Ver­jäh­ren­las­sen von For­de­run­gen als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Das ein­sei­ti­ge Nicht­gel­tend­ma­chen von For­de­run­gen gegen­über dem Gesell­schaf­ter vor dem zivil­recht­li­chen Ver­jäh­rungs­stich­tag kann eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung dar­stel­len.

Ver­jäh­ren­las­sen von For­de­run­gen als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Anders als bei einen rechts­ge­schäft­lich zwi­schen Gläu­bi­ger und Schuld­ner ver­ein­bar­ten Teil­ver­zicht auf For­de­run­gen aus Lie­fe­run­gen und Leis­tun­gen 1, geht es hier um ein ein­sei­ti­ges Nicht­gel­tend­ma­chung von For­de­run­gen. Dass hier­in ein kon­klu­den­ter Ver­zicht zu erken­nen sein könn­te, ver­steht sich ohne nähe­re Dar­le­gun­gen nicht von selbst. Denn im Ver­zicht ist regel­mä­ßig ein Erlass­ver­trag i.S. des § 397 BGB zu erbli­cken 2. Es han­delt sich damit um eine aus­ge­han­del­te rechts­ge­schäft­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Gläu­bi­ger und Schuld­ner. Ein sol­cher Erlass kann, wenn er ‑regel­mä­ßig im Zusam­men­wir­ken mit ande­ren Gläu­bi­gern- in der Absicht aus­ge­spro­chen wird, den Schuld­ner geschäft­lich und finan­zi­ell gesun­den zu las­sen, als ‑dann betrieb­lich ver­an­lass­te- Sanie­rungs­maß­nah­me zu beur­tei­len sein 3.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall konn­te aber gera­de nicht fest­ge­stellt wer­den, dass dem ‑wie­der­hol­ten- Nicht­er­grei­fen ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chen­der Maß­nah­men ein ver­gleich­ba­rer rechts­ge­schäft­li­cher Erklä­rungs­in­halt zukam. Weder der Schuld­ner noch ande­re Gläu­bi­ger waren Teil einer wie auch immer gear­te­ten Sanie­rungs­ver­ein­ba­rung, die vor dem Hin­ter­grund einer sub­stan­ti­iert auf­ge­klär­ten wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on des Schuld­ner­un­ter­neh­mens getrof­fen wur­de.

nach der ein­schlä­gi­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung und Lite­ra­tur zum Fra­gen­kreis der Sanie­rung muss die Fra­ge, ob das auf­ge­wor­fe­ne Rechts­pro­blem ange­sichts der feh­len­den rechts­ge­schäft­li­chen Grund­la­ge des "Ver­zichts" und der feh­len­den Mit­wir­kung der ande­ren Gläu­bi­ger nicht bereits in einem für die GmbH nach­tei­li­gen Sin­ne als geklärt betrach­tet wer­den. Der ertrag­steu­er­recht­li­che Sanie­rungs­be­griff war bereits Gegen­stand zahl­rei­cher Ent­schei­dun­gen des BFH 4. Auch die Lite­ra­tur 5 und die finanz­ge­richt­li­che Recht­spre­chung 6 haben sich zum The­men­kreis vGA und Sanie­rung geäu­ßert. Neue Argu­men­te, die den Mei­nungs­stand beein­flus­sen könn­ten, sind nicht erkenn­bar.

Die Annah­me einer vGA muss im vor­lie­gen­den Fall dar­über hin­aus in Anbe­tracht der beherr­schen­den Stel­lung der bei­den Gesell­schaf­ter und ihrer gleich­ge­rich­te­ten Inter­es­sen bereits unter dem Gesichts­punkt ernst­lich erwo­gen wer­den, dass der behaup­te­te Sanie­rungs­bei­trag nicht Gegen­stand einer klar und ein­deu­tig im Vor­aus getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung war 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Febru­ar 2015 – I B 32/​14

  1. vgl. hier­zu FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 29.06.1995 – 4 K 1587/​93, EFG 1995, 1074[]
  2. vgl. Erman/​E. Wag­ner, BGB, 14. Aufl., § 397 Rz 1[]
  3. vgl. Gosch, KStG, 2. Aufl., § 8 Rz 1200[]
  4. BFH, Urtei­le vom 18.12 1990 – VIII R 39/​87, BFHE 164, 404, BSt­Bl II 1991, 784; vom 14.07.2010 – X R 34/​08, BFHE 229, 502, BSt­Bl II 2010, 916[]
  5. z.B. Gosch, a.a.O., § 8, Rz 1200; Blümich/​Rengers, § 8 KStG Rz 900 "Sanie­rung"; Schall­mo­ser in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 8 KStG Rz 380 "Sanie­rung"[]
  6. vgl. z.B. FG Rhein­land-Pfalz, EFG 1995, 1074; FG Müns­ter, Urteil vom 09.07.2002 – 1 K 430/​99 F, EFG 2003, 30[]
  7. zu den Son­der­an­for­de­run­gen beim for­mel­len Fremd­ver­gleich vgl. etwa Wilk in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 8 KStG Rz 144[]