Gewerb­li­cher Grund­stücks­han­del – und die abwei­chen­de Steu­er­fest­set­zung aus Bil­lig­keits­grün­den

Zur Abgren­zung der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung vom Gewer­be­be­trieb im Bereich des Grund­stücks­han­dels hat­te der BFH mit Urteil vom 09.12 1986 – VIII R 317/​82 1 die sog. Drei-Objekt-Gren­ze ein­ge­führt, nach der kein gewerb­li­cher Grund­stücks­han­del vor­lag, sofern weni­ger als vier Objek­te ver­äu­ßert wor­den sind. Allein für Groß­ob­jek­te galt dies nicht.

Gewerb­li­cher Grund­stücks­han­del – und die abwei­chen­de Steu­er­fest­set­zung aus Bil­lig­keits­grün­den

Die Ver­wal­tung hat­te sich die­ser Recht­spre­chung ange­schlos­sen, die als Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung und damit als Frei­gren­ze für die Ver­äu­ße­rung von bis zu drei Objek­ten ver­stan­den wer­den konn­te 2.

Der Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 197, 240, BSt­Bl II 2002, 291 hat in der Anzahl der ver­äu­ßer­ten Objek­te kei­ne unwi­der­leg­li­che Typi­sie­rung mehr gese­hen, son­dern die­ser nur noch indi­zi­el­le Bedeu­tung zuge­mes­sen. So konn­te auch die Ver­äu­ße­rung von weni­ger als vier Objek­ten unter beson­de­ren Umstän­den eine gewerb­li­che Betä­ti­gung dar­stel­len. Inso­weit hat der Beschluss in BFHE 197, 240, BSt­Bl II 2002, 291 die Rechts­la­ge für den Steu­er­pflich­ti­gen ver­schärft.

Nach dem BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2003, 171 sind die Grund­sät­ze des Beschlus­ses in BFHE 197, 240, BSt­Bl II 2002, 291 zur Anwen­dung der Drei-Objekt-Gren­ze, soweit sich hier­aus nach­tei­li­ge Fol­gen für den Steu­er­pflich­ti­gen erge­ben, erst auf Ver­äu­ße­run­gen anzu­wen­den, die nach dem 31.05.2002 (Datum der Ver­öf­fent­li­chung des Beschlus­ses) statt­ge­fun­den haben. Das neue­re BMF-Schrei­ben vom 26.03.2004 3 hat die­se Rege­lung über­nom­men 4. Aller­dings ändert eine Gerichts­ent­schei­dung, auch wenn sie von der vor­ge­hen­den Recht­spre­chung abweicht, die Rechts­la­ge nicht, son­dern beur­teilt sie ledig­lich abwei­chend. Sie wäre daher vor­be­halt­lich der beson­de­ren Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung in § 176 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 AO mate­ri­ell-recht­lich grund­sätz­lich unbe­grenzt rück­wir­kend anwend­bar. Es han­delt sich bei dem BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2003, 171 daher um eine Über­gangs­re­ge­lung aus Bil­lig­keits­grün­den 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Juli 2016 – X R 11/​14

  1. BFHE 148, 480, 483, BSt­Bl II 1988, 244[]
  2. BMF, Schrei­ben vom 20.12 1990 – IV B 2‑S 2240 – 61/​90, BSt­Bl I 1990, 884; zum Ver­ständ­nis als Frei­gren­ze BFH, Beschluss in BFHE 197, 240, BSt­Bl II 2002, 291, unter C.III. 2., C.III. 5.[]
  3. BMF, Schrei­ben vom 26.03.2004 – IV A 6‑S 2240 – 46/​04, BSt­Bl I 2004, 434[]
  4. BMF, a.a.O., Rz 36 bzw. VI. Satz 2[]
  5. vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 17.12 2003 – XI R 22/​02, BFH/​NV 2004, 1629; vom 15.11.2006 – X B 11/​06, BFH/​NV 2007, 209[]