Hang zum über­mä­ßi­gen Rausch­mit­tel­ge­nuss

Für einen Hang ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung aus­rei­chend eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Hang zum über­mä­ßi­gen Rausch­mit­tel­ge­nuss

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betrof­fe­ne auf Grund sei­ner psy­chi­schen Abhän­gig­keit sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1.

Nicht erfor­der­lich ist, dass beim Täter bereits eine Per­sön­lich­keits­de­pra­va­ti­on ein­ge­tre­ten ist 2.

Dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum die Gesund­heit sowie die Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen beein­träch­tigt sind, kommt nur eine indi­zi­el­le Bedeu­tung zu. Das Feh­len sol­cher Beein­träch­ti­gun­gen schließt nicht not­wen­di­ger­wei­se die Beja­hung eines Hangs aus 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2015 – 1 StR 482/​15

  1. st. Rspr.; vgl. Beschlüs­se vom 06.09.2007 – 4 StR 318/​07, NStZ-RR 2008, 8; vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198, 199; vom 12.04.2012 – 5 StR 87/​12, NStZ-RR 2012, 271; vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12; und vom 30.07.2013 – 2 StR 174/​13[]
  2. BGH, Beschluss vom 06.09.2007 – 4 StR 318/​07, NStZ-RR 2008, 8[]
  3. BGH, Beschluss vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198[]