Deut­sches Kin­der­geld und die Eltern­zeit in Bel­gi­en

Ein Anspruch auf Kin­der­geld kann auch für einen in einem ande­ren EU-Mit­glied­staat wohn­haf­ten Eltern­teil bestehen.

Deut­sches Kin­der­geld und die Eltern­zeit in Bel­gi­en

In einem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Rechts­streit war der Klä­ger bis Ende August 2008 bei einer deut­schen AG beschäf­tigt, hat­te jedoch von sei­nem Anspruch auf Eltern­zeit Gebrauch gemacht. Im Novem­ber 2007 teil­te er der Fami­li­en­kas­se mit, dass er bereits im Sep­tem­ber 2007 mit sei­nen Kin­dern und der Kin­des­mut­ter nach Bel­gi­en ver­zo­gen sei. Die Kin­des­mut­ter sei seit Juli 2007 in den Nie­der­lan­den erwerbs­tä­tig. Die Fami­li­en­kas­se stell­te dar­auf­hin die Zah­lung des Kin­der­gel­des mit Wir­kung ab Novem­ber 2007 ein.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf gab der dar­auf­hin erho­be­nen Kla­ge auf Wei­ter­ge­wäh­rung des Kin­des­gel­des statt. Der Anspruch des Klä­gers auf Kin­der­geld für sei­ne Töch­ter sei nicht dadurch ent­fal­len, dass er Eltern­zeit zur Erzie­hung sei­ner Toch­ter genom­men habe, weil er wäh­rend die­ser Zeit gemäß § 26 Abs. 2a Satz 1 Nr. 1 i. V. m. Satz 3 SGB II und § 56 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Satz 2 SGB VI wei­ter­hin in der Arbeits­lo­sen- und in der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­chert gewe­sen sei. Auch ohne Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und ohne unbe­schränk­te Steu­er­pflicht gemäß § 1 Abs. 2 oder § 1 Abs. 3 EStG gehö­re der Klä­ger so lan­ge zum Kreis der in § 62 Abs. 1 EStG auf­ge­führ­ten Anspruchs­be­rech­tig­ten, als er auf­grund der Eltern­zeit in der inlän­di­schen Arbeits­lo­sen- und Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­chert sei.

Dies erge­be sich aus den der Vor­schrift des § 62 Abs. 1 EStG vor­ge­hen­den EU-recht­li­chen Rege­lun­gen, wonach ein Arbeit­neh­mer auch dann den Rechts­vor­schrif­ten des Beschäf­ti­gungs­staa­tes unter­liegt, wenn er in einem ande­ren Staat sei­nen Wohn­sitz habe. Dem Kin­der­geld­an­spruch des Klä­gers – so die Ansicht des 3. Senats – ste­he nicht ent­ge­gen, dass auch die Kin­des­mut­ter auf­grund ihrer Erwerbs­tä­tig­keit in den Nie­der­lan­den nach nie­der­län­di­schem Recht Anspruch auf Kin­der­geld für die Töch­ter habe. § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, der den inlän­di­schen Kin­der­geld­an­spruch für den Fall aus­schlie­ße, dass ein Kin­der­geld­an­spruch für das Kind im Aus­land besteht, wer­de durch die vor­ran­gi­ge Rege­lung in Art. 10 Abs. 3 DVO (EWG) Nr. 574/​72 ver­drängt. Die­se EU-Ver­ord­nung bestim­me für den Fall, dass Fami­li­en­leis­tun­gen für ein und den­sel­ben Zeit­raum für ein und den­sel­ben Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von zwei Mit­glied­staa­ten geschul­det wür­den, dass der zustän­di­ge Trä­ger des Mit­glied­staa­tes, des­sen Rechts­vor­schrif­ten den höhe­ren Leis­tungs­be­trag vor­se­hen, die­sen gan­zen Betrag aus­zah­le, der ihm dann von dem zustän­di­gen Trä­ger des ande­ren Mit­glied­staa­tes zur Hälf­te zu erstat­ten sei.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 18. Dezem­ber 2009 – 3 K 3986/​08 K