Umsatz­steu­er­freie Refe­ren­ten­tä­tig­keit

Eine Refe­ren­ten­tä­tig­keit auf von einer Berufs­kam­mer ver­an­stal­te­ten Fort­bil­dungs­se­mi­na­ren ist nach einem Urteil des Finanz­ge­richts Köln nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (6. EWGRL) von der Umsatz­steu­er befreit.

Umsatz­steu­er­freie Refe­ren­ten­tä­tig­keit

Gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der 6. EWGRL befrei­en die Mit­glied­staa­ten von der Umsatz­steu­er „den von Pri­vat­leh­rern erteil­ten Schul- und Hoch­schul­un­ter­richt“. Dabei lässt die – in den Streit­jah­ren noch nicht vom deut­schen Gesetz­ge­ber trans­for­mier­te – Vor­schrift, auf die sich ein Steu­er­pflich­ti­ger vor den natio­na­len Gerich­ten grund­sätz­lich unmit­tel­bar beru­fen kann, die Umsatz­steu­er­be­frei­ung des von Pri­vat­leh­rern gehal­te­nen Unter­richts nur zu, wenn die­ser an einer Schu­le oder Hoch­schu­le erteilt wird, bzw. wenn er – gemes­sen an sei­nen Anfor­de­run­gen – dem übli­cher­wei­se an einer Schu­le oder Hoch­schu­le erteil­ten Unter­richt ent­spricht. Die­se eng am Wort­laut ori­en­tier­te Geset­zes­aus­le­gung recht­fer­tigt der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­ner Recht­spre­chung mit dem Hin­weis dar­auf, dass Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der 6. EWGRL die Steu­er­be­frei­ung aus­drück­lich nur für den von Pri­vat­leh­rern erteil­ten „Schul- und Hoch­schul­un­ter­richt“ anord­net, die fer­ner in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. i der 6. EWGRL auf­ge­führ­ten Tätig­kei­ten (Erzie­hung von Kin­dern und Jugend­li­chen, die Aus­bil­dung, die Fort­bil­dung oder die beruf­li­che Umschu­lung) aber gera­de nicht auf­greift.

Der Klä­ger hat zwar im Rah­men der von der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer bzw. den regio­na­len Steu­er­be­ra­ter­kam­mern orga­ni­sier­ten Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen – unstrei­tig – kei­nen „Schul- oder Hoch­schul­un­ter­richt“ erteilt. Denn die genann­ten Ein­rich­tun­gen sind weder Schu­len noch Hoch­schu­len. Nach dem Norm­ver­ständ­nis des BFH greift die Steu­er­be­frei­ung des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der 6. EWGRL jedoch trotz betont enger Geset­zes­aus­le­gung auch dann ein, wenn der Unter­richt – „gemes­sen an sei­nen Anfor­de­run­gen – dem Unter­richt ent­spricht, der übli­cher­wei­se an einer Schu­le oder Hoch­schu­le erteilt wird“.

Ent­ge­gen der Ansicht des Beklag­ten hat der Klä­ger anläss­lich der von der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer durch­ge­führ­ten Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen kei­ne blo­ße Vor­trags­tä­tig­keit aus­ge­übt, son­dern er hat den Semi­nar­teil­neh­mern „Unter­richt“ i.S. des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der 6. EWGRL erteilt.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 16.08.2005 – 09 K 2708/​01

  1. EuGH, Urtei­le Hade­rer vom 14.06.2007 – C‑445/​05, EU:C:2007:344, BFH/​NV Bei­la­ge 2007, 394; Eulitz, EU:C:2010:47, BFH/​NV 2010, 583[]