Schuld­fä­hig­keit – und ihre Fest­stel­lung

Die Ent­schei­dung, ob die Schuld­fä­hig­keit des Ange­klag­ten zur Tat­zeit aus einem der in § 20 StGB bezeich­ne­ten Grün­de aus­ge­schlos­sen oder im Sin­ne von § 21 StGB erheb­lich ver­min­dert war, erfolgt prin­zi­pi­ell mehr­stu­fig 1.

Schuld­fä­hig­keit – und ihre Fest­stel­lung
  • Zunächst ist die Fest­stel­lung erfor­der­lich, dass bei dem Ange­klag­ten eine psy­chi­sche Stö­rung vor­liegt, die ein sol­ches Aus­maß erreicht hat, dass sie unter eines der psy­cho­pa­tho­lo­gi­schen Ein­gangs­merk­ma­le des § 20 StGB zu sub­su­mie­ren ist.
  • Sodann sind der Aus­prä­gungs­grad der Stö­rung und deren Ein­fluss auf die sozia­le Anpas­sungs­fä­hig­keit des Täters zu unter­su­chen. Durch die fest­ge­stell­ten psy­cho­pa­tho­lo­gi­schen Ver­hal­tens­mus­ter muss die psy­chi­sche Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Täters bei der Tat­be­ge­hung beein­träch­tigt wor­den sein.

Hier­zu ist der Rich­ter für die Tat­sa­chen­be­wer­tung jeweils auf die Hil­fe eines Sach­ver­stän­di­gen ange­wie­sen.

Gleich­wohl han­delt es sich bei der Fra­ge des Vor­lie­gens eines der Ein­gangs­merk­ma­le des § 20 StGB bei gesi­cher­tem Vor­lie­gen eines psych­ia­tri­schen Befunds wie bei der Prü­fung der erheb­lich ein­ge­schränk­ten Steue­rungs­fä­hig­keit des Ange­klag­ten zur Tat­zeit um Rechts­fra­gen.

Deren Beur­tei­lung erfor­dert kon­kre­ti­sie­ren­de und wider­spruchs­freie Dar­le­gun­gen dazu, in wel­cher Wei­se sich die fest­ge­stell­te psy­chi­sche Stö­rung bei Bege­hung der Tat auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Ange­klag­ten in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on und damit auf die Ein­sichts- und Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Dezem­ber 2016 – 1 StR 399/​16

  1. BGH, Urteil vom 01.07.2015 – 2 StR 137/​15, NJW 2015, 3319 und Beschluss vom 12.03.2013 – 4 StR 42/​13, NStZ 2013, 519 jeweils mwN
  2. BGH, Beschlüs­se vom 28.01.2016 – 3 StR 521/​15, NStZ-RR 2016, 135; und vom 19.12 2012 – 4 StR 417/​12, NStZ-RR 2013, 145, 146