Revi­si­ons­be­grün­dung vor dem Rechts­pfle­ger

Bei der Auf­nah­me der Revi­si­ons­be­grün­dung gem. § 345 Abs. 2 StPO hat der Rechts­pfle­ger den Ange­klag­ten über die rich­ti­ge Art der Revi­si­ons­be­grün­dung zu beleh­ren und auf ihre form­ge­mä­ße Abfas­sung hin­zu­wir­ken. Er muss sich an der Anfer­ti­gung der Revi­si­ons­be­grün­dung gestal­tend betei­li­gen und die Ver­ant­wor­tung für ihren Inhalt über­neh­men. Beschränkt sich der Rechts­pfle­ger dar­auf, auf die als Anla­ge zu Pro­to­koll genom­me­nen schrift­li­chen Aus­füh­run­gen des Ange­klag­ten zu ver­wei­sen, ent­spricht die Revi­si­ons­be­grün­dung nicht der Form des § 345 Abs. 2 StPO. Beruht die Unzu­läs­sig­keit des Rechts­mit­tels auf einem danach der Jus­tiz zure­chen­ba­ren Feh­ler, kommt grund­sätz­lich die Bewil­li­gung von Wie­der­ein­set­zung hin­sicht­lich der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist in Betracht.

Revi­si­ons­be­grün­dung vor dem Rechts­pfle­ger

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand ist auch dann zu gewäh­ren, wenn die Unzu­läs­sig­keit eines Rechts­mit­tels nicht auf eige­nem Ver­schul­den, son­dern auf einem der Jus­tiz zure­chen­ba­ren Feh­ler beruht 1. So liegt es hier.

Das Pro­to­koll des Rechts­pfle­gers beim Land­ge­richt Bre­men ist unwirk­sam, da die­ser sich dar­auf beschränkt hat, ledig­lich die von dem Ange­klag­ten gefer­tig­te Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift ent­ge­gen­zu­neh­men und auf die­se als Anla­ge zum Pro­to­koll zu ver­wei­sen 2 (vgl. auch Nr. 150 Abs. 3 S. 2 RiSt­BV). Die Rol­le des die Revi­si­ons­be­grün­dung auf­neh­men­den Rechts­pfle­gers beschränkt sich nicht nur auf eine for­mel­le Beur­kun­dung des von dem Ange­klag­ten Vor­ge­brach­ten. Viel­mehr hat er sich an der Anfer­ti­gung der Revi­si­ons­be­grün­dung gestal­tend zu betei­li­gen und die Ver­ant­wor­tung für ihren Inhalt zu über­neh­men. Der Rechts­pfle­ger ist dabei an den Wort­laut und die Form des zur Begrün­dung der Revi­si­on Vor­ge­brach­ten nicht gebun­den, wohl aber an des­sen sach­li­chen Kern 3. Ein in sach­li­cher Form gehal­te­nes und nicht völ­lig neben der Sache lie­gen­des Revi­si­ons­vor­brin­gen muss der Rechts­pfle­ger stets auf­neh­men; ins­be­son­de­re muss er auf Ver­lan­gen des Ange­klag­ten die Sach­rü­ge pro­to­kol­lie­ren 4. Er hat den Ange­klag­ten über die rich­ti­ge Art der Revi­si­ons­be­grün­dung zu beleh­ren und auf form­ge­mä­ße Abfas­sung hin­zu­wir­ken 5.

Dies ist ganz offen­sicht­lich nicht gesche­hen. Mit dem Vor­brin­gen des Ange­klag­ten hat sich der Rechts­pfle­ger ent­ge­gen der in Nr. 150 RiSt­BV nie­der­ge­leg­ten Hand­lungs­an­wei­sun­gen in kei­ner Wei­se aus­ein­an­der­ge­setzt. Ins­be­son­de­re die Pro­to­kol­lie­rung der Sach­rü­ge hät­te ange­sichts der von dem Ange­klag­ten schrift­lich vor­ge­brach­ten Aus­füh­run­gen aber beson­ders nahe gele­gen. Dass dies nicht gesche­hen ist, hat nicht der Ange­klag­te zu ver­tre­ten. Anhalts­punk­te dafür, dass der Ange­klag­te trotz ent­spre­chen­der Beleh­rung durch den Rechts­pfle­ger über die Unwirk­sam­keit sei­nes Rechts­mit­tels dar­auf bestan­den haben könn­te, ledig­lich sei­ne selbst ver­fass­te schrift­li­che Revi­si­ons­be­grün­dung zur Akte zu rei­chen, erge­ben sich aus der Akte nicht.

Da der Ange­klag­te die feh­ler­haf­te Erklä­rung zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le nicht zu ver­tre­ten hat, son­dern die­se im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Jus­tiz anzu­sie­deln ist, war ihm (erneut) von Amts wegen Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren.

Der Ange­klag­te hat sei­ne Revi­si­ons­an­trä­ge und ihre Begrün­dung spä­tes­tens bin­nen eines Monats nach Zustel­lung die­ses Beschlus­ses anzu­brin­gen, und zwar in einer von dem Ver­tei­di­ger oder einem Rechts­an­walt unter­zeich­ne­ten Schrift oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le (§ 345 Abs. 2 StPO).

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 7. März 2013 – 2 Ss 81/​12

  1. BVerfG, Beschluss vom 06.06.2007 – 2 BvR 61/​07[]
  2. vgl. Mey­er-Goß­ner aaO, § 345 Rdn. 21; BGH NStZ-RR 1996, 312[]
  3. BVerfG aaO[]
  4. Mey­er-Goß­ner aaO, § 345 Rdn.20[]
  5. BVerfG aaO; Mey­er-Goß­ner aaO[]