Anschaf­fungs­kos­ten eines Milch­lie­fer­rechts

Soweit sich von den his­to­ri­schen Anschaf­fungs­kos­ten des Grund und Bodens oder von dem zum 1. Juli 1970 nach § 55 EStG anzu­set­zen­den Wert Anschaf­fungs­kos­ten von Milch­lie­fer­rech­ten abge­spal­ten haben, sind die­se im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung durch Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung eines Teils der Lie­fer­rech­te antei­lig als Betriebs­aus­ga­be abzu­zie­hen. Ist der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug im Wirt­schafts­jahr der Ver­äu­ße­rung unter­blie­ben, kommt eine spä­te­re Berück­sich­ti­gung der antei­li­gen Anschaf­fungs­kos­ten als Betriebs­aus­ga­be nicht mehr in Betracht.

Anschaf­fungs­kos­ten eines Milch­lie­fer­rechts

Ermit­telt der Steu­er­pflich­ti­ge den Gewinn nach dem Über­schuss der Betriebs­ein­nah­men über die Betriebs­aus­ga­ben gemäß § 4 Abs. 3 EStG, sind die Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten für nicht abnutz­ba­re Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens erst im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung oder Ent­nah­me als Betriebs­aus­ga­be abzu­zie­hen (§ 4 Abs. 3 Satz 4 EStG in der für die Streit­jah­re gel­ten­den Fas­sung). Bei abnutz­ba­ren Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens sind die Vor­schrif­ten über die Abset­zung für Abnut­zung (AfA) zu befol­gen (§ 4 Abs. 3 Satz 3 EStG) mit der Kon­se­quenz, dass die AfA als Betriebs­aus­ga­be abge­zo­gen wird.

Erwirbt ein Land­wirt ein Milch­lie­fer­recht, ist das Recht als abnutz­ba­res Anla­ge­ver­mö­gen sei­nes Betriebs zu beur­tei­len. Die Anschaf­fungs­kos­ten wer­den über zehn Jah­re abge­schrie­ben 1. Soweit ein Milch­lie­fer­recht nicht eigen­stän­dig erwor­ben wor­den ist, son­dern sich nach der Recht­spre­chung des BFH vom Grund und Boden abge­spal­ten hat, unter­liegt der abge­spal­te­ne Buch­wert aller­dings eben­so wenig wie der Buch­wert des Grund und Bodens vor der Abspal­tung einer AfA 2.

Die abge­spal­te­nen Anschaf­fungs­kos­ten für die gesam­ten Lie­fer­rech­te sind nicht bei Ver­äu­ße­rung des letz­ten Teils der Rech­te abzu­zie­hen, etwa weil es sich um ein ein­heit­li­ches Wirt­schafts­gut "Lie­fer­recht" han­delt. Viel­mehr kann es kei­nem Zwei­fel unter­lie­gen, dass Lie­fer­rech­te als ein zusam­men­ge­setz­tes Wirt­schafts­gut aus der men­gen­mä­ßig bestimm­ten Sum­me der Rech­te anzu­se­hen sind. Im Fall von Milch­lie­fer­rech­ten sind die­se der in kg bestimm­ten Lie­fer­men­ge zuge­ord­net. Dem­ge­mäß sind auch die Anschaf­fungs­kos­ten der Lie­fer­rech­te den Lie­fer­men­gen zuzu­ord­nen. Wird ein Lie­fer­recht in Höhe einer bestimm­ten Men­ge ver­äu­ßert, sind mit­hin die antei­lig auf die­se Men­ge ent­fal­len­den Anschaf­fungs­kos­ten bei der Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung als Betriebs­aus­ga­be abzu­zie­hen.

Ist der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug unter­blie­ben, kommt eine spä­te­re Berück­sich­ti­gung der antei­li­gen Anschaf­fungs­kos­ten als Betriebs­aus­ga­be nicht in Betracht. Inso­weit unter­schei­det sich die Gewinn­ermitt­lung durch Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung von der Gewinn­ermitt­lung durch Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich, weil bei Letz­te­rer im Wege einer Bilanz­be­rich­ti­gung ein feh­ler­haft nicht aus­ge­buch­ter Wert für ein ver­äu­ßer­tes Anla­ge­gut auch spä­ter noch ggf. gewinn­wirk­sam aus­ge­bucht wer­den kann. Für den Buch­wert von abge­spal­te­nen Milch­lie­fer­rech­ten aus dem Pau­schal­wert nach § 55 Abs. 1 EStG hat der Bun­des­fi­nanz­hof aller­dings eine erfolgs­wirk­sa­me Bilanz­be­rich­ti­gung abge­lehnt 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Novem­ber 2013 – IV R 58/​10

  1. BFH, Urteil vom 29.04.2009 – IX R 33/​08, BFHE 225, 361, BSt­Bl II 2010, 958; vgl. auch BFH, Urteil vom 17.03.2010 – IV R 3/​08, BFHE 229, 159, zur Abschrei­bung von Lie­fer­rech­ten für Zucker­rü­ben[]
  2. BFH, Urteil vom 09.09.2010 – IV R 2/​10, BFHE 230, 453, BSt­Bl II 2011, 171, Rz 44[]
  3. BFH, Urteil vom 10.06.2010 – IV R 32/​08, BFHE 230, 332, BSt­Bl II 2012, 551, Rz 17[]