Ankla­ge­schrift – und ihre Tat­um­gren­zungs­funk­ti­on

Die Ankla­ge­schrift hat die Auf­ga­be, den Ver­fah­rens­ge­gen­stand im Sin­ne von § 151 StPO zu kenn­zeich­nen 1.

Ankla­ge­schrift – und ihre Tat­um­gren­zungs­funk­ti­on

Sie bestimmt dadurch mit­tel­bar auch den Umfang der Rechts­kraft eines spä­te­ren Urteils und dient der Ver­hin­de­rung einer Mehr­fach­ver­fol­gung des Ange­klag­ten wegen der­sel­ben Tat (Art. 103 Abs. 3 GG).

§ 200 Abs. 1 Satz 1 StPO nennt Tat­zeit und Tat­ort als Kon­kre­ti­sie­rungs­merk­ma­le; jedoch ste­hen die­se Merk­ma­le nicht allein. Ande­re Umstän­de, ins­be­son­de­re Ein­zel­hei­ten der Tat­be­ge­hung, die­nen eben­falls der Tat­kon­kre­ti­sie­rung. Tat­zeit und Tat­ort als Umgren­zungs­merk­ma­le kön­nen dadurch ergänzt oder ersetzt wer­den.

Ihr Feh­len oder ihre Unbe­stimmt­heit ist nicht schon für sich genom­men ein wesent­li­cher Ankla­ge­man­gel. Maß­geb­lich ist viel­mehr, ob der his­to­ri­sche Gesche­hens­ab­lauf mit der Gesamt­heit der mit­ge­teil­ten Umgren­zungs­merk­ma­le noch aus­rei­chend gekenn­zeich­net ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. April 2017 – 2 StR 409/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.1994 – 5 StR 682/​93, BGHSt 40, 44, 45; Urteil vom 29.07.1998 – 1 StR 94/​98, BGHSt 44, 153, 154 f.; BGH, Urteil vom 02.03.2011 – 2 StR 524/​10, BGHSt 56, 183, 185[]