Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die Zäsur­wir­kung einer ein­zu­be­zie­hen­den Vor­ver­ur­tei­lung

Nötigt die Zäsur­wir­kung einer ein­zu­be­zie­hen­den Vor­ver­ur­tei­lung zur Bil­dung zwei­er Gesamt­stra­fen, muss das Gericht einen sich dar­aus mög­li­cher­wei­se für den Ange­klag­ten erge­ben­den Nach­teil infol­ge eines zu hohen Gesamt­straf­ü­bels aus­glei­chen.

Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die Zäsur­wir­kung einer ein­zu­be­zie­hen­den Vor­ver­ur­tei­lung

Dabei muss es nicht nur dar­le­gen, dass es sich die­ser Sach­la­ge bewusst gewe­sen ist, son­dern auch erken­nen las­sen, dass es das Gesamt­maß der Stra­fen für schuld­an­ge­mes­sen gehal­ten hat 1.

Dem wird das Land­ge­richt mit einer nur for­mel­haf­ten Erwä­gung, es habe "die Gesamt­frei­heits­stra­fen mit Blick auf das Gesamt­straf­ü­bel so weit her­ab­ge­setzt, dass ins­ge­samt eine gerech­te Bestra­fung des Ange­klag­ten erreicht wer­de" nicht gerecht.

Vor dem Hin­ter­grund, dass in dem hier ent­schie­de­nen Fall die höchs­te ver­wirk­te Ein­zel­stra­fe vier Jah­re und sechs Mona­te beträgt, erscheint die Bil­dung zwei­er Gesamt­stra­fen, die in der Sum­me zwölf Jah­re aus­ma­chen, auch unter Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass meh­re­re Ein­zel­geld­stra­fen aus Vor­ver­ur­tei­lun­gen ein­be­zo­gen wur­den, nicht mehr als schuld­an­ge­mes­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Juli 2016 – 2 StR 18/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 09.11.1995 – 4 StR 650/​95, BGHSt 41, 310, 313; vom 14.11.1995 – 4 StR 639/​95, BGHR StGB § 55 Abs. 1 Satz 1 Zäsur­wir­kung 11; vom 30.01.1996 – 1 StR 624/​95; vom 17.04.2008 – 4 StR 118/​08, NStZ-RR 2008, 234; Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 408/​14[]