Baum­schu­len­er­lass

Die Richt­wer­te im soge­nann­ten Baum­schu­len­er­lass1 beinhal­ten nach Ansicht des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts eine zuläs­si­ge Schät­zung der Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten der zu bewer­ten­den Pflanz­be­stän­de.

Baum­schu­len­er­lass

Ermit­telt ein Land- und Forst­wirt sei­nen Gewinn durch Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich, so hat er nach § 4 Abs. 1 EStG Wirt­schafts­gü­ter sei­nes Betriebs­ver­mö­gens zu bilan­zie­ren. Dies gilt im Grund­satz auch für selbst­er­zeug­te Vor­rä­te des Land- und Forst­wirts. Für ein­jäh­ri­ge Kul­tu­ren wie etwa das Feld­in­ven­tar hat die Finanz­ver­wal­tung aller­dings mit Bil­li­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs zuge­las­sen, dass aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den auf eine Bilan­zie­rung ver­zich­tet wer­den kann2. Die Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung gilt jedoch nicht für mehr­jäh­ri­ge Kul­tu­ren, also sol­che Pflan­zen­be­stän­de, die nach mehr als ein­jäh­ri­ger Kul­tur­zeit ein­ma­li­gen Ertrag durch Ver­kauf erbrin­gen sol­len. Ein sol­cher Pflan­zen­be­stand gehört zum Umlauf­ver­mö­gen und ist zwin­gend zu akti­vie­ren. Ob die Kul­tur­zeit mehr als ein Jahr beträgt, hängt dabei nicht von der Auf­zucht durch den Steu­er­pflich­ti­gen, son­dern von der gesam­ten übli­chen Kul­tur­zeit der jewei­li­gen Pflan­ze ab. Woll­te man auf die Kul­tur­zeit im Betrieb des Steu­er­pflich­ti­gen abstel­len, wür­de der mit dem Ver­zicht auf die Akti­vie­rung ein­jäh­ri­ger Kul­tu­ren ver­folg­te Ver­ein­fa­chungs­zweck durch die ent­ste­hen­den Abgren­zungs- und Nach­weis­fra­gen in sein Gegen­teil ver­kehrt3. Nach die­sen Grund­sät­zen muss­te die Klä­ge­rin in den Streit­jah­ren ihre mehr­jäh­ri­gen Kul­tu­ren von Hecken­pflan­zen als Umlauf­ver­mö­gen mit den Anschaf­fungs­kos­ten für die ange­pflanz­ten Kul­tu­ren zuzüg­lich wei­te­rer Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten und den Her­stel­lungs­kos­ten infol­ge der Pfle­ge akti­vie­ren.

Die Finanz­ver­wal­tung hat im sog. Baum­schu­len­er­lass schon seit lan­gem zur Ver­ein­fa­chung der Bewer­tung der mehr­jäh­ri­gen Pflanz­be­stän­de so genann­te Hekt­ar­richt­sät­ze fest­ge­legt. In dem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 18. April 1986, Punkt 1.14 wur­de hin­sicht­lich der im Streit­fall rele­van­ten Bewer­tung von Hecken­pflan­zen zwi­schen sol­chen unter­schie­den, die übli­cher­wei­se als Mas­sen­ar­ti­kel gezo­gen wer­den (Hekt­ar­satz 8.300 DM), und ande­ren Hecken­pflan­zen, die als sons­ti­ge Zier­ge­höl­ze aller Art mit einem Hekt­ar­satz von 18.400 DM bewer­tet wur­den. Mit dem BMF-Schrei­ben vom 9. Janu­ar 19914 erfolg­te inso­weit eine Ver­schie­bung, als nur noch Hecken­pflan­zen, die übli­cher­wei­se als Mas­sen­ar­ti­kel gezo­gen wer­de, nicht jedoch Soli­tär­sträu­cher und Hecken­pflan­zen, die im extra wei­ten Stand kul­ti­viert wer­den, mit dem güns­ti­gen Hekt­ar­satz von 9.100 DM anstatt von 20.200 DM ange­setzt wer­den konn­ten. Die­se Dif­fe­ren­zie­rung wur­de im BMF-Schrei­ben vom 21. März 19975 bei­be­hal­ten, wobei nur die Hekt­ar­sät­ze auf 11.800 DM bzw. 26.300 DM ange­ho­ben wur­den. Bei der Bemes­sung der Hekt­ar­sät­ze berück­sich­tig­te der Erlass­ge­ber, dass nach sei­nem Schrei­ben vom 15. Dezem­ber 19816 bei einer nach Wahl des Steu­er­pflich­ti­gen auch mög­li­chen Ein­zel­be­wer­tung die Auf­wen­dun­gen für die Pfle­ge der Kul­tu­ren aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den nicht zu akti­vie­ren waren7. Zu den im Schätz­weg zu berück­sich­ti­gen­den Auf­wen­dun­gen gehö­ren somit nur ins­be­son­de­re die für die Anschaf­fung der Jung­pflan­zen, für Baum­pfäh­le und Bin­de­ma­te­ri­al, für Umzäu­nun­gen oder Draht­schutz gegen Wild­ver­biss und für Ver­ede­lungs­ar­bei­ten8.

Der BFH hat in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­schie­den, dass der sog. Baum­schu­len­er­lass eine Schät­zung der gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG maß­geb­li­chen Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten der Pflan­zen­be­stän­de beinhal­tet, gegen deren Anwen­dung im Hin­blick auf die erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten bei der Fest­stel­lung der tat­säch­li­chen Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten kei­ne Beden­ken bestehen. Auch gegen die Neu­fas­sung der begüns­tig­ten Hecken­pflan­zen durch das BMF-Schrei­ben vom 9. Janu­ar 1991 hat er kei­ne aus­drück­li­chen Beden­ken erho­ben9.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 24. März 2009 – 15 K 11642/​04 (Revi­si­on zum BFH ein­ge­legt – IV R 20/​09)

  1. BMF-Schrei­ben vom 21. März 1997, BSt­Bl. I 369
  2. vgl. BFH, Urteil vom 23. April 1998 – IV R 25/​97, BFH/​NV 1998, 1470 m. w. N.
  3. BFH, Urteil vom 23. April 1998 IV R 25/​97, a. a. O.
  4. BSt­Bl. I 1991, 133
  5. BSt­Bl. I 369
  6. BSt­Bl. I 1981, 878
  7. vgl. BMF-Schrei­ben vom 21. März 1997 Punkt 1 a. E.
  8. vgl. Bra­cke, INF 1997, S. 490, 491
  9. vgl. BFH, Urteil vom 23. April 1998 IV R 25/​97, BFH/​NV 1998, 1470 m. w. N.