Aus­zah­lung von Kin­der­geld an den Sozi­al­hil­fe­trä­ger

Die Aus­zah­lung von Kin­der­geld an einen Abzwei­gungs­be­rech­tig­ten führt ‑anders als die Zah­lung an den ori­gi­när Kin­der­geld­be­rech­tig­ten- nur dann zum Erlö­schen des Kin­der­geld­an­spruchs, wenn der Abzwei­gungs­be­scheid bestands­kräf­tig gewor­den ist.

Aus­zah­lung von Kin­der­geld an den Sozi­al­hil­fe­trä­ger

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs schei­det eine Abzwei­gung des Kin­der­gel­des an den Sozi­al­hil­fe­trä­ger oder an das Kind aus, wenn das Kin­der­geld zuvor bereits an den ori­gi­när kin­der­geld­be­rech­tig­ten Eltern­teil tat­säch­lich aus­ge­zahlt wur­de. Der Kin­der­geld­an­spruch wird durch die Aus­zah­lung erfüllt und erlischt damit 1.

Dabei kommt der Aus­zah­lung von Kin­der­geld an einen Drit­ten (Sozi­al­hil­fe­trä­ger) nicht die­sel­be Wir­kung zu wie einer Aus­zah­lung an den ori­gi­när Kin­der­geld­be­rech­tig­ten. Denn die Erfül­lungs­zu­stän­dig­keit für erhal­te­nes Kin­der­geld ändert sich von der Per­son des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten auf einen Drit­ten erst dann und soweit, wie ein bestands­kräf­ti­ger Abzwei­gungs­be­scheid der Fami­li­en­kas­se ergan­gen ist, bei dem es sich für den Emp­fän­ger um einen begüns­ti­gen­den und für den bis­her Kin­der­geld­be­rech­tig­ten um einen belas­ten­den Ver­wal­tungs­akt mit Dop­pel­wir­kung han­delt 2.

Wird die­ser Ver­wal­tungs­akt der Fami­li­en­kas­se frist­ge­recht durch Ein­spruch des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten ange­foch­ten, kann er im Ein­spruchs­ver­fah­ren wie­der auf­ge­ho­ben oder ein­ge­schränkt wer­den. Dadurch wird die vor­ma­li­ge Erfül­lungs­zu­stän­dig­keit des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten wie­der her­ge­stellt.

Dem­ge­mäß hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den, dass im Hin­blick auf die Son­der­re­ge­lung des § 112 SGB X, wonach zu Unrecht erstat­te­te Beträ­ge zurück­zu­er­stat­ten sind, eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Grund­sät­ze bei Zah­lung von Kin­der­geld an den ori­gi­när Kin­der­geld­be­rech­tig­ten bei einer ange­foch­te­nen Abzwei­gungs­ent­schei­dung nicht in Betracht kommt 3. Der Sozi­al­hil­fe­trä­ger hat nach erfolg­rei­cher Anfech­tung des Abzwei­gungs­be­schei­des das zu Unrecht erhal­te­ne Kin­der­geld an die Fami­li­en­kas­se gemäß § 112 SGB X zu erstat­ten, sodass die­se das Kin­der­geld dem Berech­tig­ten nach­zah­len kann.

Die Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt 4, wonach der Kin­der­geld­be­rech­tig­te zunächst eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Abzwei­gungs­ent­schei­dung vor dem Finanz­ge­richt erhe­ben muss, um anschlie­ßend einen Scha­dens­er­satz­an­spruch im Wege der Amts­haf­tungs­kla­ge vor dem Zivil­ge­richt nach § 839 BGB durch­zu­set­zen und damit die Zivil­ge­richts­bar­keit mit Fra­gen der Kin­der­geld­be­rech­ti­gung zu befas­sen, wäre zudem schwer­lich mit den Grund­sät­zen der Pro­zess­öko­no­mie zu ver­ein­ba­ren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – V R 18/​15

  1. BFH, Urtei­le in BFHE 231, 520, BSt­Bl II 2013, 583; vom 27.10.2011 – III R 16/​09, BFH/​NV 2012, 720; BFH, Beschluss vom 02.12 2013 – III S 33/​13 (PKH), BFH/​NV 2014, 574[]
  2. BFH, Urteil vom 24.08.2001 – VI R 83/​99, BFHE 196, 278, BSt­Bl II 2002, 47; Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, EStG, § 74 Rz 14[]
  3. BFH, Urteil vom 19.09.2013 – V R 25/​12, BFH/​NV 2014, 322[]
  4. FG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 24.02.2015 – 4 K 180/​13[]