Kos­ten­fest­set­zung nach Ver­gleich im Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Anders als in Zivil­sa­chen ist der Rechts­pfle­ger bei Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlüs­sen in Straf­sa­chen zu einer Abän­de­rung sei­ner ange­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht befugt; dem­zu­fol­ge hat auch ein Nicht­ab­hil­fe­be­schluss zu unter­blei­ben. Ergeht die­ser trotz­dem, ist er vom Beschwer­de­ge­richt auf­zu­he­ben.

Kos­ten­fest­set­zung nach Ver­gleich im Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Für einen zu straf­rich­ter­li­chem Pro­to­koll erklär­ten Ver­gleich des Ange­klag­ten mit dem Adhä­si­ons­klä­ger gel­ten kos­ten­recht­lich die Grund­sät­ze und Aus­le­gungs­re­geln der ZPO. Dem­nach hat im Zwei­fel jeder Betei­lig­te des Adhä­si­ons­ver­fah­rens sei­ne dies­be­züg­li­chen Aus­la­gen selbst zu tra­gen.

Eine geson­der­te Aus­la­gen­pau­scha­le für das Ermitt­lungs­ver­fah­ren einer­seits und das nach­fol­gen­de erst­in­stanz­li­che Straf­ver­fah­ren ander­seits steht dem Ver­tei­di­ger oder Neben­kla­ge­ver­tre­ter nur zu, wenn er nach dem 31. Juli 2013 man­da­tiert wur­de.

In dem der vor­lie­gend vom Land­ge­richt Hil­des­heim ent­schie­de­nen Kos­ten­be­schwer­de zugrun­de lie­gen­den Straf­ver­fah­ren hat­ten die Neben­klä­ge­rin und der nun­meh­ri­ge Ver­ur­teil­te über den im Adhä­si­ons­ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Schmer­zens­geld­an­spruch in der Haupt­ver­hand­lung nach § 405 StPO einen Ver­gleich geschlos­sen, der die gegen­sei­ti­ge Auf­he­bung der dies­be­züg­li­chen Kos­ten vor­ge­se­hen hat.

Die­ser Ver­gleich betrifft hin­sicht­lich der Kos­ten des Adhä­si­ons­ver­fah­rens auch und in ers­ter Linie ihre dies­be­züg­li­chen not­wen­di­gen Aus­la­gen ein­schließ­lich der Gebüh­ren ihres Rechts­an­walts. Die­se hat sie ent­spre­chend §§ 92 Abs. 1, 98 ZPO selbst zu tra­gen. Der in dem in der Haupt­ver­hand­lung gemäß § 405 StPO pro­to­kol­lier­ten Ver­gleich, nach des­sen Zif­fer 5 inso­weit die Kos­ten des Ver­fah­rens gegen­ein­an­der auf­ge­ho­ben wur­den, kann bei den jeweils anwalt­lich ver­tre­te­nen Ver­gleichs­be­tei­lig­ten kein von den Grund­sät­zen und Begriff­lich­kei­ten der ZPO abwei­chen­der Inhalt bei­gemes­sen wer­den. Der StPO ist für das Adhä­si­ons­ver­fah­ren kei­ne abwei­chen­de Rege­lung zu ent­neh­men. Zudem folgt gera­de die Rege­lung des § 405 StPO ersicht­lich zivil­pro­zes­sua­len Vor­stel­lun­gen und Grund­sät­zen und der Ver­gleich erfolg­te zur Abgel­tung der zivil­recht­li­chen Schmer­zens­geld­an­sprü­che der Neben­klä­ge­rin.

Der Rechts­an­walt der Neben­klä­ge­rin kann die Aus­la­gen­pau­scha­le nach VV 7002 auch nur ein­mal for­dern.

Es ist zwar rich­tig, dass aus § 17 Nr. 10 RVG n. F. folgt, dass nun­mehr das straf­recht­li­che Ermitt­lungs­ver­fah­ren und das nach­fol­gen­de (erst­in­stanz­li­che) Gerichts­ver­fah­ren kos­ten­recht­lich als ver­schie­de­ne Ange­le­gen­hei­ten gel­ten und dem Ver­tei­di­ger oder Neben­klä­ger­ver­tre­ter, der sowohl im Vor­ver­fah­ren als auch im erst­in­stanz­li­chen Gerichts­ver­fah­ren tätig war, daher künf­tig die Aus­la­gen­pau­scha­le zwei­mal zusteht.

Die nun­meh­ri­ge Fas­sung des RVG gilt aber nur, wenn der Rechts­an­walt nach ihrem Inkraft­tre­ten im Rah­men des 2. KostRMoG am 1.08.2013 in der­sel­ben Ange­le­gen­heit beauf­tragt wor­den ist (§ 60 Abs. 1 S. 1 RVG). Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall; selbst der Abschluss der Angelegenheit(en) im kos­ten­recht­li­chen Sin­ne erfolg­te vor dem Inkraft­tre­ten des 2. KostRMoG, näm­lich durch das Urteil des Amts­ge­richts .. vom 11.03.2013.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Neben­klä­ge­rin han­delt es sich bei der Neu­fas­sung von § 17 RVG auch nicht um eine Klar­stel­lung der bereits gel­ten­den Rechts­la­ge.

Viel­mehr hat die herr­schen­de Mei­nung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur – der auch die Kam­mer u. a. in dem v. g. Beschluss vom 02.03.2010 gefolgt ist – aus der bis zum 31.07.2013 gel­ten­den Geset­zes­fas­sung geschlos­sen, dass Ermitt­lungs­ver­fah­ren und nach­fol­gen­des erst­in­stanz­li­ches Straf­ver­fah­ren kos­ten­recht­lich die­sel­be Ange­le­gen­heit dar­stel­len und dem in bei­den Ver­fah­rens­ab­schnit­ten täti­gen Ver­tei­di­ger daher die Aus­la­gen­pau­scha­le nach VV Nr. 7002 nur ein­mal zusteht 1

Die hier­ge­gen ange­führ­te Ent­schei­dung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts 2 betrifft hin­ge­gen eine ganz ande­re Rechts­fra­ge, näm­lich, ob das Beschwer­de­ver­fah­ren in Straf­voll­stre­ckungs­sa­chen mit dem erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren vor der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer kos­ten­recht­lich die­sel­be Ange­le­gen­heit bil­den könn­te.

Land­ge­richt Hil­des­heim, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2013 – 22 Qs 7/​13

  1. vgl. LG Zwei­brü­cken, Beschluss vom 29.06.2012 – Qs 56/​12, Jur­Bü­ro 2013, 35 m. w. N.; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. Aufl., § 17 Rn. 59, a. A. ohne eige­ne Begrün­dung AG Neuss, Beschluss vom 24.08.2007, 12 Ls 60 Js 40708/​06, AGS 2008, 598[]
  2. OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 29.04.2013 – 1 Ws 46/​13[]