Ambu­lan­te Behand­lung in Kran­ken­häu­sern

Gegen die Zulas­sung von Kran­ken­häu­sern zur ambu­lan­ten Behand­lung von Ver­si­cher­ten kön­nen nach einer Ent­schei­dung des Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts auch Ver­trags­ärz­te kla­gen. Zum ers­ten Mal ist damit auf der Grund­la­ge des § 116b SGB V die für das Kran­ken­ver­si­che­rungs­recht bedeut­sa­me Rechts­fra­ge geklärt wor­den, ob sich nie­der­ge­las­se­ne Ver­trags­ärz­te über­haupt gegen behörd­li­che Erlaub­nis­se wen­den kön­nen, die Kran­ken­häu­sern die Teil­nah­me an der ambu­lan­ten ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung ermög­li­chen.

Ambu­lan­te Behand­lung in Kran­ken­häu­sern

In dem zu ent­schei­den­den Fall ging es um einen ver­trags­ärzt­lich täti­gen Gynä­ko­lo­gen, der durch den Bestim­mungs­be­scheid des Säch­si­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Sozia­les und Ver­brau­cher­schutz sei­ne Exis­tenz bedroht sah. Einem gro­ßen Kran­ken­haus, nur weni­ge Kilo­me­ter von sei­ner Pra­xis ent­fernt, wur­de die Befug­nis ein­ge­räumt, Ver­si­cher­te der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf dem Gebiet der gynä­ko­lo­gi­schen Tumo­ren ambu­lant und damit in Kon­kur­renz zu den nie­der­ge­las­se­nen Ver­trags­ärz­ten zu behan­deln.

Die Ambu­lan­te Behand­lung im Kran­ken­haus gemäß § 116b Abs. 2 SGB V ermög­licht die Zulas­sung von Kran­ken­häu­sern zur ambu­lan­ten Behand­lung kraft behörd­li­cher Ent­schei­dung. Es exis­tie­ren noch kei­ne Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts oder von Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten zur Aus­le­gung der Vor­schrift.

Eine grund­le­gen­de Fra­ge war zuerst ein­mal, ob sich ein Ver­trags­arzt über­haupt gegen die einem Kran­ken­haus erteil­te Erlaub­nis wen­den kann, da der betref­fen­de Bescheid nicht an den Arzt gerich­tet ist. Zumal in den Kran­ken­häu­sern ins­be­son­de­re die ambu­lan­te ver­trags­ärzt­li­che Behand­lung von Krebs­er­kran­kun­gen ermög­licht wird, die bis­her den nie­der­ge­las­se­nen Ver­trags­ärz­ten vor­be­hal­ten gewe­sen ist und die in die dafür not­wen­di­ge Aus­stat­tung ihrer Pra­xen oft­mals viel Geld inves­tiert haben.

Grund­sätz­lich sieht das Lan­des­so­zi­al­ge­richt kei­nen abso­lu­ten Vor­rang der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung gegen­über der ambu­lan­ten Behand­lung durch die Kran­ken­häu­ser.

Ledig­lich die Ver­trags­ärz­te, die sich im regio­na­len Ein­zugs­be­reich eines zur ambu­lan­ten Leis­tungs­er­brin­gung bestimm­ten Kran­ken­haus befin­den und die­sel­ben Leis­tun­gen anbie­ten, dürf­ten den Bestim­mungs­be­scheid anfech­ten (defen­si­ve Kon­kur­ren­ten­kla­ge), um die Zulas­sung des Kran­ken­hau­ses zu ver­hin­dern.

Vor­aus­set­zung dafür ist die Bedro­hung der wirt­schaft­li­chen Exis­tenz. Durch die Berück­sich­ti­gung der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on gemäß § 116b Abs. 2 SGB V dür­fe die regio­na­le ver­trags­ärzt­li­che Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on durch die Zulas­sung von Kran­ken­häu­sern zur ambu­lan­ten Behand­lung nicht wesent­lich beein­träch­tigt wer­den.

Einen all­ge­mei­nen Anspruch dar­auf, über­haupt von Kon­kur­ren­ten ver­schont zu blei­ben, noch einen Anspruch auf wirt­schaft­li­chen Bestands­schutz kann ein Ver­trags­arzt aber nicht dar­aus her­lei­ten..

Säch­si­ches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom 11. Juni 2010 – L 1 KR 94/​10 B ER

  1. FG Müns­ter, Urteil vom 12.05.2011 – 5 K 435/​09 U[]