Doping – und der gesetz­ge­be­ri­sche Aktio­nis­mus

Der Bun­des­jus­tiz- und der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter haben einen "Gesetz­ent­wurf zur Bekämp­fung von Doping im Sport" vor­ge­stellt.

Doping – und der gesetz­ge­be­ri­sche Aktio­nis­mus

Die gesell­schaft­li­che Rele­vanz des Sports und der Kampf gegen Doping[↑]

Der Sport hat in Deutsch­land her­aus­ra­gen­de gesell­schaft­li­che Bedeu­tung. Er ver­kör­pert posi­ti­ve Wer­te wie Erhal­tung der Gesund­heit, Leis­tungs­be­reit­schaft, Fair­ness und Team­geist. Er schafft Vor­bil­der für jun­ge Men­schen und ist durch die Sport­le­rin­nen und Sport­ler mit ihren Spit­zen­leis­tun­gen zugleich Aus­hän­ge­schild für Deutsch­land in der Welt. Bund, Län­der und Kom­mu­nen unter­stüt­zen ihn des­halb mit umfang­rei­chen öffent­li­chen Mit­teln. Dane­ben ist der Sport auch ein bedeu­ten­der Wirt­schafts­fak­tor.

Vor die­sem Hin­ter­grund besteht ein erheb­li­ches öffent­li­ches Inter­es­se dar­an, den Sport vor nega­ti­ven Ein­flüs­sen und Ent­wick­lun­gen zu bewah­ren.

Der sport­li­che Wett­be­werb wird immer wie­der durch Doping­fäl­le erschüt­tert, und zwar nicht nur im Ski- und Rad­sport oder in der Leicht­ath­le­tik. Sport­le­rin­nen und Sport­ler ver­schaf­fen sich auch in ande­ren Sport­ar­ten durch Doping unge­recht­fer­tig­te Vor­tei­le. Sie bedro­hen mit die­sem Ver­hal­ten die Inte­gri­tät des sport­li­chen Wett­be­werbs und erschüt­tern dadurch sei­ne Grund­la­gen wie Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit. Doping greift damit tief in die ethisch mora­li­schen Grund­wer­te des Sports ein und raubt ihm sei­ne Glaub­wür­dig­keit und Vor­bild­funk­ti­on.

Bei der Chan­cen­gleich­heit geht es neben der Chan­ce auf den sport­li­chen Erfolg auch um die wirt­schaft­li­chen Fak­to­ren. Durch Gehäl­ter, öffent­li­che För­der­mit­tel, Start- und Preis­gel­der sowie Spon­so­ren­gel­der eröff­net der Sport vie­le Ein­nah­me­mög­lich­kei­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler, aber auch für ihr Umfeld, wie etwa das Manage­ment und die Trai­ne­rin­nen und Trai­ner. Die­se Mög­lich­kei­ten schei­nen – neben den sport­li­chen Zie­len – einen gewich­ti­gen Anreiz zu geben, mit­tels Doping die Leis­tungs­fä­hig­keit zu erhö­hen und damit Ergeb­nis­se von sport­li­chen Wett­be­wer­ben zu ver­fäl­schen. Das Doping geht zu Las­ten der ehr­li­chen Kon­kur­ren­ten, die im sport­li­chen Wett­be­werb gegen­über den dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­lern das Nach­se­hen haben. Getäuscht und geschä­digt wer­den aber auch Ver­an­stal­ter, Ver­ei­ne, Spon­so­ren, Medi­en, die von dem Sport­er­eig­nis berich­ten, Zuschau­er und alle ande­ren, die in der Erwar­tung eines fai­ren sport­li­chen Wett­be­werbs am Sport teil­ha­ben, ihn ver­fol­gen und Ver­mö­gens­wer­te auf­wen­den.

Die Anwen­dung von Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den zum Zwe­cke des Dopings im Sport beruht auf kei­ner medi­zi­ni­schen Indi­ka­ti­on und führt zu einem aus medi­zi­ni­scher Sicht nicht ange­zeig­ten Ein­griff in den Kör­per, der erheb­li­che Gefah­ren für die Gesund­heit der Sport­le­rin­nen und Sport­ler mit sich bringt. Schwe­re Spät­fol­gen sys­te­ma­ti­schen Dopings bis hin zu Todes­fäl­len in der Ver­gan­gen­heit sind Beweis für sei­ne Schäd­lich­keit. Das betrifft nicht nur die Sport­le­rin­nen und Sport­ler, son­dern auch die All­ge­mein­heit, die die Kos­ten der Behand­lung über die Kran­ken­kas­sen trägt und dadurch in erheb­li­chem Maße belas­tet wird.

Der ille­ga­le Han­del mit Doping­mit­teln hat inzwi­schen eine alar­mie­ren­de Dimen­si­on erreicht. Es gibt orga­ni­sier­te Ver­triebs­we­ge und Händ­ler­struk­tu­ren, die denen im orga­ni­sier­ten Rausch­gift­han­del ver­gleich­bar sind. Die Händ­ler ver­schaf­fen sich Doping­mit­tel aus dem Aus­land oder von Unter­grund­la­bo­ren und ver­äu­ßern die­se mit enor­men Gewinn­span­nen im Inter­net. Vor allem im Body­buil­ding- und Kraft­sport­be­reich wer­den ohne ärzt­li­che Kon­trol­le und mit hohen gesund­heit­li­chen Risi­ken Doping­mit­tel ein­ge­nom­men. Auch min­der­jäh­ri­ge Sport­le­rin­nen und Sport­ler gelan­gen an Doping­mit­tel und gebrau­chen die­se trotz der beson­de­ren Gesund­heits­ge­fah­ren, die die Anwen­dung die­ser Mit­tel gera­de bei jun­gen Men­schen birgt.

Das Anti­do­ping-Han­deln der Sport­ver­bän­de[↑]

Die Maß­nah­men des Doping­kon­troll­sys­tems des orga­ni­sier­ten Sports mit sei­nen ver­bands­recht­li­chen Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten stel­len einen wich­ti­gen Grund­pfei­ler in der Doping­be­kämp­fung dar.

Auf Ver­bands­ebe­ne sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im natio­na­len und inter­na­tio­na­len Bereich vie­le Maß­nah­men getrof­fen wor­den, um der Doping­pro­ble­ma­tik gerecht zu wer­den. Die natio­na­len Kräf­te wur­den erst­ma­lig im Jahr 1993 gebün­delt, als die zwei dama­li­gen deut­schen Sport­dach­ver­bän­de, der Deut­sche Sport­bund und das Natio­na­le Olym­pi­sche Komi­tee, eine „Gemein­sa­me Anti-Doping Kom­mis­si­on“ grün­de­ten. 1999 wur­de die Welt Anti-Doping Agen­tur (WADA) geschaf­fen, die ein welt­wei­tes Regel­werk gegen das Doping im Leis­tungs­sport ent­wi­ckel­te. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land führ­ten die Bemü­hun­gen zur Doping­be­kämp­fung im Jahr 2002 zur Grün­dung der Stif­tung Natio­na­le Anti Doping Agen­tur Deutsch­land (NADA), die nach ihrer Sat­zung die Koor­di­nie­rung der Doping­be­kämp­fung auf natio­na­ler Ebe­ne durch die Ein­rich­tung eines Doping­kon­troll­sys­tems inner­halb und außer­halb von Wett­be­wer­ben zum Ziel hat. Im Jahr 2004 tra­ten der ers­te Welt Anti-Doping Code (WADC) und der dar­auf fußen­de ers­te Natio­na­le Anti-Doping Code (NADC) in Kraft. Durch den WADC erfolg­te eine Har­mo­ni­sie­rung der welt­wei­ten und fach­ver­bands­über­grei­fen­den Bekämp­fung des Dopings. Der NADC stellt das zen­tra­le Anti-Doping-Regel­werk für den orga­ni­sier­ten deut­schen Sport dar. Er ent­hält die Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen bis hin zur Anord­nung von sport­recht­li­chen Sank­tio­nen. Erst­mals für das Jahr 2007 sind sämt­li­che Sport­ver­bän­de ver­pflich­tet, einen jähr­li­chen Anti-Doping-Bericht über ihre Akti­vi­tä­ten in die­sem Feld vor­zu­le­gen. Die Anstren­gun­gen der Ver­bän­de und der NADA bei der Doping­be­kämp­fung wer­den von Staat und Sport in erheb­li­chem Umfang finan­zi­ell unter­stützt. Die öffent­li­chen Geld­mit­tel für die NADA und die für die Doping­kon­trol­len zustän­di­gen Labo­re sind kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen.

Die Maß­nah­men des Sports allein sind jedoch ange­sichts der Dimen­si­on, die Doping im Sport ange­nom­men hat, nicht aus­rei­chend. Der Staat muss mit den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln zur Doping­be­kämp­fung bei­tra­gen. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat sich auch völ­ker­ver­trag­lich durch das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men gegen Doping im Sport vom 19. Okto­ber 2005 (Inter­na­tio­na­les Über­ein­kom­men gegen Doping) und das Euro­pa­rats-Über­ein­kom­men gegen Doping vom 16. Novem­ber 1989 ver­pflich­tet, Maß­nah­men zur Doping­be­kämp­fung zu ergrei­fen und den Sport hier­bei zu unter­stüt­zen.

Bestehen­de gesetz­li­che Anti­do­ping-Rege­lun­gen[↑]

Die Bekämp­fung des Dopings im Sport ist vor die­sem Hin­ter­grund seit lan­ger Zeit ein wich­ti­ges sport­po­li­ti­sches Anlie­gen des Bun­des. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind meh­re­re gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men zur Doping­be­kämp­fung in die Wege gelei­tet wor­den:

  • Seit dem 11. Sep­tem­ber 1998 ist durch das in § 6a in Ver­bin­dung mit § 95 Absatz 1 Num­mer 2a und 2b und Absatz 3 AMG nor­mier­te Ver­bot des Inver­kehr­brin­gens, Ver­schrei­bens und Anwen­dens eine Straf­bar­keit der­je­ni­gen Per­so­nen gege­ben, die am Doping einer Sport­le­rin oder eines Sport­lers im Hin­ter­grund betei­ligt sind und das Doping im Sport – ins­be­son­de­re auch durch kri­mi­nel­le Netz­wer­ke – ermög­li­chen.
  • 2007 wur­de eine Straf­ver­schär­fung für ban­den- und gewerbs­mä­ßi­ge Doping­s­traf­ta­ten ein­ge­führt, indem die­se Fäl­le als neue Regel­bei­spie­le für einen beson­ders schwe­ren Fall in § 95 Absatz 3 AMG auf­ge­nom­men wur­den.
  • Wei­ter­hin wur­de in § 95 Absatz 1 Num­mer 2b AMG erst­mals ein Straf­tat­be­stand des Besit­zes einer nicht gerin­gen Men­ge bestimm­ter beson­ders gefähr­li­cher Doping­mit­tel geschaf­fen.
  • Die­se mate­ri­ell-recht­li­chen Ände­run­gen wur­den flan­kiert von wei­te­ren Rege­lun­gen, wie der Ein­fü­gung des erwei­ter­ten Ver­falls und der Mög­lich­keit der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung nach § 100a StPO.
  • Die­ses Geset­zes­pa­ket wur­de im Jahr 2012 eva­lu­iert. Dabei wur­de zwar die grund­sätz­li­che Effi­zi­enz der Neu­re­ge­lun­gen bestä­tigt, aller­dings wur­den auch eini­ge Punk­te als über­prü­fungs- bzw. ver­bes­se­rungs­wür­dig ange­se­hen. Der Eva­lu­ie­rungs­be­richt hat den Anstoß gege­ben für eine wei­te­re Geset­zes­än­de­rung im Jahr 2013, mit der u. a. auch der Erwerb bestimm­ter gefähr­li­cher Doping­mit­tel unter Stra­fe gestellt wur­de.

Die­se gesetz­li­chen Rege­lun­gen waren aber nicht pri­mär auf den Schutz der Inte­gri­tät des Sports gerich­tet und waren daher in der Öffent­lich­keit – auch nach ihren Ände­run­gen – als nicht aus­rei­chend kri­ti­siert wor­den.

Bis­he­ri­ge Über­le­gun­gen zu gesetz­li­chen Anti­do­ping-Rege­lun­gen[↑]

Vor die­sem Hin­ter­grund gab es eine Rei­he ver­schie­de­ner wei­ter­füh­ren­der Gesetz­ge­bungs­in­itia­ti­ven zur Doping­be­kämp­fung.

Die­se Ent­wür­fe gehen zutref­fend davon aus, dass die bestehen­den doping­spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen im AMG der dar­ge­stell­ten staat­li­chen Auf­ga­be, durch effek­ti­ve Doping­be­kämp­fung die Gesund­heit von Sport­le­rin­nen und Sport­ler, aber auch die Inte­gri­tät des Sports zu schüt­zen, nicht hin­rei­chend gerecht wer­den. Sie wei­sen Schutz­lü­cken auf und sind im Hin­blick auf die erwei­ter­ten Schutz­rich­tun­gen nicht aus­rei­chend ziel­ge­nau. Es geht ange­sichts der erheb­li­chen Gesund­heits­ge­fah­ren dar­um, mit Nach­druck gegen den ille­ga­len Markt des Miss­brauchs von Arz­nei­mit­teln und ande­ren Stof­fen zum Zwe­cke des Dopings vor­zu­ge­hen. Die Straf­tat­be­stän­de müs­sen daher umfas­send die Hin­ter­män­ner und kri­mi­nel­len Netz­wer­ke erfas­sen, die oft mit erheb­li­cher kri­mi­nel­ler Ener­gie den ille­ga­len Markt mit Doping­mit­teln belie­fern oder betrei­ben.

Die Maß­nah­men müs­sen aber auch die Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler selbst in den Blick neh­men, sofern die­se durch ihr Ver­hal­ten den Sport gefähr­den. Das leis­ten die straf­be­wehr­ten Ver­bots­nor­men im AMG nicht, da sie auf die Hin­ter­män­ner aus­ge­rich­tet sind. Auch das all­ge­mei­ne Straf­recht gewähr­leis­tet inso­weit kei­nen hin­rei­chen­den Schutz. Die all­ge­mei­nen Straf­tat­be­stän­de grei­fen hier nur in Aus­nah­me­fäl­len, wie die Pra­xis beweist. Der Betrug­s­tat­be­stand des § 263 StGB ist wegen sei­ner spe­zi­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen auch bei straf­wür­di­gen Doping­fäl­len häu­fig nicht anwend­bar, was aktu­el­le straf­ge­richt­li­che Ver­fah­ren gegen über­führ­te Doping­sün­der gezeigt haben. Gera­de die sich selbst dopen­den Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler ver­sinn­bild­li­chen aber den Kern des Unrechts, wenn es um die Gefähr­dung der Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports geht. Maß­nah­men zur Doping­be­kämp­fung müs­sen des­halb, sol­len sie wirk­sam sein, auch die sich selbst dopen­den Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler erfas­sen; dabei geht es nicht um eine Kri­mi­na­li­sie­rung des rei­nen Ama­teur­sports. Eine Doping­be­kämp­fung ohne Straf­bar­keit der dopen­den Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler bedeu­tet eine nicht hin­zu­neh­men­de Lücke im Bereich der Straf­ver­fol­gung.

Dies gilt auch vor dem Hin­ter­grund, dass die Zeit­span­ne häu­fig gering ist, die die Sport­le­rin oder der Sport­ler hat, um Höchst­leis­tun­gen zu erbrin­gen und die­se ggf. auch kom­mer­zi­ell zu nut­zen. Der Sport­le­rin oder dem Sport­ler blei­ben meist nur weni­ge Jah­re für eine Kar­rie­re im Leis­tungs­sport. Das schafft Anrei­ze, das inso­fern bestehen­de Zeit­fens­ter beson­ders effek­tiv zu nut­zen oder künst­lich – durch die Anwen­dung von ver­bo­te­nen Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den – offen zu hal­ten. Ange­sichts der media­len Auf­merk­sam­keit, der ange­streb­ten Idol­wir­kung, der unter Umstän­den erheb­li­chen finan­zi­el­len Vor­tei­le und vie­les mehr erschei­nen ver­bands­recht­li­che Maß­nah­men wie Wett­kampf­sper­ren in prä­ven­ti­ver Hin­sicht nicht immer wir­kungs­voll. Denn deren Abschre­ckungs­wir­kung steht und fällt mit der sei­tens der Sport­le­rin oder des Sport­lers ver­mu­te­ten (ver­meint­lich gerin­gen) Auf­de­ckungs­ge­fahr durch Doping­kon­trol­len.

Gera­de weil Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler, die Höchst­leis­tun­gen erbrin­gen, oft­mals als Vor­bil­der gera­de für jun­ge Sport­le­rin­nen und Sport­ler die­nen, gilt es, ein kla­res Zei­chen zu set­zen, dass der Staat das Doping im Sport nicht tole­riert. Letzt­lich gefähr­den die Doping­skan­da­le auch die Sport­för­de­rung. So hat sich z. B. die pri­va­te Wirt­schaft in Deutsch­land aus dem Rad­sport nach über­bor­den­den Doping­fäl­len nahe­zu kom­plett zurück­ge­zo­gen. Das hat unmit­tel­ba­re Fol­gen für die Nach­wuchs­för­de­rung, die ange­sichts feh­len­der finan­zi­el­ler Mit­tel zuneh­mend in Gefahr gerät. Bund, Län­der und Kom­mu­nen för­dern den Sport mit umfang­rei­chen öffent­li­chen Mit­teln. Die staat­li­che Sport­för­de­rung lässt sich aber nur recht­fer­ti­gen, wenn sicher­ge­stellt ist, dass die Mit­tel für einen sau­be­ren und damit doping­frei­en Sport ein­ge­setzt wer­den.

Auch ande­re euro­päi­sche Staa­ten sind sich der staat­li­chen Ver­ant­wor­tung bewusst und haben – mit ver­schie­de­nen Schwer­punkt­set­zun­gen – Straf­tat­be­stän­de zur Sank­tio­nie­rung von Doping­ver­stö­ßen geschaf­fen, die auch die dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­ler erfas­sen. Die vor­ge­se­he­ne Stär­kung der staat­li­chen Doping­be­kämp­fung ins­be­son­de­re mit straf­recht­li­chen Mit­teln soll die Arbeit der Sport­ver­bän­de und der NADA beim Kampf gegen das Doping nicht erset­zen oder beein­träch­ti­gen. Das Doping­kon­troll­sys­tem und die ver­bands­recht­li­chen Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten bei Doping­ver­stö­ßen stel­len wesent­li­che Ele­men­te zur Ein­däm­mung des Doping­pro­blems dar. Das soll auch so blei­ben. Bei­de Sank­ti­ons­re­gime schlie­ßen ein­an­der nicht aus, sie ste­hen viel­mehr neben­ein­an­der und ergän­zen ein­an­der. So ist auf ver­bands­recht­li­cher Ebe­ne auch wei­ter­hin die Mög­lich­keit ver­dachts­un­ab­hän­gi­ger Kon­trol­len gege­ben. Im Ver­bands­recht gilt der Grund­satz der „strict lia­bi­li­ty“, der auf das Straf­recht nicht über­trag­bar ist. Schließ­lich sind die in Ver­bands­ver­fah­ren aus­ge­spro­che­nen Wett­kampf­sper­ren für die betrof­fe­nen Sport­le­rin­nen und Sport­ler häu­fig beson­ders ein­schnei­dend und kön­nen bei eini­gen aus die­sem Grund eine Prä­ven­tiv­wir­kung ent­fal­ten. Eine Sper­re kann für sie eine schär­fe­re Sank­ti­on dar­stel­len als jedes denk­ba­re Ergeb­nis eines Straf­ver­fah­rens. Die abschre­cken­de Wir­kung einer Sper­re kann im Hin­blick auf die beschränk­te Zeit­span­ne für eine opti­ma­le Leis­tungs­er­brin­gung im Ein­zel­fall aber auch beschränkt sein, wenn die Leis­tungs­sport­le­rin oder der Leis­tungs­sport­ler ver­sucht ist, mit allen Mit­teln – auch mit Hil­fe des Dopings – das natür­li­che Zeit­fens­ter für Höchst­leis­tun­gen opti­mal zu nut­zen bzw. künst­lich offen zu hal­ten. Hier müs­sen ergän­zend straf­recht­li­che Maß­nah­men zum Ein­satz kom­men, auch um das Sys­tem des orga­ni­sier­ten Sports funk­ti­ons­fä­hig zu hal­ten.

Denn durch die zusätz­li­che Sank­tio­nie­rungs­mög­lich­keit mit den Mit­teln des Straf­rechts wird eine wei­te­re Hür­de auf­ge­baut, die Sport­le­rin­nen und Sport­ler davon abhal­ten soll, mit Doping die Ergeb­nis­se von sport­li­chen Wett­be­wer­ben zu ver­fäl­schen und damit die Zukunft des Sports zu gefähr­den. Mit der straf­recht­li­chen Sank­tio­nie­rung kann das Bewusst­sein für die beson­de­re Sozi­al­schäd­lich­keit des Dopings wei­ter gestei­gert wer­den. Sie ermög­licht bei Vor­lie­gen eines ent­spre­chen­den Tat­ver­dachts straf­pro­zes­sua­le Maß­nah­men, wie etwa die Durch­su­chung, die zur Auf­klä­rung des began­ge­nen Unrechts wesent­lich bei­tra­gen wer­den. Bei die­sen Maß­nah­men besteht auch die Wahr­schein­lich­keit, an wert­vol­le Infor­ma­tio­nen zu den Hin­ter­män­nern die­ser Delik­te und zu den kri­mi­nel­len Netz­wer­ken zu gelan­gen, was mit den ver­bands­recht­li­chen Mit­teln allein nicht mög­lich ist. Das Doping im Sport ist ein sozia­les Phä­no­men mit erkenn­ba­rer Son­der­stel­lung und viel­fäl­ti­gen auch wirt­schaft­li­chen Impli­ka­tio­nen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Behand­lung in einem eigen­stän­di­gen Gesetz sinn­voll, in dem die alten und neu­en Doping­be­kämp­fungs­vor­schrif­ten gebün­delt wer­den. Eine Ein­ord­nung in bestehen­de Geset­ze wird den spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten und der gesell­schaft­li­chen Bedeu­tung des Doping­ver­bots im Sport nicht gerecht.

Völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tun­gen[↑]

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist zudem durch das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men vom 19. Okto­ber 2005 gegen Doping im Sport (BGBl. 2007 II S. 354, 355) und das Über­ein­kom­men vom 16. Novem­ber 1989 gegen Doping (BGBl. 1994 II S. 334, 335) völ­ker­ver­trag­lich ver­pflich­tet, Maß­nah­men zur Doping­be­kämp­fung zu ergrei­fen.

Das Anti­DopG im Über­blick[↑]

Zur Errei­chung der genann­ten Zie­le ist daher beab­sich­tigt, ein eigen­stän­di­ges Anti-Doping-Gesetz (Anti- DopG) zu schaf­fen mit dem Ziel, Doping im Sport effek­ti­ver zu bekämp­fen. Damit wird die Doping­be­kämp­fung in Deutsch­land grund­le­gend neu gere­gelt. Das neue Gesetz bün­delt die Rechts­vor­schrif­ten zur Doping­be­kämp­fung und beinhal­tet wesent­li­che Neue­run­gen, ins­be­son­de­re neue Straf­tat­be­stän­de.

Der Gesetz­ent­wurf sieht u. a. Fol­gen­des vor:

  • Über­füh­rung der bis­her im AMG gere­gel­ten Ver­bo­te und Straf­be­weh­run­gen in das Anti­DopG;
  • Erwei­te­rung der bis­her im AMG gere­gel­ten straf­be­wehr­ten Ver­bo­te um neue Tat­be­ge­hungs­wei­sen („her­stel­len“; „Han­del trei­ben“; „ver­äu­ßern“; „abge­ben“; „in den Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes ver­brin­gen“);
  • aus­drück­li­che Erfas­sung auch von Doping­me­tho­den;
  • Schaf­fung des neu­en straf­be­wehr­ten Ver­bots des Selbst­do­pings, mit dem erst­ma­lig gezielt dopen­de Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler erfasst wer­den, die beab­sich­ti­gen, sich mit Doping Vor­tei­le bei Wett­be­wer­ben des orga­ni­sier­ten Sports zu ver­schaf­fen;
  • Ein­füh­rung einer Straf­bar­keit von Erwerb und Besitz von Doping­mit­teln auch bei gerin­ger Men­ge, sofern mit die­sen Selbst­do­ping beab­sich­tigt ist;
  • Erwei­te­rung der bis­he­ri­gen beson­ders schwe­ren Fäl­le und deren Aus­ge­stal­tung als Ver­bre­chens­tat­be­stän­de, was auch zur Fol­ge hat, dass sie geeig­ne­te Vor­ta­ten für den Geld­wä­schetat­be­stand des § 261 StGB wer­den;
  • Schaf­fung einer neu­en Ermäch­ti­gung zur Daten­über­mitt­lung von Gerich­ten und Staats­an­walt­schaf­ten an die NADA;
  • Schaf­fung von Vor­schrif­ten für die NADA zur Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten;
  • Klar­stel­lung der Zuläs­sig­keit von Schieds­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den Ver­bän­den und den Sport­le­rin­nen und Sport­lern.

Die­se Neu­re­ge­lun­gen zie­hen eini­ge Fol­ge­än­de­run­gen nach sich. Durch die Neu­ord­nung der Doping­ver­bo­te und durch die Neu­re­ge­lung der Straf­tat­be­stän­de wer­den ins­be­son­de­re die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten im AMG gegen­stands­los. Sie müs­sen daher – teil­wei­se mit Über­gangs­be­stim­mun­gen – auf­ge­ho­ben wer­den.

Zweck des Anti­DopG[↑]

Zweck des Geset­zes ist zum einen der Schutz der Gesund­heit von Sport­le­rin­nen und Sport­lern. Die gesund­heit­li­chen Gefah­ren für die betrof­fe­nen Sport­le­rin­nen und Sport­ler durch die Anwen­dung von Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den, ins­be­son­de­re bei sys­te­ma­ti­schem Doping, sind lan­ge Zeit unter­schätzt wor­den. Die Anwen­dung von Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den zum Zwe­cke des Dopings beruht auf kei­ner medi­zi­ni­schen Indi­ka­ti­on und führt daher zu einem aus medi­zi­ni­scher Sicht nicht ange­zeig­ten Ein­griff in den Kör­per, der erheb­li­che Risi­ken mit sich brin­gen kann. So wird etwa durch die typi­schen Doping­mit­tel der ana­bo­len Ste­roi­de der Hor­mon­haus­halt im Kör­per erheb­lich gestört, was lebens­ge­fähr­li­che Neben­wir­kun­gen haben kann. Das Herz­in­farkt­ri­si­ko erhöht sich, die Leber ver­än­dert sich, der Fett­stoff­wech­sel wird gestört, in vie­len Fäl­len kommt es zu unna­tür­li­chem Brust­wachs­tum bei Män­nern und Ver­männ­li­chung bei Frau­en. Die­se Fol­gen konn­ten bereits bei vie­len – ehe­ma­li­gen – Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­lern beob­ach­tet wer­den. Auch ver­bo­te­ne Doping­me­tho­den kön­nen zu erheb­li­chen Spät­fol­gen füh­ren. Gera­de im Bereich des Blut­do­pings füh­ren z. B. die in die­sem Fall typi­schen unsach­ge­mä­ßen Lage­run­gen zu Ver­än­de­run­gen des spä­ter zuge­führ­ten Blu­tes mit der Fol­ge einer signi­fi­kan­ten Erhö­hung des Risi­kos einer Throm­bo­se oder Embo­lie.

Neben dem Schutz der Gesund­heit der betrof­fe­nen Sport­le­rin­nen und Sport­ler dient das Gesetz zum ande­ren auch dem Schutz der Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports, die durch Doping in erheb­li­chem Umfang bedroht ist. Denn Doping erschüt­tert die Grund­la­gen der Inte­gri­tät, die maß­geb­lich auf Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit im sport­li­chen Wett­be­werb beru­hen. Doping greift tief in die ethisch-mora­li­schen Wer­te des Sports ein, raubt dem Sport sei­ne Glaub­wür­dig­keit und Vor­bild­funk­ti­on.

Neben Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit geht es im sport­li­chen Wett­kampf des orga­ni­sier­ten Sports nicht zuletzt viel­fach auch um wirt­schaft­li­che Fak­to­ren. Durch Gehäl­ter, öffent­li­che För­der­mit­tel, Start- und Preis­gel­der sowie Spon­so­ren­gel­der eröff­net der Sport vie­le Ein­nah­me­mög­lich­kei­ten. Mit Doping wer­den vor allem die ehr­li­chen Kon­kur­ren­ten im sport­li­chen Wett­be­werb getäuscht und geschä­digt, die gegen­über den dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­lern das Nach­se­hen haben. Geschä­digt wer­den in der Regel aber auch die Ver­an­stal­ter, die Sport­ver­ei­ne, die Spon­so­ren, die berich­ten­den Medi­en und nicht zuletzt die Zuschau­er, die in der Erwar­tung eines fai­ren sport­li­chen Wett­be­werbs Ver­mö­gens­wer­te auf­wen­den.

Der Schutz der Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports ist nicht nur eine Auf­ga­be für die ein­zel­nen Sport­ver­bän­de, son­dern auch für den Staat. Das beruht in ers­ter Linie auf der über­ra­gen­den gesell­schaft­li­chen Bedeu­tung des Sports, die eine akti­ve schüt­zen­de Rol­le des Staa­tes ver­langt. Bund, Län­der und Kom­mu­nen för­dern mit erheb­li­chen finan­zi­el­len Mit­teln den Spit­zen­sport. Die­se Mit­tel sind nur zu recht­fer­ti­gen, wenn sie in fai­ren doping­frei­en Sport flie­ßen. Der Staat muss vor die­sem Hin­ter­grund eige­ne Maß­nah­men ergrei­fen, um einen doping­frei­en Sport zu gewähr­leis­ten. Die Maß­nah­men des Sports mit dem bestehen­den Doping­kon­troll­sys­tems und den ver­bands­recht­li­chen Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten haben sich als nicht aus­rei­chend erwie­sen. Der Staat muss vor die­sem Hin­ter­grund mit den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln zur Doping­be­kämp­fung bei­tra­gen.

Das Gesetz zielt nicht nur auf die Bekämp­fung von Doping­mit­teln, die bereits expli­zit von den gel­ten­den Doping­be­kämp­fungs­vor­schrif­ten im AMG erfasst sind, son­dern erfasst aus­drück­lich auch Doping­me­tho­den, die bis­lang (nur) mit­tel­bar über Stof­fe umfasst waren. Die Pra­xis hat gezeigt, dass nicht nur der Ein­satz von Doping­mit­teln, son­dern auch der Ein­satz bestimm­ter Doping­me­tho­den die Ergeb­nis­se von Sport­wett­be­wer­ben ver­fäl­schen kann. Doping­me­tho­den gefähr­den wie Doping­mit­tel die Gesund­heit der Sport­le­rin­nen und Sport­ler und die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports. Dabei ist es denk­bar, dass die­se Doping­me­tho­den ohne die Anwen­dung von Stof­fen aus­kom­men und sie damit nicht bereits über die ver­bo­te­nen Doping­mit­tel erfasst sind. In die­sem Zusam­men­hang ist ins­be­son­de­re das Gen­do­ping zu nen­nen. Hier­bei han­delt es sich um eine Stei­ge­rung der sport­li­chen Leis­tung durch eine nicht­the­ra­peu­ti­sche Anwen­dung von Zel­len, Genen, Genele­men­ten oder der Regu­lie­rung der Genex­pres­si­on.

Uner­laub­ter Umgang mit Doping­mit­teln, uner­laub­te Anwen­dung von Doping­me­tho­den[↑]

Das geplan­te Anti­DopG regelt die Ver­bots­nor­men im Hin­blick auf den uner­laub­ten Umgang mit Doping­mit­teln und die uner­laub­te Anwen­dung von Doping­me­tho­den bei ande­ren. Die­se Rege­lun­gen die­nen in ers­ter Linie dem Gesund­heits­schutz. Die Anwen­dung ent­spre­chen­der Mit­tel und Metho­den am eige­nen Kör­per („Selbst­do­ping“) wird hin­ge­gen geson­dert durch § 3 erfasst.

In sei­nem § 2 Abs. 1 Anti­DopG über­nimmt der Gesetz­ent­wurf die gel­ten­den Ver­bo­te aus § 6a Absatz 1 AMG, Arz­nei­mit­tel zu Doping­zwe­cken in den Ver­kehr zu brin­gen und zu ver­schrei­ben.

Die Ver­bo­te wer­den jedoch erwei­tert um neue Tat­be­ge­hungs­wei­sen. Die Rege­lung im AMG hat sich als zu eng erwie­sen, da auch durch ande­re Tat­be­ge­hungs­wei­sen ver­gleich­ba­res Unrecht ver­wirk­licht wer­den kann. Daher erfolgt eine Erwei­te­rung der bis­her nach AMG ver­bo­te­nen Hand­lun­gen um das Her­stel­len, das Han­del­trei­ben, das Ver­äu­ßern und die Abga­be von Doping­mit­teln. Das sind Ver­hal­tens­wei­sen, die eben­falls im Hin­blick auf die ver­ur­sach­ten Gesund­heits­ge­fah­ren straf­wür­dig sind. Dabei umfasst der Begriff Doping­mit­tel neben Arz­nei­mit­teln auch Wirk­stof­fe.

Die Ver­bots­tat­be­stän­de in die­sem Absatz betref­fen im Wesent­li­chen die „Abga­be­sei­te“ und sind – mit Aus­nah­me des „Ver­schrei­bens“ – an die For­mu­lie­run­gen im Kata­log des § 29 Absatz 1 des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes (BtMG) ange­lehnt. Denn hier besteht eine struk­tu­rel­le Ver­gleich­bar­keit zum Betäu­bungs­mit­tel­recht, die dar­aus folgt, dass die Mecha­nis­men des ille­ga­len Mark­tes, ins­be­son­de­re die Ver­triebs­struk­tu­ren, teil­wei­se ähn­li­che Merk­ma­le auf­wei­sen. Da es sich bei den Doping­mit­teln zumeist um Arz­nei­mit­tel han­delt, set­zen die Ver­bo­te stets vor­aus, dass die erfass­ten Hand­lun­gen zu Doping­zwe­cken erfol­gen.

Die Her­stel­lung von Doping­mit­teln zu Doping­zwe­cken trägt maß­geb­lich dazu bei, dass die­se Mit­tel im Sport ange­wen­det wer­den. Es besteht ein Bedürf­nis, schon die Her­stel­lung die­ser Mit­tel rein zu Doping­zwe­cken zu ver­bie­ten. Die Pra­xis hat gezeigt, dass die Pro­duk­ti­on von Doping­mit­teln ins­be­son­de­re in soge­nann­ten „Unter­grund­la­bo­ren“ stark zunimmt. Das betrifft z. B. ana­bo­le Ste­roi­de, die häu­fig ver­un­rei­nigt und dadurch beson­ders gesund­heits­ge­fähr­dend sind. Der Inhalt, die Wir­kun­gen und die Risi­ken der Pro­duk­te kön­nen häu­fig – da eine seriö­se Packungs­bei­la­ge fehlt – von den Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten nicht abge­schätzt wer­den. Die­ser ille­ga­le Markt soll durch das Ver­bot der Her­stel­lung ent­spre­chen­der Mit­tel, wenn sie zu Doping­zwe­cken erfolgt, bekämpft wer­den.

Das Han­del­trei­ben wur­de in den Kata­log der Tat­be­ge­hungs­wei­sen auf­ge­nom­men, da die­ser eigen­nüt­zi­gen, auf Umsatz gerich­te­ten Tätig­keit eine gro­ße prak­ti­sche Bedeu­tung zukommt. Der Begriff des Han­del­trei­bens lehnt sich an die Begriff­lich­keit des Betäu­bungs­mit­tel­rechts an, die in der Recht­spre­chung eine wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung erfah­ren hat. Dabei kann ein Han­del­trei­ben unab­hän­gig vom Nach­weis eines Besit­zes vor­lie­gen. Die durch den ille­ga­len Umgang mit Doping­mit­teln zu erzie­len­den beträcht­li­chen Gewin­ne stel­len eine wesent­li­che Moti­va­ti­on für die Ver­brei­tung die­ser Mit­tel dar. So kann die Gewinn­span­ne zwi­schen Pro­duk­ti­on und End­ver­kauf im Ein­zel­nen bei 1 000 Pro­zent lie­gen. Dies führt dazu, dass die bestehen­de Nach­fra­ge nach ille­ga­len Sub­stan­zen leich­ter befrie­digt wer­den kann. Dem soll mit dem Ver­bot ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den.

Mit der Auf­nah­me der Tat­be­stands­va­ri­an­te der Ver­äu­ße­rung wer­den die Fall­grup­pen abge­deckt, in denen die Täte­rin oder der Täter zwar ent­gelt­lich, aber unei­gen­nüt­zig Doping­mit­tel abgibt. Die Fäl­le der eigen­nüt­zi­gen Wei­ter­ga­be sind bereits vom Han­del­trei­ben erfasst.

Über den Abga­be­tat­be­stand wer­den die Fäl­le der Über­tra­gung der Ver­fü­gungs­ge­walt ohne rechts­ge­schäft­li­che Grund­la­ge und ohne Gegen­leis­tung an eine drit­te Per­son erfasst. Um Rege­lungs­lü­cken bei nicht kon­kret nach­weis­ba­ren Ent­äu­ße­rungs­hand­lun­gen zu schlie­ßen, wird auch der Auf­fang­tat­be­stand des sons­ti­gen Inver­kehr­brin­gens in die Ver­bots­norm mit auf­ge­nom­men.

Es han­delt sich bei den Doping­mit­teln häu­fig um Arz­nei­mit­tel, die zu the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken ver­schrei­bungs­fä­hig sind. Erfolgt die Aus­stel­lung eines ent­spre­chen­den Rezep­tes durch den Arzt jedoch nicht zu the­ra­peu­ti­schen, son­dern zu Doping­zwe­cken, ist die­ses Ver­hal­ten – ent­spre­chend der ursprüng­li­chen Rege­lung in § 6a Absatz 1 AMG – ver­bo­ten.

Der Ent­wurf des § 2 Abs. 1 Anti­DopG ent­hält – wie im bis­her gel­ten­den AMG – eine Beschrän­kung der Ver­bo­te auf Zwe­cke des Dopings beim Men­schen. Das Tier­do­ping, also die leis­tungs­stei­gern­de Anwen­dung von Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den etwa im Bereich des Pfer­de­sports, wird von den Ver­bo­ten die­ses Geset­zes nicht erfasst. Die hier­für exis­tie­ren­den Vor­schrif­ten im Tier­schutz­ge­setz (TierSchG) sind vor­ran­gig und erschei­nen aus­rei­chend. Nach § 3 Satz 1 Num­mer 1b TierSchG ist z. B. die Anwen­dung von Doping­mit­teln an einem Tier bei sport­li­chen Wett­kämp­fen oder ähn­li­chen Ver­an­stal­tun­gen ver­bo­ten. Eine Zuwi­der­hand­lung gegen die­ses Ver­bot kann gemäß § 18 Absatz 1 Num­mer 4 TierSchG als Ord­nungs­wid­rig­keit geahn­det wer­den.

Das AMG ver­weist bis­her bezüg­lich der ver­bo­te­nen Doping­mit­tel auf den Anhang zum Euro­pa­rats-Über­ein­kom­men gegen Doping von 1989, bei dem es sich um die Über­nah­me der WADA-Lis­te han­delt. Die­ser Ver­weis wird im Anti­DopG nicht über­nom­men. Die im Ein­zel­nen erfass­ten Doping­mit­tel sol­len sich viel­mehr aus der Anla­ge I des Inter­na­tio­na­len Über­ein­kom­mens (der UNESCO) gegen Doping im Sport vom 19. Okto­ber 2005 in der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern im Bun­des­ge­setz­blatt Teil II jeweils bekannt gemach­ten Fas­sung erge­ben, der eben­falls auf einer Über­nah­me der WADA-Lis­te beruht. Mit der neu­en Ver­wei­sung bleibt es einer inner­staat­li­chen deut­schen Ent­schei­dung vor­be­hal­ten, inwie­weit auch künf­ti­ge Ände­run­gen der Anla­ge I nach deut­schem Recht straf­recht­li­che Rele­vanz haben.

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men gegen Doping im Jahr 2007 rati­fi­ziert und sich damit völ­ker­recht­lich an das Über­ein­kom­men gebun­den. Nach Arti­kel 4 Absatz 3 des Über­ein­kom­mens ist die Anla­ge I Bestand­teil des Über­ein­kom­mens. Für Ände­run­gen der in der Anla­ge I ent­hal­te­nen Lis­te sieht sein Arti­kel 34 fol­gen­des Ver­fah­ren vor: Ände­run­gen wer­den von der Kon­fe­renz der Ver­trags­par­tei­en geneh­migt. Sie gel­ten als geneh­migt, wenn nicht min­des­tens zwei Drit­tel der Ver­trags­staa­ten Ein­spruch gegen sie ein­le­gen. In den Ver­trags­staa­ten, die dem Gene­ral­se­kre­tär vor­ab noti­fi­ziert haben, dass sie die jewei­li­gen Ände­run­gen nicht anneh­men, tre­ten die­se auch nicht in Kraft. Die­se Staa­ten blei­ben an die frü­he­re Fas­sung der Anla­ge I gebun­den. Durch die­se Mög­lich­keit des ein­zel­nen Ver­trags­staa­tes, die Gel­tung von Ände­run­gen für sich aus­zu­schlie­ßen, kann auf natio­na­ler Ebe­ne über künf­ti­ge Ände­run­gen der Lis­te ent­schie­den wer­den. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wird in der Ver­trags­staa­ten­kon­fe­renz durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern und das Aus­wär­ti­ge Amt ver­tre­ten. Damit liegt die Ent­schei­dungs­be­fug­nis über Ände­run­gen der Anla­ge I auf der­sel­ben exe­ku­ti­ven Ebe­ne (Bun­des­res­sorts), wie wenn in die­sem Gesetz­ent­wurf eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung für die Bun­des­re­gie­rung oder das zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um geschaf­fen wür­de. Dies gilt natür­lich nur, wenn tat­säch­lich eine Ent­schei­dung des zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums über die Annah­me bzw. Nicht­an­nah­me der Ände­run­gen ergan­gen ist. Dies ist durch die For­mu­lie­rung des Gesetz­ent­wurfs sicher­ge­stellt, wonach die Bekannt­ma­chung im Bun­des­ge­setz­blatt Teil II kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung hat.

Zugleich wird damit dem spe­zi­el­len Geset­zes­vor­be­halt und dem Bestimmt­heits­grund­satz des Arti­kels 103 Absatz 2 GG genügt. Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hält es für zuläs­sig, dass gewis­se Spe­zi­fi­zie­run­gen eines Straf­tat­be­stan­des dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen wer­den, sofern der Gesetz­ge­ber selbst die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit sowie Art und Maß der Stra­fe hin­rei­chend deut­lich umschreibt (BVerfG, Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 4. Sep­tem­ber 2009 – 2 BvR 338/​09). Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn vie­le wech­seln­de Ein­zel­re­ge­lun­gen erfor­der­lich wer­den kön­nen. Gera­de bei der Doping­be­kämp­fung ist beson­de­re Fle­xi­bi­li­tät nötig, um schnell und sach­ge­recht auf neue Ent­wick­lun­gen reagie­ren zu kön­nen. Denn es hat sich in der Ver­gan­gen­heit gezeigt, dass eine hohe Gefahr besteht, hin­ter der raschen Ent­wick­lung neu­er Doping­mit­tel und Doping­me­tho­den zurück­zu­blei­ben, was den effek­ti­ven Kampf gegen Doping beein­träch­tigt. So kann unter ande­rem auch eine unter­jäh­ri­ge Bekannt­ma­chung inner­halb nur weni­ger Mona­te ver­an­lasst sein.

Dar­über hin­aus ver­bie­tet der Gesetz­ent­wurf in Art. 2 Abs. 2 Anti­DopG die Anwen­dung von Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den bei ande­ren Per­so­nen zum Zwe­cke des Dopings im Sport.

Soweit die Anwen­dung von Doping­mit­teln ver­bo­ten wird (Num­mer 1), ent­spricht das dem bis­her gel­ten­den Anwen­dungs­ver­bot in § 6a Absatz 1 AMG.

Erwei­tert wird die Rege­lung durch das Ver­bot der Anwen­dung von Doping­me­tho­den bei Ande­ren. Die Doping­me­tho­den erge­ben sich – wie die Doping­mit­tel auch – im Ein­zel­nen aus der Anla­ge I zum Inter­na­tio­na­len Über­ein­kom­men gegen Doping im Sport in der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern bekannt­ge­mach­ten Fas­sung.

Mit der aus­drück­li­chen Erfas­sung auch von Doping­me­tho­den wer­den Schutz­lü­cken geschlos­sen. Denn Doping­me­tho­den kön­nen in glei­cher Wei­se wie Doping­mit­tel die Gesund­heit von Sport­le­rin­nen und Sport­lern gefähr­den. Dabei sind Doping­me­tho­den denk­bar, die ohne Anwen­dung bestimm­ter Stof­fe aus­kom­men, so dass sie nicht bereits über die Doping­mit­tel erfasst sind. In die­sem Zusam­men­hang ist ins­be­son­de­re das Gen­do­ping zu nen­nen. Hier­bei han­delt es sich um eine Stei­ge­rung der sport­li­chen Leis­tung durch eine nicht­the­ra­peu­ti­sche Anwen­dung von Zel­len, Genen, Genele­men­ten oder der Regu­lie­rung der Genex­pres­si­on.

§ 2 Abs. 3 Anti­DopG über­nimmt aus dem bis­her gel­ten­den § 6a Absatz 2a Satz 1 AMG das Ver­bot von Besitz und Erwerb nicht gerin­ger Men­gen bestimm­ter gesund­heits­ge­fähr­den­der Doping­mit­tel zu Doping­zwe­cken und erwei­tert das Ver­bot um eine neue Tat­be­ge­hungs­wei­se: das Ver­brin­gen in den Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes, also in das Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Die erfass­ten Hand­lun­gen stel­len erfah­rungs­ge­mäß Vor­stu­fen für einen Han­del mit den ent­spre­chen­den Mit­teln dar. Weil die­se Mit­tel bei Anwen­dung zu Doping­zwe­cken die Gesund­heit von Sport­le­rin­nen und Sport­lern in beson­de­rem Maße beein­träch­ti­gen, soll bereits die Gefahr der Wei­ter­ga­be effek­tiv ver­hin­dert wer­den. Des­halb wer­den bereits Hand­lun­gen, die typi­scher­wei­se nur der Vor­be­rei­tung für die Wei­ter­ga­be die­nen, ver­bo­ten. Das Besitz­ver­bot betrifft das Ver­bot der Aus­übung der tat­säch­li­chen Sach­herr­schaft.

Durch die Alter­na­ti­ve des Erwer­bens wird die Erlan­gung der Ver­fü­gungs­ge­walt auf abge­lei­te­tem Wege durch Rechts­ge­schäft abge­deckt.

Das neue Ver­bot des Ver­brin­gens in den Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes ermög­licht, dass Doping­mit­tel bereits an der Gren­ze der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bei der Ein­rei­se sicher­ge­stellt wer­den kön­nen. Das Ver­bot erfor­dert kei­ne eige­ne Besitz­aus­übung. Auch das Ver­brin­gen kraft Orga­ni­sa­ti­ons­herr­schaft durch einen Drit­ten kann die­sen Tat­be­stand erfül­len. Erfasst ist auch die Durch­fuhr von Doping­mit­teln durch den Gel­tungs­be­reich. Die in dem Absatz bezeich­ne­ten Hand­lun­gen wer­den nur dann ver­bo­ten, wenn sie zu Zwe­cken des Dopings erfol­gen. Die­se Ein­schrän­kung, die bis­lang auch im AMG vor­ge­se­hen ist, folgt zwin­gend aus der Tat­sa­che, dass es sich bei den Doping­mit­teln häu­fig um Arz­nei­mit­tel han­delt. Die­se die­nen in ers­ter Linie the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken und dür­fen – soweit sie the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken die­nen sol­len – vom Ver­bot nicht erfasst wer­den. Das Ver­bot erstreckt sich daher nur auf die Fäl­le, in denen die Doping­mit­tel zu Doping­zwe­cken erwor­ben, beses­sen oder in den Gel­tungs­be­reich ver­bracht wer­den. Dabei geht es auch hier nur um das Doping beim Men­schen; Tier­do­ping wird nicht erfasst.

Die in dem Absatz erfass­ten gesund­heits­ge­fähr­den­den Doping­mit­tel erge­ben sich aus der Anla­ge zum Gesetz. Vor­aus­set­zung ist, dass das Doping­mit­tel ein in der Anla­ge auf­ge­führ­ter Stoff ist oder einen sol­chen ent­hält. Die Anla­ge ent­spricht inhalt­lich der bis­her gel­ten­den Anla­ge zu § 6a Absatz 2a AMG. Die­se Anla­ge beruht maß­geb­lich auf Vor­schlä­gen von Sach­ver­stän­di­gen, die im Bereich von Doping­for­schung und ‑ana­ly­tik tätig sind. Von den Ver­bo­ten erfasst wer­den aktu­ell Stof­fe, die zu fol­gen­den Grup­pen gehö­ren: Ana­bo­le Stof­fe, Pep­t­id­hor­mo­ne, Wachs­tums­fak­to­ren und ver­wand­te Stof­fe, Hor­mo­ne und Stoff­wech­sel- Modu­la­to­ren. Die Auf­zäh­lung umfasst ver­schie­de­ne Sal­ze, Ester, Ether, Iso­me­re, Mischun­gen von Iso­me­ren, Kom­ple­xe oder Deri­va­te. Die Stof­fe sind für die Anwen­dung zu Doping­zwe­cken geeig­net, wobei die Anwen­dung bei nicht the­ra­peu­ti­scher Bestim­mung mit einer erheb­li­chen Gesund­heits­ge­fähr­dung ein­her­geht. Die Anla­ge kann gemäß § 6 Absatz 1 Num­mer 2 unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen durch Rechts­ver­ord­nung ver­än­dert wer­den.

Da es Sinn und Zweck der Norm ist, aus Grün­den des Gesund­heits­schut­zes eine Wei­ter­ga­be zu ver­hin­dern, set­zen die Ver­bo­te vor­aus, dass die gefähr­li­chen Doping­mit­tel nicht nur in gerin­ger Men­ge erwor­ben, beses­sen oder in den Gel­tungs­be­reich des Geset­zes ver­bracht wer­den. Die­se Vor­aus­set­zung wird aus dem AMG über­nom­men. Wird die Schwel­le der nicht gerin­gen Men­ge nicht erreicht, kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass das Doping­mit­tel ledig­lich zum Eigen­ge­brauch ver­wen­det wer­den soll und eine Wei­ter­ga­be gera­de nicht beab­sich­tigt ist. Nur die Gefahr der Wei­ter­ga­be recht­fer­tigt jedoch hier ein ent­spre­chen­des Ver­bot. Schutz­gut der Ver­bots­norm ist die Gesund­heit der All­ge­mein­heit, die vor der Inver­kehr­ga­be die­ser Mit­tel zu Doping­zwe­cken schon im Vor­feld bewahrt wer­den soll. Die­ser Schutz­zweck ist nicht betrof­fen, wenn ledig­lich die Ver­fü­gungs­ge­walt über eine gerin­ge Men­ge zum Eigen­ge­brauch aus­ge­übt wird. Die Gesund­heit der Sport­le­rin­nen oder Sport­ler kann nur dann als mit den Mit­teln einer straf­be­wehr­ten Ver­bots­norm geschütz­tes Rechts­gut aner­kannt wer­den, soweit die­se sich nicht eigen­ver­ant­wort­lich selbst gefähr­den. Wen­det die Sport­le­rin oder der Sport­ler ein Doping­mit­tel oder eine Doping­me­tho­de in vol­lem Bewusst­sein hin­sicht­lich der Umstän­de und auch der damit ver­bun­de­nen gesund­heit­li­chen Risi­ken an, so hat die­se Per­son sich frei­wil­lig ihres Rechts­gü­ter­schut­zes bege­ben. Vor die­sem Hin­ter­grund kann weder die Eigen­an­wen­dung eines Doping­mit­tels noch die blo­ße Ver­fü­gungs­ge­walt als Vor­stu­fe für die Anwen­dung bei sich selbst unter dem Gesichts­punkt des Gesund­heits­schut­zes ver­bo­ten wer­den. Sofern hier­durch aber die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports beein­träch­tigt wird, kann die geson­der­te Ver­bots­norm von § 3 ein­schlä­gig sein, die in § 3 Absatz 3 auch ein Ver­bot von Erwerb und Besitz von Doping­mit­teln zum Zwe­cke des Selbst­do­pings vor­sieht und eine men­gen­mä­ßi­ge Beschrän­kung nicht ent­hält.

Die maß­geb­li­che nicht gerin­ge Men­ge für die ein­zel­nen gesund­heits­ge­fähr­den­den Doping­mit­tel wird – wie bis­her schon nach dem AMG – durch Rechts­ver­ord­nung bestimmt (s. § 6 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1) und ergibt sich der­zeit aus der Doping­mit­tel-Men­gen- Ver­ord­nung.

Selbst­do­ping[↑]

Des­wei­te­ren ent­hält der Geset­zes­ent­wurf in § 3 Anti­DopG einen neu­en Tat­be­stand, der die Anwen­dung von Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den am eige­nen Kör­per ohne medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on ver­bie­tet, sofern die Anwen­dung in der Absicht erfolgt, sich in einem Wett­be­werb des orga­ni­sier­ten Sports einen Vor­teil zu ver­schaf­fen. Die Ver­bots­norm erfasst damit erst­mals das unlau­te­re Ver­hal­ten der dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­ler selbst in einem spe­zi­el­len Tat­be­stand.

Die Norm dient dem Schutz der Inte­gri­tät des Sports. Sie stellt damit den Kern der Neu­aus­rich­tung in der straf­recht­li­chen Doping­be­kämp­fung dar.

Die Anwen­dung von Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den am eige­nen Kör­per kann bis­lang meist nur ver­bands­recht­lich, nicht aber straf­recht­lich ver­folgt wer­den. Es sind aber gera­de die dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­ler selbst, ins­be­son­de­re die in der Öffent­lich­keit ste­hen­den Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler, die mit ihrem Ver­hal­ten die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports und des­sen Glaub­wür­dig­keit zer­stö­ren. Doping ver­fälscht die Ergeb­nis­se und erschüt­tert die Grund­la­gen des Sports, wie Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit. Damit wer­den dem Sport die ethisch-mora­li­schen Wer­te genom­men und des­sen Vor­bild­funk­ti­on stark beein­träch­tigt.

Neben der Chan­cen­gleich­heit geht es im sport­li­chen Wett­kampf des orga­ni­sier­ten Sports nicht zuletzt viel­fach auch um wirt­schaft­li­che Fak­to­ren. Durch Gehäl­ter, öffent­li­che För­der­mit­tel, Start- und Preis­gel­der sowie Spon­so­ren­gel­der eröff­net der orga­ni­sier­te Sport vie­le Ein­nah­me­mög­lich­kei­ten für die Sport­le­rin­nen und Sport­ler selbst, aber auch für ihr Umfeld, wie etwa das jewei­li­ge Manage­ment. Das stellt offen­sicht­lich einen gewich­ti­gen Anreiz dar, sich mit Hil­fe von Doping unge­recht­fer­tig­te wirt­schaft­li­che Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Dies geht in ers­ter Linie zu Las­ten der ehr­li­chen Kon­kur­ren­ten, die im sport­li­chen Wett­be­werb gegen­über den dopen­den Sport­le­rin­nen und Sport­lern ggf. das Nach­se­hen haben. Getäuscht und geschä­digt wer­den zumeist aber auch die Ver­an­stal­ter, die Ver­ei­ne, die Spon­so­ren, die Medi­en, die von dem Sport­er­eig­nis berich­ten, sowie die Zuschau­er, die in der Erwar­tung eines fai­ren sport­li­chen Wett­be­werbs Ver­mö­gens­wer­te auf­wen­den.

Das Ver­trau­en dar­auf, dass die sport­li­chen Wett­be­wer­be fair durch­ge­führt wer­den und die teil­neh­men­den Sport­le­rin­nen und Sport­ler glei­che Chan­cen haben, ist Grund­vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung und die Zukunft des orga­ni­sier­ten Sports. Nur wenn Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit gewähr­leis­tet sind, wer­den Nach­wuchs­sport­le­rin­nen und Nach­wuchs­sport­ler für den Sport zu begeis­tern sein und den erheb­li­chen zeit­li­chen und kör­per­li­chen Auf­wand auf sich neh­men, um für Spit­zen­leis­tun­gen zu trai­nie­ren. Nur wenn der Sport doping­frei ist, wer­den Zuschau­er die Sport­ver­an­stal­tun­gen besu­chen und Medi­en von die­sen berich­ten, lässt es sich recht­fer­ti­gen, dass der Staat den Spit­zen­sport för­dert, und wird es pri­va­te Inves­ti­tio­nen in den Sport geben.

Ange­sichts der her­aus­ra­gen­den gesell­schafts­po­li­ti­schen Bedeu­tung des Sports muss der Staat – neben den Anstren­gun­gen der Sport­ver­bän­de, deren Maß­nah­men allein aber nicht aus­rei­chen – zum Schutz der Inte­gri­tät des Sports zur Doping­be­kämp­fung bei­tra­gen.

§ 3 Abs. 1 Anti­DopG medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on erfolgt. Die­se Ein­schrän­kung ist vor dem Hin­ter­grund erfor­der­lich, dass es sich bei den meis­ten Doping­mit­teln zugleich um Arz­nei­mit­tel han­delt. Wenn ein Doping­mit­tel oder eine Doping­me­tho­de zu dem Zweck ange­wen­det wird, einen the­ra­peu­ti­schen (Heilungs-)Erfolg her­bei­zu­füh­ren, ist das Ver­hal­ten sozi­al­ad­äquat und nicht sozi­al­schäd­lich, selbst wenn damit als Neben- fol­ge eine Stei­ge­rung der sport­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit ein­her­geht. Auch im Sport­recht wird die­sem Umstand Rech­nung getra­gen, indem in den Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen (Stan­dards) zum Welt Anti-Doping Code und Natio­na­len Anti-Doping Code ein Ver­fah­ren zur Bewil­li­gung von medi­zi­ni­schen Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen vor­ge­se­hen ist. Wegen der Doping­mit­tel und Doping­me­tho­den wird im Ein­zel­nen auf die Anla­ge I des Inter­na­tio­na­len Über­ein­kom­mens gegen Doping im Sport vom 19. Okto­ber 2005 in der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern im Bun­des­ge­setz­blatt Teil II jeweils bekannt gemach­ten Fas­sung ver­wie­sen.

Sub­jek­tiv setzt das Ver­bot vor­aus, dass die Sport­le­rin oder der Sport­ler in der Absicht han­delt, sich in einem Wett­be­werb des orga­ni­sier­ten Sports einen Vor­teil zu ver­schaf­fen. Es ist damit nicht erfor­der­lich, dass die Anwen­dung der Doping­mit­tel oder Doping­me­tho­den im unmit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zusam­men­hang mit einem sport­li­chen Wett­be­werb steht.

Ver­bo­ten ist auch das Selbst­do­ping in Ruhe- oder Trai­nings­pha­sen, soweit es erfolgt, um eine leis­tungs­stei­gern­de Wir­kung für einen bestimm­ten sport­li­chen Wett­be­werb zu errei­chen. Dabei geht es nicht um belie­bi­ge sport­li­che Wett­be­wer­be; es soll nicht jedes pri­va­te Tur­nier erfasst wer­den. Es ist nicht die Auf­ga­be des Staa­tes, alle pri­va­ten Tur­nie­re, etwa das Beach­vol­ley­ball­match am Wochen­en­de mit Freun­den oder Fami­lie, vor Doping zu schüt­zen und hier mit­tels straf­be­wehr­ter Ver­bo­te ein­zu­grei­fen. Schutz­gut für die Ver­bots­norm sind die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports und sei­ne ethisch-mora­li­schen Grund­wer­te.

Daher erfasst das Ver­bot nur ein Ver­hal­ten, das dar­auf gerich­tet ist, sich in einem Wett­be­werb des orga­ni­sier­ten Sports einen Vor­teil zu ver­schaf­fen. Es han­delt sich dabei um eine sach­li­che Beschrän­kung des Selbst­do­ping­ver­bo­tes vor dem Hin­ter­grund des Schutz­guts der Norm und aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Vor­teil meint die mit­tels Doping erfol­gen­de unlau­te­re Bes­ser­stel­lung der Sport­le­rin oder des Sport­lers im sport­li­chen Wett­be­werb, ins­be­son­de­re durch bes­se­re sport­li­che Ergeb­nis­se auf­grund erhöh­ter Leis­tungs­fä­hig­keit.

§ 3 Abs. 2 Anti­DopG defi­niert den Begriff des Wett­be­werbs des orga­ni­sier­ten Sports, der Teil des sub­jek­ti­ven Tat­be­stands des Selbst­do­ping-Ver­bots in Absatz 1 ist. Die erfass­ten Wett­be­wer­be müs­sen der Sphä­re des orga­ni­sier­ten Sports zuge­rech­net wer­den kön­nen.

Das setzt nach der Num­mer 1 vor­aus, dass der Wett­be­werb von einer natio­na­len oder inter­na­tio­na­len Sport­or­ga­ni­sa­ti­on oder in deren Auf­trag oder mit deren Aner­ken­nung orga­ni­siert ist. Nach Num­mer 2 müs­sen in dem Wett­be­werb dar­über hin­aus Regeln ein­zu­hal­ten sein, die von einer natio­na­len oder inter­na­tio­na­len Sport­or­ga­ni­sa­ti­on mit ver­pflich­ten­der Wir­kung für ihre Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­ab­schie­det wur­den.

Zu den erfass­ten Wett­be­wer­ben zäh­len in ers­ter Linie Sport­wett­be­wer­be des Spit­zen- und Leis­tungs­sports, wie Olym­pi­sche und Paralym­pi­sche Spie­le oder Jugend­spie­le, Welt­spie­le (World-Games), natio­na­le oder inter­na­tio­na­le Meis­ter­schaf­ten, Spie­le oder Wett­kampf­be­trie­be einer natio­na­len oder inter­na­tio­na­len Liga, natio­na­le oder inter­na­tio­na­le Pokal­wett­wett­be­wer­be oder inter­na­tio­na­le Freund­schafts­spie­le. Erfasst sind aber auch grö­ße­re Lauf­ver­an­stal­tun­gen (z. B. Mara­thon) und regio­na­le Ligen, Sport­fes­te und Sport­ver­an­stal­tun­gen pri­va­ter Ver­an­stal­ter, wenn und soweit die­se von den jeweils zustän­di­gen (natio­na­len oder inter­na­tio­na­len) Sport­or­ga­ni­sa­tio­nen im Vor­feld aner­kannt wor­den sind.

Der Absatz schließt damit Sport­ver­an­stal­tun­gen und Sport­trei­ben aus, die rein pri­vat sind, d. h. dem Frei­zeit­be­reich zuge­ord­net wer­den, und die ohne unmit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Ein­bin­dung einer Sport­or­ga­ni­sa­ti­on und ohne ihre Aner­ken­nung durch­ge­führt wer­den.

Hier­zu zäh­len z. B. rei­ne Fir­men­läu­fe, Frei­zeit­ki­cker­tur­nie­re, rein pri­va­tes Sport­trei­ben (z. B. Jog­ging im Park) oder Wett­be­wer­be, die aus­schließ­lich im Rah­men des Schul­sports (z. B. Spie­le ver­schie­de­ner Schu­len gegen­ein­an­der) aus­ge­tra­gen wer­den. Unbe­acht­lich ist dabei, ob im Rah­men die­ser Ver­an­stal­tun­gen Regeln des orga­ni­sier­ten Sports ange­wandt wer­den, da die Num­mern 1 und 2 kumu­la­tiv vor­lie­gen müs­sen.

§ 3 Abs. 3 Anti­DopG schließ­lich ent­hält das Ver­bot von Erwerb und Besitz von Doping­mit­teln zum Zwe­cke des Selbst­do­pings.

Mit die­sem Ver­bot wird bereits eine Hand­lung ver­bo­ten, die der Vor­be­rei­tung der nach Absatz 1 ver­bo­te­nen Hand­lung dient. Die­se Vor­ver­la­ge­rung ist gerecht­fer­tigt, weil bereits mit dem Erwerb und dem Besitz der Doping­mit­tel eine erheb­li­che Schutz­gut­ge­fähr­dung ein­tritt. Nur mit bei­den Maß­nah­men, Ver­bot des Selbst­do­pings sowie Ver­bot von Erwerb und Besitz von Doping­mit­teln als Vor­be­rei­tung zum Selbst­do­ping, ist es mög­lich, effek­tiv gegen Doping­sün­der vor­zu­ge­hen und damit die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports zu schüt­zen. Der Ein­griff ist ver­hält­nis­mä­ßig und des­halb von den miss­bräuch­lich agie­ren­den Sport­le­rin­nen und Sport­lern auch hin­zu­neh­men.

Das Ver­bot erfasst nur die Fäl­le, in denen die Sport­le­rin oder der Sport­ler beab­sich­tigt, das Doping­mit­tel ohne medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on bei sich anzu­wen­den oder anwen­den zu las­sen, um sich in einem Wett­be­werb des orga­ni­sier­ten Sports einen Vor­teil zu ver­schaf­fen. Schutz­gü­ter sind – wie bei Absatz 1 – die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports und sei­ne ethisch-mora­li­schen Grund­wer­te wie Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit.

Für das Ver­bot muss kei­ne Min­dest­men­ge eines bestimm­ten Doping­mit­tels erreicht wer­den. Das Erwerbs- und Besitz­ver­bot nach Absatz 3 ist men­gen­mä­ßig nicht beschränkt.

Straf­vor­schrif­ten[↑]

Die in § 2 und § 3 Anti­DopG vor­ge­se­he­nen Ver­bo­te wer­den sodann in § 4 Anti­DopG straf­be­wehrt. Dabei sind die Straf­an­dro­hun­gen nach dem jeweils ver­typ­ten ver­wirk­lich­ten Unrecht abge­stuft:

Ver­stö­ße gegen die in § 2 und § 3 Absatz 1 vor­ge­se­he­nen Ver­bo­te sol­len mit einer Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe geahn­det wer­den. Die­ser Straf­rah­men ist im Hin­blick auf die Schwe­re der von Absatz 1 erfass­ten Taten ange­mes­sen. Der Straf­rah­men ent­spricht der Straf­an­dro­hung des bis­he­ri­gen § 95 Absatz 1 Num­mer 2a AMG. Alle nach § 2 Absatz 1 ver­bo­te­nen Wei­ter­ga­be­hand­lun­gen sol­len nach Num­mer 1 als sozi­al­schäd­li­ches Ver­hal­ten bestraft und unter die genann­te Straf­an­dro­hung gestellt wer­den. Auch die über das gel­ten­de Arz­nei­mit­tel­recht hin­aus­ge­hen­den Tat­be­ge­hungs­wei­sen (her­stel­len; Han­del trei­ben; ver­äu­ßern; abge­ben) sind in glei­cher Wei­se straf­wür­dig wie die bereits erfass­ten Tat­be­ge­hungs­wei­sen. Zu den Doping­mit­teln im Sin­ne der Num­mer 1 gehö­ren auch sol­che, die erst durch eine Rechts­ver­ord­nung nach § 6 Absatz 2 hier­zu bestimmt wor­den sind.

Ein Ver­stoß gegen das Ver­bot der Anwen­dung von Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den bei einer ande­ren Per­son gemäß § 2 Absatz 2 soll nach der Num­mer 2 eben­falls mit einer Frei­heits­stra­fe von bis zu drei Jah­ren oder mit einer Geld­stra­fe geahn­det wer­den. Dies ent­spricht in Tat­be­stand und Rechts­fol­ge dem bis­he­ri­gen § 95 Absatz 1 Num­mer 2a AMG, soweit es um Doping­mit­tel geht. Die Anwen­dung von Doping­me­tho­den bei einer ande­ren Per­son ist in glei­cher Wei­se straf­wür­dig. Auch hin­sicht­lich der Num­mer 2 gehö­ren zu den Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den die­je­ni­gen, die durch eine Rechts­ver­ord­nung nach § 6 Absatz 2 als sol­che bestimmt wor­den sind.

Das in § 2 Absatz 3 auf­ge­stell­te Erwerbs‑, Besitz- und Ver­brin­gungs­ver­bot wird gemäß der Num­mer 3 unter Stra­fe gestellt. Die Bestra­fung des Erwer­bes und des Besit­zes einer nicht gerin­gen Men­ge bestimm­ter gesund­heits­ge­fähr­den­der Doping­mit­tel ent­spricht dem bis­he­ri­gen § 95 Absatz 1 Num­mer 2b AMG. Das Ver­brin­gen die­ser gefähr­li­chen Doping­mit­tel in nicht gerin­ger Men­ge in den Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes ist in glei­cher Wei­se straf­wür­dig. Die gefähr­li­chen Doping­mit­tel erge­ben sich aus der Anla­ge zum Gesetz, die unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen durch Rechts­ver­ord­nung nach § 6 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 2 oder Satz 2 ver­än­dert wer­den kann. Die Ände­run­gen durch Rechts­ver­ord­nung sol­len sich auch auf die Straf­be­weh­rung aus­wir­ken. Die nicht gerin­ge Men­ge der ein­zel­nen Stof­fe wird durch Rechts­ver­ord­nung gemäß § 6 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 bestimmt.

Nach § 4 Abs. 1 Nr. 4 Anti­DopG soll das Selbst­do­ping gemäß § 3 Absatz 1 mit der genann­ten Straf­an­dro­hung unter Stra­fe gestellt wer­den. Mit die­ser Vor­schrift wird erst­ma­lig das Selbst­do­ping außer­halb der – inso­weit nur in sel­te­nen Fäl­len ein­schlä­gi­gen – all­ge­mei­nen Straf­vor­schrif­ten (ins­be­son­de­re § 263 StGB) expli­zit pöna­li­siert. Bei die­sem neu­en Straf­tat­be­stand han­delt es sich um einen tra­gen­den Eck­pfei­ler der mit dem Anti-Doping-Gesetz ver­folg­ten Doping­be­kämp­fungs­kon­zep­ti­on. Die straf­recht­li­che Sank­ti­ons­mög­lich­keit tritt ergän­zend zu den Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten, die bereits auf sport­ver­bands­recht­li­cher Ebe­ne bestehen, hin­zu.

Die neu vor­ge­se­he­ne Straf­bar­keit des Selbst­do­pings steht neben den sport­ver­bands­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten und ergänzt sie. Die straf­recht­li­che Ver­fol­gung ist für einen effek­ti­ven Rechts­gü­ter­schutz erfor­der­lich. Es hat sich gezeigt, dass die ver­bands­recht­li­chen Maß­nah­men allein nicht aus­rei­chen. Ange­sichts der hohen gesell­schaft­li­chen Bedeu­tung des Sports und sei­ner ernst­haf­ten Bedro­hung durch die wie­der­holt auf­tre­ten­den Doping­fäl­le ist es nötig, dass der Staat mit Ein­satz der ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel zum Schutz der Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports han­delt.

Dabei kann er im Rah­men der Straf­ver­fol­gung auch mit den Zwangs­mit­teln der StPO gegen Doping vor­ge­hen. Hier­bei ist ins­be­son­de­re die Mög­lich­keit der Durch­su­chung und Beschlag­nah­me zu nen­nen. Auf der ande­ren Sei­te unter­lie­gen die betrof­fe­ne Sport­le­rin und der betrof­fe­ne Sport­ler im Straf­ver­fah­ren den beson­de­ren Garan­ti­en des Straf- und des Straf­pro­zess­rechts. So muss der Sport­le­rin bzw. dem Sport­ler die Erfül­lung sämt­li­cher Tat­be­stands­merk­ma­le von den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den nach­ge­wie­sen wer­den.

Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die sub­jek­ti­ve Sei­te des Tat­be­stan­des; so muss der Nach­weis geführt wer­den, dass das Doping­mit­tel oder die Doping­me­tho­de vor­sätz­lich ange­wen­det wur­de und in der Absicht, einen Vor­teil in einem Wett­be­werb des orga­ni­sier­ten Sports zu erlan­gen. Eine Beweis­last­um­kehr im Sin­ne einer „strict lia­bi­li­ty“, wie sie im Sport­recht exis­tiert, wäre mit dem Sys­tem des deut­schen Straf­pro­zess­rechts nicht ver­ein­bar.

Hin­sicht­lich des Tat­be­stan­des des § 4 Abs. 1 Nr. 4 Anti­DopG ist der glei­che Straf­rah­men wie bei den übri­gen Tat­hand­lun­gen des Absat­zes 1 ange­mes­sen. Schutz­gut ist zwar nicht die Gesund­heit, son­dern die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports und sei­ner ethisch-mora­li­schen Grund­wer­te wie Fair­ness und Chan­cen­gleich­heit. Auf der ande­ren Sei­te han­delt es sich um ein Ver­hal­ten, wel­ches in das Wett­be­werbs­ge­sche­hen unmit­tel­bar ein­greift und die­ses unlau­ter beein­flusst. Es stellt im Hin­blick auf das recht­lich geschütz­te Inter­es­se den schwers­ten denk­ba­ren Ein­griff dar.

In Ergän­zung der Straf­bar­keit des Selbst­do­pings in § 4 Ab. 1 Nr. 4 Anti­DopG wird durch § 4 Abs. 2 Anti­DopG eine neue Erwerbs- und Besitz­straf­bar­keit geschaf­fen, die auch bei gerin­ger Men­ge unter der Vor­aus­set­zung greift, dass die Doping­mit­tel zum Zwe­cke des Selbst­do­pings erwor­ben oder beses­sen wer­den. Es wer­den damit Ver­stö­ße gegen die Ver­bo­te in § 3 Abs. 3 Anti­Dop straf­be­wehrt.

Die Straf­be­weh­rung der Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen zum Selbst­do­ping ist auch unter Berück­sich­ti­gung der Ulti­ma-ratio-Funk­ti­on des Straf­rechts gerecht­fer­tigt, weil bereits mit dem Erwerb oder dem Besitz der Doping­mit­tel eine erheb­li­che Schutz­gut­ge­fähr­dung ein­tritt. Nur mit bei­den Maß­nah­men, der Straf­be­weh­rung sowohl des Ver­bots des Selbst­do­pings als auch der Straf­be­weh­rung des Ver­bots von Erwerb und Besitz von Doping­mit­teln zum Zwe­cke des Selbst­do­ping, ist es mög­lich, effek­tiv gegen Doping­sün­der vor­zu­ge­hen und damit die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports zu schüt­zen. Der Ein­griff ist ver­hält­nis­mä­ßig und des­halb von den miss­bräuch­lich agie­ren­den Sport­le­rin­nen und Sport­lern auch hin­zu­neh­men.

Da der Straf­tat­be­stand eine Vor­be­rei­tungs­hand­lung erfasst, mit der noch nicht unmit­tel­bar in das Wett­be­werbs­ge­sche­hen ein­ge­grif­fen wird, ist es gebo­ten, eine gegen­über den Tat­be­stän­den des Absat­zes 1 mil­de­re Straf­an­dro­hung fest­zu­set­zen. Der hier vor­ge­se­he­ne Straf­rah­men von bis zu zwei Jah­ren Frei­heits­stra­fe bzw. Geld­stra­fe erscheint inso­weit ange­mes­sen.

Ver­wirk­licht die Täte­rin oder der Täter zugleich eine Tat nach Absatz 1 Num­mer 3, weil die Doping­mit­tel gesund­heits­ge­fähr­den­de Doping­mit­tel nach § 2 Absatz 3 sind und die Men­ge nicht gering ist, wird der Täter oder die Täte­rin wegen bei­der Taten bestraft. Die eine Tat geht hier nicht in der ande­ren auf, da bei­de Straf­tat­be­stän­de eine unter­schied­li­che Schutz­rich­tung haben und damit auch unter­schied­li­ches Unrecht ahn­den. Die bei­den Taten ste­hen dann in Tat­ein­heit.

Ent­spre­chend dem bis­he­ri­gen § 95 Absatz 2 AMG soll in § 4 Abs. 3 Anti­DopG auch die ver­such­te Ver­wirk­li­chung sämt­li­cher Tat­be­stän­de der Absät­ze 1 und 2 unter Stra­fe gestellt wer­den. Dies ist für die Gewähr­leis­tung eines effek­ti­ven Rechts­gü­ter­schut­zes erfor­der­lich.

Durch § 4 Abs. 4 Anti­DopG wer­den sodann beson­ders ver­werf­li­che und sozi­al­schäd­li­che Ver­hal­tens­wei­sen unter eine erhöh­te Straf­an­dro­hung gestellt. Die Erschwe­rungs­grün­de ent­spre­chen inhalt­lich den Regel­bei­spie­len für beson­ders schwe­re Fäl­le im bis­he­ri­gen § 95 Absatz 3 Num­mer 1 und 2 AMG. Die Fall­grup­pen wer­den in Num­mer 2 Buch­sta­be a jedoch erwei­tert um die Ver­äu­ße­rung der Doping­mit­tel an eine Per­son unter 18 Jah­ren, die Ver­schrei­bung eines Doping­mit­tels an eine sol­che Per­son sowie die Anwen­dung einer Doping­me­tho­de bei einer sol­chen Per­son. Die drei neu­en Fall­grup­pen betref­fen ganz beson­ders schwe­re Taten, die im Ver­gleich zu den bereits erfass­ten Fall­grup­pen (Abga­be eines Doping­mit­tels an eine Per­son unter 18 Jah­ren und Anwen­dung an einer sol­chen Per­son) in glei­cher Wei­se ver­werf­lich und sozi­al­schäd­lich sind.

Das Arz­nei­mit­tel­recht hat im bis­he­ri­gen § 95 Absatz 3 Num­mer 1 und 2 AMG die genann­ten Fäl­le als Regel­bei­spie­le für beson­ders schwe­re Fäl­le erfasst. Nun­mehr wer­den die – leicht erwei­ter­ten Fall­grup­pen – als Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de gere­gelt, da die Regel­bei­spiel­tech­nik ver­al­tet ist und dem ver­wirk­lich­ten Unrecht nicht in vol­lem Maße gerecht wird. Es sind prak­tisch kei­ne Fäl­le denk­bar, in denen trotz Vor­lie­gens der jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen eine Straf­schär­fung nicht ange­mes­sen erscheint. Umge­kehrt erscheint eine Anwen­dung des hohen Straf­rah­mens durch das Gericht auf wei­te­re Fäl­le nicht sach­ge­recht. Inso­fern ist eine das Gericht bezüg­lich der Vor­aus­set­zun­gen bin­den­de Rege­lung für die Erhö­hung des Straf­rah­mens ange­zeigt.

Das ist mit Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­den in ande­ren Straf­ge­set­zen ver­gleich­bar. So sind die uner­laub­te Abga­be von Betäu­bungs­mit­teln von einer Per­son über 21 Jah­ren an eine Per­son unter 18 Jah­ren gemäß § 29a Absatz 1 Num­mer 1 BtMG sowie der ban­den­mä­ßi­ge und der gewerbs­mä­ßi­ge Umgang mit Betäu­bungs­mit­teln gemäß § 30 Absatz 1 Num­mer 1 und 2 BtMG als selb­stän­di­ge Ver­bre­chens­tat­be­stän­de aus­ge­stal­tet. Die Ver­ur­sa­chung der Gefahr des Todes, der Gefahr einer schwe­ren Schä­di­gung an Kör­per bzw. Gesund­heit einer Per­son oder der Gefahr einer Gesund­heits­schä­di­gung für eine gro­ße Zahl von Men­schen wird eben­falls bei diver­sen Delik­ten als Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand ein­ge­stuft (vgl. etwa § 177 Absatz 3 Num­mer 3 und Absatz 4 Num­mer 2 Buch­sta­be b StGB, § 250 Absatz 1 Num­mer 1 Buch­sta­be c und Absatz 2 Num­mer 3 Buch­sta­be b StGB, § 306b Absatz 2 Num­mer 1 StGB, § 330 Absatz 2 Num­mer 1 StGB).

Der beson­de­re Unrechts­ge­halt, der mit der Erfül­lung die­ser Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de ver­bun­den ist, recht­fer­tigt es, die­se als Ver­bre­chens­tat­be­stän­de mit einer Straf­an­dro­hung von einem Jahr bis zu zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe aus­zu­ge­stal­ten. Die­ser Straf­rah­men ent­spricht dem Straf­rah­men für die beson­ders schwe­ren Fäl­le im bis­he­ri­gen § 95 Absatz 3 Num­mer 1 und 2 AMG. Eine mög­li­che Straf­mil­de­rung für even­tu­el­le min­der schwe­re Fäl­le ist nicht vor­ge­se­hen, da ein sol­cher min­der schwe­rer Fall beim Vor­lie­gen sämt­li­cher Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen kaum denk­bar ist.

Die Hoch­stu­fung der bis­he­ri­gen Regel­bei­spie­le zu Ver­bre­chens­tat­be­stän­den hat zur Fol­ge, dass die in die­sem Gesetz genann­ten Straf­ta­ten beim Vor­lie­gen der qua­li­fi­zie­ren­den Vor­aus­set­zun­gen dem Vor­ta­ten­kat­log des Geld­wä­schetat­be­stands des § 261 Absatz 1 Satz 2 StGB unter­fal­len. Der Vor­ta­ten­ka­ta­log erfasst in § 261 Absatz 1 Satz 2 Num­mer 1 StGB sämt­li­che Ver­bre­chen, so dass es zur Ein­be­zie­hung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de kei­ner beson­de­ren Anord­nung im Geset­zes­text bedarf.

Bei der gewerbs- bzw. ban­den­mä­ßi­gen Bege­hungs­wei­se nach Num­mer 2 Buch­sta­be b han­delt es sich typi­scher­wei­se um Delik­te aus dem Bereich der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät, deren Bekämp­fung ein vor­dring­li­ches Ziel des Geld­wä­schetat­be­stan­des ist (Bun­des­tags­druck­sa­che 12/​989, S. 26). Dar­über hin­aus sind auch die übri­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de des Absat­zes durch ihre Hoch­stu­fung zu Ver­bre­chens­tat­be­stän­den von dem Vor­ta­ten­ka­ta­log der Geld­wä­sche umfasst.

Bei den Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­den han­delt es sich nicht um Erfolgs­qua­li­fi­ka­tio­nen im Sin­ne von § 18 StGB (ins­be­son­de­re nicht bei den blo­ßen Gefähr­dungs­la­gen in Num­mer 1 Buch­sta­be a und b; das für gro­ben Eigen­nutz im Sin­ne von Num­mer 1 Buch­sta­be c not­wen­di­ge beson­de­re Gewinn­stre­ben erfor­dert ohne­dies vor­sätz­li­ches Han­deln). Sie set­zen daher ein Ver­hal­ten mit zumin­dest beding­tem Vor­satz vor­aus.

Die Straf­schär­fun­gen nach der Num­mer 1 set­zen einen Ver­stoß gegen ein Ver­bot des § 2 vor­aus. Durch den Buch­sta­ben a und den Buch­sta­ben b wird der Ein­tritt beson­de­rer Gesund­heits­ge­fah­ren, die von der Anwen­dung von Doping­mit­teln und Doping­me­tho­den aus­ge­hen und denen durch das gesetz­li­che Ver­bot vor­ge­beugt wer­den soll, unter eine erhöh­te Straf­an­dro­hung gestellt. Die Straf­schär­fung durch den Buch­sta­ben c erfolgt vor dem Hin­ter­grund, dass sich durch den ille­ga­len Umgang mit Doping­mit­teln erheb­li­che Gewinn­span­nen erzie­len las­sen und somit ein star­ker Anreiz für die Bege­hung eines ent­spre­chen­den gemein­schäd­li­chen Straf­tat­be­stan­des besteht. Die­sem Anreiz soll durch die erhöh­te Straf­an­dro­hung in den im Gesetz genann­ten Fäl­len ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den.

Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de nach Num­mer 2 bezie­hen sich aus­schließ­lich auf die „Abga­be­sei­te“ der Doping­de­lik­te und kön­nen daher nur auf den Straf­ta­ten des Absat­zes 1 Num­mer 1 und 2 fußen. Die Tat­hand­lun­gen zum Nach­teil von min­der­jäh­ri­gen Per­so­nen (Buch­sta­be a) sind beson­ders ver­werf­lich, da die­se sich noch in ihrer kör­per­li­chen Ent­wick­lung befin­den und daher von den Gesund­heits­ge­fah­ren des Dopings in beson­ders hohem Maße betrof­fen sind. Min­der­jäh­ri­ge Per­so­nen sind in der Regel auch leich­ter beein­fluss­bar, kön­nen die Gefah­ren schlech­ter abschät­zen und wer­den kaum dazu in der Lage sein, einen ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­len zu bil­den bzw. zu äußern, wenn erwach­se­ne (Auto­ri­täts-) Per­so­nen sie von den ver­meint­li­chen Vor­tei­len der Anwen­dung von Doping­mit­teln oder Doping­me­tho­den zu über­zeu­gen ver­su­chen. Der erhöh­te Straf­rah­men bei gewerbs- oder ban­den­mä­ßi­ger Bege­hung (Buch­sta­be b) dient der Bekämp­fung der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät und fin­det diver­se Vor­bil­der in ande­ren Straf­ge­set­zen.

In Anleh­nung an den bis­he­ri­gen § 95 Absatz 4 AMG wird in § 4 Abs. 5 Anti­DopG auch die fahr­läs­si­ge Bege­hung der Straf­ta­ten nach Absatz 1 Num­mer 1 bis 3 unter Stra­fe gestellt. Da es sich hier­bei um Gesund­heits­ge­fähr­dungs­tat­be­stän­de han­delt, ist die Anord­nung einer Fahr­läs­sig­keits­straf­bar­keit sach­ge­recht. Dies ent­spricht den Wer­tun­gen des all­ge­mei­nen Straf­rechts, wie sie etwa in § 306d Absatz 1 StGB und § 316 Absatz 2 StGB zum Aus­druck kom­men, aber auch in § 229 StGB, der die fahr­läs­si­ge Ver­ur­sa­chung der Kör­per­ver­let­zung eines ande­ren unter Stra­fe stellt. Wegen des gegen­über dem Vor­satz­de­likt ver­rin­ger­ten Unrechts­ge­halts der Tat ist – wie im bis­he­ri­gen § 95 Absatz 4 AMG – ein Straf­rah­men von bis zu einem Jahr Frei­heits­stra­fe oder Geld­stra­fe ange­mes­sen. Eine fahr­läs­si­ge Bege­hungs­wei­se ist ins­be­son­de­re dann denk­bar, wenn die Täte­rin bzw. der Täter unter Außer­acht­las­sung der gebo­te­nen Sorg­falt nicht erkannt hat, dass es sich bei der jewei­li­gen Sub­stanz um ein Doping­mit­tel im Sin­ne die­ses Geset­zes han­delt.

§ 4 Abs. 6 Anti­DopG schränkt schließ­lich den mög­li­chen Kreis der Täte­rin­nen und Täter ein, die sich wegen der Selbst­do­ping­tat­be­stän­de des Absat­zes 1 Num­mer 4 und des Absat­zes 2 straf­bar machen kön­nen. Die Ein­schrän­kung der Straf­bar­keit erfolgt aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports ist ins­be­son­de­re durch das Ver­hal­ten der in der Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­me­nen Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­ler bedroht. Rei­ne Frei­zeit­sport­ler sol­len daher, selbst wenn sie an Wett­kämp­fen des orga­ni­sier­ten Sports teil­neh­men (z. B. grö­ße­re Lauf­ver­an­stal­tung), nicht von der Straf­norm erfasst wer­den. Unrecht, das auch straf­wür­dig ist, wird in die­sem Rah­men ledig­lich von den Sport­le­rin­nen und Sport­lern ver­wirk­licht, die ihren Sport leis­tungs- und wett­kampf­ori­en­tiert auf hohem Niveau betrei­ben bzw. erheb­li­che Ein­nah­men aus der sport­li­chen Tätig­keit zie­hen. Die­se Sport­le­rin­nen und Sport­ler ste­hen für den orga­ni­sier­ten Sport, sie stel­len Vor­bil­der dar und neh­men das Ver­trau­en in Anspruch, ihre sport­li­chen Erfol­ge mit lau­te­ren Mit­teln erlangt zu haben.

Für den Schutz der Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports ist es dage­gen nicht erfor­der­lich, Sport­le­rin­nen und Sport­ler zu bestra­fen, die ihren Sport nur frei­zeit­mä­ßig und ohne grö­ße­re öffent­li­che Wahr­neh­mung aus­üben sowie ledig­lich ein Niveau errei­chen, bei dem mit dem Sport regel­mä­ßig kei­ne finan­zi­el­le Vor­tei­le erlangt wer­den kön­nen. Zu einem Ver­trau­ens­ver­lust in das Sport­sys­tem und rele­van­ten Schä­den füh­ren Mani­pu­la­tio­nen durch Doping nur bei den her­aus­ge­ho­be­nen Sport­le­rin­nen und Sport­lern, die im Ein­zel­nen in den Num­mern 1 und 2 auf­ge­führt sind:

Nach § 4 Abs. 6 Nr. 1 Anti­DopG sind das die Spit­zen­sport­le­rin­nen bzw. die Spit­zen­sport­ler des orga­ni­sier­ten Sports. Die Rege­lung defi­niert die­sen Täter­kreis und stellt dabei auf Sport­ver­bands­recht ab. Erfasst sind danach die Mit­glie­der eines Test­pools, die im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems Trai­nings­kon­trol­len unter­lie­gen.

Auf­grund der sport­recht­li­chen Vor­ga­ben der WADA haben die inter­na­tio­na­len und natio­na­len Anti-Doping­or­ga­ni­sa­tio­nen ent­spre­chen­de Test­pools auf­zu­stel­len und die Sport­le­rin­nen und Sport­ler, die hier­in auf­ge­nom­men sind, zu benen­nen. Es han­delt sich dabei um die inter­na­tio­na­len und natio­na­len Spit­zen­sport­le­rin­nen und Spit­zen­sport­ler in der jewei­li­gen Sport­art. Die in den Test­pools befind­li­chen Sport­le­rin­nen und Sport­ler unter­lie­gen Trai­nings­kon­trol­len und müs­sen regel­mä­ßig Mel­de­auf­la­gen zur ört­li­chen Erreich­bar­keit erfül­len.

Die NADA hat in ihrem Trai­nings­kon­troll­sys­tem drei unter­schied­li­che Test­pools defi­niert:

  • Regis­te­red Tes­ting Pool (RTP),
  • Natio­na­ler Test­pool (NTP),
  • All­ge­mei­ner Test­pool (ATP).

Die drei Test­pools unter­schei­den sich in den Mel­de­pflich­ten, die die Sport­le­rin­nen und Sport­ler gegen­über der NADA haben, sowie in der Fokus­sie­rung der Kon­troll­pla­nung, die sich u. a. in der durch­schnitt­li­chen Anzahl an Kon­trol­len pro Sport­le­rin und Sport­ler zeigt. Die Ein­tei­lung der Sport­le­rin­nen und Sport­ler in einen der drei Test­pools basiert im Wesent­li­chen auf zwei Kri­te­ri­en, der Doping­ge­fähr­dung der aus­ge­üb­ten Sportart/​Disziplin sowie dem Bun­des­ka­der­sta­tus. Die­se Kri­te­ri­en sind von der NADA für den im DOSB orga­ni­sier­ten Spit­zen­sport in Abstim­mung mit der WADA fest­ge­legt wor­den.

In den drei Test­pools befin­den sich der­zeit etwa 7 000 Spit­zen­sport­le­rin­nen und Spit­zen­sport­ler (Stand: Juni 2014). Die betrof­fe­nen Sport­le­rin­nen und Sport­ler wer­den von der NADA über ihre Test­pool­zu­ge­hö­rig­keit schrift­lich oder elek­tro­nisch benach­rich­tigt und hin­sicht­lich ihrer Rech­te und Pflich­ten auf­ge­klärt. Auch über das Ende der Test­pool­zu­ge­hö­rig­keit erfolgt eine schrift­li­che oder elek­tro­ni­sche Benach­rich­ti­gung. Somit ist für jede Sport­le­rin und jeden Sport­ler klar, ob eine Zuge­hö­rig­keit zu einem Test­pool besteht. Die Test­pools erfas­sen der­zeit u. a. sämt­li­che Mit­glie­der der A- und B‑Kader der jewei­li­gen Sport­ver­bän­de, dane­ben auch sämt­li­che Spie­ler der Deut­schen Eis­ho­ckey Liga (1. Eis­ho­ckey-Bun­des­li­ga Her­ren), der Deut­schen Fuß­ball Liga (1. und 2. Fuß­ball-Bun­des­li­ga Her­ren), Mit­glie­der der Frau­en- und Her­ren­na­tio­nal­mann­schaf­ten im Bas­ket­ball, Fuß­ball und Hand­ball, Eli­te­pass-Inha­ber im Tri­ath­lon sowie Lizenz­in­ha­ber im Rad­sport.

Durch die offe­ne For­mu­lie­rung („eines Test­pools“) wer­den auch aus­län­di­sche Sport­le­rin­nen und Sport­ler, die dem Doping­kon­troll­sys­tem in ihren jewei­li­gen Her­kunfts­län­dern unter­lie­gen, erfasst.

Da mit den Trai­nings­kon­trol­len des Doping­kon­troll­sys­tem aber nicht alle Per­so­nen abge­deckt wer­den, bei denen das Selbst­do­ping nach den o.g. Grund­sät­zen straf­wür­dig ist, bestimmt § 4 Abs. 6 Nr. 2 Anti­DopG, dass nach Absatz 1 Num­mer 4 und Absatz 2 auch bestraft wird, wer aus der sport­li­chen Betä­ti­gung unmit­tel­bar oder mit­tel­bar Ein­nah­men von erheb­li­chem Umfang erzielt. Dies trägt dem Umstand Rech­nung, dass beim Sport auch außer­halb des Bereichs, in dem die Trai­nings­kon­trol­len des Doping­kon­troll­sys­tems statt­fin­den, erheb­li­che wirt­schaft­li­che Ein­nah­men erzielt wer­den kön­nen, die einen beson­de­ren Anreiz dafür bie­ten kön­nen, zu ver­bo­te­nen Doping­mit­teln bzw. Doping­me­tho­den zu grei­fen. Hier sei­en etwa der gesam­te Bereich des orga­ni­sier­ten Motor­sports, des Pro­fi­bo­xens (mit der der­zei­ti­gen Aus­nah­me der Boxer der Sauer­land Event GmbH) sowie der 3. Fuß­ball-Liga der Her­ren bei­spiel­haft erwähnt. Unter Rechts­gü­ter­schutz­ge­sichts­punk­ten ist kein Grund dafür ersicht­lich, war­um die­se Sport­le­rin­nen und Sport­ler gegen­über den Mit­glie­dern des Test­pools pri­vi­le­giert wer­den soll­ten. Auch die­se Sport­le­rin­nen und Sport­ler ste­hen typi­scher­wei­se mit ihren sport­li­chen Leis­tun­gen in der Öffent­lich­keit und gefähr­den – sofern sie mit Hil­fe von Doping Ergeb­nis­se der Wett­be­wer­be des orga­ni­sier­ten Sports ver­fäl­schen – die Inte­gri­tät des orga­ni­sier­ten Sports. Durch das Doping täu­schen und schä­di­gen sie ihre Kon­kur­ren­ten, aber auch alle die­je­ni­gen, die im Ver­trau­en auf einen fai­ren Sport­wett­be­werb Ver­mö­gens­wer­te auf­ge­wen­det haben.

§ 4 Abs. 6 Nr. 2 Anti­DopG setzt vor­aus, dass die sport­li­che Betä­ti­gung für die Sport­le­rin oder den Sport­ler eine Ein­nah­me­quel­le dar­stellt. Damit ist das wie­der­hol­te Erlan­gen wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le gemeint, eine ein­ma­li­ge finan­zi­el­le Zuwen­dung oder ein aus­nahms­wei­se erziel­tes Preis­geld sind nicht erfasst. Dabei stellt der Begriff Ein­nah­men nicht auf die gesamt­wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Sport­le­rin oder des Sport­lers ab. Die Ein­nah­men müs­sen unmit­tel­bar oder mit­tel­bar aus der sport­li­chen Betä­ti­gung erwach­sen. Daher sind neben Start- und Preis­gel­dern auch Leis­tun­gen der Sport­för­de­rung und Spon­so­ren­gel­der erfasst. Übt die Sport­le­rin oder der Sport­ler den Sport berufs­mä­ßig aus, zählt auch die Arbeits­ver­gü­tung dazu. Auch eine etwai­ge Besol­dung ist erfasst, sofern die Tätig­keit in der Bun­des­wehr, in der Bun­des­po­li­zei oder dem Zoll aus­ge­übt wird.

Die Ein­nah­men müs­sen von erheb­li­chem Umfang sein. Die­se Ein­schrän­kung ist aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit not­wen­dig. Es muss sich um maß­geb­li­che Leis­tun­gen han­deln, die deut­lich über eine blo­ße Kos­ten­er­stat­tung hin­aus­ge­hen.

Es tre­ten Über­schnei­dun­gen der in § 4 Abs. 6 Nr. 1 und 2 Anti­DopG erfass­ten Täter­grup­pen auf, wenn die in den Test­pools erfass­ten Sport­le­rin­nen und Sport­ler mit dem Sport Ein­nah­men von erheb­li­chem Umfang erzie­len.

Erwei­ter­ter Ver­fall und Ein­zie­hung[↑]

Um eine effek­ti­ve Gewinn­ab­schöp­fung bei den Straf­ta­ten nach § 4 Absatz 4 Num­mer 2 Buch­sta­be b sicher­zu­stel­len, sieht § 5 Abs. 1 Anti­DopG die Anord­nung des erwei­ter­ten Ver­falls nach § 73d StGB vor, wenn die Täte­rin oder der Täter gewerbs­mä­ßig oder als Mit­glied einer Ban­de gehan­delt hat, die sich zur fort­ge­setz­ten Bege­hung sol­cher Taten ver­bun­den hat. Die­se Vor­schrift ent­spricht der Rege­lung im bis­he­ri­gen § 98a AMG über die Gewinn­ab­schöp­fung im Hin­blick auf den gel­ten­den Straf­tat­be­stand des bis­he­ri­gen § 95 Absatz 1 Num­mer 2a AMG. Sie ist auch mit den Vor­schrif­ten bei ande­ren Straf­tat­be­stän­den ver­gleich­bar, die durch die gewerbs- bzw. ban­den­mä­ßi­ge Bege­hungs­wei­se einen engen Bezug zur orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät auf­wei­sen (so etwa § 33 Absatz 1 BtMG sowie die §§ 181c, 260 Absatz 3 StGB, § 260a Absatz 3 StGB, § 261 Absatz 7 StGB, § 263 Absatz 7 StGB, §§ 302, 338 StGB).

Dage­gen ent­spricht die Rege­lung des geplan­ten § 5 Abs. 2 Anti­DopG der des bis­he­ri­gen § 98 AMG.

Durch § 5 Abs. 2 Satz 1 Anti­DopG wird ins­be­son­de­re auch die Erwei­te­rung des Ver­falls auf sog. Bezie­hungs­ge­gen­stän­de gere­gelt. Hier­bei han­delt es sich um Sachen, die nicht Werk­zeu­ge für die Tat oder Pro­duk­te der Tat sind – die­se kön­nen grund­sätz­lich bereits gemäß § 74 StGB ein­ge­zo­gen wer­den –, son­dern not­wen­di­ge Gegen­stän­de der Tat selbst. Bei den Doping­mit­teln han­delt es sich in aller Regel um die not­wen­di­gen Tat­ge­gen­stän­de, bei denen eine Ein­zie­hung – wie nach bis­he­ri­gen § 98 AMG und ent­spre­chend für Betäu­bungs­mit­tel auch nach § 33 Absatz 2 Satz 1 BtMG – sach­ge­recht ist.

§ 5 Abs. 2 Satz 2 Anti­DopG erklärt § 74a StGB für anwend­bar. Ins­be­son­de­re Doping­mit­tel kön­nen also unter den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen auch dann ein­ge­zo­gen wer­den, wenn sie nicht einer an der Tat betei­lig­ten Per­son gehö­ren (so auch die ent­spre­chen­de Rege­lung in § 33 Absatz 2 Satz 2 BtMG).

Warn­hin­wei­se[↑]

§ 7 Anti­DopG ent­hält eine Rei­he von Hin­weis­pflich­ten.

Die in § 7 Abs. 1 Anti­DopG ent­hal­te­ne Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me eines Warn­hin­wei­ses in der Packungs­bei­la­ge und der Fach­in­for­ma­ti­on für Arz­nei­mit­tel ent­spricht der bis­he­ri­gen Ver­pflich­tung in § 6a Absatz 2 Satz 2 bis 4 AMG, die durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Bekämp­fung des Dopings im Sport vom 24. Okto­ber 2007 (BGBl. I S. 2510, vgl. auch Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung, Bun­des­tags­druck­sa­che 16/​5526) ein­ge­führt wur­de. Der Begriff „Doping­kon­trol­le" wird hier weit gefasst und soll alle mög­li­chen Nach­weis­me­tho­den erfas­sen. Zweck des Hin­wei­ses ist es, Sport­le­rin­nen und Sport­ler von der unbe­ab­sich­tig­ten Ein­nah­me ver­bo­te­ner Doping­mit­tel abzu­hal­ten. Dem Hin­weis kann aber auch im Rah­men der Straf­ver­fol­gung Bedeu­tung zukom­men, da er eine mög­li­che Exkul­pa­ti­on eines Täters mit „Nicht­wis­sen" erschwert. Die Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me des Warn­hin­wei­ses in der Fach­in­for­ma­ti­on soll den behan­deln­den Arzt über die Dopingre­le­vanz bestimm­ter Arz­nei­mit­tel infor­mie­ren.

Die Ver­pflich­tung gilt für alle Arz­nei­mit­tel, die nach § 11 AMG nur mit einer Packungs­bei­la­ge in den Ver­kehr gebracht wer­den dür­fen.

Für Arz­nei­mit­tel, die nach einem homöo­pa­thi­schen Zube­rei­tungs­ver­fah­ren her­ge­stellt wor­den sind, bedarf es kei­ner gesetz­li­chen Hin­weis­pflicht. Für die­se Arz­nei­mit­tel besteht auf­grund ihrer Poten­zie­rung bzw. Ver­dün­nung im All­ge­mei­nen aus­rei­chend Abstand zu den für Doping­zwe­cke rele­van­ten stoff­li­chen Kon­zen­tra­tio­nen.

§ 7 Abs. 2 Anti­DopG ent­hält eine Über­gangs­re­ge­lung für den Fall, dass ein Stoff, der bereits in zuge­las­se­nen Arz­nei­mit­teln in den Ver­kehr gebracht ist, neu in die Anla­ge I des Inter­na­tio­na­len Über­ein­kom­mens gegen Doping auf­ge­nom­men wird. Die Rege­lung ent­spricht der durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Bekämp­fung des Dopings im Sport vom 24. Okto­ber 2007 (BGBl. I S. 2510) ein­ge­führ­ten Über­gangs­re­ge­lung in § 143 Absatz 2 AMG und für die Fach­in­for­ma­ti­on in § 143 Absatz 4 AMG (vgl. Begrün­dung Bun­des­tags­druck­sa­che 16/​5526).

Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit der NADA[↑]

§ 8 Anti­DopG regelt den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch staat­li­cher Stel­len (Gerich­te, Staats­an­walt­schaf­ten) mit der NADA. Die Rege­lung soll sicher­stel­len, dass die NADA – soweit oppor­tun – auch von Amts wegen die nöti­gen Infor­ma­tio­nen erhal­ten kann, die zur Ein­lei­tung der Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems not­wen­dig sind, und nicht nur auf Jeder­manns­rech­te wie das Akten­ein­sichts­recht des § 475 StPO ver­wie­sen wird. Ohne die­se Ermäch­ti­gung ist nicht gewähr­leis­tet, dass die NADA über­haupt Kennt­nis von der Ein­lei­tung ent­spre­chen­der Ver­fah­ren erlangt. Zudem ermög­licht die Vor­schrift eine früh­zei­ti­ge Unter­rich­tung der NADA ab dem Zeit­punkt, zu dem ihr kei­ne Ver­sa­gungs­grün­de nach § 477 Absatz 2 StPO mehr ent­ge­gen­ste­hen.

Die Spe­zi­al­er­mäch­ti­gung zur Daten­über­mitt­lung für ande­re Zwe­cke als die des Ver­fah­rens, für die die Daten erho­ben wor­den sind, ist ange­sichts der beson­de­ren Auf­ga­ben der NADA und ihrer Bedeu­tung für die Doping­be­kämp­fung erfor­der­lich. Unab­hän­gig von ihrer pri­vat­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­form erfüllt die NADA mit der Doping­be­kämp­fung eine auch im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­de wich­ti­ge Auf­ga­be. Sie wur­de aus die­sem Grund von Beginn ihrer Tätig­keit an mit erheb­li­chen öffent­li­chen Mit­teln unter­stützt.

Die NADA wur­de 2002 als Stif­tung mit Sitz in Bonn gegrün­det. An ihr sind seit ihrer Grün­dung sowohl öffent­li­che Stel­len des Bun­des, öffent­li­che Stel­len der Län­der als auch pri­va­te Stel­len betei­ligt. Ein Groß­teil des Stif­tungs­ver­mö­gens stammt vom Bund (ca. 84 Pro­zent). Die übri­gen Mit­tel wur­den von den Län­dern, der Stadt Bonn, von Sport­ver­bän­den (Deut­scher Sport­bund, Deut­sche Sport­hil­fe, Natio­na­les Olym­pi­sches Komi­tee) und der Wirt­schaft (u. a. Deut­sche Tele­kom AG, Deut­sche Bank AG, Adi­das AG) auf­ge­bracht. Inklu­si­ve der Erträg­nis­se aus dem Stif­tungs­ka­pi­tal und ein­schließ­lich der Mit­tel für die Anti-Doping­la­bo­re beläuft sich der Anteil des Bun­des auch an den lau­fen­den Kos­ten des jähr­li­chen NADA-Etats auf 44 bis 54 Pro­zent. Damit ist der Bund der mit Abstand größ­te Ein­zel­geld­ge­ber der NADA.

Die Doping­be­kämp­fung ist zudem unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Sports durch Bund, Län­der und Gemein­den. Der Staat kann nur sol­che Akti­vi­tä­ten des Spit­zen­sports för­dern, die sich einer unein­ge­schränk­ten und akti­ven Bekämp­fung des Dopings im Sport ver­schrie­ben haben. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es die Auf­ga­be des Staa­tes, eine effek­ti­ve Doping­be­kämp­fung zu unter­stüt­zen und zu ihr bei­zu­tra­gen. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat sich zudem völ­ker­ver­trag­lich durch das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men gegen Doping im Sport vom 19. Okto­ber 2005 ver­pflich­tet, die natio­na­len Anti-Doping-Orga­ni­sa­tio­nen in ihrer Arbeit zu unter­stüt­zen.

Infor­ma­tio­nen der Staats­an­walt­schaf­ten und Gerich­te sind für die Arbeit der NADA in der Doping­be­kämp­fung von essen­ti­el­ler Bedeu­tung, weil mit die­sen Infor­ma­tio­nen die NADA z. B. die für die Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren nöti­gen Erkennt­nis­se über Per­so­nen im Umfeld der Sport­le­rin­nen und Sport­ler erlan­gen kann, die als Ath­le­ten­be­treu­er (Ärz­te, Funk­tio­nä­re, Trai­ner) dem NADC unter­lie­gen, selbst aber kei­ne Doping­pro­ben abge­ben müs­sen. Zum ande­ren kann die NADA auf die­sem Weg an für die Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren nöti­gen Erkennt­nis­se zu Leis­tungs­sport­le­rin­nen und Leis­tungs­sport­lern gelan­gen, gegen die Straf­ver­fah­ren nicht auf­grund von posi­ti­ven Doping­pro­ben ein­ge­lei­tet wor­den sind, son­dern z. B. auf­grund der Beschlag­nah­me von Lie­fe­run­gen von Doping­mit­teln oder auf­grund von Erkennt­nis­sen aus Straf­ver­fah­ren gegen Ärz­tin­nen und Ärz­te oder ande­re Hin­ter­män­ner.

§ 8 Absatz 1 Anti­DopG ermäch­tigt Gerich­te und Staats­an­walt­schaf­ten zur Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten aus (auch lau­fen­den) Straf­ver­fah­ren, soweit dies aus ihrer Sicht für dis­zi­pli­nar­recht­li­che Maß­nah­men im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems der NADA erfor­der­lich ist. Es muss aus Sicht der über­mit­teln­den Stel­le erheb­li­che Anhalts­punk­te für einen Ver­stoß gegen Bestim­mun­gen des NADC vor­lie­gen, also eine Ver­let­zung der Ver­bo­te des Arti­kels 2 NADC wahr­schein­lich sein.

Eine Über­mitt­lung ist aus­ge­schlos­sen, wenn ein „schutz­wür­di­ges Inter­es­se“ der von der Über­mitt­lung betrof­fe­nen Per­son ent­ge­gen­steht. Die­se Ein­schät­zung obliegt, wie in ande­ren Fäl­len der Daten­über­mitt­lung auch, der über­mit­teln­den Stel­le. Eine mög­li­che Sank­tio­nie­rung eines etwai­gen Ver­sto­ßes gegen das Sport­recht (NADC) durch die NADA ver­mag aller­dings ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se der betrof­fe­nen Per­son nicht zu begrün­den, da dies gera­de den die Daten­über­mitt­lung legi­ti­mie­ren­den Zweck dar­stellt.

§ 8 Abs. 2 S. 1 Anti­DopG ver­weist auf die ent­spre­chen­de Gel­tung des § 477 Absatz 1, 2 und 5 sowie des § 478 Absatz 1 und 2 StPO. Damit ist gere­gelt, dass Aus­künf­te auch durch Über­las­sung von Abschrif­ten aus den Akten erteilt wer­den kön­nen (§ 477 Absatz 1 StPO). Zudem wird klar­ge­stellt, dass eine Daten­über­mitt­lung nicht erfolgt, wenn dadurch der Zweck des gegen­ständ­li­chen oder ande­rer Straf­ver­fah­ren gefähr­det wür­de oder ande­re (spe­zi­al-) gesetz­li­che Vor­schrif­ten ent­ge­gen­ste­hen (§ 477 Absatz 2 StPO). Außer­dem dür­fen die über­mit­tel­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten grund­sätz­lich nur zweck­ge­bun­den ver­wen­det wer­den, d. h. hier für dis­zi­pli­nar­recht­li­che Maß­nah­men im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems (§ 477 Absatz 5 StPO). § 478 Absatz 1 und 2 StPO schließ­lich trifft Rege­lun­gen hin­sicht­lich der jeweils für die Daten­über­mitt­lung zustän­di­gen Stel­le. § 8 Abs. 2 S. 2 Anti­DopG schließ­lich ent­hält die inso­weit übli­che Maß­ga­be, dass die Ver­ant­wor­tung für die Zuläs­sig­keit der Über­mitt­lung bei der über­mit­teln­den Stel­le liegt, also bei dem Gericht oder der Staats­an­walt­schaft.

Die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten sind für die Arbeit der NADA in der Doping­be­kämp­fung von maß­geb­li­cher Bedeu­tung.

Grund­sätz­lich gel­ten hier­für die all­ge­mei­nen daten­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Nach § 4 des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes (BDSG) sind Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten nur zuläs­sig, soweit die all­ge­mei­nen daten­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder ande­re Rechts­vor­schrif­ten dies erlau­ben oder anord­nen oder der Betrof­fe­ne ein­ge­wil­ligt hat. Für Doping­kon­trol­len wur­de bis­lang regel­mä­ßig die Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen (vgl. § 4a BDSG) als Rechts­grund­la­ge her­an­ge­zo­gen.

Auf­grund der Bedeu­tung der Doping­be­kämp­fung soll die dazu erfor­der­li­che Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten durch die NADA nach die­sem Gesetz künf­tig unab­hän­gig von einer daten­schutz­recht­li­chen Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen zuläs­sig sein. Durch die Ein­füh­rung einer bereichs­spe­zi­fi­schen Rechts­grund­la­ge wird der Rechts­un­si­cher­heit auf­grund von ver­ein­zelt gel­tend gemach­ten daten­schutz­recht­li­chen Zwei­feln an der Wirk­sam­keit der Ein­wil­li­gung begeg­net. Nach Satz 1 darf die NADA per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten ohne Ein­wil­li­gung erhe­ben, ver­ar­bei­ten und nut­zen, soweit dies zur Erfül­lung der kon­kret benann­ten Auf­ga­ben erfor­der­lich ist.

Nach ihrer Sat­zung ist der NADA die Ein­rich­tung und Umset­zung eines ein­heit­li­chen Doping­kon­troll­sys­tems zuge­wie­sen. Die Vor­schrift ermäch­tigt die NADA zur Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, soweit dies zur Durch­füh­rung die­ses Doping­kon­troll­sys­tems erfor­der­lich ist. Zu den per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten, deren Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung danach erfor­der­lich sind, gehö­ren Name, Anschrift, Sport­art des Sport­lers und Anga­ben zum Auf­ent­halts­ort sowie zur (tele­fo­ni­schen) Erreich­bar­keit.

Zur Durch­füh­rung des Doping­kon­troll­sys­tems ent­hält § 9 Anti­DopG eini­ge spe­zi­el­le Rege­lun­gen. Zur Durch­füh­rung des Doping­kon­troll­sys­tems wer­den ins­be­son­de­re die in § 9 S. 2 Anti­DopG aus­drück­lich genann­ten Anga­ben über den Auf­ent­halts­ort als erfor­der­lich ange­se­hen, sofern die Sport­le­rin oder der Sport­ler zu der Grup­pe von Sport­le­rin­nen und Sport­lern zählt, die Trai­nings­kon­trol­len unter­liegt. Die Anga­ben wer­den von der NADA zur Durch­füh­rung der unan­ge­mel­de­ten Kon­trol­len benö­tigt. Trai­nings­kon­trol­len wer­den bei Sport­le­rin­nen und Sport­lern durch­ge­führt, die von einer Anti-Doping-Orga­ni­sa­ti­on benannt wor­den sind. Die­se Sport­le­rin­nen und Sport­ler sind in ver­schie­de­ne Test­pools zusam­men­ge­fasst (s. nähe­re Aus­füh­run­gen zu § 4 Absatz 6). Um die nöti­gen Anga­ben zu erhal­ten, gibt es für die betrof­fe­nen Sport­le­rin­nen und Sport­ler Mel­de­pflich­ten, die je nach Test­pool-Zuge­hö­rig­keit unter­schied­lich sind. Die NADA setzt mit dem NADC und dem Stan­dard für Mel­de­pflich­ten die jewei­li­gen Vor­ga­ben der WADA um.

Die NADA bleibt im Übri­gen an die gel­ten­den all­ge­mei­nen daten­schutz­recht­li­chen Bestim­mun­gen gebun­den. Das gilt auch für die Löschung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten. Der von der NADA ent­wi­ckel­te „Stan­dard für Daten­schutz“ ent­hält in sei­ner Anla­ge die für die ein­zel­nen von der NADA erho­be­nen, ver­ar­bei­te­ten oder genutz­ten Daten gel­ten­den jewei­li­gen Spei­cher- und Löschungs­fris­ten unter Berück­sich­ti­gung der Erfor­der­lich­keit die­ser Daten für die Durch­füh­rung des Doping­kon­troll­sys­tems. Die­se „Richt­li­ni­en für Spei­che­rungs­fris­ten“ wer­den von der NADA mit der zustän­di­gen Daten­schutz­be­hör­de abge­stimmt.

Für die Doping­be­kämp­fung ist es uner­läss­lich, dass die NADA auch Anga­ben über die Gesund­heit der zu kon­trol­lie­ren­den Sport­le­rin­nen und Sport­ler erhebt, ver­ar­bei­tet und nutzt. Bei Gesund­heits­da­ten han­delt es sich um beson­de­re Arten von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten im Sin­ne von Arti­kel 8 der Richt­li­nie 95/​46/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24. Okto­ber 1995 zum Schutz natür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und zum frei­en Daten­ver­kehr und § 3 Absatz 9 BDSG, deren Ver­ar­bei­tung nur in gesetz­lich gere­gel­ten Aus­nah­me­fäl­len erlaubt ist. Nach Arti­kel 8 Absatz 4 der Richt­li­nie kön­nen die Mit­glied­staa­ten vor­be­halt­lich ange­mes­se­ner Garan­ti­en aus Grün­den eines wich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­ses im Wege einer natio­na­len Rechts­vor­schrift Aus­nah­men vor­se­hen. Von die­ser Ermäch­ti­gung wird im Hin­blick auf die Bedeu­tung eines effek­ti­ven Doping­kon­troll­sys­tems in § 10 Abs. 1 Anti­DopG Gebrauch gemacht.

§ 10 Abs. 1 Anti­DopG regelt dabei, dass die NADA im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems auch gesund­heits­be­zo­ge­ne Daten erhe­ben, ver­ar­bei­ten und nut­zen darf, soweit dies zur Durch­füh­rung des Doping­kon­troll­sys­tems erfor­der­lich ist. Zu die­sen Daten gehö­ren ins­be­son­de­re Gesund­heits­da­ten, die von den Sport­le­rin­nen und Sport­ler zur Ertei­lung einer medi­zi­ni­schen Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen an die NADA über­mit­telt wer­den, wenn sie auf­grund einer the­ra­peu­ti­schen Indi­ka­ti­on Medi­ka­men­te benö­ti­gen, deren Inhalts­stof­fe Sub­stan­zen ent­hal­ten, die auf der Ver­bots­lis­te der WADA ste­hen. Gesund­heits­be­zo­ge­ne Daten ent­ste­hen auch im Zusam­men­hang mit abge­ge­be­nen Urin- und Blut­pro­ben sowie den Ergeb­nis­sen ihrer Ana­ly­sen. Der Absatz erlaubt auch die wei­ter­ge­hen­de Nut­zung der auf­grund von Urin- und Blut­pro­ben gewon­ne­nen Daten. Die­se wer­den auf Ver­an­las­sung der NADA lang­zeit­ge­la­gert, um zu einem spä­te­ren Zeit­punkt neu ent­wi­ckel­te Ana­ly­se­ver­fah­ren dar­auf anwen­den las­sen zu kön­nen. Auch die Nut­zung gesund­heits­be­zo­ge­ner Daten durch die NADA zur Erstel­lung sog. bio­lo­gi­scher Päs­se (z. B. „Blut­pass“) wird durch die Vor­schrift gere­gelt, um so die Ent­wick­lung bestimm­ter phy­sio­lo­gi­scher Para­me­ter aus Blut oder Urin ein­zel­ner Ath­le­ten über einen län­ge­ren Zeit­raum zum Auf­fin­den mög­li­cher Mani­pu­la­tio­nen nach­ver­fol­gen zu kön­nen.

§ 10 Abs. 2 Anti­DopG ent­hält dem­ge­gen­über eine spe­zi­el­le Rege­lung für die Daten­über­mitt­lung durch die NADA an Drit­te im Rah­men des Doping­kon­troll­sys­tems im Hin­blick auf beson­ders sen­si­ble Daten.

Die NADA darf zur Durch­füh­rung des Doping­kon­troll­sys­tems Ergeb­nis­se von Doping­pro­ben und Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren sowie auch gesund­heits­be­zo­ge­ne Daten an einen der dort auf­ge­führ­ten Emp­fän­ger nur über­mit­teln, soweit die­ser für die Doping­be­kämp­fung nach dem WADC oder NADC zustän­dig ist (s. dort jeweils ins­be­son­de­re Arti­kel 4.4 für die Medi­zi­ni­schen Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen bzw. Arti­kel 7 für das Ergeb­nis­ma­nage­ment­ver­fah­ren). Dies sind ein natio­na­ler oder inter­na­tio­na­ler Sport­fach­ver­band, ein natio­na­ler oder inter­na­tio­na­ler Ver­an­stal­ter von Sport­wett­kämp­fen oder die WADA. Die­se haben nach dem WADC unter­schied­li­che Auf­ga­ben in der Doping­be­kämp­fung je nach dem in Rede ste­hen­den Wett­kampf bzw. betrof­fe­nen Ath­le­ten. Die Daten­über­mitt­lung ist nur inso­weit zuläs­sig, als der jewei­li­ge Emp­fän­ger im kon­kre­ten Fall die Daten zur Ver­fol­gung eige­ner Doping­be­kämp­fungs­zu­stän­dig­kei­ten nach dem WADC benö­tigt.

Schieds­ge­richts­bar­keit[↑]

§ 11 Anti­DopG ent­hält Rege­lun­gen im Hin­blick auf die von den Sport­ver­bän­den im Rah­men ihrer Anti-Doping-Rege­lun­gen ein­ge­rich­te­te Schieds­ge­richts­bar­keit.

Die Schieds­ge­richts­bar­keit ist als Streit­bei­le­gungs­me­cha­nis­mus für die Teil­nah­me an der orga­ni­sier­ten Sport­aus­übung erfor­der­lich, gän­gi­ge Pra­xis und hat sich welt­weit bewährt.

Dies gilt ins­be­son­de­re für die Ver­hin­de­rung von Doping im Sport. Sowohl der WADC als auch der NADC gehen (jeweils in Arti­kel 13) von der Eröff­nung des mehr­stu­fi­gen Schieds­ge­richts­we­ges zur Über­prü­fung von Sank­tio­nen in Anti-Doping­ver­fah­ren aus und pos­tu­lie­ren eine letzt­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des inter­na­tio­na­len Sport­schieds­ge­richts­hofs CAS (Court of Arbi­tra­ti­on for Sport) mit Sitz in Lau­sanne (Schweiz).

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat sich zur Umset­zung des WADC durch die Rati­fi­ka­ti­on des Inter­na­tio­na­len Über­ein­kom­mens gegen Doping wie 170 ande­re Staa­ten auch ver­pflich­tet.

Die Grün­de für die bevor­zug­te Streit­bei­le­gung durch Schieds­ge­rich­te im orga­ni­sier­ten Sport sind viel­fäl­tig. Schieds­ge­rich­te kön­nen am ehes­ten die Chan­cen­gleich­heit der Sport­le­rin­nen und Sport­ler bei der Teil­nah­me am orga­ni­sier­ten Sport auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne durch­set­zen. Sie ver­hin­dern vor allem durch ein­heit­li­che Zustän­dig­kei­ten und Ver­fah­rens­ge­stal­tung, dass in gleich­ge­la­ger­ten Fäl­len diver­gie­ren­de Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Die­se Schieds­ge­richts­ent­schei­dun­gen kön­nen auch nur begrenzt in Fra­ge gestellt wer­den. Inter­na­tio­na­ler Ent­schei­dungs­gleich­klang ist durch die Ein­rich­tung des CAS weit­ge­hend gesi­chert. Staat­li­che Gerich­te hin­ge­gen kön­nen dies nicht leis­ten. Schon wel­ches staat­li­che Gericht über­haupt zur Streit­ent­schei­dung (inter­na­tio­nal) zustän­dig ist, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Das zustän­di­ge Gericht wen­det regel­mä­ßig das (Verfahrens-)Recht des Gerichts­staats an, das sich von dem ande­rer Staa­ten erheb­lich unter­schei­den kann. Ent­schei­dun­gen staat­li­cher Gerich­te müs­sen in ande­ren Staa­ten aner­kannt und für voll­streck­bar erklärt wer­den, um dort Wir­kung ent­fal­ten zu kön­nen. Auch die Vor­aus­set­zun­gen und Ver­fah­ren dafür sind natio­nal unter­schied­lich.

Dane­ben sind Schieds­ge­rich­te in der Lage, Strei­tig­kei­ten zeit­nah auch in der Haupt­sa­che einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung zuzu­füh­ren, um so für den schnell­le­bi­gen Sport, ins­be­son­de­re für Ereig­nis­se wie natio­na­le und inter­na­tio­na­le Meis­ter­schaf­ten, Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zu leis­ten. Lang­an­dau­ern­de Ver­fah­ren oder nach­träg­li­che Annul­lie­run­gen ver­bands­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen vor staat­li­chen Gerich­ten wer­den damit ver­mie­den.

Außer­dem haben Schieds­ge­rich­te durch die stän­di­ge Befas­sung mit sport­spe­zi­fi­schen Strei­tig­kei­ten Spe­zi­al­wis­sen akku­mu­liert. Bei den spe­zia­li­sier­ten Sport­schieds­rich­te­rin­nen und ‑rich­tern ist oft­mals eine grö­ße­re Sach­nä­he zum Streit­stand und zu den im Sport anwend­ba­ren Regeln wie z. B. dem Anti-Doping-Regel­werk anzu­tref­fen als bei Rich­te­rin­nen und Rich­tern staat­li­cher Gerich­te, denen der Fall unspe­zi­fisch nach ihrem natio­na­len Zustän­dig­keits­recht zuge­wie­sen wird. Vor die­sem Hin­ter­grund sind Schieds­ver­ein­ba­run­gen im Inter­es­se einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung äußerst sach­ge­recht.

Aller­dings wird in letz­ter Zeit ver­ein­zelt die Unwirk­sam­keit sol­cher Schieds­ver­ein­ba­run­gen vor­ge­bracht, weil die Sport­le­rin­nen und Sport­ler sich den Ver­bän­den gegen­über in einer unter­le­ge­nen Stel­lung befän­den und weil ihnen die schieds­rich­ter­li­che Streit­bei­le­gung „auf­ge­zwun­gen“ wer­de.

Der Abschluss sol­cher Ver­ein­ba­run­gen als Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me am orga­ni­sier­ten Sport hält jedoch einer recht­li­chen Prü­fung am Maß­stab des § 138 BGB auch unter Berück­sich­ti­gung der Grund­rech­te und der Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten vor dem Hin­ter­grund der beson­de­ren Umstän­de des Leis­tungs­sports stand. Wenn Schieds­ver­ein­ba­run­gen nach deut­schem Recht als wirk­sam anzu­se­hen sind, dürf­ten auch Schieds­ver­ein­ba­run­gen, die einem aus­län­di­schem Recht unter­lie­gen, jeden­falls regel­mä­ßig nicht am Haupt­ein­wand, dem deut­schen Ord­re-public-Vor­be­halt nach Arti­kel 6 EGBGB schei­tern.

Der natio­na­le und inter­na­tio­na­le Rechts­schutz vor Schieds­ge­rich­ten ist bei Strei­tig­kei­ten im Zusam­men­hang mit dem orga­ni­sier­ten Sport dem vor staat­li­chen Gerich­ten im Wesent­li­chen gleich­wer­tig. Die Aus­wahl geeig­ne­ter Schieds­rich­ter und die Ein­hal­tung ele­men­ta­rer Ver­fah­rens­grund­sät­ze durch Schieds­ge­rich­te wer­den u. a. dadurch gewähr­leis­tet, dass den staat­li­chen Gerich­ten am Schieds­ort regel­mä­ßig eine beglei­ten­de recht­li­che Kon­trol­le ein­ge­räumt wird. Außer­dem kann der Schieds­spruch selbst in ein­ge­schränk­tem Umfang zur Über­prü­fung durch staat­li­che Gerich­te gestellt wer­den.

Eine trotz des grund­sätz­lich gleich­wer­ti­gen Rechts­schut­zes erwo­ge­ne Beein­träch­ti­gung der Rech­te der Sport­le­rin­nen und Sport­ler durch den Abschluss von Schieds­ver­ein­ba­run­gen wäre jeden­falls auf­grund der sport­spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten, die eine inter­es­sen­ge­rech­te Orga­ni­sa­ti­on von Sport erst ermög­li­chen, gerecht­fer­tigt. Die Ver­bän­de leis­ten ver­mehrt dazu ihren Bei­trag, indem sie Sport­le­rin­nen und Sport­lern bei dem Abschluss einer Schieds­ver­ein­ba­rung deren Bedeu­tung und Reich­wei­te ver­deut­li­chen.

Die Klar­stel­lung in der Vor­schrift dient dazu, die Zwei­fel an der Wirk­sam­keit von Schieds­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Sport­le­rin­nen und Sport­lern mit den Ver­bän­den aus­zu­räu­men.

Eine Fol­ge­än­de­rung zu § 101 Absatz 2 ArbGG für Berufs­sport­le­rin­nen und Berufs­sport­ler erscheint nicht erfor­der­lich, weil kei­ne Strei­tig­keit „aus dem Arbeits­ver­hält­nis“ zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer in Rede steht, soweit es um die Ver­hän­gung einer sport­li­chen Sper­re im Rah­men des Ergeb­nis­ma­nage­ments geht, weil hier nicht ein etwai­ger Arbeit­ge­ber des Sport­lers tätig wird, son­dern der (natio­na­le) Sport­ver­band bzw. die NADA als Sank­ti­ons­in­stanz agiert. Doping­st­rei­tig­kei­ten sind somit unein­ge­schränkt objek­tiv schieds­fä­hig.