Die Haar­tracht bei der Bun­des­wehr

Der "Haar- und Bart­erlass", der die Haar- und Bart­tracht der Bun­des­wehr­sol­da­ten regelt, ist, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied, recht­mä­ßig.

Die Haar­tracht bei der Bun­des­wehr

Der Antrag­stel­ler leis­te­te ab Janu­ar 2009 als Wehr­pflich­ti­ger Grund­wehr­dienst in einem Aus­bil­dungs­re­gi­ment. Er trug bei Antritt des Wehr­diens­tes rund 40 cm lan­ge Haa­re, die offen getra­gen auf den Rücken fie­len. Im Dienst sicher­te er die Haa­re zunächst mit meh­re­ren Haar­gum­mis, so dass sie einen lan­gen, über den Uni­form­kra­gen hin­aus bis zu den Schul­ter­blät­tern rei­chen­den Pfer­de­schwanz erga­ben; spä­ter trug er die Haa­re hoch­ge­bun­den. Sei­ne Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten befah­len dem Antrag­stel­ler mehr­fach, sich mit einer Fri­sur zum Dienst zu mel­den, die den Bestim­mun­gen des Haar- und Bart­erlas­ses ent­spricht. Die­ser sieht für männ­li­che Sol­da­ten vor, dass das Haar am Kopf anlie­gen oder so kurz geschnit­ten sein muss, dass Ohren und Augen nicht bedeckt wer­den; das Haar muss so getra­gen wer­den, dass bei auf­rech­ter Kopf­hal­tung Uni­form- und Hemd­kra­gen nicht berührt wer­den.

Der Antrag­stel­ler befolg­te die Befeh­le nicht und erhob gegen zwei die­ser Befeh­le Beschwer­de nach der Wehr­be­schwer­de­ord­nung. Er sah sich in sei­nem Recht auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit (Art. 2 Abs. 1 GG) ver­letzt und ver­lang­te Gleich­be­hand­lung mit Sol­da­tin­nen, denen das Tra­gen län­ge­rer Haa­re, ggf. mit einem Haar­netz, gestat­tet sei. Sei­ne Anträ­ge auf gericht­li­che Ent­schei­dung wur­de vom Trup­pen­dienst­ge­richt Nord zurück­ge­wie­sen 1. Auch die vom Trup­pen­dienst­ge­richt wegen Diver­genz zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­den zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt blieb jetzt ohne Erfolg.

Der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung ist befugt, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, im Zusam­men­hang mit der Uni­form der Sol­da­ten auch deren Haar- und Bart­tracht zu regeln. Mit dem gel­ten­den Erlass hat er dabei den ihm zuste­hen­den Ein­schät­zungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Der spe­zi­fi­sche Auf­trag und die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Streit­kräf­te sind unver­än­dert in einem hohen Maß durch ein nach außen ein­heit­li­ches Auf­tre­ten und einen nach innen engen Zusam­men­halt ihrer Ange­hö­ri­gen geprägt.

Ein­schrän­kun­gen der Sol­da­ten in der frei­en Gestal­tung ihrer Haar­tracht sind des­halb durch das Rege­lungs­ziel eines – für das Selbst­ver­ständ­nis und die öffent­li­che Wahr­neh­mung bestim­men­den – ein­heit­li­chen äuße­ren Erschei­nungs­bilds der Bun­des­wehr bei der Erfül­lung ihres Ver­tei­di­gungs­auf­trags im In- und Aus­land gerecht­fer­tigt.

Im Hin­blick auf die auch den Sol­da­ten in wei­tem Umfang gewähr­leis­te­ten Frei­hei­ten zur indi­vi­du­el­len Lebens­ge­stal­tung stellt die im Äußer­li­chen blei­ben­de Rege­lung der Haar­tracht ein ver­hält­nis­mä­ßi­ges Mit­tel dar, zumal kei­ne „Ein­heits­fri­sur“ ver­ord­net, son­dern ledig­lich äuße­re Gren­zen gesetzt wer­den. Eine Aus­nah­me für Grund­wehr­dienst­leis­ten­de (im Rah­men der bis zum 30. Juni 2011 gel­ten­den all­ge­mei­nen Wehr­pflicht) war nicht gebo­ten, weil die­se wegen ihrer gro­ßen Zahl und ihrer Ver­tei­lung auf nahe­zu sämt­li­che Trup­pen­gat­tun­gen und Tätig­keits­be­rei­che das Gesamt­bild der Bun­des­wehr maß­geb­lich mit­präg­ten.

Die Rege­lung über die Haar­tracht von Sol­da­tin­nen, die die­sen auch das Tra­gen län­ge­rer Haa­re gestat­tet, stellt eine zuläs­si­ge Maß­nah­me zur För­de­rung von Frau­en in der Bun­des­wehr dar, die die strik­te­re Rege­lung der Haar­tracht für männ­li­che Sol­da­ten nicht in Fra­ge stellt. Im Anschluss an die all­ge­mei­ne Öff­nung der Bun­des­wehr für Frau­en im Janu­ar 2001 und bei einem Anteil der Frau­en in den Streit­kräf­ten von der­zeit rund 10 % hat sich für das äuße­re Erschei­nungs­bild von Sol­da­tin­nen noch kei­ne Tra­di­ti­on oder Erwar­tungs­hal­tung inner­halb der Bun­des­wehr und in der Öffent­lich­keit ver­fes­tigt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 17. Dezem­ber 2013 – 1 WRB 2.12 und 1 WRB 3.12

  1. Trup­pen­dienst­ge­richt Nord, Beschlüs­se vom 21.06.2012 – N 6 BLa 3/​09 und N 6 BLa 4/​09[]