Lohn­steu­er und die Ein­künf­te beim Kin­der­geld

Die vom Arbeits­lohn ein­be­hal­te­ne Lohn­steu­er ist nicht von den Ein­künf­ten i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG a.F. abzu­set­zen. Dies ent­spricht seit dem BFH, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 1 stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 2.

Lohn­steu­er und die Ein­künf­te beim Kin­der­geld

Die­se Recht­spre­chung befasst sich bereits mit dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 11.01.2005 3, wonach die Berück­sich­ti­gung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge als Ein­künf­te des Kin­des gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ver­stößt, weil Eltern mit sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Kin­dern, deren Ein­künf­te und Bezü­ge den Jah­res­grenz­be­trag nur wegen der als Ein­künf­te behan­del­ten Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge über­schrit­ten, gegen­über Eltern mit nicht sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Kin­dern benach­tei­ligt sei­en, deren Ein­künf­te und Bezü­ge den Jah­res­grenz­be­trag nicht über­stie­gen. Dem­ge­gen­über sind nach der­sel­ben BFH-Recht­spre­chung 4 die sich aus dem Lohn­steu­er­ab­zug mög­li­cher­wei­se erge­ben­den Liqui­di­täts­nach­tei­le gegen­über Kin­dern, die Ein­kom­men­steu­er bezah­len, ohne dass Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen fest­ge­setzt wur­den, als Typi­sie­rung mit Art. 3 Abs. 1 GG ver­ein­bar; zudem wird die Lohn­steu­er –anders als die Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge– wie­der erstat­tet, wenn das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men den Grund­frei­be­trag nicht über­steigt.

Aus dem BFH-Urteil vom 28. Mai 2009 5 ergibt sich nichts ande­res. Soweit danach eine Rück­la­ge nach § 7g Abs. 3 EStG a.F. die Ein­künf­te des Kin­des i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG a.F. min­dert, beruht dies auf dem Begriff der Ein­künf­te, der in § 2 Abs. 2 EStG gesetz­lich defi­niert und je nach Ein­kunfts­art als Gewinn oder als Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten zu ver­ste­hen ist; nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 6 wür­de eine ande­re Aus­le­gung des Begriffs der Ein­künf­te, die von der "tra­dier­ten steu­er­li­chen Ter­mi­no­lo­gie" abwi­che, dem Wort­laut und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang wider­spre­chen und damit auch dem klar geäu­ßer­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2013 – XI B 103/​12

  1. BFH, Urteil vom 26.09.2007 – - III R 4/​07, BFHE 219, 112, BSt­Bl II 2008, 738, unter II.6.[]
  2. vgl. auch z.B. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2009, 372; vom 20.11.2008 – III R 75/​07, BFH/​NV 2009, 567[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 11.01.2005 – 2 BvR 167/​02, BVerfGE 112, 164, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 260[]
  4. z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 372[]
  5. BFH, Urteil vom 28.05.2009 – - III R 8/​06, BFHE 225, 141, BSt­Bl II 2010, 346[]
  6. BVerfG in BVerfGE 112, 164, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 260[]
  7. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 372, unter II.2.[]