Kraft­fahr­zeu­ge im not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen

Die Rege­lung des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG gilt für die Bewer­tung der Pri­vat­nut­zung eines zu mehr als 50 % betrieb­lich genutz­ten Kfz des Betriebs­ver­mö­gens; sie betrifft nicht die pri­va­te Nut­zung eines Fahr­zeugs, das nicht zum Betriebs­ver­mö­gen gehört1.

Kraft­fahr­zeu­ge im not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen

Wäh­rend ein Grund­stück steu­er­recht­lich in meh­re­re Wirt­schafts­gü­ter zer­fal­len kann, schei­det eine der­ar­ti­ge Auf­tei­lung bei beweg­li­chen Wirt­schafts­gü­tern aus2. Abnutz­ba­re beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter ‑wie z.B. ein sowohl betrieb­lich als auch pri­vat genutz­ter PKW- sind daher ent­we­der voll dem Betriebs­ver­mö­gen oder voll dem Pri­vat­ver­mö­gen zuzu­rech­nen. Wer­den sie ‑wie im Streit­fall- nicht nur vor­über­ge­hend über­wie­gend eigen­be­trieb­lich genutzt, d.h. zu mehr als 50 %, dann gehö­ren sie zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen3.

Die Zuge­hö­rig­keit eines ‑nicht nur vor­über­ge­hend- über­wie­gend betrieb­lich genutz­ten Wirt­schafts­gu­tes zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen hängt nicht davon ab, ob es in der Bilanz akti­viert wor­den ist4. Wer­den die Ein­künf­te ‑wie hier vom Klä­ger- nicht durch Bestands­ver­gleich, son­dern durch Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung ermit­telt, hängt die Zuge­hö­rig­keit zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen dem­entspre­chend nicht davon ab, ob sie in ein Anla­gen­ver­zeich­nis (§ 4 Abs. 3 Satz 5 EStG) auf­ge­nom­men wur­den5.

Wenn ein Wirt­schafts­gut vor sei­ner Zuge­hö­rig­keit zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen Pri­vat­ver­mö­gen war, wird es dem Betriebs­ver­mö­gen infol­ge der nicht nur vor­über­ge­hen­den Nut­zungs­än­de­rung durch Ein­la­ge (§ 4 Abs. 1 Satz 5 EStG a.F., jetzt § 4 Abs. 1 Satz 8 EStG) zuge­führt. Die Ein­la­ge­hand­lung stellt einen tat­säch­li­chen Vor­gang dar; sie erfor­dert kein Rechts­fol­ge­be­wusst­sein und kann dar­in bestehen, dass der Steu­er­pflich­ti­ge dem Wirt­schafts­gut durch eine Nut­zungs­än­de­rung eine betrieb­li­che Funk­ti­on zuweist6.

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren­des Wirt­schafts­gut aus die­sem infol­ge einer Ver­rin­ge­rung des betrieb­li­chen Nut­zungs­an­teils aus­schei­det und ob die Zuge­hö­rig­keit zum Betriebs­ver­mö­gen „von Zeit zu Zeit” wech­seln kann, könn­te in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den, denn der betrieb­li­che Nut­zungs­an­teil der Fahr­zeu­ge hat nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) durch­weg über 50 % gele­gen7.

Für den Bun­des­fi­nanz­hof ist nicht erkenn­bar, war­um eine unge­woll­te Über­lei­tung von Pri­vat­ver­mö­gen in Betriebs­ver­mö­gen allein wegen einer län­ger­fris­ti­gen über­wie­gend betrieb­li­chen Nut­zung zu will­kür­li­chen und mit Art. 3 GG nicht zu ver­ein­ba­ren­den Ergeb­nis­sen füh­ren soll.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Mai 2014 – III B 152/​13

  1. BFH, Urteil vom 20.11.2012 – VIII R 31/​09, BFH/​NV 2013, 527, mit Hin­wei­sen zu gemie­te­ten und geleas­ten Fahr­zeu­gen
  2. Schmidt/​Heinicke, EStG, 33. Aufl., § 4 Rz 206; Musil in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 119
  3. BFH, Urtei­le vom 13.03.1964 – IV 158/​61 S, BFHE 79, 605, BSt­Bl III 1964, 455; vom 23.05.1991 – IV R 58/​90, BFHE 164, 537, BSt­Bl II 1991, 798; vom 02.10.2003 – IV R 13/​03, BFHE 203, 373, BSt­Bl II 2004, 985
  4. BFH, Urteil vom 24.10.2001 – X R 153/​97, BFHE 197, 105, BSt­Bl II 2002, 75; vom 14.01.2010 – IV R 86/​06, BFH/​NV 2010, 1096
  5. vgl. dem­ge­gen­über BFH, Urteil vom 21.08.2012 – VIII R 11/​11, BFHE 239, 195, BSt­Bl II 2013, 117, zu gewill­kür­tem Betriebs­ver­mö­gen
  6. BFH, Urteil vom 06.03.1991 – X R 57/​88, BFHE 164, 246, BSt­Bl II 1991, 829; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 506
  7. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 239, 195, BSt­Bl II 2013, 117, betref­fend gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen