Ver­rech­nungs­mög­lich­keit von Ver­lus­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten

Alt-Ver­lus­te aus Ter­min­ge­schäf­ten, die im zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des mitt­ler­wei­le aus­ge­lau­fe­nen Geset­zes über die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten (KAGG) ent­stan­den sind, kön­nen nach einer Ent­schei­dung des Hes­si­schen Finanz­ge­richts nicht ohne wei­te­res mit Erträ­gen ver­rech­net wer­den, die im zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des nun­mehr gül­ti­gen Invest­ment­steu­er­ge­set­zes (InvStG) erzielt wur­den.

Ver­rech­nungs­mög­lich­keit von Ver­lus­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten

Im ent­schie­de­nen Streit­fall waren bei dem kla­gen­den Son­der­ver­mö­gen zum Ende des Geschäfts­jah­res 2004/​2005 Ver­lust­vor­trä­ge in Höhe von ca. 1 Mil­li­on Euro vor­han­den, wel­che als sog. steu­er­li­cher Merk­pos­ten intern wei­ter­ge­führt wor­den waren. Der Ver­lust­vor­trag resul­tier­te aus Ver­lus­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes. Die­se Ver­lus­te waren im zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes über die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten erzielt wor­den. In dem Geschäfts­jahr 2004/​2005 erwirt­schaf­te­te der Klä­ger Zins­er­trä­ge in Höhe von ca. 4 Mil­lio­nen Euro und bean­trag­te die Ver­rech­nung der oben genann­ten Ver­lus­te aus Ter­min­ge­schäf­ten mit Zin­sen, inlän­di­schen Miet­erträ­gen und sons­ti­gen Erträ­gen gemäß § 3 Abs. 1 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes.

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt lehn­te – wie bereits zuvor das Finanz­amt – die bean­trag­te Ver­lust­ver­rech­nung ab. Eine sol­che Ver­lust­ver­rech­nung kom­me nur auf der Grund­la­ge des § 3 Abs. 4 Satz 1 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes, der eine abschlie­ßen­de Rege­lung hin­sicht­lich der Ver­lust­ver­rech­nung auf der Ebe­ne des Fonds dar­stel­le, in Betracht. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 4 Satz 1 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes sei­en vor­lie­gend jedoch nicht erfüllt, weil die sich inso­weit gegen­über­ste­hen­den Ver­lus­te und Erträ­ge nach den kon­kre­ten Ver­hält­nis­sen kei­ne nega­ti­ven bzw. posi­ti­ven Erträ­ge „glei­cher Art“ im Sin­ne des § 3 Abs. 4 Satz 1 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes sei­en. Zudem ent­hal­te das Invest­ment­steu­er­ge­set­zes kei­ne wei­te­re oder dar­über hin­aus gehen­de Rege­lung zur Ver­lust­ver­rech­nung. Damit habe der Gesetz­ge­ber die Pra­xis der Fond­ge­sell­schaf­ten auf­ge­grif­fen, Ein­nah­men und Aus­ga­ben bereits auf der Ebe­ne des Son­der­ver­mö­gens unmit­tel­bar mit­ein­an­der zu ver­rech­nen und inso­weit auf den kom­pli­zier­ten Trans­fer der Ver­lus­te auf die Ebe­ne des Anle­gers zu ver­zich­ten.

Der Gesetz­ge­ber habe auch nicht eine beson­de­re Über­gangs­re­ge­lung hin­sicht­lich der Berück­sich­ti­gung von Alt-Ver­lus­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten geschaf­fen, die unter dem Gel­tungs­be­reich des aus­ge­lau­fe­nen Geset­zes über die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten ent­stan­den sind. Schließ­lich ver­sto­ße der Umstand, dass § 3 Abs. 4 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes eine Ver­rech­nung mit Alt-Ver­lus­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten mit posi­ti­ven Erträ­gen aus Zin­sen, inlän­di­schen Miet­erträ­gen oder sons­ti­gen Erträ­gen im Sin­ne des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes nicht zulas­se, auch nicht gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Arti­kel 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes (GG).

Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 14. Novem­ber 2012 – 4 K 1902/​08
[nicht rechts­kräf­tig, Revi­si­on ein­ge­legt beim Bun­des­fi­nanz­hof – IX R 49/​12]