Zur geschäft­li­chen Repu­ta­ti­on getä­tig­te Abwick­lungs­auf­wen­dun­gen

Als nach­träg­li­che Anschaf­fungs­kos­ten kön­nen Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen des­sen Auf­lö­sungs­ver­lust nur erhö­hen, wenn sie sich auf die kon­kre­te Betei­li­gung bezie­hen. Befrie­digt ein qua­li­fi­ziert betei­lig­ter Gesell­schaf­ter einer GmbH einen Gläu­bi­ger der GmbH, obschon die­se Ver­bind­lich­keit wegen der Voll­be­en­di­gung der GmbH nicht mehr besteht, ist der ent­spre­chen­de Auf­wand nicht (mehr) durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst.

Zur geschäft­li­chen Repu­ta­ti­on getä­tig­te Abwick­lungs­auf­wen­dun­gen

Nach § 17 Abs. 1 und 4 EStG gehört zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb auch der Gewinn aus der Auf­lö­sung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, wenn der Gesell­schaf­ter inner­halb der letz­ten fünf Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft qua­li­fi­ziert betei­ligt war und er die Betei­li­gung in sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen hielt. Ent­spre­chen­des gilt für die aus der Auf­lö­sung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ent­ste­hen­den Ver­lus­te [1].

Auf­lö­sungs­ver­lust im Sin­ne des § 17 Abs. 1, 2 und 4 EStG ist der Betrag, um den die im Zusam­men­hang mit der Auf­lö­sung der Gesell­schaft vom Steu­er­pflich­ti­gen per­sön­lich getra­ge­nen Kos­ten (ent­spre­chend den Ver­äu­ße­rungs­kos­ten nach § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG) sowie sei­ne Anschaf­fungs­kos­ten den gemei­nen Wert des dem Steu­er­pflich­ti­gen zuge­teil­ten oder zurück­ge­zahl­ten Ver­mö­gens der Kapi­tal­ge­sell­schaft über­stei­gen [2].

Anschaf­fungs­kos­ten sind nach § 255 Abs. 1 Satz 1 HGB Auf­wen­dun­gen, die geleis­tet wer­den, um einen Ver­mö­gens­ge­gen­stand zu erwer­ben. Dazu gehö­ren nach § 255 Abs. 1 Satz 2 HGB auch die nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten. Zu den nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten einer Betei­li­gung zäh­len neben (ver­deck­ten) Ein­la­gen auch nach­träg­li­che Auf­wen­dun­gen auf die Betei­li­gung, wenn sie durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst sind und weder Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen noch Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­lö­sungs­kos­ten sind [3].

Dazu rech­net der Bun­des­fi­nanz­hof Finan­zie­rungs­hil­fen für die Gesell­schaft [4]. Allein dar­aus, dass die Finan­zie­rungs­maß­nah­me eines Gesell­schaf­ters zuguns­ten der Gesell­schaft dem sog. Fremd­ver­gleich nicht stand­hält, folgt noch nicht, dass sie zu funk­tio­na­lem Eigen­ka­pi­tal und damit im Ver­lust­fall zu nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten im Sin­ne von § 17 Abs. 2 EStG führt [5]. Wer­den sol­che Zah­lun­gen geleis­tet, nach­dem die GmbH auf­grund ihrer tat­säch­li­chen Ver­mö­gens­lo­sig­keit und Löschung nach Liqui­da­ti­on bereits voll­be­en­det war [6], sind die­se Auf­wen­dun­gen nicht mehr durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis zur GmbH ver­an­lasst. Denn die GmbH ist nach ihrer Löschung wegen tat­säch­li­cher Ver­mö­gens­lo­sig­keit als Per­son nicht mehr exis­tent, Ver­bind­lich­kei­ten gehen unter.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Juni 2010 – IX R 52/​09

  1. BFH, Urteil vom 12.12.2000 – VIII R 22/​92, BFHE 194, 108, BStBl II 2001, 385, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 194, 108, BStBl II 2001, 385[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 04.03.2008 – IX R 78/​06, und IX R 80/​06, BFHE 220, 446; und 220, 451, BStBl II 2008, 575 und 577, jeweils m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 22.04.2008 – IX R 75/​06, BFH/​NV 2008, 1994, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 1994[]
  6. vgl. dazu Haas in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 19. Aufl., § 66 Rz 37; Klein­diek in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 17. Aufl. 2009, § 60 Rz 14 ff., m.w.N.[]