Der min­der schwe­re Fall – und die Gesamt­be­wer­tung aller straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Umstän­de

Die Prü­fung, ob ein min­der schwe­rer Fall – hier im Sin­ne des § 244a Abs. 2 StGB – vor­liegt, erfor­dert eine Gesamt­be­wer­tung aller straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Umstän­de 1.

Der min­der schwe­re Fall – und die Gesamt­be­wer­tung aller straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Umstän­de

Inso­weit könn­te es auf recht­li­che Beden­ken sto­ßen, dass die Straf­kam­mer die Anwen­dung des Son­der­straf­rah­mens im Hin­blick auf das Tat­bild und die Täter­per­sön­lich­keit des Ange­klag­ten B. mit dem Hin­weis abge­lehnt hat, "allein" die Tat­sa­che, dass er nicht vor­be­straft sei, rei­che dafür nicht aus, wäh­rend sie im Rah­men der kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung wei­te­re all­ge­mei­ne Straf­mil­de­rungs­ge­sichts­punk­te berück­sich­tigt hat.

Da die Straf­kam­mer die­sen Straf­mil­de­rungs­grün­den rechts­feh­ler­frei nur gerin­ges Gewicht bei­gemes­sen hat und sich die Aus­füh­run­gen zur kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung unmit­tel­bar an die­je­ni­gen zum Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les anschlie­ßen, kann indes aus­ge­schlos­sen wer­den, dass das Land­ge­richt die bei der kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung ange­führ­ten wei­te­ren Mil­de­rungs­grün­de bei der Prü­fung, ob ein min­der schwe­rer Fall vor­liegt, aus dem Blick ver­lo­ren hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Novem­ber 2017 – 3 StR 293/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 05.12 2007 – 5 StR 471/​07, NStZ 2008, 338; vom 25.11.2008 – 3 StR 484/​08, NStZ-RR 2009, 139; zur Prü­fungs­rei­hen­fol­ge, falls auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Straf­mil­de­rungs­grund vor­liegt, vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2014 – 3 StR 168/​14, Rn. 7[]