Gehil­fen­haf­tung bei der Steu­er­hin­ter­zie­hung

Nach § 191 Abs. 1 AO kann der­je­ni­ge, der kraft Geset­zes für eine Steu­er haf­tet, durch Haf­tungs­be­scheid in Anspruch genom­men wer­den. Die Ent­schei­dung über die Inan­spruch­nah­me eines Haf­tungs­schuld­ners ist zwei­glied­rig 1. Das Finanz­amt hat zunächst zu prü­fen, ob in der Per­son oder den Per­so­nen, die es zur Haf­tung her­an­zie­hen will, die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Haf­tungs­inan­spruch­nah­me erfüllt sind. Hier­bei han­delt es sich um eine vom Gericht in vol­lem Umfang über­prüf­ba­re Rechts­ent­schei­dung. Dar­an schließt sich die nach § 191 Abs. 1 AO zu tref­fen­de Ermes­sens­ent­schei­dung – vgl. § 5 AO – des Finanz­amts an, ob und ggf. wen es als Haf­ten­den in Anspruch neh­men will. Die­se auf der zwei­ten Stu­fe zu tref­fen­de Ent­schei­dung ist gericht­lich nur im Rah­men des § 102 S. 1 FGO auf Ermes­sens­feh­ler (Ermes­sens­fehl­ge­brauch bzw. Ermes­sens­über­schrei­tung) über­prüf­bar 2.

Gehil­fen­haf­tung bei der Steu­er­hin­ter­zie­hung

Gemäß §§ 191 Abs. 1 S. 1, 71 i.V.m. 370 Abs. 1 Nr. 1 bzw. 2 AO kann der­je­ni­ge, der eine Steu­er­hin­ter­zie­hung oder eine Steu­er­heh­le­rei begeht oder an einer sol­chen teil­nimmt, für die ver­kürz­ten Steu­ern und die zu Unrecht gewähr­ten Steu­er­vor­tei­le sowie für die Zin­sen nach § 235 AO in Haf­tung genom­men wer­den.

Nach dem inso­weit ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 71 AO kommt bei einer Haf­tungs­inan­spruch­nah­me nach die­ser Norm nur eine Haf­tung für die ver­kürz­ten Steu­ern bzw. für die zu Unrecht gewähr­ten Steu­er­vor­tei­le und für Hin­ter­zie­hungs­zin­sen in Betracht, nicht jedoch für Nach­zah­lungs­zin­sen.

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH, vgl. u.a. BFH, Urteil vom 13. Juni 1997 – VI R 96/​96, BFH/​NV 1998, 4[]
  2. vgl. u.a. BFH, Urteil vom 11. März 2004 – VII R 52/​02, BSt­Bl II 2004, 579, unter II 1 a m.w.N.[]