Fremd­gut­ach­ten vor dem Finanz­ge­richt

Nach § 82 FGO i.V.m. § 411a ZPO darf das FG die schrift­li­che Begut­ach­tung durch die Ver­wer­tung eines gericht­lich ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens aus einem ande­ren Ver­fah­ren erset­zen. Ent­schei­det sich das Gericht für die Ver­wer­tung, dann ist das "Fremd­gut­ach­ten" als voll­wer­ti­ger Sach­ver­stän­di­gen­be­weis zu behan­deln 1. Erach­tet das Gericht das Gut­ach­ten aus einem ande­ren Ver­fah­ren für unge­nü­gend, dann kann es eine neue Begut­ach­tung durch die­sel­ben oder ande­re Sach­ver­stän­di­ge anord­nen (§ 82 FGO i.V.m. § 412 Abs. 1 ZPO).

Fremd­gut­ach­ten vor dem Finanz­ge­richt

Wie der Wort­laut der §§ 411a und 412 Abs. 1 ZPO ("kann") deut­lich macht, steht sowohl die Ver­wer­tung des "Fremd­gut­ach­tens" als auch die Ein­ho­lung eines Zweit­gut­ach­tens im Ermes­sen des Tat­sa­chen­ge­richts. Die­ses Ermes­sen wird nur dann ver­fah­rens­feh­ler­haft aus­ge­übt, wenn das Gericht von der Ein­ho­lung gut­ach­ter­li­cher Stel­lung­nah­men absieht, obwohl sich ihm die Not­wen­dig­keit einer zusätz­li­chen Beweis­erhe­bung hät­te auf­drän­gen müs­sen. Dies gilt auch für die Ein­ho­lung eines Zweit­gut­ach­tens. Ein sol­ches ist ins­be­son­de­re dann ein­zu­ho­len, wenn die Ein­schät­zung des Erst­gut­ach­ters nicht dem Stand der Wis­sen­schaft ent­spricht, wider­sprüch­lich oder von unsach­li­chen Erwä­gun­gen getra­gen ist 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2012 – III B 140/​11

  1. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 82 Rz 37a[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 09.05.1996 – X B 223/​95, BFH/​NV 1996, 773; vom 31.10.2002 – XI B 43/​02; vom 05.05.2004 – VIII B 107/​03, BFH/​NV 2004, 1533[]