Bedingter Tötungsvorsatz – und der anschließende Verdeckungsmord

Zwar kann bei einem Verdeckungsmord die zu verdeckende Tat auch eine solche sein, die gegen Leib und Leben gerichtet ist1. Um eine andere Straftat im Sinne von § 211 Abs. 2 Var. 9 StGB handelt es sich jedoch nicht, wenn der Täter nur diejenige Tat verdecken will, die er gerade begeht, was etwa dann der Fall ist, wenn während einer einheitlichen Tötungshandlung die Verdeckungsabsicht nur noch als weiteres Motiv für die Tötung hinzutritt.

Bedingter Tötungsvorsatz – und der anschließende Verdeckungsmord

Auch ein zäsurloser Übergang vom bedingten zum unbedingten Tötungsvorsatz würde die zeitlich davorliegenden Teile einer einheitlichen Tötungshandlung nicht als eine andere Straftat erscheinen lassen2.

Denn in diesem Fall kommt in Betracht, dass der Angeklagte, als er sein Opfer mit direktem Tötungsvorsatz würgte und sodann erneut auf es einstach, lediglich die bereits – mit bedingtem Tötungsvorsatz – begonnene Tötung vollenden, nicht aber eine andere Straftat verdecken wollte3.

Voraussetzung der Annahme eines Verdeckungsmordes ist in diesen Fällen deshalb in aller Regel, dass zwischen einem (erfolglosen) ersten, mit Tötungsvorsatz vorgenommen Angriff und einer erneuten, nunmehr mit Verdeckungsabsicht begangenen Tötungshandlung eine deutliche zeitliche Zäsur liegt4.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 3. Februar 2015 – 3 StR 541/14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 1987 – 2 StR 559/87, BGHSt 35, 116[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.05.2000 – 1 StR 617/99, NStZ 2000, 498[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.1990 – 5 StR 102/90, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Verdeckung 5 mwN; Beschluss vom 10.05.2000 – 1 StR 617/99, NStZ 2000, 498[]
  4. vgl. MünchKomm-StGB/Schneider, 2. Aufl., § 211 Rn. 229 mwN; BGH, Urteile vom 12.06.2001 – 5 StR 432/00, NStZ 2002, 253; vom 12.12 2002 – 4 StR 297/02, NJW 2003, 1060[]