Maß­re­gel­an­ord­nung – und die sta­tis­ti­sche Pro­gno­se­ent­schei­dung

Eine nur auf sta­tis­ti­sche Wahr­schein­lich­kei­ten gestütz­te Pro­gno­se­ent­schei­dung reicht als Grund­la­ge für die Anord­nung einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­re­gel der Bes­se­rung und Siche­rung nicht aus 1.

Maß­re­gel­an­ord­nung – und die sta­tis­ti­sche Pro­gno­se­ent­schei­dung

Her­kunft und Bedeu­tung von Anga­ben auf­grund eines sta­tis­ti­schen Pro­gno­se­instru­ments sind unklar und erlau­ben für sich genom­men eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Nach­prü­fung der Gefah­ren­pro­gno­se nicht. Stützt der Tatrich­ter sei­ne Pro­gno­se auf ein von einem Sach­ver­stän­di­gen ver­wen­de­tes stan­dar­di­sier­tes Pro­gno­se­instru­ment, hat er dar­auf zu ach­ten, dass es im Ein­zel­fall taug­lich ist. Selbst dann bedarf es zur indi­vi­du­el­len Pro­gno­se über die Anwen­dung der­ar­ti­ger Instru­men­te hin­aus einer dif­fe­ren­zier­ten Ein­zel­fall­ana­ly­se 2.

Dar­an fehlt es, wenn das Gericht die Gefahr, dass der Ange­klag­te infol­ge sei­nes Han­ges künf­tig erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten bege­hen wird, allein anhand einer Aus­wer­tung "des Pro­gno­se­instru­ments HCR20" durch die gericht­li­che Sach­ver­stän­di­ge fest­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – 2 StR 469/​15

  1. vgl. BVerfG, Urteil vom 10.02.2004 – 2 BvR 834, 1588/​02, BVerfGE 109, 190, 242[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.07.2010 – 3 StR 169/​10, BGHR StGB § 64 Abs. 1 Gefähr­lich­keit 8[]