Der Betrug des Immo­bi­li­en­käu­fers und die Untreue des Notars

Ein Notar, der schon vor der Beur­kun­dung Kennt­nis von einem von den Kauf­ver­trags­par­tei­en zum Nach­teil des finan­zie­ren­den Geld­in­sti­tuts geplan­ten Betrug erlangt hat und trotz­dem hin­ter­leg­te Gel­der aus­zahlt, ver­stößt gegen § 54 d Nr. 1 BeurkG und han­delt pflicht­wid­rig im Sin­ne des § 266 StGB.

Der Betrug des Immo­bi­li­en­käu­fers und die Untreue des Notars

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hofs auf die Revi­si­on eines Notars, den das Land­ge­richt Lim­burg wegen Untreue in 22 Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt hat­te.

Dem ange­klag­ten Notar oblag, so der Bun­des­ge­richts­hof, aus den von ihm über­nom­me­nen Ver­wah­rungs­treu­hand­ver­hält­nis­sen jeweils eine Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht im Sin­ne des § 266 StGB gegen­über der Kreis­spar­kas­se. Dass die Spar­kas­se die Treu­hand­auf­trä­ge jeweils erst zeit­gleich mit der Über­wei­sung der ein­zel­nen Dar­le­hen­stran­chen ver­sandt hat­te, so dass sie beim Ange­klag­ten erst nach der Umbu­chung vom Ander­kon­to auf das Geschäfts­kon­to der Kanz­lei ein­gin­gen, nahm der Treu­ge­be­rin zwar die Mög­lich­keit zur Ertei­lung vor­ran­gi­ger ein­sei­ti­ger Ver­wah­rungs­an­wei­sun­gen, ent­band den Ange­klag­ten aber nicht von der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung der Ver­wah­rungs­treu­hand durch §§ 54 a ff. BeurkG.

Sei­ne Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht ver­letz­te der Ange­klag­te in den jewei­li­gen Fäl­len nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs jeweils in zwei­er­lei Hin­sicht:

Ver­mö­gens­ge­fähr­dung durch dro­hen­de eige­ne Pfän­dun­gen

Durch die Umbu­chun­gen von den Ander­kon­ten auf das all­ge­mei­ne Geschäfts­kon­to ver­stieß er gegen das Ver­bot des § 54 b Abs. 1 Satz 3 BeurkG und setz­te die treu­hän­de­risch ver­wahr­ten Gel­der einer scha­dens­glei­chen kon­kre­ten Ver­mö­gens­ge­fähr­dung aus. Anders als das Land­ge­richt anzu­neh­men scheint, trat eine sol­che Ver­mö­gens­ge­fähr­dung nicht erst durch die Umbu­chun­gen nach dem März 2001 ein, nach­dem der Ange­klag­te gegen­über einer eige­nen Gläu­bi­ge­rin – der N. Spar­kas­se – erst­mals eine Monats­ra­te aus einer Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung vom Juli 1998 schul­dig geblie­ben war und des­halb ein Pfän­dungs­zu­griff wegen titu­lier­ter For­de­run­gen in einer Gesamt­hö­he von 5 Mio. DM droh­te. Viel­mehr führt die Ver­mi­schung treu­hän­de­risch ver­wahr­ter frem­der mit eige­nen Gel­dern nur dann nicht zu einem Ver­mö­gens­nach­teil im Sin­ne des § 266 StGB, wenn der die Treue­pflicht Ver­let­zen­de unein­ge­schränkt bereit und jeder­zeit fähig ist, einen ent­spre­chen­den Betrag aus eige­nen flüs­si­gen Mit­teln voll­stän­dig aus­zu­keh­ren 1, was hier ange­sichts der Fest­stel­lun­gen zur finan­zi­el­len Lage des Ange­klag­ten für alle von ihm ver­an­lass­ten Umbu­chun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

Die Recht­spre­chung des Senats zum vol­un­ta­ti­ven Vor­satz­ele­ment in Fäl­len scha­dens­glei­cher Ver­mö­gens­ge­fähr­dung 2 hat das Land­ge­richt dem ange­foch­te­nen Urteil in rechts­feh­ler­frei­er Wei­se zu Grun­de gelegt. Dass der Ange­klag­te die Rea­li­sie­rung der Gefahr eines kon­kre­ten Scha­dens­ein­tritts bil­li­gend in Kauf genom­men hat­te, wird ins­be­son­de­re durch die Fest­stel­lung belegt, dass er ange­sichts sei­ner deso­la­ten finan­zi­el­len Lage kei­ne ande­re Mög­lich­keit sah, die Ein­nah­men aus sei­nem Nota­ri­at zu stei­gern. Auf die in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen jeweils nicht­tra­gend geäu­ßer­te abwei­chen­de Rechts­auf­fas­sung des 1. Straf­se­nats, wonach der beding­te Vor­satz nicht auch die Bil­li­gung eines even­tu­el­len End­scha­dens umfas­sen müs­se 3, kommt es damit hier nicht an.

Untreue durch Aus­zah­lung der hin­ter­leg­ten Gel­der

Der Ange­klag­te ver­stieß zudem durch die Aus­zah­lun­gen der hin­ter­leg­ten Gel­der in Kennt­nis der Täu­schung der finan­zie­ren­den Spar­kas­se durch die Kauf­ver­trags­par­tei­en gegen sei­ne Ver­pflich­tung aus § 54 d BeurkG. Hier­nach hat der Notar von der Aus­zah­lung abzu­se­hen und alle an dem Ver­wah­rungs­ge­schäft betei­lig­ten Per­so­nen hier­von zu unter­rich­ten, wenn hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass er bei Befol­gung der unwi­der­ruf­li­chen Anwei­sung an der Errei­chung uner­laub­ter oder unred­li­cher Zwe­cke mit­wir­ken wür­de, oder einem Auf­trag­ge­ber durch die Aus­zah­lung des ver­wahr­ten Gel­des ein unwie­der­bring­li­cher Scha­den erkenn­bar droht. Nach die­ser Vor­schrift hat nicht nur der­je­ni­ge Notar die Aus­zah­lung zu unter­las­sen, der wegen eines erst nach Annah­me des Ver­wah­rungs­auf­trags ver­dich­te­ten Ver­dachts eines Betrugs zu Las­ten des Ein­zah­lers Anlass hat, des­sen Belan­ge für gefähr­det zu hal­ten. Das Ver­bot trifft viel­mehr auch den Notar, der bereits bei der der Ver­wah­rung zu Grun­de lie­gen­den Beur­kun­dung davon Kennt­nis hat­te, dass die Betei­lig­ten einen Betrug zum Nach­teil des künf­ti­gen Hin­ter­le­gers pla­nen, und der des­halb nach § 14 Abs. 2 BNo­tO sei­ne Amts­tä­tig­keit ins­ge­samt hät­te ver­sa­gen müs­sen 4.

Durch die Aus­zah­lun­gen füg­te der Ange­klag­te der Treu­ge­be­rin in allen Fäl­len mit direk­tem Schä­di­gungs­vor­satz einen Ver­mö­gens­nach­teil in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen dem Betrag der Dar­le­hens­va­lu­ta und dem Wert der ihr gewähr­ten Sicher­hei­ten zu. Dass das Land­ge­richt den kon­kre­ten Wert der der Kreis­spar­kas­se ein­ge­räum­ten Grund­pfand­rech­te zur Zeit der schä­di­gen­den Ver­fü­gun­gen nicht fest­ge­stellt hat, berührt den Bestand der Schuld­sprü­che nicht, da den fest­ge­stell­ten Gesamt­um­stän­den hin­rei­chend zu ent­neh­men ist, dass sie kei­ne aus­rei­chen­de Sicher­heit boten. Im Übri­gen belief sich in den Fäl­len 1 bis 4, 6 bis 9, 11 bis 13, 15 bis 16 und 18 der Urteils­grün­de der durch die Aus­zah­lun­gen ver­ur­sach­te Scha­den zumin­dest auf die Höhe der Beträ­ge der Kick-back-Zah­lun­gen und der ver­deck­ten Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschl. vom 7. April 2010 – 2 StR 153/​09

  1. st. Rechtspr.; vgl. nur RGSt 73, 283, 285 f.; BGHSt 15, 342, 344 f.; BGH BGHR StGB § 266 Abs. 1 Nach­teil 56[]
  2. BGHSt 51, 100, 118 ff.; BGH NStZ 2007, 704, 705[]
  3. BGHSt 53, 199, 204 Rn. 17; so auch schon BGH NJW 2008, 2451, 2452; offen gelas­sen durch den 3. Straf­se­nat: BGH, Urteil vom 13.08.2009 – 3 StR 576/​08[]
  4. BGH – NotS – NJW-RR 2009, 488, 489[]