Fäl­lig­keit einer Tan­tie­me

Der Anspruch auf Tan­tie­men wird mit Fest­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses fäl­lig, sofern nicht zivil­recht­lich wirk­sam und fremd­üb­lich eine ande­re Fäl­lig­keit ver­trag­lich ver­ein­bart ist.

Fäl­lig­keit einer Tan­tie­me

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung tritt der Zufluss mit der Erlan­gung der wirt­schaft­li­chen Ver­fü­gungs­macht ein 1. Das ist in der Regel der Zeit­punkt des Ein­tritts des Leis­tungs­er­folgs oder der Mög­lich­keit, den Leis­tungs­er­folg her­bei­zu­füh­ren 2. In der Regel flie­ßen Geld­be­trä­ge dadurch zu, dass sie dem Emp­fän­ger bar aus­be­zahlt oder einem Kon­to des Emp­fän­gers bei einem Kre­dit­in­sti­tut gut­ge­schrie­ben wer­den.

Der Bun­des­fi­nanz­hof geht jedoch in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass bei beherr­schen­den Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rern ein Zufluss von Ein­nah­men auch ohne Zah­lung oder Gut­schrift bereits frü­her vor­lie­gen kann. Danach fließt dem allei­ni­gen oder jeden­falls beherr­schen­den Gesell­schaf­ter eine ein­deu­ti­ge und unbe­strit­te­ne For­de­rung gegen "sei­ne" Kapi­tal­ge­sell­schaft bereits mit deren Fäl­lig­keit zu, denn ein beherr­schen­der Gesell­schaf­ter hat es regel­mä­ßig in der Hand, sich geschul­de­te Beträ­ge aus­zah­len zu las­sen, wenn der Anspruch ein­deu­tig, unbe­strit­ten und fäl­lig ist 3. Aller­dings wer­den von die­ser Zufluss­fik­ti­on nur Gehalts­be­trä­ge und sons­ti­ge Ver­gü­tun­gen erfasst, die die Kapi­tal­ge­sell­schaft den sie beherr­schen­den Gesell­schaf­tern schul­det und die sich bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens der Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­ge­wirkt haben 4. Fäl­lig wird der Anspruch auf Tan­tie­men erst mit Fest­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses 5, sofern die Ver­trags­par­tei­en nicht zivil­recht­lich wirk­sam und fremd­üb­lich eine ande­re Fäl­lig­keit im Anstel­lungs­ver­trag ver­ein­ba­ren 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2011 – VI R 66/​09

  1. z.B. BFH, Urteil vom 01.02.2007 – VI R 73/​04, BFH/​NV 2007, 896, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 10.12.1985 – VIII R 15/​83, BFHE 145, 538, BSt­Bl II 1986, 342[]
  3. BFH, Urteil vom 08.05.2007 – VIII 13/​06, BFH/​NV 2007, 2249, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 15.06.2004 – VI B 220/​00, BFH/​NV 2004, 1419[]
  4. BFH, Urteil vom 11.02.1965 – IV 213/​64 U, BFHE 82, 440, BSt­Bl III 1965, 407[]
  5. BFH, Urteil vom 14.03.2006 – I R 72/​05, BFH/​NV 2006, 1711[]
  6. OLG Köln, Urteil vom 27.11.1992 – 19 U 89/​92, GmbHR 1993, 157, 158; Hachenburg/​Stein, GmbHG § 35 Rz 220; Posd­ziech, Der Geschäfts­füh­rer der GmbH, 2. Aufl. 1994, Rz 136; Sud­hoff, Rech­te und Pflich­ten des Geschäfts­füh­rers einer GmbH und einer GmbH & Co., 14. Aufl., S. 28[]