Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung

Die Beweis­wür­di­gung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters. Des­halb ist es vom Revi­si­ons­ge­richt regel­mä­ßig hin­zu­neh­men, wenn der Ange­klag­te frei­ge­spro­chen wird, weil der Tatrich­ter Zwei­fel an des­sen Täter­schaft nicht zu über­win­den ver­mag.

Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung

Der Beur­tei­lung durch das Revi­si­ons­ge­richt unter­liegt inso­weit nur, ob dem Tatrich­ter bei der Beweis­wür­di­gung Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Das ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt.

Recht­lich zu bean­stan­den sind die Beweis­er­wä­gun­gen fer­ner dann, wenn sie erken­nen las­sen, dass das Gericht über­spann­te Anfor­de­run­gen an die zur Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung gestellt und dabei nicht beach­tet hat, dass eine abso­lu­te, das Gegen­teil den­knot­wen­dig aus­schlie­ßen­de und von nie­man­dem anzwei­fel­ba­re Gewiss­heit nicht erfor­der­lich ist, son­dern ein nach der Lebens­er­fah­rung aus­rei­chen­des Maß an Sicher­heit genügt, das ver­nünf­ti­ge und nicht bloß auf denk­theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten gegrün­de­te Zwei­fel nicht zulässt 1.

Zudem muss das ange­foch­te­ne Urteil erken­nen las­sen, dass das Tat­ge­richt sol­che Umstän­de, die Ent­schei­dung zu Guns­ten oder zu Unguns­ten des Ange­klag­ten zu beein­flus­sen, erkannt und in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen hat. Dabei dür­fen die ein­zel­nen Beweis­ergeb­nis­se nicht nur iso­liert gewer­tet wer­den, son­dern müs­sen in eine umfas­sen­de Gesamt­wür­di­gung ein­ge­stellt wor­den sein 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2017 – 1 StR 535/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 12.01.2017 – 1 StR 360/​16, Rn. 10; und vom 11.05.2017 – 4 StR 554/​16, Rn. 6 jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; etwa BGH, Urtei­le vom 02.04.2015 – 3 StR 635/​14, Rn. 3; und vom 12.01.2017 – 1 StR 360/​16, Rn. 10, NStZ-RR 2017, 185 mwN[]