein­ba­ren Schul­den- und Finanz­uni­on dar­stellt.

Unzu­läs­sig ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de fer­ner, soweit gerügt wird, dass ein koor­di­nier­tes Vor­ge­hen von Euro­päi­schem Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und Euro­päi­scher Zen­tral­bank durch den Gesetz­ge­ber nicht aus­ge­schlos­sen 75 und ein aus­rei­chen­des Risi­ko­ma­nage­ment und ent­spre­chen­de Rech­nungs­le­gungs­vor­schrif­ten mit Blick auf den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nicht geschaf­fen wor­den sei­en. Es ist nicht erkenn­bar, inwie­weit allein dadurch sein Wahl­recht aus Art. 38 Abs.1 Satz 1 GG ent­leert sein könn­te.

Zur Zuläs­sig­keit des Organ­streit­ver­fah­rens[↑]

Der Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren ist nur zuläs­sig, soweit die Antrag­stel­le­rin gel­tend macht, durch die ange­grif­fe­nen Geset­ze ent­äu­ße­re sich der Deut­sche Bun­des­tag sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung; als Frak­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges ist sie inso­weit antrags­be­fugt (Art. 20 Abs.1 und Abs. 2, Art. 23 Abs. 1, Art. 110 GG, vgl. BVerfGE 123, 267, 338 f.; 132, 195, 237, Rn. 102).

Soweit die Antrag­stel­le­rin gel­tend macht, sie sei im Zusam­men­hang mit dem Gesetz zu dem Beschluss des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 zur Ände­rung des Art. 136 AEUV in ihrem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ver­letzt wor­den, an einem Kon­vent im Rah­men des ordent­li­chen Ver­trags­än­de­rungs­ver­fah­rens nach Art. 48 Abs. 2 bis Abs. 5 EUV teil­zu­neh­men, ist der Antrag man­gels Dar­le­gung einer Rechts­ver­let­zung im Sin­ne des § 64 Abs. 1 BVerfGG unzu­läs­sig 76.

Auch soweit die Antrag­stel­le­rin die im ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz vor­ge­se­he­ne funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen Haus­halts­aus­schuss und Ple­num rügt, hat sie die Mög­lich­keit einer Rechts­ver­let­zung nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Die Zuwei­sung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen an einen Aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges kann weder das Recht einer Frak­ti­on noch ein Recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­let­zen, das die Frak­ti­on im Wege der Pro­zess­stand­schaft gel­tend machen könn­te.

Frak­tio­nen im Deut­schen Bun­des­tag sind Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten, deren Rechts­stel­lung – eben­so wie der Sta­tus der Abge­ord­ne­ten – aus Art. 38 Abs. 1 GG abzu­lei­ten ist 77. Dem­entspre­chend haben die Frak­tio­nen ein aus Art. 38 Abs. 1 GG abge­lei­te­tes Recht auf glei­che Teil­ha­be an der par­la­men­ta­ri­schen Wil­lens­bil­dung 78; es gilt der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung der Frak­tio­nen 79. Die gleich­be­rech­tig­te Mit­wir­kung der Frak­tio­nen an der par­la­men­ta­ri­schen Wil­lens­bil­dung wird unter ande­rem durch den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz der Spie­gel­bild­lich­keit abge­si­chert, der dann zum Tra­gen kommt, wenn der Bun­des­tag sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung als Reprä­sen­ta­ti­ons­or­gan nicht durch die Mit­wir­kung aller sei­ner Mit­glie­der wahr­nimmt 80. Nach dem Grund­satz der Spie­gel­bild­lich­keit muss jede Unter­glie­de­rung des Bun­des­ta­ges ein ver­klei­ner­tes Abbild des Ple­nums sein und in ihrer Zusam­men­set­zung die Zusam­men­set­zung des Ple­nums in sei­ner poli­ti­schen Gewich­tung wider­spie­geln 81.

Dem Anspruch einer Frak­ti­on auf Gleich­be­hand­lung mit den ande­ren Frak­tio­nen ist mit Blick auf die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung inner­halb des Par­la­ments aller­dings Genü­ge getan, wenn der Aus­schuss gemäß § 12 GOBT der Gewich­tung der im Ple­num ver­tre­te­nen Frak­tio­nen ent­spre­chend besetzt und dem Grund­satz der Spie­gel­bild­lich­keit Rech­nung getra­gen ist 82. Wei­ter­ge­hen­de Rech­te erge­ben sich für die Frak­tio­nen aus Art. 38 Abs. 1 GG inso­weit nicht. Die im ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz vor­ge­se­he­ne Zuwei­sung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen an den Haus­halts­aus­schuss berührt die Antrag­stel­le­rin daher nicht in ihren ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­ten.

Die Antrag­stel­le­rin kann aber auch nicht die durch die­se Zuwei­sung berühr­ten Rech­te ihrer Mit­glie­der im Weg der Pro­zess­stand­schaft durch­set­zen. Zwar führt jede Dele­ga­ti­on von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen auf eine Unter­glie­de­rung des Par­la­ments dazu, dass das Recht der ihr nicht ange­hö­ren­den Abge­ord­ne­ten, als Ver­tre­ter des gan­zen Vol­kes glei­cher­ma­ßen an der Legi­ti­ma­ti­on und Kon­trol­le der Staats­ge­walt teil­zu­ha­ben (Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG), berührt wird. Dies kann jedoch nur von den betrof­fe­nen Abge­ord­ne­ten selbst gel­tend gemacht wer­den. Eine Pro­zess­stand­schaft der Frak­ti­on wür­de auch dem frei­en Man­dat wider­spre­chen. Sie wür­de es ermög­li­chen, dass die Aus­übung der Abge­ord­ne­ten­rech­te nicht von der Gewis­sens­ent­schei­dung des ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten abhin­ge, son­dern von einem Mehr­heits­be­schluss der Frak­ti­on oder gar nur einer Ent­schei­dung der Frak­ti­ons­füh­rung 83.

Die Zuwei­sung einer par­la­men­ta­ri­schen Auf­ga­be an einen Aus­schuss ver­letzt auch kein Recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, das die Antrag­stel­le­rin im Wege der Pro­zess­stand­schaft für die­sen gel­tend machen könn­te, auch wenn die Zuwei­sung die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen 84 nicht erfüll­te und des­halb gegen das Demo­kra­tie­prin­zip ver­stie­ße. Das von Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG geschütz­te Demo­kra­tie­prin­zip ist kein Recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, auch nicht, soweit es durch Art. 79 Abs. 3 GG für unan­tast­bar erklärt wird 85. Für einen Organ­streit ist inso­weit kein Raum, weil die­ses Ver­fah­ren auf die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes aus Anlass von Strei­tig­kei­ten über Rech­te und Pflich­ten von Ver­fas­sungs­or­ga­nen zielt. Das Organ­streit­ver­fah­ren dient der gegen­sei­ti­gen Abgren­zung von Kom­pe­ten­zen der Ver­fas­sungs­or­ga­ne oder ihrer Tei­le in einem Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis, nicht der davon los­ge­lös­ten Kon­trol­le der objek­ti­ven Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines bestimm­ten Organ­han­delns 86.

Der Antrag ist schließ­lich unzu­läs­sig, soweit die Antrag­stel­le­rin mit Blick auf das ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz gel­tend macht, beson­ders bedeut­sa­me Maß­nah­men des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus wie die Erhö­hung des Stamm­ka­pi­tals bedürf­ten wegen ihrer Bedeu­tung für die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung ent­spre­chend Art. 23 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 1 und Satz 3 und Art. 79 Abs. 2 GG der Zustim­mung von zwei Drit­teln der Mit­glie­der von Bun­des­tag und Bun­des­rat. Eine Ver­let­zung eige­ner Rech­te oder von Rech­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges, die im Organ­streit gel­tend gemacht wer­den könn­ten, ist damit nicht vor­ge­tra­gen. Art. 79 Abs. 2 GG – auch in Ver­bin­dung mit Art. 23 Abs. 1 Satz 3 GG – ist eine Regel des objek­ti­ven Ver­fas­sungs­rechts, die die Wil­lens­bil­dung inner­halb des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes betrifft 54. Sie ver­leiht der Antrag­stel­le­rin – abge­se­hen von den Fäl­len einer Ultra-vires-Kon­stel­la­ti­on 55 kei­ne eige­nen oder abge­lei­te­ten Rech­te, weil der Umfang der Rech­te der Frak­tio­nen und des Bun­des­ta­ges nicht davon abhängt, mit wel­cher Mehr­heit der Bun­des­tag sei­ne Beschlüs­se fasst.

Das grund­rechts­gleich geschütz­te Wahl­recht und das Demo­kratie­prinzip[↑]

Das durch Art. 38 Abs. 1 GG geschütz­te Wahl­recht gewähr­leis­tet als grund­rechts­glei­ches Recht die Selbst­be­stim­mung der Bür­ger und garan­tiert die freie und glei­che Teil­ha­be an der in Deutsch­land aus­ge­üb­ten Staats­ge­walt 87. Sein Gewähr­leis­tungs­ge­halt umfasst die Grund­sät­ze des Demo­kra­tie­ge­bots im Sin­ne von Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG, die Art. 79 Abs. 3 GG als Iden­ti­tät der Ver­fas­sung auch vor dem Zugriff durch den ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­ber schützt 88. Vor die­sem Hin­ter­grund muss der Gesetz­ge­ber aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen tref­fen, um sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung dau­er­haft erfül­len zu kön­nen. Er darf sich nament­lich sei­nes Bud­get­rechts nicht bege­ben.

Das Grund­ge­setz unter­sagt nicht nur die Über­tra­gung der Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz auf die Euro­päi­sche Uni­on oder im Zusam­men­hang mit ihr geschaf­fe­ne Ein­rich­tun­gen 89. Auch Blan­ket­ter­mäch­ti­gun­gen zur Aus­übung öffent­li­cher Gewalt dür­fen die deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­ne nicht ertei­len 90. Dyna­mi­sche Ver­trags­vor­schrif­ten müs­sen des­halb, wenn sie noch in einer Wei­se aus­ge­legt wer­den kön­nen, die die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung wahrt, jeden­falls an geeig­ne­te Siche­run­gen zur effek­ti­ven Wahr­neh­mung die­ser Ver­ant­wor­tung geknüpft wer­den. Für Grenz­fäl­le des noch ver­fas­sungs­recht­lich Zuläs­si­gen muss der Gesetz­ge­ber gege­be­nen­falls mit sei­nen die Zustim­mung beglei­ten­den Geset­zen wirk­sa­me Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass sich sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung hin­rei­chend ent­fal­ten kann 91.

Art. 38 Abs. 1 GG wird ins­be­son­de­re ver­letzt, wenn sich der Deut­sche Bun­des­tag sei­ner Haus­halts­ver­ant­wor­tung dadurch ent­äu­ßert, dass er oder zukünf­ti­ge Bun­des­ta­ge das Bud­get­recht nicht mehr in eige­ner Ver­ant­wor­tung aus­üben kön­nen 92. Die Ent­schei­dung über Ein­nah­men und Aus­ga­ben der öffent­li­chen Hand ist grund­le­gen­der Teil der demo­kra­ti­schen Selbst­ge­stal­tungs­fä­hig­keit im Ver­fas­sungs­staat 93. Der Bun­des­tag muss des­halb dem Volk gegen­über ver­ant­wort­lich über Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­schei­den. Inso­fern stellt das Bud­get­recht ein zen­tra­les Ele­ment der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung dar 94, das auch in einem Sys­tem inter­gou­ver­ne­men­ta­len Regie­rens Beach­tung ver­langt. Die Haus­halts­au­to­no­mie der natio­na­len Par­la­men­te wird durch uni­ons­recht­li­che Vor­keh­run­gen abge­si­chert und nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass sich die Mit­glied­staa­ten zu einer bestimm­ten Fis­kal­po­li­tik ver­pflich­ten. Die Über­schrei­tung einer unmit­tel­bar aus dem Demo­kra­tie­prin­zip des Grund­ge­set­zes ableit­ba­ren Ober­gren­ze von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen und Haf­tungs­zu­sa­gen kommt allen­falls in Betracht, wenn im Ein­tritts­fall die Haus­halts­au­to­no­mie zumin­dest für einen nen­nens­wer­ten Zeit­raum nicht nur ein­ge­schränkt wür­de, son­dern prak­tisch voll­stän­dig leer­lie­fe.

Auch in einem Sys­tem inter­gou­ver­ne­men­ta­len Regie­rens müs­sen die gewähl­ten Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges als Reprä­sen­tan­ten des Vol­kes die Kon­trol­le über grund­le­gen­de haus­halts­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen behal­ten. Mit der Öff­nung für die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit und die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on bin­det sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht nur recht­lich, son­dern auch finanz­po­li­tisch. Selbst wenn sol­che Bin­dun­gen einen erheb­li­chen Umfang anneh­men, wird das Bud­get­recht nicht ohne Wei­te­res in einer über Art. 38 Abs. 1 GG rüge­fä­hi­gen Wei­se ver­letzt. Für die Ein­hal­tung des Demo­kra­tie­ge­bots kommt es viel­mehr ent­schei­dend dar­auf an, dass der Bun­des­tag der Ort bleibt, an dem eigen­ver­ant­wort­lich über Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­schie­den wird, auch im Hin­blick auf inter­na­tio­na­le und euro­päi­sche Ver­bind­lich­kei­ten 95. Wür­de über wesent­li­che haus­halts­po­li­ti­sche Fra­gen ohne kon­sti­tu­ti­ve Zustim­mung des Bun­des­ta­ges ent­schie­den oder wür­den über­staat­li­che Rechts­pflich­ten ohne ent­spre­chen­de Wil­lens­ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges begrün­det, so gerie­te das Par­la­ment in die Rol­le des blo­ßen Nach­voll­zugs und könn­te die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung im Rah­men sei­nes Bud­get­rechts nicht mehr wahr­neh­men 96.

Der Bun­des­tag darf sei­ne Bud­get­ver­ant­wor­tung nicht durch unbe­stimm­te haus­halts­po­li­ti­sche Ermäch­ti­gun­gen auf ande­re Akteu­re über­tra­gen. Je grö­ßer das finan­zi­el­le Aus­maß von Haf­tungs­über­nah­men oder Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen ist, umso wirk­sa­mer müs­sen Zustim­mungs- und Ableh­nungs­rech­te sowie Kon­troll­be­fug­nis­se des Bun­des­ta­ges aus­ge­stal­tet wer­den. Ins­be­son­de­re darf die­ser sich kei­nen finanz­wirk­sa­men Mecha­nis­men aus­lie­fern, die – sei es auf­grund ihrer Gesamt­kon­zep­ti­on, sei es auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung der Ein­zel­maß­nah­men – zu nicht über­schau­ba­ren haus­halts­be­deut­sa­men Belas­tun­gen ohne vor­he­ri­ge kon­sti­tu­ti­ve Zustim­mung füh­ren kön­nen, sei­en es Aus­ga­ben oder Ein­nah­me­aus­fäl­le. Die­ses Ver­bot, sich der Bud­get­ver­ant­wor­tung zu ent­äu­ßern, beschränkt nicht etwa unzu­läs­sig die Haus­halts­kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers, son­dern zielt gera­de auf deren Bewah­rung 97.

Eine not­wen­di­ge Bedin­gung für die Siche­rung poli­ti­scher Frei­räu­me im Sin­ne des Iden­ti­täts­kerns der Ver­fas­sung (Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 79 Abs. 3 GG) besteht dar­in, dass der Haus­halts­ge­setz­ge­ber sei­ne Ent­schei­dun­gen über Ein­nah­men und Aus­ga­ben frei von Fremd­be­stim­mung sei­tens der Orga­ne und ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on trifft und dau­er­haft "Herr sei­ner Ent­schlüs­se" bleibt 98. Es ist zwar in ers­ter Linie Sache des Bun­des­ta­ges selbst, in Abwä­gung aktu­el­ler Bedürf­nis­se mit den Risi­ken mit­tel- und lang­fris­ti­ger Gewähr­leis­tun­gen dar­über zu befin­den, in wel­cher Gesamt­hö­he Gewähr­leis­tungs­sum­men noch ver­ant­wort­bar sind 99. Aus der demo­kra­ti­schen Ver­an­ke­rung der Haus­halts­au­to­no­mie folgt jedoch, dass der Bun­des­tag einem inter­gou­ver­ne­men­tal oder supra­na­tio­nal ver­ein­bar­ten, nicht an strik­te Vor­ga­ben gebun­de­nen und in sei­nen Aus­wir­kun­gen nicht begrenz­ten Bürg­schafts- oder Leis­tungs­au­to­ma­tis­mus nicht zustim­men darf, der – ein­mal in Gang gesetzt – sei­ner Kon­trol­le und Ein­wir­kung ent­zo­gen ist 100.

Es dür­fen zudem kei­ne dau­er­haf­ten völ­ker­ver­trags­recht­li­chen Mecha­nis­men begrün­det wer­den, die auf eine Haf­tungs­über­nah­me für Wil­lens­ent­schei­dun­gen ande­rer Staa­ten hin­aus­lau­fen, vor allem wenn sie mit schwer kal­ku­lier­ba­ren Fol­ge­wir­kun­gen ver­bun­den sind. Jede aus­ga­ben­wirk­sa­me soli­da­ri­sche Hilfs­maß­nah­me des Bun­des grö­ße­ren Umfangs im inter­na­tio­na­len oder unio­na­len Bereich muss vom Bun­des­tag im Ein­zel­nen bewil­ligt wer­den. Soweit über­staat­li­che Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen wer­den, die auf­grund ihrer Grö­ßen­ord­nun­gen für das Bud­get­recht von struk­tu­rel­ler Bedeu­tung sein kön­nen, etwa durch Über­nah­me von Bürg­schaf­ten, deren Ein­lö­sung die Haus­halts­au­to­no­mie gefähr­den kann, oder durch Betei­li­gung an ent­spre­chen­den Finanz­si­che­rungs­sys­te­men, bedarf nicht nur jede ein­zel­ne Dis­po­si­ti­on der Zustim­mung des Bun­des­ta­ges; es muss dar­über hin­aus gesi­chert sein, dass wei­ter­hin hin­rei­chen­der par­la­men­ta­ri­scher Ein­fluss auf die Art und Wei­se des Umgangs mit den zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­teln besteht 101. Die den Bun­des­tag im Hin­blick auf die Über­tra­gung von Kom­pe­ten­zen auf die Euro­päi­sche Uni­on tref­fen­de Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung 102 fin­det hier­in ihre Ent­spre­chung für haus­halts­wirk­sa­me Maß­nah­men ver­gleich­ba­ren Gewichts 103.

Der Deut­sche Bun­des­tag kann sei­ne haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung nicht ohne aus­rei­chen­de Infor­ma­tio­nen über die von ihm zu ver­ant­wor­ten­den Ent­schei­dun­gen von haus­halts­recht­li­cher Bedeu­tung wahr­neh­men. Das Demo­kra­tie­prin­zip des Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG gebie­tet daher, dass er an die­je­ni­gen Infor­ma­tio­nen gelan­gen muss, die er für eine Abschät­zung der wesent­li­chen Grund­la­gen und Kon­se­quen­zen sei­ner Ent­schei­dung benö­tigt (vgl. nur Art. 43 Abs. 1, Art. 44 GG) 104. Die­ser Grund­satz gilt nicht nur im natio­na­len Haus­halts­recht (vgl. etwa Art. 114 GG), son­dern auch in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on (vgl. Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG; vgl. BVerfGE 132, 195, 242, Rn. 111).

Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges wird seit dem Ein­tritt in die drit­te Stu­fe der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on durch die Bestim­mun­gen des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on und des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on abge­si­chert. Die­se Bestim­mun­gen ste­hen der natio­na­len Haus­halts­au­to­no­mie als einer wesent­li­chen, nicht ent­äu­ßer­ba­ren Kom­pe­tenz der unmit­tel­bar demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Par­la­men­te der Mit­glied­staa­ten nicht ent­ge­gen, son­dern set­zen sie vor­aus 105.

Die Ver­pflich­tung des Haus­halts­ge­setz­ge­bers auf eine bestimm­te Haus­halts- und Fis­kal­po­li­tik ist – unge­ach­tet des auf prin­zi­pi­el­le recht­li­che Rever­si­bi­li­tät ange­leg­ten Demo­kra­tie­prin­zips aus Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG – nicht von vorn­her­ein demo­kra­tie­wid­rig 106. Sie kann grund­sätz­lich auch durch die Über­tra­gung wesent­li­cher haus­halts­po­li­ti­scher Ent­schei­dun­gen auf Orga­ne einer supra- oder inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on oder die Über­nah­me ent­spre­chen­der völ­ker­recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen erfol­gen. Die Ent­schei­dung, ob und in wel­chem Umfang dies sinn­voll ist, obliegt in ers­ter Linie dem Gesetz­ge­ber.

Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber hat durch die tat­be­stand­li­che Kon­kre­ti­sie­rung und sach­li­che Ver­schär­fung der Regeln für die Kre­dit­auf­nah­me von Bund und Län­dern (ins­be­son­de­re Art. 109 Abs. 3 und Abs. 5, Art. 109a, Art. 115 GG n.F., Art. 143d Abs. 1 GG) klar­ge­stellt, dass eine Selbst­bin­dung der Par­la­men­te und die damit ver­bun­de­ne fühl­ba­re Beschrän­kung ihrer haus­halts­po­li­ti­schen Hand­lungs­fä­hig­keit gera­de im Inter­es­se einer lang­fris­ti­gen Erhal­tung der demo­kra­ti­schen Gestal­tungs­fä­hig­keit not­wen­dig sein kön­nen 51. Mag eine der­ar­ti­ge Bin­dung die demo­kra­ti­schen Gestal­tungs­spiel­räu­me in der Gegen­wart auch beschrän­ken, so dient sie doch zugleich deren Siche­rung für die Zukunft. Zwar stellt auch eine lang­fris­tig besorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung des Schul­den­stan­des kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­te Beein­träch­ti­gung der Kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers zu einer situa­ti­ons­ab­hän­gi­gen dis­kre­tio­nä­ren Fis­kal­po­li­tik dar. Den­noch führt sie zu einer fak­ti­schen Ver­en­gung von Ent­schei­dungs­spiel­räu­men 107. Deren Ver­mei­dung ist ein legi­ti­mes (verfassungs-)gesetzgeberisches Ziel 108.

Die Ver­pflich­tung des Haus­halts­ge­setz­ge­bers auf eine bestimm­te Haus­halts- und Fis­kal­po­li­tik kann grund­sätz­lich auch auf der Basis des Uni­ons- oder Völ­ker­rechts erfol­gen.

Die im Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on nie­der­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen an eine trag­fä­hi­ge Haus­halts­wirt­schaft (Art. 123 bis Art. 126, Art. 136 AEUV) begren­zen den Spiel­raum des natio­na­len Gesetz­ge­bers bei der Wahr­neh­mung sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung. Ver­gleich­ba­res gilt – sei­ne Über­ein­stim­mung mit dem Pri­mär­recht, die hier nicht zu unter­su­chen ist, unter­stellt – für das unio­na­le Sekun­där­recht 109.

Es steht den Mit­glied­staa­ten im Übri­gen frei, über die bestehen­den wirt­schafts- und haus­halts­po­li­ti­schen Bin­dun­gen des Uni­ons­rechts hin­aus wei­te­re Bin­dun­gen ein­zu­ge­hen, soweit die­se nicht in Wider­spruch zu den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben gera­ten (vgl. Art. 4 Abs. 3 EUV). Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kann daher inner­staat­lich stren­ge­re Rege­lun­gen für ihre Haus­halts­po­li­tik ein­füh­ren und sich auch ent­spre­chend ver­trag­lich ver­pflich­ten 110.

Dabei ist es in ers­ter Linie Sache des Gesetz­ge­bers, abzu­wä­gen, ob und in wel­chem Umfang zur Erhal­tung demo­kra­ti­scher Gestal­tungs- und Ent­schei­dungs­spiel­räu­me auch für die Zukunft Bin­dun­gen in Bezug auf das Aus­ga­be­ver­hal­ten gebo­ten und des­halb – spie­gel­bild­lich – eine Ver­rin­ge­rung des Gestal­tungs- und Ent­schei­dungs­spiel­raums in der Gegen­wart hin­zu­neh­men ist. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann sich hier nicht mit eige­ner Sach­kom­pe­tenz an die Stel­le der dazu zuvör­derst beru­fe­nen Gesetz­ge­bungs­kör­per­schaf­ten set­zen 111. Es hat jedoch sicher­zu­stel­len, dass der demo­kra­ti­sche Pro­zess offen bleibt, auf­grund ande­rer Mehr­heits­ent­schei­dun­gen recht­li­che Umwer­tun­gen erfol­gen kön­nen 112 und eine irrever­si­ble recht­li­che Prä­ju­di­zie­rung künf­ti­ger Genera­tio­nen ver­mie­den wird 113.

Ob und inwie­weit sich unmit­tel­bar aus dem Demo­kra­tie­prin­zip dar­über hin­aus eine jus­ti­zia­ble Begren­zung der Über­nah­me von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen oder Haf­tungs­zu­sa­gen her­lei­ten lässt, muss­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis­lang nicht ent­schei­den. Eine unmit­tel­bar aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­de Ober­gren­ze könn­te allen­falls über­schrit­ten sein, wenn sich die Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen und Haf­tungs­zu­sa­gen im Ein­tritts­fall so aus­wirk­ten, dass die Haus­halts­au­to­no­mie jeden­falls für einen nen­nens­wer­ten Zeit­raum nicht nur ein­ge­schränkt wür­de, son­dern prak­tisch voll­stän­dig leer­lie­fe. Dies kommt nur bei einer evi­den­ten Über­schrei­tung äußers­ter Gren­zen in Betracht 114.

Bei der Prü­fung, ob der Umfang von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen und Haf­tungs­zu­sa­gen zu einer Ent­äu­ße­rung der Haus­halts­au­to­no­mie des Bun­des­ta­ges füh­ren könn­te, ver­fügt der Gesetz­ge­ber nament­lich mit Blick auf die Fra­ge der Ein­tritts­ri­si­ken und die zu erwar­ten­den Fol­gen für die Hand­lungs­frei­heit des Haus­halts­ge­setz­ge­bers über einen wei­ten Ein­schät­zungs­spiel­raum. Das gilt auch für die Abschät­zung der künf­ti­gen Trag­fä­hig­keit des Bun­des­haus­hal­tes und des wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­ver­mö­gens der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 115, ein­schließ­lich der Berück­sich­ti­gung der Fol­gen alter­na­ti­ver Hand­lungs­op­tio­nen 116.

Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit des ESM[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben haben die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und das Organ­streit­ver­fah­ren kei­nen Erfolg. Gegen das Gesetz zu dem Beschluss des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 zur Ände­rung des Arti­kels 136 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on hin­sicht­lich eines Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus für die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist, bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Das Gesetz zu dem Beschluss des Euro­päi­schen Rates vom 25.03.2011 zur Ände­rung des Arti­kels 136 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on hin­sicht­lich eines Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus für die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist, ver­letzt die Beschwer­de­füh­rer und die Antrag­stel­le­rin zu VII. nicht in ihren Rech­ten aus Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG. Ins­be­son­de­re führt Art. 136 Abs. 3 AEUV nicht zum Ver­lust der Haus­halts­au­to­no­mie des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Art. 136 Abs. 3 AEUV ist hin­rei­chend bestimmt.

Art. 136 Abs. 3 AEUV ver­letzt weder das Demo­kra­tie­ge­bot noch sons­ti­ge ver­fas­sungs­recht­li­che Anfor­de­run­gen an die Aus­ge­stal­tung der Wäh­rungs­uni­on.

Mit Art. 136 Abs. 3 AEUV wird weder ein finanz­wirk­sa­mer Mecha­nis­mus in Gang gesetzt noch wer­den haus­halts­po­li­ti­sche Ermäch­ti­gun­gen auf ande­re Akteu­re über­tra­gen. Art. 136 Abs. 3 AEUV ermög­licht den Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ledig­lich, einen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zur Gewäh­rung von Finanz­hil­fen auf völ­ker­ver­trag­li­cher Grund­la­ge zu instal­lie­ren und bestä­tigt inso­fern die fort­dau­ern­de Herr­schaft der Mit­glied­staa­ten über die Ver­trä­ge. Inwie­weit die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung des auf der Grund­la­ge von Art. 136 Abs. 3 AEUV errich­te­ten Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus selbst ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt, betrifft nicht die hier maß­geb­li­che Fra­ge, ob der Deut­sche Bun­des­tag der Ein­füh­rung des Art. 136 Abs. 3 AEUV unter Wah­rung des durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Kern­be­reichs zustim­men durf­te 117.

Zwar bedeu­ten die Auf­nah­me von Art. 136 Abs. 3 AEUV und die Errich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus – aus­ge­hend von dem Ver­trags­ver­ständ­nis, in dem Deutsch­land die Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on mit­be­grün­det hat – durch­aus eine grund­le­gen­de Umge­stal­tung der ursprüng­li­chen Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on, weil sich die­se damit, wenn auch in begrenz­tem Umfang, von dem sie bis­lang cha­rak­te­ri­sie­ren­den Prin­zip der Eigen­stän­dig­keit der natio­na­len Haus­hal­te gelöst hat 118. Die sta­bi­li­täts­ge­rich­te­te Aus­rich­tung der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on wird damit jedoch nicht auf­ge­ge­ben. Ver­fas­sungs­recht­lich wesent­li­che Bestand­tei­le der Wäh­rungs­uni­on 119 wie die Unab­hän­gig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (vgl. Art. 130 AEUV), ihre Ver­pflich­tung auf das vor­ran­gi­ge Ziel der Preis­sta­bi­li­tät (vgl. Art. 127 AEUV) und das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung (Art. 123 AEUV) wer­den nicht berührt. Art. 136 Abs. 3 AEUV befreit die Mit­glied­staa­ten nicht von der Ver­pflich­tung zur Haus­halts­dis­zi­plin (vgl. Art. 126, Art. 136 Abs. 1 AEUV) und ist im Übri­gen ersicht­lich als Aus­nah­me­vor­schrift kon­zi­piert 120.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Wäh­rungs­uni­on um die Mög­lich­keit akti­ver Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men zu ergän­zen, sowie die damit ver­bun­de­ne Pro­gno­se, mit sol­chen Maß­nah­men die Sta­bi­li­tät der Wäh­rungs­uni­on gewähr­leis­ten und fort­ent­wi­ckeln zu kön­nen 121, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­sichts des Ein­schät­zungs­spiel­raums der zustän­di­gen Ver­fas­sungs­or­ga­ne grund­sätz­lich auch inso­weit zu respek­tie­ren, als Risi­ken für die Preis­sta­bi­li­tät auf­grund die­ser Ent­schei­dung nicht aus­zu­schlie­ßen sind 122.

Art. 136 Abs. 3 AEUV ist auch hin­rei­chend bestimmt. Durch die Norm wer­den kei­ne Hoheits­rech­te über­tra­gen. Sie regelt ledig­lich den Ein­satz des Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, unter­wirft ihn restrik­ti­ven Bedin­gun­gen und löst für sich genom­men – unter dem Blick­win­kel von Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG – kei­ne die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne sichern­den Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit der Norm aus 123.

Auf­trag an den Gesetz­ge­ber[↑]

Der Gesetz­ge­ber hat jedoch durch­ge­hend sicher­zu­stel­len, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Kapi­tal­ab­ru­fen nach Art. 9 ESMV, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit Art. 25 ESMV, frist­ge­recht und voll­stän­dig nach­kom­men kann.

Das Gesetz zu dem Ver­trag vom 02.02.2012 zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus trägt den Anfor­de­run­gen der Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG Rech­nung. Die Bestim­mun­gen des ESM-Ver­tra­ges sind mit der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­ein­bar. Eine Ver­let­zung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ergibt sich ins­be­son­de­re nicht aus dem Umfang der Zah­lungs­pflich­ten, die Deutsch­land bei der Errich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ein­ge­gan­gen ist. Deren abso­lu­te Höhe über­schrei­tet nicht aus dem Demo­kra­tie­prin­zip allen­falls ableit­ba­re äußers­te Gren­zen. Soweit nach dem Ver­trags­wort­laut eine der Höhe nach unbe­grenz­te Zah­lungs­pflicht zumin­dest denk­bar erscheint, wird die Gefahr einer sol­chen Aus­le­gung jeden­falls durch die gemein­sa­me Erklä­rung der ESM-Mit­glie­der vom 27.09.2012 sowie die ein­sei­ti­ge Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vom sel­ben Tage in völ­ker­recht­lich ver­bind­li­cher Wei­se aus­ge­schlos­sen. Für Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, die die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges betref­fen, ist jeden­falls der­zeit gesi­chert, dass sie nicht gegen die Stim­men der deut­schen Ver­tre­ter in den Orga­nen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus erge­hen kön­nen, der Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Par­la­ment und dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus also nicht unter­bro­chen wird. Die Rege­lung über die Aus­set­zung der Stimm­rech­te nach Art. 4 Abs. 8 ESMV ist mit der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ver­ein­bar. Aller­dings muss haus­halts­recht­lich durch­ge­hend sicher­ge­stellt sein, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Kapi­tal­ab­ru­fen nach Art. 9 ESMV, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit Art. 25 Abs. 2 ESMV, frist­ge­recht und voll­stän­dig nach­kom­men kann. Die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le der Tätig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ist gewähr­leis­tet. Die Mög­lich­keit einer Aus­ga­be von Antei­len am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu einem vom Nenn­wert abwei­chen­den Kurs nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV führt, für sich genom­men, eben­so wenig zu einer Gefähr­dung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung wie das Risi­ko aus der Geschäfts­tä­tig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus erwach­sen­der finanz­wirk­sa­mer Ver­lus­te. Eine Erwei­te­rung der bestehen­den Zah­lungs­pflich­ten Deutsch­lands im Wege der Kapi­tal­erhö­hung ist zwar mög­lich, bedürf­te aber der Zustim­mung der gesetz­ge­ben­den Kör­per­schaf­ten; eine völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung zur Vor­nah­me einer sol­chen Kapi­tal­erhö­hung besteht nicht. Schließ­lich begrün­det der ESM-Ver­trag auch kei­ne unauf­lös­ba­re Bin­dung Deutsch­lands.

Eine unmit­tel­bar aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­de Ober­gren­ze für Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen und Haf­tungs­zu­sa­gen könn­te, wie dar­ge­legt, allen­falls über­schrit­ten sein, wenn die Haus­halts­au­to­no­mie des Bun­des­ta­ges zumin­dest für einen nen­nens­wer­ten Zeit­raum prak­tisch voll­stän­dig leer­lie­fe 124. Dabei ver­fügt der Gesetz­ge­ber nament­lich mit Blick auf die Fra­ge der Ein­tritts­ri­si­ken und die zu erwar­ten­den Fol­gen für sei­ne Hand­lungs­frei­heit über einen wei­ten Ein­schät­zungs­spiel­raum, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich zu respek­tie­ren hat.

Aus der abso­lu­ten Höhe der mit der Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ein­ge­gan­ge­nen Zah­lungs­pflich­ten Deutsch­lands von der­zeit 190, 0248 Mil­li­ar­den Euro lässt sich vor die­sem Hin­ter­grund kei­ne Beein­träch­ti­gung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ablei­ten. Die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Ein­schät­zung, die sich aus der Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus erge­ben­den Zah­lungs­pflich­ten führ­ten – auch unter Berück­sich­ti­gung der deut­schen Betei­li­gung an der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät, der der Hel­le­ni­schen Repu­blik gewähr­ten bila­te­ra­len Finanz­hil­fen sowie der Risi­ken aus der Teil­nah­me am Euro­päi­schen Sys­tem der Zen­tral­ban­ken und dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds – nicht zu einem voll­stän­di­gen Leer­lau­fen der Haus­halts­au­to­no­mie, ist jeden­falls nicht evi­dent feh­ler­haft und daher vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­zu­neh­men 125.

Mit dem Bei­tritt zum Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ist die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kei­ne der Höhe nach unbe­schränk­ten oder nicht hin­rei­chend abseh­ba­ren Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen ein­ge­gan­gen.

Die in Art. 8 Abs. 5 Satz 1 ESMV gere­gel­te aus­drück­li­che Haf­tungs­be­schrän­kung der ESM-Mit­glie­der auf ihren jewei­li­gen Anteil am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal begrenzt die haus­halts­wirk­sa­men Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Zusam­men­hang mit dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus der­zeit ver­bind­lich auf 190, 0248 Mil­li­ar­den Euro 126.

Zwar erschien im Hin­blick auf die Rege­lun­gen über den revi­dier­ten erhöh­ten Kapi­tal­ab­ruf (Art. 9 Abs. 2 und Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Art. 25 Abs. 2 ESMV) zunächst auch eine Aus­le­gung des Ver­trags­wort­lauts mög­lich, auf deren Grund­la­ge sich eine Ver­let­zung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges hät­te erge­ben kön­nen 127; eine sol­che Inter­pre­ta­ti­on ist jedoch durch die gemein­sa­me Aus­le­gungs­er­klä­rung der Ver­trags­par­tei­en des ESM-Ver­tra­ges vom 27.09.2012 1 und die gleich­lau­ten­de ein­sei­ti­ge Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 2 völ­ker­recht­lich wirk­sam aus­ge­schlos­sen wor­den 128. Nach die­sen Erklä­run­gen begrenzt Art. 8 Abs. 5 ESMV sämt­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen der ESM-Mit­glie­der aus dem Ver­trag in dem Sin­ne, dass kei­ne Vor­schrift des Ver­tra­ges so aus­ge­legt wer­den kann, dass sie ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung des Ver­tre­ters des Mit­glieds und ohne Berück­sich­ti­gung der natio­na­len Ver­fah­ren zu einer Zah­lungs­ver­pflich­tung führt, die den Anteil am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal des jewei­li­gen ESM-Mit­glieds gemäß der Fest­le­gung in Anhang II des Ver­tra­ges über­steigt 129.

Soweit der Beschwer­de­füh­rer zu V. die völ­ker­recht­li­che Wirk­sam­keit der ein­sei­ti­gen Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Aus­le­gung des ESM-Ver­tra­ges vom 27.09.2012 bezwei­felt, kommt es dar­auf im Ergeb­nis nicht an, da die Erklä­rung mit glei­chem Wort­laut von allen Mit­glie­dern des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus abge­ge­ben wur­de.

Die Wahr­neh­mung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung durch den Bun­des­tag setzt fer­ner vor­aus, dass der Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und dem Par­la­ment unter kei­nen Umstän­den unter­bro­chen wird 130.

Soweit die Ent­schei­dun­gen der ESM-Orga­ne die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung betref­fen (kön­nen) – das ist jeden­falls bei den in Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be b, f, i und l ESMV genann­ten Beschlüs­sen vor­stell­bar, wird der not­wen­di­ge Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang dadurch gewähr­leis­tet, dass die­se Beschlüs­se nicht gegen die Stim­me des deut­schen Ver­tre­ters in den ESM-Orga­nen gefasst wer­den kön­nen 131. Da die Beschlüs­se nach Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be b, f, i und l ESMV ein­stim­mig erge­hen (Art. 4 Abs. 3 ESMV) und im Fall des soge­nann­ten Dring­lich­keits­ab­stim­mungs­ver­fah­rens nach Art. 4 Abs. 4 Satz 2 ESMV eine qua­li­fi­zier­te Mehr­heit von 85 % der Stim­men erfor­der­lich ist, ist eine Ent­schei­dung gegen die Stim­me des deut­schen Ver­tre­ters, der der­zeit über 27, 1464% der Stimm­rech­te ver­fügt (Art. 4 Abs. 7 ESMV i.V.m. Anhang I), in den genann­ten Fäl­len aus­ge­schlos­sen. Das gilt auch für alle wei­te­ren Beschlüs­se der ESM-Orga­ne, soweit die­se im Ein­zel­fall die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung betref­fen soll­ten: Die Beschlüs­se der ESM-Orga­ne set­zen – von den Fäl­len der Art. 9 Abs. 2 und Art. 23 Abs. 1 Satz 1 ESMV abge­se­hen – zumin­dest eine qua­li­fi­zier­te Mehr­heit von 80% der Stimm­rech­te (Art. 4 Abs. 5 ESMV) vor­aus, so dass auch im ESM-Ver­trag nicht aus­drück­lich genann­te Beschlüs­se nach Art. 5 Abs. 7 Buch­sta­be n ESMV, deren Rele­vanz für die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung sich nicht pro­gnos­ti­zie­ren lässt, nicht gegen die Stim­me des deut­schen Ver­tre­ters erge­hen kön­nen. Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges kann daher auf der Ebe­ne der inner­staat­li­chen Gesetz­ge­bung durch die Bin­dung des jewei­li­gen deut­schen Ver­tre­ters in den ESM-Orga­nen gewahrt wer­den und wird durch den ESM-Ver­trag folg­lich nicht beein­träch­tigt 132.

Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ist auch nicht dadurch ver­letzt, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch den Bei­tritt ande­rer Staa­ten zum Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und die damit ein­her­ge­hen­de Ver­schie­bung der Stimm­ge­wich­te in den ESM-Orga­nen (vgl. Art. 2 Abs. 3 ESMV) bei Ent­schei­dun­gen, die mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit (Art. 4 Abs. 5 ESMV) gefasst wer­den, ihre Sperr­mi­no­ri­tät zu ver­lie­ren droh­te. Die ver­trag­lich begrün­de­te Veto­po­si­ti­on der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den ESM-Orga­nen kann viel­mehr auch dann abge­si­chert wer­den.

Aus­weis­lich des Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be l ESMV wer­den infol­ge eines Bei­tritts neu­er Mit­glie­der Anpas­sun­gen des ESM-Ver­tra­ges erfor­der­lich. In die­sem Zusam­men­hang kön­nen die der­zei­ti­gen Mehr­heits­er­for­der­nis­se so ange­passt wer­den, dass die gegen­wär­tig gege­be­ne und ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­te Veto­po­si­ti­on Deutsch­lands auch unter ver­än­der­ten Umstän­den erhal­ten bleibt. Nach Art. 44 ESMV erfor­dert ein Bei­tritt zum Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus einen ein­stim­mi­gen Gou­ver­neurs­rats­be­schluss (Art. 44 i.V.m. Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be k ESMV). Die Bun­des­re­gie­rung hat dem­nach die Mög­lich­keit und gege­be­nen­falls die Pflicht, zur Wah­rung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ihre Zustim­mung zur Geneh­mi­gung eines Bei­tritts­an­trags von einer Ände­rung des Art. 4 Abs. 4 Satz 2 und Abs. 5 ESMV abhän­gig zu machen.

Beson­de­re Bedeu­tung erlan­gen die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges und die ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­ga­be, dass sich der Bun­des­tag sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung nicht ent­äu­ßern darf 133, im Hin­blick auf die in Art. 4 Abs. 8 ESMV vor­ge­se­he­ne Aus­set­zung der Stimm­rech­te. Inso­weit bedarf es einer haus­halts­recht­li­chen Absi­che­rung der Zah­lungs­fä­hig­keit, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt. Das ist der­zeit gewähr­leis­tet.

Kommt ein ESM-Mit­glied sei­nen ver­trag­li­chen Pflich­ten, ins­be­son­de­re bei Kapi­tal­ab­ru­fen nach Maß­ga­be der Art. 8, Art. 9 und Art. 10 ESMV, nicht frist­ge­recht und in vol­ler Höhe nach, wer­den sämt­li­che Stimm­rech­te des säu­mi­gen ESM-Mit­glieds aus­ge­setzt (Art. 4 Abs. 8 ESMV).

Die Aus­set­zung der Stimm­rech­te nach Art. 4 Abs. 8 ESMV hat zur Fol­ge, dass der betrof­fe­ne Mit­glied­staat bis zur Zah­lung der gefor­der­ten Kapi­tal­an­tei­le ipso iure sämt­li­che Stimm­rech­te in allen Kol­le­gi­al­or­ga­nen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ver­liert, also für die Dau­er sei­ner Säum­nis auf die Ent­schei­dun­gen des Gou­ver­neurs­rats und des Direk­to­ri­ums – auch wenn sie mit der umstrit­te­nen Zah­lungs­ver­pflich­tung nichts zu tun haben – kei­nen Ein­fluss mehr neh­men kann. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Erfor­der­nis­se hin­sicht­lich der Beschluss­fä­hig­keit der ESM-Orga­ne (Art. 4 Abs. 2 Satz 2 ESMV) und der jeweils erfor­der­li­chen Mehr­hei­ten (Art. 4 Abs. 4 bis Abs. 6 ESMV) wer­den für die Dau­er der Aus­set­zung der Stimm­rech­te eines oder meh­re­rer Mit­glie­der nach Art. 4 Abs. 8 Satz 2 ESMV ent­spre­chend neu berech­net. Solan­ge zumin­dest ein Mit­glied­staat stimm­be­rech­tigt bleibt, führt die Stimm­rechts­aus­set­zung also – unab­hän­gig von der Zahl der aus­ge­setz­ten Stimm­rech­te – unter kei­nen Umstän­den zur Beschluss­un­fä­hig­keit der ESM-Orga­ne oder dazu, dass in den Orga­nen bestimm­te Mehr­hei­ten nicht mehr erreicht wer­den könn­ten.

Wäh­rend der Aus­set­zung der Stimm­rech­te eines oder meh­re­rer ESM-Mit­glie­der kön­nen – mit Aus­nah­me der Beschlüs­se über Ver­än­de­run­gen des geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tals (vgl. Art. 10 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 ESMV) – sämt­li­che Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ohne Mit­wir­kung der betrof­fe­nen ESM-Mit­glie­der gefasst wer­den. Das schließt Beschlüs­se über wei­te­re Kapi­tal­ab­ru­fe (Art. 9 Abs. 1 ESMV) und über die Gewäh­rung von Sta­bi­li­täts­hil­fen im Ein­zel­fall und ihre Kon­di­tio­nie­rung (Art. 13 ff. ESMV) eben­so ein wie eine Ände­rung der Lis­te der Finanz­hil­fein­stru­men­te (Art.19 ESMV).

Einen wir­kungs­vol­len, ins­be­son­de­re mit auf­schie­ben­der Wir­kung aus­ge­stat­te­ten Rechts­be­helf gegen die Aus­set­zung der Stimm­rech­te nach Art. 4 Abs. 8 Satz 1 ESMV sieht der ESM-Ver­trag nicht vor. Über den Wider­spruch eines Mit­glied­staa­tes gegen die Aus­set­zung sei­ner Stimm­rech­te, der als "Strei­tig­keit zwi­schen einem ESM-Mit­glied und dem ESM" im Sinn von Art. 37 Abs. 2 ESMV zu wer­ten wäre, ent­schei­det – wie­der­um unter Aus­set­zung der Stimm­rech­te des betrof­fe­nen ESM-Mit­glieds (Art. 37 Abs. 2 Satz 2 ESMV) – der Gou­ver­neurs­rat mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit; des­sen Ent­schei­dung kann vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ange­foch­ten wer­den (Art. 37 Abs. 3 ESMV). Nach Wort­laut und Zweck des Art. 4 Abs. 8 ESMV sowie nach der Sys­te­ma­tik des Ver­tra­ges ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Aus­set­zung der Stimm­rech­te wäh­rend der gesam­ten Ver­fah­rens­dau­er bestehen bleibt.

Käme es zu einer Aus­set­zung der Stimm­rech­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nach Art. 4 Abs. 8 Satz 1 ESMV, lie­fe die inner­staat­lich vor­ge­se­he­ne Betei­li­gung des Bun­des­ta­ges an den Ent­schei­dun­gen der ESM-Orga­ne für die Dau­er der Stimm­rechts­aus­set­zung leer. Damit ent­fie­le aus deut­scher Sicht zugleich die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on und Kon­trol­le der in die­sem Zeit­raum getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen, und zwar unab­hän­gig davon, wel­che Abstim­mungs­re­geln der Ver­trag für die kon­kret zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen vor­sieht. Betrof­fen wären unter Umstän­den auch Ent­schei­dun­gen, die die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges berüh­ren und daher grund­sätz­lich sei­ner Mit­wir­kung bedür­fen 134. Das gilt etwa für Ent­schei­dun­gen über die Aus­ga­be von Antei­len zu einem ande­ren Kurs als zum Nenn­wert (Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV), über wei­te­re Kapi­tal­ab­ru­fe (Art. 9 Abs. 1 und Abs. 2 ESMV), über die Gewäh­rung von Sta­bi­li­täts­hil­fen ein­schließ­lich der Fest­le­gung wirt­schafts­po­li­ti­scher Auf­la­gen in einem Memo­ran­dum of Under­stan­ding nach Art. 13 Abs. 3 ESMV und über die Wahl der Instru­men­te sowie für die Fest­le­gung der Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen nach Maß­ga­be der Art. 12 bis Art. 18 ESMV und für die Ände­rung der Lis­te der Finanz­hil­fein­stru­men­te, die der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nut­zen kann (Art.19 ESMV).

Um eine Aus­set­zung der Stimm­rech­te zu ver­mei­den, hat der Bun­des­tag daher nicht nur den auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ent­fal­len­den, in Art. 8 Abs. 2 Satz 2 ESMV gere­gel­ten Anteil am anfäng­lich ein­zu­zah­len­den Kapi­tal im Haus­halt bereit­zu­stel­len, son­dern im gebo­te­nen Umfang auch durch­ge­hend sicher­zu­stel­len, dass die wei­te­ren auf Deutsch­land ent­fal­len­den Antei­le am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal nach Art. 8 Abs. 1 ESMV im Fall von Abru­fen nach Art. 9 ESMV, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit Art. 25 Abs. 2 ESMV, jeder­zeit frist­ge­recht und voll­stän­dig ein­ge­zahlt wer­den kön­nen 135. Ob eine Zah­lungs­auf­for­de­rung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus berech­tigt ist, spielt inso­weit kei­ne Rol­le. Ent­schei­dend ist viel­mehr allein, ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine gefor­der­te Zah­lung im gebo­te­nen Umfang und Zeit­rah­men tat­säch­lich vor­neh­men kann und von Ver­fas­sungs wegen vor­neh­men darf. Ers­te­res ist vor allem eine Fra­ge der Liqui­di­tät. Hier­zu hat der Deut­sche Bun­des­tag durch sei­ne Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten erklärt, das Liqui­di­täts­ma­nage­ment der "Finanz­agen­tur GmbH" sei hin­rei­chend "umsich­tig und leis­tungs­fä­hig", um frist­ge­rech­te Ein­zah­lun­gen zu gewähr­leis­ten; die­se tat­säch­li­che Ein­schät­zung ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­zu­neh­men. Letz­te­res ist eine Fra­ge der Ver­ein­bar­keit frist­ge­rech­ter und voll­stän­di­ger Zah­lung mit den haus­halts­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes.

Nach Art. 110 Abs. 1 GG müs­sen alle zu erwar­ten­den Aus­ga­ben und Ein­nah­men des Bun­des in den Haus­halts­plan ein­ge­stellt wer­den. Der Haus­halts­plan, der nach Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG durch Haus­halts­ge­setz fest­ge­stellt wird, ist Wirt­schafts­plan und zugleich staats­lei­ten­der Hoheits­akt in Geset­zes­form 136. Er erfüllt eine demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons- und Kon­troll­funk­ti­on im Hin­blick auf sämt­li­che Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Staa­tes und dient zugleich auch der Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Bud­get­recht eines der wich­tigs­ten Rech­te des Par­la­ments und ein wesent­li­ches Instru­ment der par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­kon­trol­le 137. Der beson­de­re Geset­zes­vor­be­halt des Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG ver­pflich­tet das Par­la­ment dazu, sowohl sich selbst als auch der Öffent­lich­keit Rechen­schaft über die Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Staa­tes abzu­le­gen. Nicht zuletzt des­halb wird die par­la­men­ta­ri­sche Aus­spra­che über den Haus­halt – ein­schließ­lich des Maßes der Ver­schul­dung – als poli­ti­sche Gene­ral­de­bat­te ver­stan­den 138. Erwei­sen sich die vor­han­de­nen Haus­halts­an­sät­ze im Lau­fe des jewei­li­gen Haus­halts­jah­res als zu gering oder erge­ben sich sach­li­che Bedürf­nis­se, die das Haus­halts­ge­setz nicht berück­sich­tigt hat, besteht für die Bun­des­re­gie­rung die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht, eine Ände­rungs­vor­la­ge zum Haus­halts­plan (Nach­trags­haus­halt) nach Maß­ga­be des Art. 110 Abs. 3 GG ein­zu­brin­gen, um die Voll­stän­dig­keit des Haus­halts­plans zu gewähr­leis­ten 139.

Da der Haus­halts­plan nach Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG vor Beginn des jewei­li­gen Rech­nungs­jah­res fest­ge­stellt wer­den muss, ist ihm ein Pro­gno­seele­ment not­wen­dig zu Eigen 140, so dass sich im Haus­halts­voll­zug immer Abwei­chun­gen vom Haus­halts­plan erge­ben wer­den. Das liegt in der Natur der Sache. Nicht mehr mit dem Grund­satz der Haus­halts­wahr­heit ver­ein­bar sind jedoch bewusst feh­ler­haf­te oder auch "gegrif­fe­ne" Haus­halts­an­sät­ze, die trotz nahe­lie­gen­der Mög­lich­kei­ten bes­se­rer Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung ein ange­mes­se­nes Bemü­hen um eine rea­li­täts­na­he und inso­weit "gül­ti­ge" Pro­gno­se der zu erwar­ten­den Ein­nah­men oder Aus­ga­ben ver­mis­sen las­sen 141.

Art. 112 GG erlaubt eine Durch­bre­chung des haus­halts­recht­li­chen Par­la­ments­vor­be­halts im Hin­blick auf "über­plan­mä­ßi­ge und außer­plan­mä­ßi­ge" Aus­ga­ben, sofern hier­für ein "unvor­her­ge­se­he­nes und unab­weis­ba­res" Bedürf­nis besteht. Wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 112 GG erfüllt sind, kann der Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen im Ein­zel­fall Aus­ga­ben bewil­li­gen, für die der Haus­halts­plan ent­we­der gar kei­nen (außer­plan­mä­ßi­ge Aus­ga­ben) oder zumin­dest kei­nen aus­rei­chen­den (über­plan­mä­ßi­ge Aus­ga­ben) Ansatz ent­hält. Es han­delt sich dabei um eine sub­si­diä­re Not­kom­pe­tenz der Exe­ku­ti­ve für den Fall, dass eine par­la­men­ta­ri­sche Bewil­li­gung zu spät käme 142.

Es ist der­zeit haus­halts­recht­lich aus­rei­chend sicher­ge­stellt, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sämt­li­chen für die Anwen­dung von Art. 4 Abs. 8 ESMV rele­van­ten Zah­lungs­auf­for­de­run­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus – bis zur Höhe ihres Anteils am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal (Art. 8 Abs. 5 Satz 1 ESMV) – so recht­zei­tig und umfas­send nach­kom­men kann, dass eine Stimm­rechts­aus­set­zung prak­tisch aus­ge­schlos­sen ist.

Seit Inkraft­tre­ten des Ver­tra­ges zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus waren im jewei­li­gen Haus­halts­plan die Aus­ga­ben für die ers­ten vier (von ins­ge­samt fünf) Tran­chen des deut­schen Anteils am anfäng­lich ein­ge­zahl­ten Stamm­ka­pi­tal des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ein­ge­stellt 143. Für die fünf­te Rate ist nach Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung eine wei­te­re Aus­ga­be im Haus­halts­plan für das Jahr 2014 vor­ge­se­hen.

Über die­sen Anteil am anfäng­lich ein­ge­zahl­ten Kapi­tal hin­aus ermäch­tigt § 1 Abs. 2 Satz 1 ESMFinG den Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen – gestützt auf Art. 115 Abs. 1 GG 144, für das abruf­ba­re Kapi­tal des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus in Höhe von 168, 30768 Mil­li­ar­den Euro "Gewähr­leis­tun­gen" zu über­neh­men. Eine haus­halts­recht­li­che Absi­che­rung ist damit jedoch nicht ver­bun­den (vgl. auch § 1 Abs. 2 Satz 2 ESMFinG).

Weder das Not­be­wil­li­gungs­recht nach Art. 112 GG noch die Auf­stel­lung eines Nach­trags­haus­halts sind in jedem Fall geeig­net, eine voll­stän­di­ge und frist­ge­rech­te Beglei­chung der deut­schen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen zu gewähr­leis­ten.

Ein Rück­griff auf das Not­be­wil­li­gungs­recht des Bun­des­mi­nis­ters der Finan­zen nach Art. 112 Satz 2 GG (vgl. auch § 37 Abs. 1 Satz 2 BHO) setzt vor­aus, dass die zu bewil­li­gen­de Aus­ga­be oder ihre Dring­lich­keit von den an der Haus­halts­auf­stel­lung betei­lig­ten Ver­fas­sungs­or­ga­nen tat­säch­lich nicht vor­aus­ge­se­hen wor­den ist. Inso­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus Art. 9 ESMV dem Grun­de und ihrer maxi­ma­len Höhe nach fest­ste­hen. Dar­über hin­aus hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 12.09.2012 – unter aus­drück­li­cher Bezug­nah­me auf Art. 110 Abs. 1 GG, § 22 HGrG und § 16 BHO auf die Not­wen­dig­keit einer haus­hal­te­ri­schen Absi­che­rung der Zah­lungs­pflich­ten hin­ge­wie­sen 145. Hin­zu kommt, dass im Hin­blick auf die über­ra­gen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung des Par­la­ments beim Erlass des Haus­halts­ge­set­zes dem Nach­trags­haus­halt gegen­über dem Not­be­wil­li­gungs­recht nach Art. 112 GG – bei dem das Par­la­ment von jeg­li­cher (auch nach­träg­li­cher) Mit­wir­kung aus­ge­schlos­sen ist – der Vor­rang zukommt 146.

Auch die Mög­lich­keit, einen Nach­trags­haus­halt auf­zu­stel­len, sichert nicht in allen Fäl­len die frist­ge­rech­te und voll­stän­di­ge Bedie­nung von Kapi­tal­ab­ru­fen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus in Ein­klang mit den haus­halts­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes. Zeich­net sich die Mög­lich­keit eines Kapi­tal­ab­rufs gemäß Art. 9 ESMV ab, ist grund­sätz­lich die Auf­nah­me eines ent­spre­chen­den Ansat­zes in den Haus­halts­plan gebo­ten. Trotz der ver­fah­rens­recht­li­chen Ver­ein­fa­chun­gen für den Erlass eines Nach­trags­haus­halts (vgl. Art. 110 Abs. 3 Halb­satz 2 GG) ist das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zeit­auf­wän­dig und von den Mehr­heits­ver­hält­nis­sen in Bun­des­tag und Bun­des­rat abhän­gig. So steht dem Bun­des­rat nach Art. 110 Abs. 3 Halb­satz 2 GG eine drei­wö­chi­ge Frist zur Stel­lung­nah­me zu, die er zwar nicht aus­nut­zen muss, aber aus­nut­zen kann. Die bei Kapi­tal­ab­ru­fen zu wah­ren­de Zah­lungs­frist ist dem­ge­gen­über im güns­tigs­ten Fall "ange­mes­sen" (Art. 9 Abs. 1 und Abs. 2 ESMV; nach den in Umset­zung von Art. 9 Abs. 4 ESMV durch das Direk­to­ri­um erlas­se­nen Rege­lun­gen und Bedin­gun­gen für Kapi­tal­ab­ru­fe vom 09.10.2012 sol­len die Zah­lungs­fris­ten in den Fäl­len des Art. 9 Abs. 1 ESMV vier und in den Fäl­len des Art. 9 Abs. 2 ESMV zwei Mona­te nicht über­schrei­ten) und beträgt im dring­lichs­ten Fall ledig­lich sie­ben Tage (Art. 9 Abs. 3 Satz 4 ESMV). Zwar ist nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass ein Nach­trags­haus­halt unter güns­ti­gen Umstän­den – also bei gleich­ge­rich­te­tem Zusam­men­wir­ken aller betei­lig­ten Ver­fas­sungs­or­ga­ne und unter Ver­zicht auf gel­ten­de Fris­ten – inner­halb von sie­ben Tagen erlas­sen wer­den kann; dar­aus folgt aber nicht, dass dies auch in jedem Fall gelingt. Das gilt unge­ach­tet der ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht aller an der Haus­halts­auf­stel­lung betei­lig­ten Orga­ne, die jeder­zei­ti­ge Erfüll­bar­keit von Kapi­tal­ab­ru­fen haus­hal­te­risch sicher­zu­stel­len 145.

Für abseh­ba­re Zah­lungs­pflich­ten nach Art. 8 Abs. 4 Satz 2 ESMV in Ver­bin­dung mit Art. 9 ESMV sind Ansät­ze im Haus­halts­plan vor­zu­se­hen. Dies ergibt sich aus den Grund­sät­zen der Voll­stän­dig­keit und der Wahr­heit des Haus­halts. In wel­cher Höhe der Haus­halts­ge­setz­ge­ber mög­li­che Kapi­tal­ab­ru­fe durch einen Ansatz im Bun­des­haus­halt berück­sich­tigt, hängt von den jewei­li­gen Umstän­den ab und setzt eine "gül­ti­ge" Pro­gno­se über deren Wahr­schein­lich­keit, Zeit­punkt und Höhe vor­aus.

Unsi­cher­hei­ten bei der Bewer­tung künf­ti­ger Kapi­tal­ab­ru­fe schlie­ßen die Pro­gno­se des Haus­halts­ge­setz­ge­bers nicht aus. So steht nicht nur das maxi­ma­le Volu­men der Zah­lungs­pflich­ten fest (Art. 8 Abs. 4 ESMV); auch die Wahr­schein­lich­keit und der Zeit­punkt des Auf­tre­tens von Finan­zie­rungs­pro­ble­men ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten las­sen sich anhand ver­schie­de­ner Para­me­ter – etwa der Ver­schul­dungs­quo­te und der Lauf­zeit und Fäl­lig­keit der Staats­an­lei­hen eines ESM-Mit­glieds – pro­gnos­ti­zie­ren 147. Ent­spre­chen­des gilt für die Risi­ken aus der Geschäfts­tä­tig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, sei­ner Anlei­he­ope­ra­tio­nen (Art. 21 ESMV) und sei­ner Anla­ge­po­li­tik (Art. 22 ESMV).

Die bis­he­ri­ge Pro­gno­se des Haus­halts­ge­setz­ge­bers, dass sich die Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Zusam­men­hang mit der Finan­zie­rung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus auf das anfäng­lich ein­ge­zahl­te Stamm­ka­pi­tal im Sin­ne von Art. 8 Abs. 2 Satz 2 ESMV beschrän­ken 148, begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Art. 32 Abs. 5, Art. 34 und Art. 35 Abs. 1 ESMV, die die Unver­letz­lich­keit sämt­li­cher amt­li­cher Unter­la­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus sowie Schwei­ge­pflicht und Immu­ni­tät sei­ner Organ­mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter regeln, ver­sto­ßen im Ergeb­nis nicht gegen Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG und den – allein im Rah­men des Organ­streit­ver­fah­rens rüge­fä­hi­gen – Anspruch des Bun­des­ta­ges auf frü­hest­mög­li­che und umfas­sen­de Unter­rich­tung aus Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG 149. Sie sind so aus­zu­le­gen, dass sie einer hin­rei­chen­den par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus durch den Deut­schen Bun­des­tag nicht ent­ge­gen­ste­hen 150.

Soweit eine hier­von abwei­chen­de Aus­le­gungs­mög­lich­keit bestand 151, ist die­se jeden­falls durch die gemein­sa­me Aus­le­gungs­er­klä­rung der Ver­trags­par­tei­en des ESM-Ver­tra­ges vom 27.09.2012 1 und die gleich­lau­ten­de ein­sei­ti­ge Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 2 völ­ker­recht­lich wirk­sam aus­ge­schlos­sen wor­den 152. Die Aus­le­gungs­er­klä­run­gen stel­len klar, dass Art. 32 Abs. 5, Art. 34 und Art. 35 Abs. 1 ESMV der umfas­sen­den Unter­rich­tung des Bun­des­ta­ges nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Der sum­men­mä­ßi­gen Begren­zung der Zah­lungs­pflich­ten steht auch die in Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit, Antei­le am Stamm­ka­pi­tal des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu einem vom Nenn­wert abwei­chen­den Kurs aus­zu­ge­ben, nicht ent­ge­gen 153. Zwar kann die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges von Ent­schei­dun­gen nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV betrof­fen sein, wenn durch die Aus­ga­be von Antei­len am Stamm­ka­pi­tal zu einem über dem Nenn­wert lie­gen­den Kurs zusätz­li­che Ein­zah­lungs­pflich­ten ent­ste­hen. Die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges ist indes jeden­falls dadurch abge­si­chert, dass ein Beschluss nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV nicht gegen die Stim­me des deut­schen Ver­tre­ters im zustän­di­gen ESM-Organ gefasst wer­den kann.

Auch aus der abs­trak­ten Mög­lich­keit, dass der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus finan­zi­el­le Ver­lus­te gene­rie­ren könn­te, ergibt sich kei­ne Gefähr­dung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­de­ta­ges. Bei der Fra­ge, ob – und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang – mit Ver­lus­ten aus der Geschäfts­tä­tig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu rech­nen ist, kommt dem Gesetz­ge­ber – wie bei jeder Betei­li­gung an einer inter­na­tio­na­len Finanz­in­sti­tu­ti­on – ein vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich zu respek­tie­ren­der Ein­schät­zungs­spiel­raum zu 115. Dass der Gesetz­ge­ber die­sen Ein­schät­zungs­spiel­raum mit sei­ner Zustim­mung zum ESM-Ver­trag über­schrit­ten haben könn­te, ist nicht ersicht­lich.

Der Ver­trag geht davon aus, dass es im Zuge der Geschäfts­tä­tig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu Ver­lus­ten kom­men kann. Denn er ermäch­tigt ihn für die­sen Fall in Art. 9 Abs. 2 ESMV, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit Art. 25 Abs. 2 ESMV, zu Kapi­tal­ab­ru­fen. Dabei ist jedoch zu beach­ten, dass nicht nur das deut­sche Gesamt­enga­ge­ment im ESM-Ver­trag (Art. 8 Abs. 1, Anhän­ge I und II) durch den Bun­des­tag gebil­ligt wor­den ist (§ 1 Abs. 1 und Abs. 2 ESMFinG), son­dern dass jede ein­zel­ne Sta­bi­li­täts­hil­fe nach Art. 13 Abs. 2 ESMV sowie die Unter­zeich­nung des jewei­li­gen Memo­ran­dum of Under­stan­ding nach Art. 13 Abs. 4 ESMV einer ein­ver­nehm­li­chen Beschluss­fas­sung des Gou­ver­neurs­rats bedür­fen und damit mit­tel­bar auch an die Zustim­mung des Deut­schen Bun­des­ta­ges gebun­den sind (vgl. § 4 Abs. 1 ESMFinG). Da der Bun­des­tag auf die­se Wei­se Höhe, Kon­di­tio­na­li­tät und Dau­er der Sta­bi­li­täts­hil­fen zuguns­ten hil­fe­su­chen­der Mit­glied­staa­ten mit­be­stim­men kann, kann er auch die Wahr­schein­lich­keit und die Höhe spä­ter mög­li­cher­wei­se erfol­gen­der Kapi­tal­ab­ru­fe nach Art. 9 Abs. 2 ESMV maß­geb­lich beein­flus­sen 154.

Im Hin­blick auf mög­li­che Ver­lus­te aus der sons­ti­gen Geschäfts­tä­tig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, vor allem aus sei­nen Anlei­he­ope­ra­tio­nen nach Art. 21 ESMV, bestehen zwar kei­ne ver­gleich­ba­ren Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Bun­des­ta­ges. Er kann jedoch über sei­ne Zustim­mung zu den detail­lier­ten Leit­li­ni­en für Anlei­he­ope­ra­tio­nen (Art. 21 Abs. 2 ESMV) und die Anla­ge­po­li­tik (Art. 22 Abs. 1 ESMV), die den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus auf ein soli­des Finanz- und Risi­ko­ma­nage­ment ver­pflich­ten, hin­rei­chen­den Ein­fluss auf des­sen Geschäfts­tä­tig­keit neh­men 155.

Eine Erwei­te­rung der Zah­lungs­pflich­ten über die der­zeit gel­ten­de Sum­me von 190, 0248 Mil­li­ar­den Euro hin­aus kommt nur im Wege der Kapi­tal­erhö­hung nach Art. 10 Abs. 1 ESMV, gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit einem Beschluss nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV, in Betracht. Inso­weit bedarf es jedoch stets einer ein­stim­mi­gen Ent­schei­dung des Gou­ver­neurs­rats (Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be b und d ESMV) oder, im Fall einer Dele­ga­ti­on die­ser Beschlüs­se nach Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be m ESMV, des Direk­to­ri­ums (Art. 6 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be b und d ESMV). Somit ist hin­rei­chend sicher­ge­stellt, dass die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges gewahrt bleibt.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beschwer­de­füh­rers zu I. lässt sich dem ESM-Ver­trag kei­ne völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Zustim­mung zu einer Kapi­tal­erhö­hung nach Art. 10 ESMV zum Zwe­cke der Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ent­neh­men. Nach Art. 10 Abs. 1 Satz 1 ESMV über­prüft der Gou­ver­neurs­rat regel­mä­ßig die Ange­mes­sen­heit des geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tals des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus. Er kann beschlie­ßen, das Stamm­ka­pi­tal von aktu­ell 700 Mil­li­ar­den Euro (Art. 8 Abs. 1 Satz 1 ESMV) wei­ter zu erhö­hen (Art. 10 Abs. 1 Satz 2 ESMV). Für die Annah­me, dass aus Art. 10 ESMV – über des­sen Wort­laut hin­aus – eine Rechts­pflicht der Mit­glied­staa­ten folgt, einer Kapi­tal­erhö­hung zuzu­stim­men, gibt es kei­ne Anhalts­punk­te, im Gegen­teil spricht alles für die Maß­geb­lich­keit des Wort­lauts. Hin­zu kommt, dass die Ent­schei­dung über die Kapi­tal­erhö­hung aus­weis­lich des Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be d ESMV ein­stim­mig erge­hen muss und aus­weis­lich des Art. 10 Abs. 1 Satz 3 ESMV eines natio­na­len Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­rens bedarf. Die Ent­schei­dung über eine Kapi­tal­erhö­hung soll also nicht allein aus der objek­ti­ven Not­wen­dig­keit einer Kapi­tal­erhö­hung zur Erhal­tung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus fol­gen, son­dern auf­grund neu­er­li­cher (poli­ti­scher) Ent­schei­dun­gen in den Mit­glied­staa­ten. Eine mate­ri­el­le Zustim­mungs­pflicht wür­de die­sen Mecha­nis­mus über­spie­len 156.

Fer­ner geht aus der Erklä­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vom 27.09.2012, sowie der gleich­lau­ten­den gemein­sa­men Erklä­rung der Mit­glied­staa­ten 157 her­vor, dass die Haf­tung der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten gera­de nicht – auch nicht zum Zweck der Sta­bi­li­sie­rung des Euro-Wäh­rungs­ge­biets – unbe­grenzt, son­dern zunächst auf ihren jewei­li­gen Anteil am geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tal begrenzt sein soll 158. Eine spä­te­re Kapi­tal­erhö­hung wird dadurch zwar nicht aus­ge­schlos­sen. Aus der Erklä­rung geht jedoch der unmiss­ver­ständ­li­che, eine Beru­fung auf gegen­tei­li­ge impli­zi­te Ver­pflich­tun­gen aus­schlie­ßen­de, Wil­le der Ver­trags­par­tei­en her­vor, über die Zah­lung von höhe­ren Beträ­gen als den in Anhang II des ESM-Ver­tra­ges fest­ge­hal­te­nen gege­be­nen­falls auto­nom zu ent­schei­den.

Schließ­lich begrün­det das Feh­len einer aus­drück­li­chen Aus­tritts­re­ge­lung im ESM-Ver­trag kei­ne Ver­let­zung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung. Durch die Haf­tungs­be­gren­zung nach Art. 8 Abs. 5 ESMV in Ver­bin­dung mit Anhang II ist hin­rei­chend sicher­ge­stellt, dass durch den ESM-Ver­trag kein irrever­si­bler Zah­lungs- und Gewähr­leis­tungs­au­to­ma­tis­mus begrün­det wird, wes­halb es kei­ner ver­trag­li­chen Rege­lung eines beson­de­ren Kün­di­gungs- oder Aus­tritts­rechts bedarf 159. Zudem ist der Aus­tritt von Mit­glied­staa­ten trotz feh­len­der aus­drück­li­cher Rege­lung mög­lich.

Die Ein­bin­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges[↑]

Im Ergeb­nis mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ver­ein­bar sind – soweit sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren zuläs­si­ger­wei­se gerügt sind – auch die Vor­schrif­ten über die Ein­bin­dung des Deut­schen Bun­des­ta­ges in die Ent­schei­dungs­pro­zes­se des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, die sich aus dem Gesetz zu dem Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und dem ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz erge­ben.

Die Vor­schrif­ten des Geset­zes zu dem Ver­trag zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes genü­gen – jeden­falls bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung – den Anfor­de­run­gen aus Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG an die Aus­ge­stal­tung der Betei­li­gungs­rech­te und Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur Siche­rung einer demo­kra­ti­schen Steue­rung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus sowie zur Siche­rung sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung 160.

Die Begleit­ge­setz­ge­bung hat die Funk­ti­on, die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Betei­li­gungs­rech­te der gesetz­ge­ben­den Kör­per­schaf­ten an der Tätig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus im natio­na­len Recht abzu­bil­den und zu kon­kre­ti­sie­ren 161. Sie hat sicher­zu­stel­len, dass der Bun­des­tag – ver­mit­telt über die Bun­des­re­gie­rung – einen bestim­men­den Ein­fluss auf das Han­deln des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus aus­üben kann 162 und hier­durch sei­ne haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung sowie die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men in der Lage ist 163. Die Anfor­de­run­gen an die Siche­rung einer demo­kra­ti­schen Steue­rung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus sowie der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges wer­den im Hin­blick auf die Mit­wir­kungs­rech­te des Bun­des­ta­ges jeden­falls bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes, im Hin­blick auf sei­ne Infor­ma­ti­ons­rech­te und die per­so­nel­le Legi­ti­ma­ti­on der deut­schen Ver­tre­ter in den Orga­nen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus unein­ge­schränkt erfüllt 164.

Der Gesetz­ge­ber hat für die Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, die für die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung eine Rol­le spie­len, eine par­la­men­ta­ri­sche Rück­bin­dung vor­ge­se­hen, indem er in Art. 2 ESMVer­trG, in § 4 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 und in § 5 Abs. 2 Satz 2 und Satz 3 ESMFinG fest­ge­legt hat, dass die deut­schen Mit­glie­der im Gou­ver­neurs­rat und Direk­to­ri­um an den Sit­zun­gen der Orga­ne des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus teil­zu­neh­men und die Beschlüs­se des Deut­schen Bun­des­ta­ges durch ihr Abstim­mungs­ver­hal­ten in den Orga­nen umzu­set­zen haben. Dass eini­ge der Ent­schei­dun­gen an das Votum des Ple­nums (vgl. § 4 Abs. 1 Satz 1 ESMFinG), ande­re ledig­lich an das­je­ni­ge des Haus­halts­aus­schus­ses (vgl. § 5 Abs. 2 Satz 1 ESMFinG) geknüpft sind, betrifft nicht die grund­sätz­li­che – und hier allein zu ent­schei­den­de – Fra­ge der Betei­li­gung des Deut­schen Bun­des­ta­ges 165.

Bereits die vom ESM-Ver­trag vor­ge­se­he­ne Mög­lich­keit einer Fort­ent­wick­lung der Instru­men­te (vgl. Art.19 ESMV) lässt es nicht zu, alle Fäl­le, in denen eine Par­la­ments­be­tei­li­gung ange­zeigt sein wird, schon jetzt im Ein­zel­nen zu erfas­sen und zu regeln. Die Betei­li­gungs­rech­te müs­sen – sei es durch Geset­zes­än­de­rung, sei es durch Aus­le­gung – mit der Ver­trags­ent­wick­lung Schritt hal­ten, so dass die effek­ti­ve Wahr­neh­mung der par­la­men­ta­ri­schen Haus­halts- und Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung in jedem Fall sicher­ge­stellt ist 166. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Gesetz­ge­ber eine Ände­rung der Finanz­hil­fein­stru­men­te nach Art.19 ESMV an das Erfor­der­nis einer bun­des­ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung gebun­den (Art. 2 Abs. 2 ESMVer­trG). Soll­te sich im Voll­zug des ESM-Ver­tra­ges erge­ben, dass wei­te­re wesent­li­che Mit­wir­kungs­er­for­der­nis­se nicht aus­drück­lich gere­gelt sind, bie­tet die Rege­lung des § 4 Abs. 1 ESMFinG, die ledig­lich exem­pla­risch ("ins­be­son­de­re") drei Ent­schei­dungs­fel­der des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nennt, in denen das Ple­num zu ent­schei­den hat, hin­rei­chen­den Raum für eine ver­fas­sungs­kon­for­me Hand­ha­bung. Ent­spre­chen­des gilt für die Auf­fang­vor­schrift des § 5 Abs. 3 ESMFinG, die die Bun­des­re­gie­rung in allen nicht ander­wei­tig gere­gel­ten Fäl­len, in denen nicht die Haus­halts­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges berührt wird, zur Betei­li­gung des Haus­halts­aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges und zur Berück­sich­ti­gung sei­ner Stel­lung­nah­men ver­pflich­tet 167.

Im Hin­blick auf die durch Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV eröff­ne­te Mög­lich­keit, Antei­le am Stamm­ka­pi­tal des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu einem vom Nenn­wert abwei­chen­den Kurs aus­zu­ge­ben, die für sich genom­men kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken begeg­net, fehlt es zwar an einer aus­drück­li­chen Ein­bin­dung des Bun­des­ta­ges; die Rege­lun­gen des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes gestat­ten jedoch eine mit Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG ver­ein­ba­re ver­fas­sungs­kon­for­me Hand­ha­bung 168.

Wäh­rend der Gesetz­ge­ber für Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus über die Gewäh­rung von Sta­bi­li­täts­hil­fen (Art. 13 Abs. 2 ESMV) sowie für die Annah­me einer Ver­ein­ba­rung über eine Finanz­hil­fe­fa­zi­li­tät (Art. 13 Abs. 3 Satz 3 ESMV) und die Zustim­mung zu einem ent­spre­chen­den Memo­ran­dum of Under­stan­ding (Art. 13 Abs. 4 ESMV) in § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Nr. 2 sowie Abs. 2 ESMFinG eine vor­he­ri­ge Zustim­mung des Bun­des­ta­ges aus­drück­lich für erfor­der­lich erklärt hat, fehlt es für den Tat­be­stand des Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV und die ent­spre­chen­de Zustän­dig­keit des Gou­ver­neurs­rats (Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be b ESMV) an einer ent­spre­chen­den Rege­lung. Indes lässt sich durch Rück­griff auf die all­ge­mei­ne Rege­lung des § 4 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 2 ESMFinG, wonach Beschlüs­se "in Ange­le­gen­hei­ten des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, die die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges betref­fen", einer vor­he­ri­gen Zustim­mung des Bun­des­ta­ges bedür­fen, die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Betei­li­gung des Bun­des­ta­ges mit hin­rei­chen­der Sicher­heit gewähr­leis­ten 169.

Eine dahin­ge­hen­de ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 2 ESMFinG ist durch den Wort­laut des Geset­zes gedeckt und wahrt die prin­zi­pi­el­le Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers 170. Auf der Grund­la­ge einer sol­chen Aus­le­gung ist gewähr­leis­tet, dass der Bun­des­tag sei­ne haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung auch tat­säch­lich effek­tiv wahr­neh­men kann 171, und dass die Ent­schei­dung, ob und – wenn ja – in wel­cher Wei­se der Bun­des­tag an Beschlüs­sen der ESM-Orga­ne nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV betei­ligt wird, im kon­kre­ten Fall nicht allein der Ein­schät­zung der Exe­ku­ti­ve über­ant­wor­tet bleibt.

Soweit gefor­dert wird, die Mit­wir­kung des deut­schen Ver­tre­ters an Ent­schei­dun­gen über die Aus­ga­be von Antei­len über dem Nenn­wert nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV bedür­fe einer beson­de­ren gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung, sind dafür ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de nicht ersicht­lich. Eine sol­che Anfor­de­rung ist im Grund­ge­setz weder – wie etwa bei Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG – aus­drück­lich vor­ge­se­hen, noch folgt sie aus der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges. Für letz­te­re kommt es auf die Betei­li­gung des Bun­des­ta­ges und nicht dar­auf an, dass die­se Betei­li­gung in der Form eines Geset­zes erfolgt. Bud­get­recht und haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges kön­nen viel­mehr durch Ver­hand­lung und Beschluss­fas­sung im Ple­num wahr­ge­nom­men wer­den 172, durch den Beschluss über das Haus­halts­ge­setz, durch finanz­wirk­sa­me Geset­ze oder durch einen sons­ti­gen, kon­sti­tu­ti­ven Beschluss des Ple­nums 173. Aus dem Umstand, dass für die Erhö­hung des geneh­mig­ten Stamm­ka­pi­tals in Art. 2 Abs. 1 ESMVer­trG aus­drück­lich eine bun­des­ge­setz­li­che Ermäch­ti­gung vor­ge­se­hen ist, folgt nicht, dass Glei­ches auch für Ent­schei­dun­gen nach Art. 8 Abs. 2 Satz 4 ESMV gel­ten müs­se.

Die im ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz ent­hal­te­nen Infor­ma­ti­ons­rech­te des Bun­des­ta­ges genü­gen den Anfor­de­run­gen des – im Organ­streit­ver­fah­ren der Antrag­stel­le­rin zu VII. maß­stäb­li­chen – Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG 174. Die Vor­schrif­ten des ESM-Ver­tra­ges, ins­be­son­de­re Art. 34 ESMV, ste­hen einer den Anfor­de­run­gen des Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG ent­spre­chen­den Unter­rich­tung des Bun­des­ta­ges nicht ent­ge­gen.

Die Tätig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ist eine Ange­le­gen­heit der Euro­päi­schen Uni­on im Sin­ne des Art. 23 Abs. 2 GG und löst eben­so wie des­sen Errich­tung und Aus­ge­stal­tung Mit­wir­kungs- und Infor­ma­ti­ons­rech­te des Bun­des­ta­ges aus 175. § 7 Abs. 1 bis Abs. 3 ESMFinG wie­der­holt die maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen aus Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG an die Infor­ma­ti­ons­pflich­ten der Bun­des­re­gie­rung und gewähr­leis­tet damit das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­recht. Zudem lässt § 7 Abs. 10 ESMFinG wei­ter­ge­hen­de Rech­te aus dem Gesetz über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on unbe­rührt 176.

Auch unter dem Gesichts­punkt der von Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG gefor­der­ten demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on der Tätig­keit des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus gibt es gegen die Aus­ge­stal­tung der Ver­tre­tung Deutsch­lands in den Orga­nen des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus nichts zu erin­nern.

Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG garan­tiert in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG, dass sich die Wahr­neh­mung staat­li­cher Auf­ga­ben und die Aus­übung staat­li­cher Befug­nis­se auf das Staats­volk zurück­füh­ren las­sen 177 und die­sem gegen­über ver­ant­wor­tet wer­den 178. Legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­tig ist jedes amt­li­che Ver­hal­ten mit Ent­schei­dungs­cha­rak­ter. Das gilt auch für die Wahr­neh­mung von Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen 179 und Mit­glied­schafts­rech­ten in inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen oder der Euro­päi­schen Uni­on. Demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on setzt dabei einen effek­ti­ven Ein­fluss des Staats­vol­kes auf das hoheit­li­che Han­deln vor­aus 180.

In per­so­nel­ler Hin­sicht ist ein Amts­wal­ter demo­kra­tisch legi­ti­miert, wenn sei­ne Bestel­lung in einer unun­ter­bro­che­nen Legi­ti­ma­ti­ons­ket­te auf das Volk zurück­ge­führt wer­den kann 181. Sach­lich-inhalt­li­che Legi­ti­ma­ti­on erfährt die Aus­übung von Staats­ge­walt ins­be­son­de­re durch par­la­men­ta­ri­sche Vor­ga­ben für das Ver­wal­tungs­han­deln, den Ein­fluss des Par­la­ments auf die Poli­tik der Regie­rung sowie die grund­sätz­li­che Wei­sungs­ge­bun­den­heit der Ver­wal­tung gegen­über der Regie­rung 182. Je inten­si­ver eine in Rede ste­hen­de Maß­nah­me Grund­rech­te berührt 183 oder von grund­le­gen­der Bedeu­tung für die All­ge­mein­heit ist, des­to höher muss auch das demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau aus­fal­len. Ent­schei­dend ist inso­weit nicht die Form der Legi­ti­ma­ti­on, son­dern die Effek­ti­vi­tät, mit der die Ent­schei­dungs­pro­zes­se demo­kra­tisch gesteu­ert wer­den 184. Dabei kommt es auf das Zusam­men­wir­ken der ver­schie­de­nen Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­gen an 185. Eine ver­min­der­te Legi­ti­ma­ti­on über den einen Legi­ti­ma­ti­ons­strang kann durch eine ver­stärk­te Legi­ti­ma­ti­on über ande­re Strän­ge aus­ge­gli­chen wer­den 186.

Mit Blick auf die außen- und inte­gra­ti­ons­po­li­ti­sche Tätig­keit der Exe­ku­ti­ve ist zu berück­sich­ti­gen, dass die sach­lich-inhalt­li­che Legi­ti­ma­ti­on nur begrenzt durch par­la­men­ta­ri­sche Vor­ga­ben aus­ge­stal­tet wer­den kann. Der Ver­kehr mit ande­ren Staa­ten, die Ver­tre­tung in inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und Sys­te­men gegen­sei­ti­ger kol­lek­ti­ver Sicher­heit (Art. 24 Abs. 2 GG) sowie die Sicher­stel­lung der gesamt­staat­li­chen Ver­ant­wor­tung bei der Außen­ver­tre­tung Deutsch­lands fal­len grund­sätz­lich in den Kom­pe­tenz­be­reich der Bun­des­re­gie­rung 187. Die zur Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben not­wen­di­gen Frei­räu­me ste­hen einer strik­ten par­la­men­ta­ri­schen Deter­mi­nie­rung ent­ge­gen 188. Die in die­ser Hin­sicht her­ab­ge­setz­ten Anfor­de­run­gen an die sach­lich-inhalt­li­che demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on kön­nen dadurch aus­ge­gli­chen wer­den, dass der jewei­li­ge Amts­wal­ter im Auf­trag und nach Wei­sung der Regie­rung han­delt und die Regie­rung damit in die Lage ver­setzt, Ver­ant­wor­tung gegen­über dem Par­la­ment und dem Volk zu über­neh­men 189.

Nach die­sen Maß­stä­ben bestehen kei­ne Beden­ken gegen die deut­sche Ver­tre­tung in den Gre­mi­en des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus.

Soweit die Mit­wir­kung der deut­schen Ver­tre­ter in den ESM-Orga­nen die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges betrifft, sind aller­dings, um des­sen maß­geb­li­chen Ein­fluss zu wah­ren, kon­kre­te par­la­men­ta­ri­sche Wei­sun­gen an die Bun­des­re­gie­rung erfor­der­lich. Das ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz setzt dem­ge­mäß ersicht­lich vor­aus, dass die deut­schen Ver­tre­ter an die Beschlüs­se des Bun­des­ta­ges gebun­den und ihm gegen­über rechen­schafts­pflich­tig sind 190.

In wel­cher Wei­se der Gesetz­ge­ber sicher­stellt, dass die Sach­ent­schei­dun­gen des Bun­des­ta­ges in den ESM-Orga­nen auch zutref­fend umge­setzt wer­den, wird durch die Ver­fas­sung nicht im Ein­zel­nen vor­ge­ge­ben.

Deut­sches Mit­glied im Gou­ver­neurs­rat ist der Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen (Art. 5 Abs. 1 Satz 3 ESMV). Er ist durch die Beru­fung in die Bun­des­re­gie­rung durch den vom Par­la­ment gewähl­ten Bun­des­kanz­ler per­so­nell demo­kra­tisch legi­ti­miert und zumin­dest mit­tel­bar vom Ver­trau­en des Bun­des­ta­ges abhän­gig (Art. 64 Abs. 1, Art. 67 Abs. 1 GG) und die­sem gegen­über auch rechen­schafts­pflich­tig (vgl. Art. 114 Abs. 1 GG).

Auch die Ent­sen­dung eines Staats­se­kre­tärs in das Direk­to­ri­um des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und die Bestel­lung eines Minis­te­ri­al­be­am­ten zu des­sen Ver­tre­ter sind nicht zu bean­stan­den. In per­so­nel­ler Hin­sicht sind auch sie auf­grund einer unun­ter­bro­che­nen Ket­te indi­vi­du­el­ler Bestel­lungs­ak­te demo­kra­tisch legi­ti­miert. Sach­lich-inhalt­lich legi­ti­miert sind sie in der Aus­übung ihrer Funk­ti­on durch die ver­trag­li­chen Vor­ga­ben für den Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus und durch ihre Bin­dung an die im ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Beschluss­fas­sun­gen des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Sowohl der Staats­se­kre­tär als auch der ihn ver­tre­ten­de Beam­te bie­ten auf­grund ihrer Stel­lung im Ver­wal­tungs­auf­bau im Sin­ne von Art. 33 Abs. 4 GG aus­rei­chend Gewähr dafür, dass die mit ihrer Tätig­keit im Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ver­bun­de­ne Aus­übung hoheits­recht­li­cher Befug­nis­se den für das Berufs­be­am­ten­tum insti­tu­tio­nell garan­tier­ten beson­de­ren Siche­run­gen qua­li­fi­zier­ter, loya­ler und geset­zes­treu­er Auf­ga­ben­er­fül­lung unter­liegt 191 und etwai­ge Vor­ga­ben des Deut­schen Bun­des­ta­ges wei­sungs­ge­mäß umge­setzt wer­den.

Der ESM-Ver­trag steht der vom ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz vor­aus­ge­setz­ten und auch im Übri­gen ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Wei­sungs­ge­bun­den­heit der deut­schen Ver­tre­ter in den ESM-Gre­mi­en nicht ent­ge­gen. Er geht – ins­be­son­de­re auf der Grund­la­ge der durch die gemein­sa­me Erklä­rung der ESM-Mit­glie­der sowie die wort­glei­che ein­sei­ti­ge Erklä­rung Deutsch­lands vom 27.09.2012 192 völ­ker­recht­lich ver­bind­li­chen Aus­le­gung der Rege­lun­gen über die Schwei­ge­pflicht (Art. 34 ESMV) und die per­sön­li­che Immu­ni­tät (Art. 35 ESMV) – von der par­la­men­ta­ri­schen Ver­ant­wort­lich­keit sei­ner Organ­mit­glie­der aus. Das ergibt sich bereits aus dem Umstand, dass im Gou­ver­neurs­rat die Finanz­mi­nis­ter der ESM-Mit­glie­der ver­tre­ten sind (Art. 5 Abs. 1 Satz 3 ESMV), und aus deren – an kei­ner­lei Bedin­gun­gen geknüpf­ter – Befug­nis, ein Mit­glied des Direk­to­ri­ums und des­sen Stell­ver­tre­ter vor­zu­schla­gen und zu ent­las­sen (Art. 6 Abs. 1 Satz 2, Art. 43 ESMV). Die Rege­lung ermög­licht es, eine Bin­dung an Wei­sun­gen der natio­na­len Regie­rung durch­zu­set­zen und damit den Ein­fluss des Par­la­ments sicher­zu­stel­len 193.

Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit des Fis­kal­pak­tes[↑]

Schließ­lich ver­stößt auch das Gesetz zu dem Ver­trag vom 02.03.2012 über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on (SBVerfG-Ver­trag – SBVerfGV) nicht gegen Art. 38 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG. Sei­ne wesent­li­chen Inhal­te decken sich mit ver­fas­sungs­recht­li­chen (vgl. ins­be­son­de­re Art. 109, Art. 109a, Art. 115 und Art. 143 GG) und uni­ons­recht­li­chen (vgl. ins­be­son­de­re Art. 126 AEUV) Vor­ga­ben 194.

Der Ver­trag räumt den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on kei­ne Befug­nis­se ein, die die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges berüh­ren und zwingt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht zu einer dau­er­haf­ten, nicht mehr rever­si­blen Fest­le­gung ihrer Wirt­schafts­po­li­tik 195. Zwar stüt­zen sich die Ver­trags­par­tei­en nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 SBVerfGV bei der Ein­rich­tung des Kor­rek­tur­me­cha­nis­mus zum Abbau staat­li­cher Defi­zi­te auf von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vor­zu­schla­gen­de Grund­sät­ze, die ins­be­son­de­re die Art, den Umfang und den zeit­li­chen Rah­men der auch unter außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den zu tref­fen­den Kor­rek­tur­maß­nah­men sowie die Rol­le und Unab­hän­gig­keit der auf natio­na­ler Ebe­ne für die Über­wa­chung der Defi­zit- und Schul­den­stands­kri­te­ri­en zustän­di­gen Insti­tu­tio­nen betref­fen. Damit wird aber der Kom­mis­si­on nicht die Befug­nis ver­lie­hen, an die Par­la­men­te kon­kre­te Vor­ga­ben für die Gestal­tung des Haus­hal­tes zu rich­ten 196. Das ergibt sich ins­be­son­de­re dar­aus, dass der zum Abbau von staat­li­chen Defi­zi­ten ein­zu­rich­ten­de Kor­rek­tur­me­cha­nis­mus gemäß Art. 3 Abs. 2 Satz 3 SBVerfGV unter dem Vor­be­halt der Wah­rung der par­la­men­ta­ri­schen Vor­rech­te steht. Eben­so wenig kann der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Anwen­dung der Kor­rek­tur­me­cha­nis­men kon­trol­lie­ren 197.

Jeden­falls ange­sichts der Regeln des all­ge­mei­nen Völ­ker­rechts zu den Mög­lich­kei­ten der Ver­trags­be­en­di­gung ist auch das Feh­len eines aus­drück­li­chen ver­trag­li­chen Kün­di­gungs­rechts ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den 198.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 18. März 2014 – 2 BvR 1390/​122 BvR 1421/​122 BvR 1438/​122 BvR 1439/​122 BvR 1440/​122 BvR 1824/​122 BvE 6/​12

  1. BGBl II S. 1086[][][]
  2. BGBl II S. 1087[][][][]
  3. EUCO 25/​1/​10 REV 1, Schluss­fol­ge­run­gen, S. 2[]
  4. BT-Drs. 17/​4880; BTPlen­prot Nr. 17/​96, S. 11015 C[]
  5. EUCO 10/​11, Schluss­fol­ge­run­gen, Anla­ge II, S. 21 ff.[]
  6. vgl. BGBl II S. 1047[]
  7. vgl. BT-Drs. 17/​9045, S. 29[]
  8. BGBl II S. 1086[][]
  9. BGBl II S. 1006 ff.[]
  10. vgl. BGBl II S. 162[]
  11. BT-Drs. 17/​12058[]
  12. BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​219, S. 27216 f.[]
  13. BR-Drs. 71/​13, B[]
  14. BR-Drs. 540/​13, BR-Ple­nar­pro­to­koll 912, S. 369 f.[]
  15. BGBl I S. 2398[]
  16. BT-Drs. 17/​9047[]
  17. BT-Drs. 17/​9045; 17/​10126; 17/​10172[]
  18. BT-Drs. 17/​9046; 17/​10125; 17/​10171[]
  19. BGBl II S. 981[]
  20. vgl. BT-Drs. 17/​9048, S. 4[]
  21. vgl. Haus­halts­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges, Aus­schuss­druck­sa­che 4410[]
  22. vgl. BT-Drs. 17/​10172, S. 5[]
  23. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​188, S. 22743 f.[]
  24. ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz – ESMFinG[]
  25. BT-Drs. 17/​9048; 17/​10126[]
  26. BR-Ple­nar­pro­to­koll 898, S. 312[]
  27. BGBl I 2012 S.1918[]
  28. vgl. EuGH, Urteil vom 27.11.2012, Rs. – C‑370/​12, Pring­le, Slg. 2012, I‑0000, Rn. 106 ff.[]
  29. BT-Drs. 17/​13060, S. 3 f.[]
  30. vgl. BT-Drs. 17/​13060, S.20[]
  31. BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​234, S. 29179 ff.[]
  32. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.04.2013 – 2 BvQ 17/​13, NVwZ 2013, S. 858 ff.[]
  33. EUCO 10/​1/​11 REV 1, Anla­ge I[]
  34. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 131, 152 ff.[]
  35. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 1[]
  36. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 8[]
  37. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 12[]
  38. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 25[]
  39. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 33[]
  40. ABl EU Nr. L 306 vom 23.11.2011, S. 41[]
  41. vgl. etwa Beschluss der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.05.2010 über tem­po­rä­re Maß­nah­men hin­sicht­lich der Noten­bank­fä­hig­keit der von der grie­chi­schen Regie­rung bege­be­nen oder garan­tier­ten markt­fä­hi­gen Schuld­ti­tel EZB/​2010/​3, ABl EU Nr. L 117 vom 11.05.2010, S. 102; Beschluss der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 31.03.2011 über tem­po­rä­re Maß­nah­men hin­sicht­lich der Noten­bank­fä­hig­keit der von der iri­schen Regie­rung bege­be­nen oder garan­tier­ten markt­fä­hi­gen Schuld­ti­tel EZB/​2011/​4, ABl EU Nr. L 94 vom 08.04.2011, S. 33; Beschluss der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 07.07.2011 über tem­po­rä­re Maß­nah­men hin­sicht­lich der Noten­bank­fä­hig­keit der von der por­tu­gie­si­schen Regie­rung bege­be­nen oder garan­tier­ten markt­fä­hi­gen Schuld­ti­tel EZB/​2011/​10, ABl EU Nr. L 182 vom 12.07.2011, S. 31[]
  42. vgl. Pres­se­mit­tei­lung der EZB vom 08.12 2011[]
  43. BVerfGE 132, 195, 196 f.[]
  44. BT-Drs. 17/​10767, S. 3[]
  45. vgl. BGBl II S. 1086[]
  46. BVerfG, Beschluss vom 26.09.2012 – 2 BvR 1390/​12[]
  47. BVerfG, Beschluss vom 17.12.2013 – 2 BvR 2728/​13, 2 BvR 2729/​13, 2 BvR 2730/​13, 2 BvR 2731/​13 und 2 BvE 13/​13[]
  48. vgl. BVerfGE 132, 195, 234, Rn. 91; zur Zuläs­sig­keit und zu den Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung die­ser Rüge vgl. BVerfGE 129, 124, 167 ff.[]
  49. vgl. BVerfGE 132, 195, 235, Rn. 94[]
  50. vgl. BVerfGE 89, 155, 172; 123, 267, 330; 129, 124, 168[]
  51. vgl. BVerfGE 129, 124, 170[][]
  52. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2014 – 2 BvR 2728/​13 u. a. 53[]
  53. vgl. BVerfGE 123, 267, 340; 129, 124, 177; 132, 195, 238, Rn. 104[]
  54. vgl. BVerfGE 2, 143, 161; 90, 286, 341[][]
  55. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2014 – 2 BvR 2728/​13 u. a. 25[][]
  56. vgl. BVerfGE 130, 318, 347[]
  57. vgl. BVerfGE 63, 255, 265 f.[]
  58. vgl. BVerfGE 132, 195, 235, Rn. 95[]
  59. BVerfGE 97, 350, 371; 129, 124, 174[]
  60. vgl. BVerfGE 129, 124, 174[]
  61. vgl. BVerfGE 89, 155, 180; 123, 267, 333; 132, 195, 236, Rn. 97[]
  62. vgl. BVerfGE 54, 53, 54; 68, 1, 64[]
  63. vgl. BVerfGE 13, 54, 94 f.[]
  64. vgl. BVerfGE 64, 301, 313; 108, 251, 266 f.; 118, 277, 320; 130, 318, 340[]
  65. vgl. BVerfGE 94, 351, 365; 99, 19, 29; 118, 277, 320[]
  66. ABl EU Nr. L 237 vom 08.09.2007, S. 1[]
  67. ABl EU Nr. L 123 vom 19.05.2009, S. 94[]
  68. ABl EU Nr. L 260 vom 03.10.2009, S. 31[]
  69. ABl EU Nr. L 30 vom 30.01.2013, S. 1 ff.[]
  70. vgl. BVerfGE 79, 1, 14; 122, 63, 74 ff.; 129, 208, 235[]
  71. vgl. BVerfGE 123, 267, 329 m.w.N.[]
  72. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2014 – 2 BvR 2728/​13 u. a.[]
  73. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2014 – 2 BvR 2728/​13, 2 BvR 2729/​13, 2 BvR 2730/​13, 2 BvR 2731/​13, 2 BvE 13/​13[]
  74. vgl. BVerfGE 131, 152, 224 f.[]
  75. vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 12.09.2012 – 2 BvR 1390/​12 u. a.[]
  76. vgl. BVerfGE 132, 195, 237, Rn. 101[]
  77. vgl. BVerfGE 70, 324, 362 f.; 112, 118, 135[]
  78. vgl. BVerfGE 84, 304, 325; 96, 264, 278; 112, 118, 133[]
  79. vgl. BVerfGE 93, 195, 204[]
  80. vgl. BVerfGE 80, 188, 218; 130, 318, 342[]
  81. vgl. BVerfGE 80, 188, 222; 112, 118, 133; 130, 318, 354[]
  82. vgl. BVerfGE 112, 118, 133; 130, 318, 353 f.[]
  83. vgl. zur Stel­lung der Abge­ord­ne­ten im Ver­hält­nis zu den Frak­tio­nen BVerfGE 10, 4, 14; 114, 121, 150; Badu­ra, in: Bon­ner Kom­men­tar, Bd. 7, Art. 38 Rn. 89, 91, Febru­ar 2008; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG; Art. 38 Rn.201, Okto­ber 2010; Magie­ra, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 38 Rn. 49; Tru­te, in: v.Münch/Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 38 Rn. 89, jeweils m.w.N.[]
  84. vgl. BVerfGE 130, 318, 350 ff.[]
  85. vgl. BVerfGE 123, 267, 339[]
  86. vgl. BVerfGE 68, 1, 69 ff.; 73, 1, 30; 104, 151, 193 f.; 123, 267, 339[]
  87. vgl. BVerfGE 37, 271, 279; 73, 339, 375; 123, 267, 340[]
  88. BVerfGE 132, 195, 238, Rn. 104; vgl. auch BVerfGE 123, 267, 340; 129, 124, 177[]
  89. vgl. BVerfGE 89, 155, 187 f., 192, 199; vgl. auch BVerfGE 58, 1, 37; 104, 151, 210; 123, 267, 349; 132, 195, 238, Rn. 105[]
  90. vgl. BVerfGE 58, 1, 37; 89, 155, 183 f., 187; 123, 267, 351; 132, 195, 238, Rn. 105[]
  91. BVerfGE 123, 267, 353; 132, 195, 239, Rn. 105[]
  92. BVerfGE 129, 124, 177; 132, 195, 239, Rn. 106[]
  93. vgl. BVerfGE 123, 267, 359; 132, 195, 239, Rn. 106[]
  94. vgl. BVerfGE 70, 324, 355 f.; 79, 311, 329; 129, 124, 177; 132, 195, 239, Rn. 106[]
  95. vgl. BVerfGE 129, 124, 177; 130, 318, 344; 131, 152, 205 f.; 132, 195, 239 f., Rn. 107[]
  96. BVerfGE 129, 124, 178 f.; 130, 318, 344 f.; 132, 195, 240, Rn. 107[]
  97. vgl. BVerfGE 129, 124, 179; 132, 195, 240, Rn. 108[]
  98. vgl. BVerfGE 129, 124, 179 f.; 132, 195, 240, Rn. 109[]
  99. vgl. BVerfGE 79, 311, 343; 119, 96, 142 f.; 132, 195, 240 f., Rn. 109[]
  100. BVerfGE 129, 124, 180; 132, 195, 241, Rn. 109[]
  101. BVerfGE 132, 195, 241, Rn. 110; vgl. auch BVerfGE 129, 124, 180 f.[]
  102. vgl. BVerfGE 123, 267, 356 ff.[]
  103. BVerfGE 129, 124, 181; 132, 195, 241, Rn. 110[]
  104. sowie BVerfGE 67, 100, 130; 77, 1, 48; 110, 199, 225; 124, 78, 114; 131, 152, 202 f.; 132, 195, 241 f., Rn. 111[]
  105. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 243, Rn. 114 ff.[]
  106. vgl. BVerfGE 79, 311, 331 ff.; 119, 96, 137 ff.; 132, 195, 244 f., Rn. 119 f.[]
  107. vgl. BVerfGE 119, 96, 147[]
  108. BVerfGE 132, 195, 245, Rn. 120[]
  109. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 245 f., Rn. 122[]
  110. vgl. BVerfGE 129, 124, 181 f.; 132, 195, 246, Rn. 123[]
  111. BVerfGE 129, 124, 183[]
  112. vgl. BVerfGE 5, 85, 198 f.; 44, 125, 142; 123, 267, 367[]
  113. BVerfGE 132, 195, 246 f., Rn. 124[]
  114. vgl. BVerfGE 129, 124, 182 f.; 132, 195, 242, Rn. 112[]
  115. vgl. BVerfGE 129, 124, 182 f.[][]
  116. BVerfGE 132, 195, 242 f., Rn. 113[]
  117. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 249 f., Rn. 131 ff.[]
  118. vgl. dazu BVerfGE 129, 124, 181 f.; 132, 195, 248, Rn. 128; vgl. aber EuGH, Urteil vom 27.11.2012, Rs. – C‑370/​12 – Pring­le, Rn. 73 ff.[]
  119. vgl. BVerfGE 89, 155, 205; 97, 350, 369; 129, 124, 181 f.; 132, 195, 248, Rn. 129[]
  120. vgl. BVerfGE 132, 195, 248 f., Rn. 129[]
  121. vgl. BVerfGE 89, 155, 207; 97, 350, 369[]
  122. vgl. BVerfGE 132, 195, 249, Rn. 130[]
  123. vgl. BVerfGE 132, 195, 250 f., Rn. 134[]
  124. vgl. BVerfGE 129, 124, 183; 132, 195, 242, Rn. 112[]
  125. BVerfGE 132, 195, 264, Rn. 167[]
  126. vgl. BVerfGE 132, 195, 252 ff., Rn. 138 ff.[]
  127. vgl. dazu im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 253 ff., Rn. 142 ff.; sie­he auch ÖstVfGH, Ent­schei­dung vom 16.03.2013 – SV 2/​12 – 18, Rn. 102[]
  128. zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Not­wen­dig­keit eines sol­chen Aus­schlus­ses vgl. BVerfGE 132, 195, 256 f., Rn. 147 ff.[]
  129. vgl. auch ÖstVfGH, Ent­schei­dung vom 16.03.2013 – SV 2/​12 – 18, Rn. 82 f., 104[]
  130. vgl. BVerfGE 132, 195, 264, Rn. 166[]
  131. vgl. BVerfGE 132, 195, 251, Rn. 136[]
  132. vgl. BVerfGE 132, 195, 265, 273, Rn. 169, 185[]
  133. vgl. BVerfGE 129, 124, 177 ff.; 132, 195, 260, Rn. 157 ff.[]
  134. vgl. BVerfGE 129, 124, 179 ff.; 132, 195, 262, Rn. 162[]
  135. BVerfGE 132, 195, 263, Rn. 164[]
  136. BVerfGE 45, 1, 32; 70, 324, 355 ff.; 79, 311, 328 f.; 129, 124, 178[]
  137. vgl. BVerfGE 49, 89, 125; 55, 274, 303; 70, 324, 356; 110, 199, 225[]
  138. BVerfGE 123, 267, 361; 129, 124, 178[]
  139. vgl. BVerfGE 45, 1, 34; impli­zit auch BVerfGE 119, 96, 122 ff.[]
  140. vgl. BVerfGE 30, 250, 263; 113, 167, 234; 119, 96, 130[]
  141. vgl. BVerfGE 119, 96, 130[]
  142. vgl. Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 112 Rn. 3, Dezem­ber 2007; Heint­zen, in: v.Münch/Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 112 Rn. 1[]
  143. vgl. Gesetz über die Fest­stel­lung eines Nach­trags zum Bun­des­haus­halts­plan für das Haus­halts­jahr 2012 (Nach­trags­haus­halts­ge­setz 2012) vom 13.09.2012, BGBl I S.1902; Gesetz über die Fest­stel­lung des Bun­des­haus­halts­plans für das Haus­halts­jahr 2013 (Haus­halts­ge­setz 2013) vom 20.12 2012, BGBl I S. 2757[]
  144. vgl. BT-Drs. 17/​9048, S. 6[]
  145. vgl. BVerfGE 132, 195, 263, Rn. 164[][]
  146. vgl. BVerfGE 45, 1, 32, 34 ff.[]
  147. so auch der est­ni­sche Staats­ge­richts­hof, Riigi­ko­hus, Urteil vom 12.07.2012 – 3 – 4‑1 – 6‑12, Abs.-Nr.197[]
  148. vgl. BT-Drs. 17/​9045, S. 2[]
  149. vgl. BVerfGE 131, 152, 202 ff.[]
  150. vgl. dazu BVerfGE 132, 195, 257 ff., Rn. 150 ff.[]
  151. vgl. BVerfGE 132, 195, 259, Rn. 154 f.[]
  152. vgl. auch ÖstVfGH, Ent­schei­dung vom 16.03.2013 – SV 2/​12 – 18, Rn. 95[]
  153. vgl. BVerfGE 132, 195, 253, 265, Rn. 141, 169[]
  154. vgl. BVerfGE 132, 195, 265 f., Rn. 170[]
  155. vgl. BVerfGE 132, 195, 266, Rn. 171[]
  156. so auch der est­ni­sche Staats­ge­richts­hof, Riigi­ko­hus, Urteil vom 12.07.2012 – 3 – 4‑1 – 6‑12, Abs.-Nr. 105 f., 144[]
  157. BGBl II S. 1086 f.[]
  158. vgl. auch Art. 8 Abs. 5 Satz 1 ESMV; dazu BVerfGE 132, 195, 252, Rn. 140; ÖstVfGH, Ent­schei­dung vom 16.03.2013 – SV 2/​12 – 18, Rn. 83[]
  159. vgl. BVerfGE 132, 195, 268, Rn. 175[]
  160. BVerfGE 132, 195, 269, Rn. 176 ff.[]
  161. vgl. BVerfGE 123, 267, 433[]
  162. vgl. BVerfGE 123, 267, 356, 433 ff.[]
  163. vgl. BVerfGE 129, 124, 177 ff., 186; 132, 195, 270, Rn. 178[]
  164. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 269 ff., Rn. 177 ff.[]
  165. BVerfGE 132, 195, 270, Rn. 179[]
  166. vgl. BVerfGE 132, 195, 272, Rn. 183[]
  167. BVerfGE 132, 195, 271, Rn. 180[]
  168. vgl. bereits BVerfGE 132, 195, 274, Rn. 188[]
  169. vgl. BVerfGE 132, 195, 274, Rn. 188[]
  170. vgl. BVerfGE 49, 148, 157; 54, 277, 300; 86, 288, 320[]
  171. vgl. BVerfGE 129, 124, 184 f.[]
  172. vgl. BVerfGE 70, 324, 356; 129, 124, 178 f.[]
  173. vgl. BVerfGE 90, 286, 383 ff.; 130, 318, 347[]
  174. vgl. BVerfGE 132, 195, 271, Rn. 181[]
  175. vgl. BVerfGE 131, 152, 215 ff.[]
  176. vgl. BVerfGE 132, 195, 271, Rn. 182[]
  177. vgl. BVerfGE 77, 1, 40; 83, 60, 71 f.; 89, 155, 182; 93, 37, 66; 107, 59, 87; 130, 76, 123[]
  178. vgl. BVerfGE 83, 60, 72[]
  179. vgl. BVerfGE 47, 253, 273; 83, 60, 73[]
  180. vgl. BVerfGE 83, 60, 71 f.; 89, 155, 182; 93, 37, 67; 107, 59, 87; 119, 331, 366; 130, 76, 123[]
  181. vgl. BVerfGE 52, 95, 130; 68, 1, 88; 77, 1, 40; 83, 60, 72 f.; 130, 76, 124[]
  182. vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 93, 37, 67; 107, 59, 87 f.; 130, 76, 123[]
  183. vgl. BVerfGE 93, 37, 73; 130, 76, 124[]
  184. vgl. BVerfGE 93, 37, 67[]
  185. vgl. BVerfGE 93, 37, 66 f.; 130, 76, 124[]
  186. vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 93, 37, 66 f.; 107, 59, 87 f.; 130, 76, 124[]
  187. vgl. BVerfGE 131, 152, 195[]
  188. vgl. BVerfGE 49, 89, 124 ff.[]
  189. vgl. BVerfGE 9, 268, 281 f.; 93, 37, 67; 130, 76, 124[]
  190. BVerfGE 132, 195, 272, Rn. 183[]
  191. vgl. BVerfGE 119, 247, 260 f.; 130, 76, 111 f.[]
  192. BGBl II S. 1086 f.[]
  193. vgl. BVerfGE 132, 195, 272, Rn. 184[]
  194. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 278 ff., Rn.197 ff.; auch ÖstVfGH, Ent­schei­dung vom 03.10.2013 – SV 1/​2013 – 15, Rn. 47[]
  195. vgl. dazu im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 278, Rn.196[]
  196. vgl. auch Con­seil con­sti­tu­ti­on­nel, Décisi­on n°2012 – 653 DC vom 09.08.2012, cons. 25[]
  197. vgl. BVerfGE 132, 195, 284 f., Rn. 211 ff.[]
  198. vgl. im Ein­zel­nen BVerfGE 132, 195, 285 ff., Rn. 214 ff.[]