Ver­öf­fent­li­chung von Trans­pa­renz­be­rich­ten im Inter­net

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen hat erneut einen Eil­be­schluss des Sozi­al­ge­richts Müns­ter 1 auf­ge­ho­ben, mit dem die Ver­öf­fent­li­chung der Pfle­ge­no­ten (sog. Trans­pa­renz­be­richt) über ein Alten- und Pfle­ge­heim in Bocholt aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che unter­sagt wor­den war. Das Heim hat­te bei einer Prü­fung durch die Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen aus dem Mit­tel­wert der 64 Ein­zel­kri­te­ri­en ledig­lich die Gesamt­no­te 4,3 erhal­ten.

Ver­öf­fent­li­chung von Trans­pa­renz­be­rich­ten im Inter­net

Das Sys­tem der Pfle­ge­no­ten und ihre Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net ist nach der jetzt noch­mals bekräf­tig­ten Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richt NRW recht­mä­ßig, wenn die Noten auf einer neu­tra­len, objek­ti­ven und sach­kun­di­gen Qua­li­täts­prü­fung des zustän­di­gen medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­kas­sen (MDK) basie­ren. Bewuss­te Fehl­ur­tei­le oder Ver­zer­run­gen sei­en im Fall des beschwer­de­füh­ren­den Pfle­ge­hei­mes nicht erkenn­bar:

Das Pfle­ge­heim hat­te unzu­tref­fen­de Fest­stel­lun­gen des MDK unter ande­rem im Hin­blick auf Hygie­ne und Sau­ber­keit ange­führt. Die Ein­rich­tung sei zu schlecht bewer­tet wor­den. Dadurch ent­stün­den ihr Wett­be­werbs­nach­tei­le sowie ein nicht wie­der gut­zu­ma­chen­der Repu­ta­ti­ons­scha­den. Dem­ge­gen­über hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt NRW die ange­führ­ten Falsch­be­wer­tun­gen im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­rens nicht als glaub­haft gemacht ange­se­hen. Ob die Män­gel im Ein­zel­fall bereits besei­tigt sei­en, sei uner­heb­lich. Es sei auf den Prü­fungs­zeit­punkt abzu­stel­len und der Trans­pa­renz­be­richt stel­le inso­weit eine Moment­auf­nah­me dar.

Soweit bemän­gelt wer­de, dass es der­zeit noch kei­ne pfle­ge-wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge für die Beur­tei­lung der Pfle­ge­qua­li­tät gebe, ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt NRW die­sem Ein­wand nicht eben­falls nicht gefolgt: Dies bedeu­te schließ­lich nicht, so die Esse­ner Rich­ter, dass dadurch die Güte­qua­li­tät des Ver­fah­rens in Fra­ge gestellt wer­de. Der Gesetz­ge­ber habe den schnel­len Ein­satz des von ihm neu geschaf­fe­nen Instru­ments zur Trans­pa­renz­her­stel­lung trotz der bestehen­den Unsi­cher­hei­ten gewollt, die­se bewusst in Kauf genom­men und das Infor­ma­ti­ons-bedürf­nis der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in den Vor­der­grund gestellt.

Bei der Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit der Pfle­ge­be­no­tung zeigt sich der­zeit in Deutsch­land ein Fli­cken­tep­pich: Die Lan­des­so­zi­al­ge­rich­te in Bay­ern, Hes­sen, Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Nord­rhein-West­fa­len hal­ten die Pfle­ge­be­no­tung und ihre anschlie­ßen­de Ver­öf­fent­li­chung für recht­mä­ßig, das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg sowie eine Rei­he von Sozi­al­ge­rich­ten hal­ten den Pfle­ge-TÜV dage­gen grund­sätz­lich für rechts­wid­rig. Aller­dings sind zumin­dest die Ent­schei­dun­gen der Lan­des­so­zi­al­ge­rich­te bis­her alle nur im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­gen, ein der Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zugäng­li­ches Urteil eines Lan­des­so­zi­al­ge­richts in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren liegt bis­her (soweit ersicht­lich) noch nicht vor.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 15. Novem­ber 2010 – 10 P 76/​10 B ER

  1. SG Müns­ter – S 6 P 35/​10 ER SG[]