Geschwin­dig­keits­mes­sung und die Kon­trol­le durch einen zwei­ten Poli­zis­ten

Wegen des Grund­sat­zes der frei­en Beweis­wür­di­gung gibt es auch kei­ne Beweis­re­gel, die ein „Vier-Augen-Prin­zip“ bei einer Geschwin­dig­keits­mes­sung mit einem Laser­mess­ge­rät als Vor­aus­set­zung für gericht­li­che Fest­stel­lun­gen vor­schreibt.

Geschwin­dig­keits­mes­sung und die Kon­trol­le durch einen zwei­ten Poli­zis­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Rechts­be­schwer­de gegen ein Urteil des Amts­ge­richts Det­mold als unbe­grün­det ver­wor­fen. Der Betrof­fe­ne wen­det sich mit sei­ner Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­ur­tei­lung wegen fahr­läs­si­ger Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung. Das Amts­ge­richt hat­te den Ver­stoß auf der Grund­la­ge der Zeu­gen­aus­sa­ge eines Poli­zei­be­am­ten fest­ge­stellt, der das Ergeb­nis der mit einem Laser­mess­ge­rät durch­ge­führ­ten Geschwin­dig­keits­mes­sung allein vom Anzei­ge­feld des Mess­ge­rä­tes abge­le­sen und in das schrift­li­che Mess­pro­to­koll ein­ge­tra­gen hat­te. Eine Kon­trol­le der Rich­tig­keit des abge­le­se­nen und ein­ge­tra­ge­nen Wer­tes durch einen ande­ren Poli­zei­be­am­ten erfolg­te nicht. Hier­ge­gen wand­te sich der Betrof­fe­ne mit der Rechts­be­schwer­de, mit der er rüg­te, dass das ihm vor­ge­hal­te­ne Mess­ergeb­nis wegen der Ver­let­zung eines „Vier-Augen-Prin­zips“ nicht gegen ihn ver­wert­bar sei.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm gebe es das vom Betrof­fe­nen ange­führ­te „Vier-Augen-Prin­zip“ nicht. Auch bei Laser­mess­ge­rä­ten, die ein Mess­ergeb­nis nicht foto­gra­fisch-schrift­lich doku­men­tier­ten, sei der vom Gerät ange­zeig­te Mess­wert und des­sen Zuord­nung zu einem bestimm­ten Fahr­zeug im Ein­zel­fall nach den Grund­sät­zen der frei­en Beweis­wür­di­gung zu beur­tei­len und kön­ne z. B. durch Zeu­gen­aus­sa­ge eines betei­lig­ten Poli­zei­be­am­ten geklärt wer­den. Es exis­tie­re kein Beweis­ver­bot, das die Ver­wer­tung eines allein von einem – und ohne Kon­trol­le durch einen wei­te­ren – Poli­zei­be­am­ten fest­ge­stell­ten Mess­wer­tes unter­sa­ge. Wegen des Grund­sat­zes der frei­en Beweis­wür­di­gung gebe es auch es kei­ne Beweis­re­gel, die ein der­ar­ti­ges „Vier-Augen-Prin­zip“ als Vor­aus­set­zung für gericht­li­che Fest­stel­lun­gen vor­schrei­be.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 21. Juni 2012 – III‑3 RBs 35/​12