Kein auf­nah­me­be­rei­ter Urkunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le – und die Wie­der­ein­set­zung

Einem Betrof­fe­nen ist Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Frist zur Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de zu gewäh­ren, wenn beim zustän­di­gen Amts­ge­richt kein auf­nah­me­be­rei­ter Urkunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le anwe­send ist und er des­halb von einem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert wird, eine bereits ent­wurfs­mä­ßig vor­be­rei­te­te Erklä­rung an der Pfor­te des Gerichts abzu­ge­ben.

Kein auf­nah­me­be­rei­ter Urkunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le – und die Wie­der­ein­set­zung

Für den Antrag auf Gewäh­rung von Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand beginnt die nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses lau­fen­de Wochen­frist des § 45 Abs.1 StPO, wenn der Wie­der­ein­set­zungs­grund in einem – wie hier auf­grund fal­scher Ver­fah­rens­be­hand­lung – den Gerich­ten oder sons­ti­gen Jus­tiz­be­hör­den zuzu­ord­nen­den Feh­ler liegt, erst mit Zugang einer Beleh­rung über die Mög­lich­keit der Wie­der­ein­set­zung zu lau­fen 1.

Die Wirk­sam­keit des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags und der Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de steht im hier ent­schie­de­nen Fall auch nicht des­halb in Fra­ge, weil sie nicht vom Betrof­fe­nen selbst, son­dern von dem mit einer wirk­sa­men Gene­ral­voll­macht aus­ge­stat­te­ten Vater des Betrof­fe­nen als des­sen Ver­tre­ter abge­ge­ben bzw. zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le erklärt wor­den sind 2.

Die Begrün­dung einer Recht­be­schwer­de kann auch durch einen mit nota­ri­el­ler Gene­ral­voll­macht aus­ge­stat­te­ten Ver­tre­ter des Betrof­fe­nen zu Pro­to­koll des Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le erklärt wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 15. März 2016 – 1 (3) Ss Bs 100/​15; 1 (3) Ss Bs 100/​15 – AK 33/​15

  1. BVerfG, Beschluss vom 02.03.2014, 2 BvR 53/​13, abge­druckt bei juris; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl.2015, § 45 Rn.24[]
  2. vgl. hier­zu OLG Saar­brü­cken NJW 1994, 1423; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, a.a.O., § 297 Rn. 7; § 45 Rn. 24; Ein­lei­tung. Rn. 134; Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 345 Rn. 33[]