DNA-Gut­ach­ten – und die Beweis­wür­di­gung

Wenn das Tat­ge­richt dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, hat es die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters so dar­zu­le­gen, dass das Rechts­mit­tel­ge­richt über­prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht, und ob die Schluss­fol­ge­run­gen nach den Geset­zen, den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft und den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens mög­lich sind 1.

DNA-Gut­ach­ten – und die Beweis­wür­di­gung

Für die Über­prü­fun, ob das Ergeb­nis einer auf einer DNA-Unter­su­chung beru­hen­den Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung plau­si­bel ist, bedeu­tet dies, dass das Tat­ge­richt jeden­falls mit­tei­len muss, wie vie­le Sys­te­me unter­sucht wur­den, ob die­se unab­hän­gig von­ein­an­der ver­erb­bar sind (und mit­hin die Pro­dukt­re­gel anwend­bar ist), ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben und mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die fest­ge­stell­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on bei einer wei­te­ren Per­son zu erwar­ten ist 2.

Vor­lie­gend hät­te das Tat­ge­richt daher dar­le­gen müs­sen, aus wel­chen Grün­den genau eine Häu­fig­keits­be­rech­nung durch den Sach­ver­stän­di­gen "rein for­mal" nicht mög­lich war und wel­che Anfor­de­run­gen erfüllt sein müs­sen, damit eine sol­che Berech­nung durch­ge­führt wer­den kann. Ins­be­son­de­re lässt sich dem Urteil in Bezug auf die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung nicht ent­neh­men, ob es sich bei den for­ma­len Grün­den, die nach Aus­kunft des Sach­ver­stän­di­gen die­se nicht zulas­sen, um sol­che han­delt, die sich auf die Zuver­läs­sig­keit einer Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung auf der Grund­la­ge der unter­such­ten Merk­mals­sys­te­me aus­wir­ken. Auf­grund der Fest­stel­lun­gen des Tat­ge­richts ist es dem Revi­si­ons­ge­richt hier nicht mög­lich zu über­prü­fen, ob die Beweis­wür­di­gung des Tat­ge­richts auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht, mit­hin die Aus­füh­run­gen zur Wahr­schein­lich­keit plau­si­bel sind.

Der Bun­des­ge­richts­hof über­sieht dabei nicht, dass es letzt­lich Auf­ga­be des Gerichts ist, sich eine eige­ne Über­zeu­gung zu bil­den. Die Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen stel­len hier jedoch die ent­schei­den­de Bewer­tungs­grund­la­ge für die Über­zeu­gungs­bil­dung des Gerichts dar, so dass die­se für das Revi­si­ons­ge­richt der­art dar­ge­legt wer­den müs­sen, dass dem Revi­si­ons­ge­richt eine Über­prü­fung der tatrich­ter­li­chen Beweis­wür­di­gung ermög­licht wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2014 – 1 StR 364/​14

  1. vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 16.04.2013 – 3 StR 67/​13, StV 2014, 587 f.; BGH, Urteil vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, NStZ 2013, 420, 422[]
  2. BGH aaO, StV 2014, 587 f.[]