Rück­stel­lung wegen zukünf­ti­ger Betriebs­prü­fun­gen

Mit Urteil vom 6. Juni 2012 hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass in der Bilanz einer als Groß­be­trieb im Sin­ne von § 3 BpO ein­ge­stuf­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft Rück­stel­lun­gen für im Zusam­men­hang mit einer Außen­prü­fung bestehen­de Mit­wir­kungs­pflich­ten gemäß § 200 AO grund­sätz­lich zu bil­den sind, soweit die­se die am jewei­li­gen Bilanz­stich­tag bereits abge­lau­fe­nen Wirt­schafts­jah­re (Prü­fungs­jah­re) betref­fen [1]. Die Pas­si­vie­rung einer Rück­stel­lung für die­se Kos­ten sei auch vor Erlass einer Prü­fungs­an­ord­nung mög­lich.

Rück­stel­lung wegen zukünf­ti­ger Betriebs­prü­fun­gen

Dabei ließ der Bun­des­fi­nanz­hof man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit die Fra­ge offen, ob eine Rück­stel­lung für Betriebs­prü­fungs­kos­ten auch bei nicht anschluss­ge­prüf­ten Steu­er­pflich­ti­gen gebil­det wer­den dür­fe. Für die­se Steu­er­pflich­ti­gen kommt die Rege­lung des § 4 Absatz 2 BpO nicht zur Anwen­dung. Eben­so blieb man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit offen, wel­che Kos­ten bei der Bewer­tung der Rück­stel­lung zu berück­sich­ti­gen sind.

Die Finanz­ver­wal­tung zieht nun die Kon­se­quen­zen aus die­sem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs und will sei­ne Anwen­dung auf Groß­be­trie­be beschränkt sehen:

Die Grund­sät­ze des BFH-Urteils vom 6. Juni 2012 sind über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus all­ge­mein anzu­wen­den.
Sei­te 2 Für Steu­er­pflich­ti­ge, bei denen eine Anschluss­prü­fung i. S. d. § 4 Absatz 2 BpO nicht in Betracht kommt, gel­ten die Grund­sät­ze des BFH-Urteils nicht. Die Soll-Vor­ga­be des § 4 Absatz 2 BpO war ein tra­gen­der Grund für den Bun­des­fi­nanz­hof, um von einer hin­rei­chend bestimm­ten, sank­ti­ons­be­wehr­ten Ver­pflich­tung aus­zu­ge­hen, bei der die Inan­spruch­nah­me über­wie­gend wahr­schein­lich ist.

Somit kommt die Pas­si­vie­rung einer Rück­stel­lung für Kos­ten, die in Zusam­men­hang mit einer zukünf­ti­gen mög­li­chen Betriebs­prü­fung ste­hen, bei Steu­er­pflich­ti­gen, die nicht vom Anwen­dungs­be­reich des § 4 Absatz 2 BpO umfasst sind, nicht in Betracht.

In die Rück­stel­lung dür­fen nur die Auf­wen­dun­gen ein­be­zo­gen wer­den, die in direk­tem Zusam­men­hang mit der Durch­füh­rung einer zu erwar­ten­den Betriebs­prü­fung ste­hen. Hier­zu zäh­len bei­spiels­wei­se die Kos­ten, die für die Inan­spruch­nah­me recht­li­cher oder steu­er­li­cher Bera­tung zur Durch­füh­rung einer Betriebs­prü­fung ent­ste­hen. Nicht ein­zu­be­zie­hen sind ins­be­son­de­re die all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­kos­ten, die bei der Ver­pflich­tung zur Auf­be­wah­rung von Geschäfts­un­ter­la­gen gemäß § 257 HGB und § 147 AO, der Ver­pflich­tung zur Erstel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses und der Ver­pflich­tung zur Anpas­sung des betrieb­li­chen EDV-Sys­tems an die Grund­sät­ze zum Daten­zu­griff und zur Prüf­bar­keit digi­ta­ler Unter­la­gen (GDPdU) berück­sich­tigt wor­den sind.

Die Rück­stel­lung für die­se Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung zur Durch­füh­rung einer Betriebs­prü­fung ist als Sach­leis­tungs­ver­pflich­tung gemäß § 6 Absatz 1 Num­mer 3a Buch­sta­be b EStG mit den Ein­zel­kos­ten und den ange­mes­se­nen Tei­len der not­wen­di­gen Gemein­kos­ten zu bewer­ten und nach Buch­sta­be e abzu­zin­sen.

Die­se Rege­lung ist in allen offe­nen Fäl­len anzu­wen­den. Die Rege­lun­gen zur Bilanz­be­rich­ti­gung gemäß R 4.4 Absatz 1 Sät­ze 3 bis 10 EStR sind zu beach­ten.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, Schrei­ben vom 7. März 2013 – IV C 6 – S 2137/​12/​10001 [DOK 2013/​0214527]

  1. BFH, Urteil vom 06.06.2012 – I R 99/​10[]