Straf­rah­men­mil­de­rung – und die selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit

Im Rah­men der bei der tat­ge­richt­li­chen Ermes­sens­ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de kann eine selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit die Ver­sa­gung der Straf­rah­men­mil­de­rung tra­gen, auch wenn eine vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls nicht fest­ge­stellt ist.

Straf­rah­men­mil­de­rung – und die selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit

Dies ent­schied jetzt der Gro­ße Senat für Straf­sa­chen des Bun­des­ge­richts­hofs auf eine Vor­la­ge des 3. Straf­se­nats. In dem beim 3. Straf­se­nat anhän­gi­gen Ver­fah­ren hat das Land­ge­richt den Ange­klag­ten wegen Tot­schlags zu ein(er Frei­heits­stra­fe von neun Jah­ren ver­ur­teilt.

Nach den von der Straf­kam­mer getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen töte­te der Ange­klag­te mit beding­tem Vor­satz sei­nen Mit­be­woh­ner durch Gewalt­ein­wir­kung auf den Brust- und Bauch­be­reich sowie gegen den Kopf, nach­dem bei­de gemein­sam Alko­hol kon­su­miert hat­ten. Das Land­ge­richt hat weder den Anlass der Tat noch den Grad der Alko­ho­li­sie­rung des Ange­klag­ten fest­zu­stel­len ver­mocht. Es ist sach­ver­stän­dig bera­ten davon aus­ge­gan­gen, dass der Ange­klag­te bei erhal­ten geblie­be­ner Unrechts­ein­sicht nicht aus­schließ­bar auf Grund einer mit­tel­gra­di­gen Berau­schung in sei­ner Steue­rungs­fä­hig­keit erheb­lich ver­min­dert war.

Die Straf­kam­mer hat die Stra­fe dem Straf­rah­men des § 212 Abs. 1 StGB ent­nom­men. Für einen benann­ten min­der schwe­ren Fall des Tot­schlags (§ 213 Alter­na­ti­ve 1 StGB) hat sie kei­nen Anhalts­punkt gefun­den. Einen sons­ti­gen min­der schwe­ren Fall (§ 213 Alter­na­ti­ve 2 StGB) hat sie sowohl unter Berück­sich­ti­gung allein der all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­ge­sichts­punk­te als auch unter Hin­zu­zie­hung des wegen der Alko­ho­li­sie­rung des Ange­klag­ten zum Tat­zeit­punkt ange­nom­me­nen ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des des § 21 StGB abge­lehnt. Von einer Straf­rah­men­mil­de­rung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB hat das Land­ge­richt eben­falls abge­se­hen. Es ist davon aus­ge­gan­gen, dass dies im Fall einer alko­hol­be­ding­ten erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit mög­lich sei, wenn die­se auf ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beruht. Eine Alko­hol­krank­heit oder über­emp­find­lich­keit des Ange­klag­ten, die ein Ver­schul­den hin­sicht­lich der Trun­ken­heit aus­ge­schlos­sen hät­te, hat die Straf­kam­mer nicht fest­ge­stellt.

Im Rah­men der kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung hat die Straf­kam­mer auf die Erwä­gun­gen zur Fra­ge des Vor­lie­gens eines unbe­nann­ten min­der schwe­ren Fal­les gemäß § 213 Alter­na­ti­ve 2 StGB Bezug genom­men und sodann zuguns­ten des Ange­klag­ten des­sen durch die Alko­ho­li­sie­rung als kon­stel­la­ti­vem Fak­tor beein­fluss­te affek­ti­ve Auf­la­dung in der Tat­si­tua­ti­on mil­dernd berück­sich­tigt.

Der Ange­klag­te hat die Ver­ur­tei­lung mit der Revi­si­on umfas­send ange­grif­fen und die Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts bean­stan­det.

Der 3. Straf­se­nat hält die Ent­schei­dung des Land­ge­richts für rechts­feh­ler­frei und beab­sich­tigt, dem Antrag des Gene­ral­bun­des­an­walts ent­spre­chend die Revi­si­on des Ange­klag­ten zu ver­wer­fen. Er ver­steht die Aus­füh­run­gen in dem ange­foch­te­nen Urteil dahin, die Straf­kam­mer habe die Straf­rah­men­ver­schie­bung in Aus­übung tat­ge­richt­li­chen Ermes­sens abge­lehnt. Das Land­ge­richt sei nicht davon aus­ge­gan­gen, das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Berau­schen des Täters vor der Tat füh­re von Rechts wegen regel­mä­ßig zur Ver­sa­gung der Straf­rah­men­mil­de­rung. Dafür spre­che zum einen der Umstand, dass die Aus­füh­run­gen auf den Beschluss des Senats vom 02.08.20121 ver­wie­sen, dem sich erst­ge­nann­ter Rechts­satz nicht ent­neh­men las­se. Sie näh­men gera­de nicht auf das Senats­ur­teil vom 27.03.20032 Bezug, in dem die­ser die Ansicht ver­tre­ten hat, dass eine Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB in der Regel aus­schei­de, wenn die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Täters auf ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beru­he. Zum ande­ren habe das Land­ge­richt aus­drück­lich sei­nen recht­li­chen Ansatz der­ge­stalt umschrie­ben, dass bei ver­schul­de­ter Trun­ken­heit die Ver­sa­gung der Straf­rah­men­ver­schie­bung – ledig­lich – "in Betracht kommt".

Der 3. Straf­se­nat ist der Auf­fas­sung, das Tat­ge­richt übe sein Ermes­sen bei der Ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB grund­sätz­lich nicht feh­ler­haft aus, wenn es im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung der schuld­re­le­van­ten Umstän­de die Ver­sa­gung der Mil­de­rung allein auf den Umstand stüt­ze, dass die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Täters auf selbst­ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beru­he. Glei­ches gilt nach sei­ner Ansicht für die Ent­schei­dung über die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les. Bereits das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Betrin­ken des Täters vor der Tat sei ein schul­d­er­hö­hen­der Umstand, weil eine alko­ho­li­sche Berau­schung gene­rell das Risi­ko straf­ba­ren Ver­hal­tens, ins­be­son­de­re im Bereich der Gewalt- und Sexu­al­de­lik­te, erhö­he. Die­ses dem Alko­hol­rausch selbst inne­woh­nen­de Risi­ko zäh­le zum All­ge­mein­wis­sen. Der Alko­hol­rausch stel­le somit erkenn­bar eine abs­trak­te Gefahr für straf­recht­lich geschütz­te Rechts­gü­ter dar, die sich, falls der Berausch­te eine rechts­wid­ri­ge Tat bege­he, in der kon­kre­ten Rechts­guts­ge­fähr­dung oder ver­let­zung rea­li­sie­re. Inso­weit habe das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Betrin­ken Ein­fluss auf die Tat­schuld, auch wenn eine durch den Alko­hol­kon­sum beding­te, vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Umstän­de des Ein­zel­falls nicht fest­ge­stellt sei.

Der 3. Straf­se­nat hat des­halb bei den ande­ren Straf­se­na­ten gemäß § 132 Abs. 3 Satz 1 GVG ange­fragt, ob die­se an (gege­be­nen­falls) ent­ge­gen­ste­hen­der Recht­spre­chung fest­hal­ten3.

Hier­auf haben der 1., 2. und 5. Straf­se­nat mit­ge­teilt, ihre Recht­spre­chung ste­he der beab­sich­tig­ten Ent­schei­dung des 3. Straf­se­nats ent­ge­gen; sie hiel­ten an die­ser fest4. Der 5. Straf­se­nat hat aus­ge­führt, ein Fall selbst zu ver­ant­wor­ten­der Trun­ken­heit spre­che in der Regel gegen eine Straf­rah­men­ver­schie­bung, wenn sich auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls das Risi­ko der Bege­hung von Straf­ta­ten vor­her­seh­bar signi­fi­kant infol­ge der Alko­ho­li­sie­rung erhöht habe, und zur wei­te­ren Begrün­dung auf die Aus­füh­run­gen in sei­nem Urteil vom 17.08.20045 Bezug genom­men. Der 1. Straf­se­nat hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sei­ne Recht­spre­chung an die­se Ent­schei­dung anknüp­fe, und sich – soweit ersicht­lich – erst­mals die vom 5. Straf­se­nat auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en zur vor­her­seh­bar signi­fi­kan­ten Risi­ko­er­hö­hung zu eigen gemacht. Schul­d­er­hö­hen­de Umstän­de könn­ten dann zur Ver­sa­gung einer Straf­rah­men­ver­schie­bung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB füh­ren, wenn sie die infol­ge der Her­ab­set­zung der Schuld­fä­hig­keit ver­min­der­te Tat­schuld auf­wö­gen. Dies sei bei einer selbst ver­schul­de­ten Trun­ken­heit ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de nicht der Fall. Der 2. Straf­se­nat hat dar­über hin­aus aus­ge­führt, die Auf­fas­sung des 3. Straf­se­nats grei­fe mit Blick auf den Schuld­grund­satz zu kurz und las­se ins­be­son­de­re unbe­rück­sich­tigt, dass jede Schul­d­er­hö­hung wenigs­tens ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit vor­aus­set­ze. Er hat wei­ter geäu­ßert, nicht nach­voll­zie­hen zu kön­nen, wie eine Gesamt­wür­di­gung aller rele­van­ten Gesichts­punk­te ermes­sens­feh­ler­frei vor­ge­nom­men wor­den sein kön­ne, wenn das Tat­ge­richt die Ver­sa­gung der Straf­rah­men­mil­de­rung allein und damit aus­schließ­lich auf einen Umstand gestützt habe.

Der 4. Straf­se­nat hat die Anfra­ge dahin ver­stan­den, dass nach Ansicht des 3. Straf­se­nats die Ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB eine Ermes­sens­ent­schei­dung des Tat­ge­richts sei und im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung im Ein­zel­fall die selbst ver­schul­de­te Trun­ken­heit die Ver­sa­gung der Straf­mil­de­rung tra­gen kön­ne, auch wenn eine vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se nicht fest­ge­stellt sei. Soweit der so ver­stan­de­nen Anfra­ge sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung ent­ge­gen­ste­he, hal­te er dar­an nicht fest. Im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­ab­wä­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de sei die selbst ver­schul­de­te Trun­ken­heit ein – neben ande­ren – zu berück­sich­ti­gen­der Umstand. Fes­te Regeln, die das Tat­ge­richt bei der Abwä­gung zu beach­ten, und Vor­ga­ben, wel­ches Gewicht es ein­zel­nen Umstän­den bei­zu­mes­sen habe, befür­wor­te der Senat nicht6.

Der 3. Straf­se­nat hat dar­auf­hin mit Beschluss vom 20.12 20167 unter Auf­ga­be sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung8 dem Gro­ßen Senat für Straf­sa­chen wegen Diver­genz gemäß § 132 Abs. 2 GVG und wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung gemäß § 132 Abs. 4 GVG fol­gen­de Rechts­fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt:

Kann der Tatrich­ter im Rah­men der nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de die Ermes­sens­ent­schei­dung, von einer Straf­rah­men­ver­schie­bung abzu­se­hen, rechts­feh­ler­frei allein dar­auf stüt­zen, dass die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Ange­klag­ten auf von die­sem ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beruht, auch wenn eine durch die Trun­ken­heit beding­te, vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf Grund der per­sön­li­chen oder der situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls nicht fest­ge­stellt ist?

Der Gene­ral­bun­des­an­walt erach­tet die Vor­la­ge für zuläs­sig und bean­tragt, im Sin­ne der Anfra­ge des 3. Straf­se­nats zu ent­schei­den.

Der Ange­klag­te hat sich der Ansicht des 1., 2. und 5. Straf­se­nats ange­schlos­sen.

Die Vor­le­gungs­fra­ge ist ange­sichts des sach­li­chen Anlie­gens des 3. Straf­se­nats sprach­lich nicht völ­lig ein­deu­tig gefasst, soweit dort dar­auf abge­stellt wird, ob das Tat­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung über die Straf­rah­men­mil­de­rung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB allein auf den Umstand einer vom Täter selbst ver­schul­de­ten Trun­ken­heit stüt­zen kön­ne. Die­se For­mu­lie­rung kann – wie die Aus­füh­run­gen des 2. und des 4. Straf­se­nats bele­gen – dahin ver­stan­den wer­den, dass es für die Ent­schei­dung aus­schließ­lich auf die­sen bestimm­ten Gesichts­punkt ankom­men soll. Die­ser Sinn­ge­halt ist vor dem Hin­ter­grund der im hier rele­van­ten Zusam­men­hang erfor­der­li­chen, auch vom 03. Straf­se­nat für recht­lich gebo­ten gehal­te­nen Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de nicht plau­si­bel. Die Vor­le­gungs­fra­ge ist des­halb in Anleh­nung an die dies­be­züg­li­chen Erwä­gun­gen des 4. Straf­se­nats wie folgt neu zu fas­sen:

Kann im Rah­men der bei der tat­ge­richt­li­chen Ermes­sens­ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de eine selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit die Ver­sa­gung der Straf­mil­de­rung tra­gen, auch wenn eine vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls nicht fest­ge­stellt ist?

Die Vor­le­gung ist gemäß § 132 Abs. 2, Abs. 3 Satz 1 und Abs. 4 GVG zuläs­sig.

Sie betrifft die recht­li­chen Maß­stä­be, an denen sich die Aus­übung des durch § 21 StGB den Tat­ge­rich­ten ein­ge­räum­ten Ermes­sens aus­zu­rich­ten hat, und damit eine Rechts­fra­ge i.S.d. § 132 Abs. 2 GVG.

Der 3. Straf­se­nat kann die im Aus­gangs­ver­fah­ren ein­ge­leg­te Revi­si­on nach sei­nem ver­tret­ba­ren und des­halb vom Gro­ßen Senat für Straf­sa­chen hin­zu­neh­men­den Ver­ständ­nis der Grün­de des land­ge­richt­li­chen Urteils nur dann ver­wer­fen, wenn er – abwei­chend von der auf­recht­erhal­te­nen Rechts­auf­fas­sung des 1., 2. und 5. Straf­se­nats (§ 132 Abs. 3 Satz 1 GVG) – dem Tat­ge­richt zubil­ligt, im Rah­men der nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de die Vor­werf­bar­keit der zur erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit füh­ren­den Trun­ken­heit zu berück­sich­ti­gen, ohne dass zusätz­lich eine signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos straf­ba­ren Han­delns auf Grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­fal­les fest­ge­stellt ist.

Die zur Ent­schei­dung gestell­te Rechts­fra­ge ist zudem von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung (§ 132 Abs. 4 GVG); die ihr zugrun­de lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on prägt eine Viel­zahl der Fäl­le, in denen über eine Straf­rah­men­mil­de­rung gemäß §§ 21, 49 Abs. 1 StGB zu ent­schei­den ist.

Der Gro­ße Senat für Straf­sa­chen beant­wor­tet die Vor­le­gungs­fra­ge in dem aus der Ent­schei­dungs­for­mel ersicht­li­chen Sin­ne.

In Recht­spre­chung und Lite­ra­tur besteht für die Fäl­le der auf ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beru­hen­den erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit des Täters bei Tat­be­ge­hung kei­ne Einig­keit über die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen der Tatrich­ter die fakul­ta­ti­ve Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ableh­nen darf oder gar muss.

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­wi­ckel­te sich wie folgt:

Unter Hin­weis auf das Urteil des Obers­ten Gerichts­hofs für die Bri­ti­sche Zone vom 10.01.19509 befand der Bun­des­ge­richts­hof – noch zur Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 51 Abs. 2 StGB aF – anfäng­lich, dass in "der Regel die selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit Anlaß sein (wird), die Stra­fe nicht zu mil­dern"10. Sodann bean­stan­de­te er indes eine die Straf­mil­de­rung ableh­nen­de tatrich­ter­li­che Ent­schei­dung, die damit begrün­det wor­den war, dass bei bestimm­ten Delik­ten grund­sätz­lich von der "Kann"-Vorschrift des § 51 Abs. 2 StGB aF kein Gebrauch zu machen sei, soweit die erheb­lich ver­min­der­te Zurech­nungs­fä­hig­keit des Täters auf "Ange­trun­ken­heit" beru­he. Er monier­te, dass der Tatrich­ter die­se Mög­lich­keit jeden­falls hät­te erwä­gen müs­sen11. In der Fol­ge­zeit äußer­te er sich wei­ter­hin in der Ten­denz ableh­nend gegen­über einer Straf­mil­de­rung bei vor­werf­ba­rer Alko­ho­li­sie­rung12.

In den 1970er Jah­ren änder­te sich die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wesent­lich. Mit Beschluss vom 24.03.197213 äußer­te er die Auf­fas­sung, dem im Zustand erheb­lich ver­min­der­ter Zurech­nungs­fä­hig­keit han­deln­den Täter dür­fe allein der hier­für ursäch­li­che über­mä­ßi­ge Alko­hol­kon­sum "nicht zum Nach­teil gerei­chen"; viel­mehr müss­ten wei­te­re auf die abzu­ur­tei­len­de Tat bezo­ge­ne Umstän­de hin­zu­tre­ten. Als einen sol­chen Umstand erkann­te er an, dass der Täter bereits frü­her unter Alko­hol­ein­wir­kung Straf­ta­ten began­gen hat­te und die­sem daher bewusst war oder zumin­dest hät­te bewusst sein kön­nen, dass er nach dem Alko­hol­kon­sum zu Straf­ta­ten neigt14.

In den Fol­ge­jah­ren prä­zi­sier­te und ver­schärf­te der Bun­des­ge­richts­hof die Anfor­de­run­gen an das vor­her­seh­bar die Nei­gung zu Straf­ta­ten begrün­den­de delik­ti­sche Vor­ver­hal­ten, aller­dings mit Unter­schie­den im Detail15.

Mit Urteil vom 27.03.200316 erklär­te der 3. Straf­se­nat, er wol­le an die­ser Recht­spre­chung nicht mehr fest­hal­ten. Er führ­te – nicht tra­gend – aus, dass eine Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB in der Regel nicht in Betracht kom­me, wenn die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Täters auf ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beru­he. Ins­be­son­de­re sei eine vor­an­ge­gan­ge­ne Straf­fäl­lig­keit des Täters unter Alko­hol­ein­fluss in einem Aus­maß, dass die­ser damit rech­nen kön­ne, unter Alko­hol­ein­fluss ein der Anlas­s­tat ver­gleich­ba­res Delikt zu bege­hen, nicht erfor­der­lich.

Der 1. und der 2. Straf­se­nat äußer­ten sich zunächst dem Grun­de nach auf­ge­schlos­sen gegen­über einer Recht­spre­chungs­än­de­rung17. Soweit es in der Fol­ge­zeit ent­schei­dungs­er­heb­lich dar­auf ankam, folg­ten sie aller­dings mit leich­ten Abwand­lun­gen der zuvor ent­wi­ckel­ten Ansicht18.

Der 5. Straf­se­nat pflich­te­te in einer aus­führ­lich begrün­de­ten Grund­satz­ent­schei­dung19 dem Anlie­gen des 3. Straf­se­nats, zu einer Ände­rung der Recht­spre­chung zu gelan­gen, prin­zi­pi­ell bei. In der Sache ent­schied er sodann dahin, für die Ableh­nung der Straf­rah­men­mil­de­rung sei zwar nicht erfor­der­lich, dass der Täter schon ein­mal unter Alko­hol­ein­fluss ver­gleich­ba­re Straf­ta­ten began­gen habe. Auch müs­se das Vor­ver­hal­ten nicht zu Vor­stra­fen oder einem Straf­ver­fah­ren geführt haben. Die gene­rel­le Stei­ge­rung des Risi­kos der Bege­hung straf­ba­rer Hand­lun­gen nach Alko­hol­ge­nuss rei­che aber für sich allein nicht aus, um den Schuld­ge­halt der Tat zu erhö­hen und schon des­halb die regel­mä­ßi­ge Ableh­nung einer Straf­rah­men­ver­schie­bung bei selbst­ver­schul­de­ter Trun­ken­heit zu recht­fer­ti­gen. Die­se kom­me viel­mehr nur in Betracht, "wenn sich auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls das Risi­ko der Bege­hung von Straf­ta­ten vor­her­seh­bar signi­fi­kant infol­ge der Alko­ho­li­sie­rung erhöht" habe20.

Der 4. Straf­se­nat schloss sich der Recht­spre­chung des 5. Straf­se­nats an und ver­nein­te in Fäl­len, in denen der Ange­klag­te bis­lang nie­mals unter Alko­hol­ein­fluss aggres­siv21 bzw. nicht wegen eines Gewalt­de­likts ver­ur­teilt war22, eine signi­fi­kan­te Risi­ko­er­hö­hung.

Der 3. Straf­se­nat war nach sei­ner Ent­schei­dung vom 27.03.2003 nur mit Fall­ge­stal­tun­gen befasst, in denen die zur erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit füh­ren­de Trun­ken­heit vom Ange­klag­ten jeweils nicht oder nur ein­ge­schränkt ver­schul­det war23.

Im Schrift­tum stieß die neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, ins­be­son­de­re die Ent­schei­dung des 5. Straf­se­nats vom 17.08.2004, über­wie­gend auf eine posi­ti­ve Reso­nanz24. Die Ent­schei­dung des 3. Straf­se­nats vom 27.03.2003 erfuhr dage­gen nur ver­ein­zelt Zustim­mung25, ganz über­wie­gend aber Wider­spruch:

Die Beru­fung auf die Inten­tio­nen des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers sei nicht zuläs­sig, da die­se gera­de nicht zum Inhalt der Norm gewor­den sei­en26. Dem Wil­len des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers des Jah­res 1933 kön­ne heu­te ohne­dies kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zukom­men, weil er die Ver­sa­gung der Straf­rah­men­mil­de­rung als kri­mi­nal­po­li­tisch moti­vier­te Aus­nah­me von dem Grund­satz einer schuld­an­ge­mes­se­nen Bestra­fung ver­stan­den habe, die unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes nicht mehr in Betracht kom­me27.

Die durch die Trun­ken­heit bewirk­te Redu­zie­rung der Schuld, die in der Straf­rah­men­ver­schie­bung zum Aus­druck kom­me, kön­ne im Bereich der schwe­ren Kri­mi­na­li­tät allein durch das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Berau­schen nicht aus­ge­gli­chen wer­den. Da nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB der Straf­rah­men pro­por­tio­nal zur Höchst- und Min­dest­stra­fe her­ab­ge­setzt wer­de, gehe das Gesetz näm­lich davon aus, dass sich das wegen der erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit abzu­zie­hen­de "Schuld­quan­tum" ent­spre­chend der Schwe­re des Delikts ver­grö­ße­re28.

Das Span­nungs­ver­hält­nis zu § 323a StGB sei gesetz­lich ange­legt in den streng von­ein­an­der zu unter­schei­den­den Bezugs­punk­ten des straf­recht­li­chen Vor­wurfs, dem Sich-Berau­schen einer­seits und der Straf­tat ande­rer­seits29. Es kön­ne im Bereich der mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät dadurch auf­ge­löst wer­den, dass die Stra­fe wegen Voll­rau­sches durch den nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gemil­der­ten Straf­rah­men der Rausch­tat nach oben begrenzt wer­de30. Des Wei­te­ren wur­de es teil­wei­se für not­wen­dig erach­tet, zur Anglei­chung auch bei § 323a StGB vor­aus­zu­set­zen, dass der Täter sei­ne Rausch­tat vor­her­se­hen kön­nen müs­se; die Deu­tung des Voll­rausch­tat­be­stan­des als abs­trak­tes Gefähr­dungs­de­likt und damit der Rausch­tat als objek­ti­ve Bedin­gung der Straf­bar­keit ver­sto­ße gegen das Schuld­prin­zip und sei mit­hin nicht halt­bar31.

Schließ­lich kön­ne die Son­der­vor­schrift des § 7 WStG nicht als Argu­ment für die Ver­sa­gung einer Straf­rah­men­mil­de­rung die­nen; denn sie sei allein den Beson­der­hei­ten des Wehr­straf­rechts geschul­det und daher nicht ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hig32. Die Vor­schrift sei ihrer­seits – bei wort­laut­ge­treu­er Anwen­dung – nicht mit dem Grund­satz schuld­an­ge­mes­se­nen Stra­fens zu ver­ein­ba­ren33.

Den bis­her ver­tre­te­nen Auf­fas­sun­gen ist somit gemein, dass sie – sei es in Form einer Regel­ver­mu­tung, sei es für bestimm­te Gesichts­punk­te – weit­ge­hen­de inhalt­li­che Vor­ga­ben für die Beant­wor­tung der Fra­ge machen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine Straf­rah­men­mil­de­rung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB vor­zu­neh­men ist bzw. zu unter­blei­ben hat. Sie wer­den damit dem Umstand, dass die betref­fen­de Ent­schei­dung nach den gesetz­li­chen Vor­ga­ben im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen der Tat­ge­rich­te steht, nicht in aus­rei­chen­dem Maße gerecht. Des­sen ein­ge­denk sind für die Beant­wor­tung der Vor­le­gungs­fra­ge fol­gen­de Erwä­gun­gen maß­ge­bend:

Die tat­ge­richt­li­che Ermes­sens­ent­schei­dung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ist vom Revi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt über­prüf­bar. Bei Anwen­dung der inso­weit gel­ten­den Maß­stä­be ist das Abse­hen von der Straf­mil­de­rung nicht allein des­halb rechts­feh­ler­haft, weil das Tat­ge­richt im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Gesamt­wür­di­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de maß­geb­lich dar­auf abge­stellt hat, dass der Ange­klag­te die Trun­ken­heit selbst ver­schul­de­te; dies gilt auch, wenn eine vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se nicht fest­ge­stellt ist. Denn das selbst­ver­schul­de­te Sich-Betrin­ken stellt einen schul­d­er­hö­hen­den Umstand dar, der bereits für sich genom­men die auf­grund der erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Fähig­keit des Täters, das Unrecht der Tat ein­zu­se­hen oder nach die­ser Ein­sicht zu han­deln, her­ab­ge­setz­te Tat­schuld kom­pen­sie­ren kann. Dies folgt ins­be­son­de­re aus den all­ge­mein bekann­ten Fol­gen des Alko­hol­kon­sums sowie sei­ner Bewer­tung im sons­ti­gen Bereich der Straf­zu­mes­sung, einem Ver­gleich zum Rege­lungs­ge­halt der § 323a StGB, § 122 OWiG und steht mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers in Ein­klang. Im Ein­zel­nen:

Bei § 21 StGB han­delt es sich um einen Schuld­min­de­rungs­grund, an den eine Straf­zu­mes­sungs­re­gel anknüpft34. Der ver­min­dert schuld­fä­hi­ge Täter ist für sei­ne Tat ver­ant­wort­lich und wird des­halb für sie bestraft. Mit der Mög­lich­keit der Straf­mil­de­rung trägt § 21 StGB indes der Tat­sa­che Rech­nung, dass normab­wei­chen­de psy­cho­lo­gi­sche Zustands­bil­der es einem Schuld­fä­hi­gen erheb­lich schwe­rer machen kön­nen, sich norm­ge­recht zu ver­hal­ten35, wes­we­gen die vom Gesetz für den Regel­fall vor­ge­se­he­ne Stra­fe mög­li­cher­wei­se das schuld­an­ge­mes­se­ne Straf­maß über­steigt.

Der Schuld­ge­halt der Tat bestimmt sich aller­dings nicht allein nach dem Grad der Schuld­fä­hig­keit des Täters, son­dern nach den gesam­ten für die Tat­schuld rele­van­ten Umstän­den des Ein­zel­falls. Es ist mög­lich, dass die Tat trotz ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit des Täters ihrem Schuld­ge­halt nach immer noch schwe­rer wiegt als der denk­bar leich­tes­te Regel­fall, der dem Gesetz­ge­ber bei der Bestim­mung der Regel­straf­dro­hung eines Delikts vor­ge­schwebt hat. Dem trägt die Vor­schrift des § 21 StGB Rech­nung, indem sie ledig­lich eine fakul­ta­ti­ve Straf­mil­de­rung vor­sieht36. Die von Tei­len der Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Gegen­auf­fas­sung, nach der eine Ver­sa­gung der Straf­rah­men­ver­schie­bung das Schuld­prin­zip miss­ach­te und § 21 StGB des­halb – ent­ge­gen dem Geset­zes­wort­laut – in eine zwin­gend anzu­wen­den­de Mil­de­rungs­vor­schrift umge­deu­tet wer­den müs­se37, über­zeugt vor die­sem Hin­ter­grund nicht. Denn die ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit ver­rin­gert die Tat­schuld nicht in allen Fäl­len so stark, dass der weni­ger gewich­ti­ge Schuld­ge­halt im Nor­mal­straf­rah­men nicht zutref­fend erfasst wer­den kann38.

Über die fakul­ta­ti­ve Straf­rah­men­ver­schie­bung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ent­schei­det das Tat­ge­richt nach sei­nem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen auf Grund einer Gesamt­wür­di­gung der im Ein­zel­fall bedeut­sa­men Umstän­de. Dabei folgt aus dem für die Rege­lung des § 21 StGB wesent­li­chen Schuld­prin­zip auch, dass die tat­ge­richt­li­che Ermes­sens­ent­schei­dung, ob eine Straf­mil­de­rung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB vor­zu­neh­men oder zu ver­sa­gen ist, nach dem Schuld­ge­halt der Tat, also unter Berück­sich­ti­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de des Ein­zel­falls, zu tref­fen ist39. Die­se in stän­di­ger Recht­spre­chung durch den Bun­des­ge­richts­hof ver­tre­te­ne Auf­fas­sung wird in der Lite­ra­tur über­wie­gend geteilt40. Auch nach dem Stand­punkt des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­stößt die Ver­sa­gung der Mil­de­rung trotz Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen des § 21 StGB selbst bei Anwen­dung der lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe nicht gegen das Schuld­prin­zip, wenn die Stra­fe wegen beträcht­lich schul­d­er­hö­hen­der Umstän­de ver­hält­nis­mä­ßig ist41. Dem­ge­gen­über dür­fen schuld­in­dif­fe­ren­te Fak­to­ren, ins­be­son­de­re Prä­ven­ti­ons­er­wä­gun­gen, bei der Ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nicht berück­sich­tigt wer­den42. Des­halb könn­ten Über­le­gun­gen, die etwa an die "sitt­li­che Schuld" der Selbst­in­to­xi­ka­ti­on anknüp­fen43 oder gene­ral­prä­ven­tiv das Bewusst­sein der Rechts­ge­mein­schaft von der Gefähr­lich­keit des Alko­hol­kon­sums stär­ken sol­len, eine Ver­sa­gung der Straf­rah­men­mil­de­rung von vorn­her­ein nicht tra­gen44.

Von die­sen Maß­ga­ben aus­ge­hend ist es Auf­ga­be des Tat­ge­richts, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den es in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent- und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, einer wer­ten­den Betrach­tung zu unter­zie­hen und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen45. Wel­chen Umstän­den es bestim­men­des Gewicht bei­misst, ist im Wesent­li­chen sei­ner Beur­tei­lung über­las­sen46. Ihm steht dabei ein wei­ter Ermes­sens­spiel­raum zu47. Die Wer­tun­gen des Tat­ge­richts, ins­be­son­de­re die Gewich­tung der für und gegen eine Straf­rah­men­ver­schie­bung spre­chen­den Umstän­de des Ein­zel­falls, sind in der Revi­si­ons­in­stanz allein auf Rechts­feh­ler zu über­prü­fen. Hat es die für die Beur­tei­lung wesent­li­chen tat­säch­li­chen Grund­la­gen hin­rei­chend ermit­telt und berück­sich­tigt48, so kann das Revi­si­ons­ge­richt nur bean­stan­den, dass es gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Wer­tungs­maß­stä­be miss­ach­tet oder eine gerech­tem Schuld­aus­gleich nicht mehr ent­spre­chen­de Stra­fe ver­hängt hat.

Bei Anwen­dung die­ser Maß­stä­be ist im Rah­men der Ermes­sens­aus­übung im Aus­gangs­punkt Bedacht dar­auf zu neh­men, dass auf Grund der erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit der Schuld­ge­halt der Tat in aller Regel ver­rin­gert ist49. Um dem Prin­zip zu genü­gen, dass die Stra­fe das Maß der Schuld nicht über­schrei­ten darf, erfor­dert die Ver­sa­gung einer Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB schul­d­er­hö­hen­de Umstän­de, die die­se Schuld­min­de­rung kom­pen­sie­ren50. Es ist im Grund­satz aner­kannt und wird auch durch den vor­le­gen­den Senat nicht in Zwei­fel gezo­gen, dass sich die auf einer Gesamt­ab­wä­gung beru­hen­de Ermes­sens­ent­schei­dung des Tat­ge­richts an die­sem Kom­pen­sa­ti­ons­ge­dan­ken aus­zu­rich­ten hat51. Das Aus­maß der fakul­ta­ti­ven Straf­rah­men­ver­schie­bung nach § 49 Abs. 1 StGB lässt dabei erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber die Tat­schuld als typi­scher­wei­se beträcht­lich ver­rin­gert ansieht, wenn der Täter ver­min­dert schuld­fä­hig war. Hier­aus folgt, dass es für die Ver­wei­ge­rung der Mil­de­rung eines beson­de­ren Grun­des bedarf, der umso gewich­ti­ger sein muss, je gra­vie­ren­der sich die Bei­be­hal­tung des Regel­straf­rah­mens aus­wirkt52.

Dies führt jedoch nicht dazu, dass die tat­ge­richt­li­che Ermes­sens­ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ohne Wei­te­res dann als rechts­feh­ler­haft zu bewer­ten ist, wenn das Tat­ge­richt von der Straf­mil­de­rung maß­geb­lich des­halb absieht, weil der Ange­klag­te die Trun­ken­heit selbst ver­schul­de­te. Denn das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Betrin­ken des Täters vor der Tat stellt für sich allein einen schul­d­er­hö­hen­den Umstand dar, der im Rah­men der Ermes­sens­aus­übung nach § 21 StGB regel­mä­ßig Berück­sich­ti­gung fin­den darf, ohne dass dies von ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Fest­stel­lun­gen dazu abhän­gig ist, ob sich auf Grund der jewei­li­gen per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se das Risi­ko der Bege­hung von Straf­ta­ten infol­ge der Alko­ho­li­sie­rung (für den Täter) vor­her­seh­bar signi­fi­kant erhöht hat­te.

Dass bereits allein das selbst­ver­ant­wort­li­che Sich-Betrin­ken des Täters vor der Tat einen schul­d­er­hö­hen­den Umstand dar­stellt, ergibt sich aus Fol­gen­dem:

Durch den Alko­hol­miss­brauch ver­setzt sich der Sich-Betrin­ken­de in einen Zustand, der durch Ent­hem­mung53, Ver­min­de­rung von Ein­sichts- und Urteils­ver­mö­gen sowie Ver­schlech­te­rung von Kör­per­be­herr­schung und Reak­ti­ons­fä­hig­keit gekenn­zeich­net ist. Davon, dass Alko­hol­kon­sum eine sol­che ent­hem­men­de Wir­kung hat, geht auch § 21 StGB aus; andern­falls könn­te die aku­te Alko­holin­to­xi­ka­ti­on nicht als krank­haf­te see­li­sche Stö­rung zu einer erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit füh­ren. Mit der Into­xi­ka­ti­on tre­ten hirn­or­ga­ni­sche Ver­än­de­run­gen ein, die einer­seits z.B. erhöh­te Reiz­of­fen­heit und Antriebs­stei­ge­rung bedin­gen und auf die­sem Wege aggres­si­ons­bah­nen­de Effek­te haben kön­nen54; ande­rer­seits kön­nen Benom­men­heit und Müdig­keit auf­tre­ten. Mit der Her­ab­set­zung der geis­ti­gen und kör­per­li­chen Kräf­te kann jeden­falls ein trü­ge­ri­sches Gefühl erhal­te­ner oder gar gestei­ger­ter Leis­tungs­fä­hig­keit ein­her­ge­hen. Die­ser Zustand bedingt eine erhöh­te Gefähr­lich­keit des Berausch­ten, der sich gegen­über sei­ner Umwelt häu­fig in ihm sonst wesens­frem­der Wei­se ver­hält55. Dane­ben bele­gen sta­tis­ti­sche Daten56 und zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en jeden­falls, dass ins­be­son­de­re Alko­hol­kon­sum und Gewalt oft gemein­sam auf­tre­ten57.

Vor die­sem Hin­ter­grund haben wei­te Tei­le der Recht­spre­chung – dar­un­ter alle Straf­se­na­te des Bun­des­ge­richts­hofs58 – und straf­recht­li­chen Lite­ra­tur59 als all­ge­mein­kun­di­gen Erfah­rungs­satz gefol­gert, eine alko­ho­li­sche Berau­schung erhö­he gene­rell das Risi­ko straf­ba­ren Ver­hal­tens, ins­be­son­de­re im Bereich der Gewalt- und Sexu­al­de­lik­te. Aller­dings wird in der Recht­spre­chung auch gese­hen, dass es trotz ver­brei­te­ten hohen Alko­hol­kon­sums "nur in einem Bruch­teil der Fäl­le erheb­li­cher Alko­ho­li­sie­rung zu einer rechts­wid­ri­gen Tat" kommt60.

In der Wis­sen­schaft herrscht bei anhal­ten­der For­schung mitt­ler­wei­le eine gewis­se Einig­keit dar­über, dass alko­ho­las­so­zi­ier­te Gewalt­kri­mi­na­li­tät auf einer kom­ple­xen Inter­ak­ti­on ver­schie­de­ner bio­lo­gi­scher, psy­cho­lo­gi­scher und sozia­ler Fak­to­ren beruht61. Ob der Rausch zu delik­ti­schem Ver­hal­ten führt, hängt zudem nicht allein von dem Sich-Betrin­ken­den ab, nament­lich des­sen Prä­dis­po­si­tio­nen in der Per­sön­lich­keit, son­dern auch von häu­fig gleich­sam zufäl­li­gen situa­ti­ven Umstän­den62. Die vor­han­de­nen Befun­de sowie die hohe Komor­bi­di­tät von anti­so­zia­ler Per­sön­lich­keits­stö­rung und Sub­stanz­miss­brauch rela­ti­vie­ren somit zwar die Vor­stel­lung einer direk­ten kri­mi­no­ge­nen Wir­kung von Alko­hol63, besei­ti­gen sie jedoch nicht. Die Wir­kun­gen star­ken Alko­hol­ge­nus­ses sind nicht sicher vor­aus­zu­be­rech­nen64.

Das so beschrie­be­ne dem Alko­hol­kon­sum selbst inne­woh­nen­de Risi­ko zählt zum All­ge­mein­wis­sen. Es ist selbst Men­schen von gerin­ger Lebens­er­fah­rung in aller Regel bekannt65. Jeder­mann weiß oder kann zumin­dest wis­sen, dass er mit sei­ner Trun­ken­heit "das Tor für unbe­stimm­tes recht­li­ches Ver­sa­gen (vor allem) gegen­über uner­war­tet auf­tre­ten­den Anfor­de­run­gen öff­net"66. Der Alko­hol­kon­sum stellt somit für jeder­mann erkenn­bar eine abs­trak­te Gefahr für straf­recht­lich geschütz­te Rechts­gü­ter dar, die sich, falls der Sich-Betrin­ken­de eine rechts­wid­ri­ge Tat begeht, in der kon­kre­ten Rechts­guts­ge­fähr­dung oder Rechts­guts­ver­let­zung rea­li­siert67. Geht jemand die­ses all­ge­mein­kun­di­ge Risi­ko einer Alko­holin­to­xi­ka­ti­on vor­werf­bar ein, sind bereits allein dadurch das Hand­lungs­un­recht sei­ner im Zustand der erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit began­ge­nen Tat sowie die Tat­schuld signi­fi­kant erhöht. Das gilt nicht zuletzt im Ver­hält­nis zu dem­je­ni­gen Täter, der etwa auf­grund eines neu­ro­lo­gi­schen oder hirn­or­ga­ni­schen Defekts in einem nicht vor­werf­ba­ren Zustand erheb­lich ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit han­delt.

Hier­mit ist die Ansicht, die Schuld­re­le­vanz sei bereits dem Grun­de nach davon abhän­gig, inwie­weit der Täter infol­ge per­sön­li­cher Vor­er­fah­run­gen oder situa­ti­ver Umstän­de einen – zusätz­li­chen – Anhalt für die Gefahr eige­nen delik­ti­schen Ver­hal­tens hat, nicht ver­ein­bar. Der­ar­ti­ge Gesichts­punk­te sind zwar geeig­net, das Maß der Schuld zu beein­flus­sen; sie sind indes­sen nicht kon­sti­tu­tiv für deren Begrün­dung. Hier­ge­gen lässt sich nicht mit Erfolg ein­wen­den, eine Schul­d­er­hö­hung set­ze wenigs­tens Fahr­läs­sig­keit in Bezug auf die Straf­tat als gerings­te Schuld­form und damit die objek­ti­ve und sub­jek­ti­ve Vor­her­seh­bar­keit und Ver­meid­bar­keit der Tat wäh­rend des Sich-Berau­schens vor­aus. Die­ser Gesichts­punkt wür­de, wie der Gene­ral­bun­des­an­walt zutref­fend aus­ge­führt hat, im Ergeb­nis einen eigen­stän­di­gen Pflicht­wid­rig­keits­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Sich-Berau­schen und dem kon­kre­ten tat­be­stand­li­chen Unrecht im Sin­ne eines ori­gi­nä­ren Fahr­läs­sig­keits­vor­wurfs kon­sti­tu­ie­ren. Dies stün­de im Wider­spruch zu der fort­be­stehen­den straf­recht­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit des Täters, der die Straf­tat im Zustand erheb­lich ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit begeht. Die schuld­re­le­van­te Berück­sich­ti­gung eines nicht im gesetz­li­chen Tat­be­stand nor­mier­ten Umstands setzt jedoch allein vor­aus, dass die­ser vom Täter mit der Fol­ge sei­ner Zure­chen­bar­keit zu ver­ant­wor­ten ist. Dies zeigt sich etwa in der Rege­lung des § 46 Abs. 2 StGB, der zahl­rei­che Straf­zu­mes­sungs­tat­sa­chen benennt, die nicht mit dem straf­bar­keits­be­grün­den­den Han­deln selbst in einem Bezie­hungs­zu­sam­men­hang ste­hen müs­sen. Hin­zu kommt, dass die genann­te Auf­fas­sung den Betrach­tungs­win­kel auf die ent­hem­men­de und hier­durch teil­wei­se aggres­si­ons­för­dern­de Wir­kung des Alko­hols ein­schränkt. Damit lässt sie einen wesent­li­chen Teil rausch­be­ding­ter Gefah­ren­quel­len, ins­be­son­de­re die her­ab­ge­setz­te Beherr­schung kör­per­li­cher und geis­ti­ger Kräf­te, außer Betracht. Die­se hin­dert den Betrun­ke­nen viel­fach, den ihm oblie­gen­den Sorg­falts­pflich­ten ord­nungs­ge­mäß nach­zu­kom­men, was sich in einer Viel­zahl denk­ba­rer straf­recht­lich rele­van­ter Ver­feh­lun­gen nie­der­schla­gen kann68.

Damit steht im Ein­klang, dass nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch im Rah­men der Straf­zu­mes­sung im enge­ren Sin­ne die Berück­sich­ti­gung der ver­schul­de­ten Trun­ken­heit für sich als schuld­re­le­van­tes Merk­mal zuläs­sig ist, ohne dass dies von einer dar­über hin­aus­ge­hen­den sub­jek­ti­ven Bezie­hung zu der spä­ter began­ge­nen Tat abhän­gig ist. Wen­det das Tat­ge­richt etwa wegen alko­hol­be­ding­ter erheb­lich ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit des Täters den nach § 49 Abs. 1 StGB gemil­der­ten Straf­rah­men an, darf es nach all­ge­mei­ner Mei­nung bei der Straf­fin­dung inner­halb die­ses Straf­rah­mens in die Abwä­gung straf­schär­fend den Umstand mit ein­be­zie­hen, dass der Täter den Zustand schuld­haft her­bei­ge­führt hat­te69. In die­sem Zusam­men­hang ist – soweit ersicht­lich – die For­de­rung, die ver­schul­de­te Trun­ken­heit dür­fe – als Grund­la­ge für einen gerech­ten Schuld­aus­gleich (§ 46 Abs. 1 Satz 1 StGB) – nur gewür­digt wer­den, wenn eine für den Täter vor­her­seh­ba­re signi­fi­kan­te Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf Grund der per­sön­li­chen und situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls fest­ge­stellt ist, noch nicht erho­ben wor­den. Eben­so wenig ist ersicht­lich, dass inso­weit berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Prä­ven­ti­ons­zwe­cke (s. § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB) bemüht wür­den.

Dass es sich bei dem selbst­ver­ant­wort­li­chen Sich-Betrin­ken um ein tat­schuld­re­le­van­tes Merk­mal han­delt, ent­spricht im Übri­gen den den Rege­lun­gen des § 323a StGB und des § 122 OWiG zugrun­de­lie­gen­den Wer­tun­gen. Die Vor­schrif­ten las­sen Rück­schlüs­se auf die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Beur­tei­lung zu, dass es sich bei dem schuld­haft her­bei­ge­führ­ten Rausch nicht um eine sozi­al­ad­äqua­te, wert­neu­tra­le Erschei­nung han­delt, son­dern dass ihm als offen­kun­di­gem Gefah­ren­herd ein Unwert anhaf­tet, der geeig­net ist, das Ob und das Wie straf­recht­li­cher Sank­tio­nen zu bestim­men:

Im Hin­blick auf die all­ge­mei­ne Gefähr­lich­keit und Unbe­re­chen­bar­keit des schwer Berausch­ten hat der Gesetz­ge­ber das Sichin­ei­nen-Rausch-Ver­set­zen in § 323a StGB und § 122 OWiG als ein selb­stän­di­ges, recht­lich fass­ba­res sank­ti­ons­wür­di­ges Unrecht tat­be­stand­lich nor­miert. Er hat ledig­lich die Ahn­dung des schuld­haf­ten Sich-Berau­schens durch die Ein­fü­gung einer objek­ti­ven Bedin­gung der Straf­bar­keit bzw. der Buß­geld­be­weh­rung dahin ein­ge­schränkt, dass ein "fol­gen­lo­ser" Rausch kei­ne Sank­ti­on nach sich zie­hen soll. Dem­ge­gen­über wird der­je­ni­ge wegen der Berau­schung mit Stra­fe oder Geld­bu­ße sank­tio­niert, der in die­sem Zustand in rechts­wid­ri­ger Wei­se einen Straf- oder Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­tat­be­stand ver­wirk­licht und hier­für nicht bestraft oder mit Geld­bu­ße belegt wer­den kann, weil er infol­ge des Rau­sches schuld­un­fä­hig war bzw. nicht vor­werf­bar gehan­delt hat oder dies zumin­dest nicht aus­zu­schlie­ßen ist70.

Vor die­sem Hin­ter­grund erklärt sich zwang­los, dass der Gesetz­ge­ber das Sich-Berau­schen im Grund­satz als Unrecht bewer­tet, die Straf- oder Ahndbar­keit indes davon abhän­gig gemacht hat, ob bzw. in wel­chem Umfang sich die für die Rechts­gü­ter Drit­ter oder die All­ge­mein­heit gestei­ger­te Gefahr, die von einem Berausch­ten aus­geht, tat­säch­lich in einer kon­kre­ten rechts­wid­ri­gen Tat nie­der­ge­schla­gen hat. Weder für die Straf­tat nach § 323a StGB noch für die Ord­nungs­wid­rig­keit nach § 122 OWiG ist indes vor­aus­ge­setzt, dass sich der Täter im Zeit­punkt des Sich-Berau­schens bewusst war oder hät­te bewusst sein kön­nen, dass er im Rausch zur Bege­hung von Straf­ta­ten oder ord­nungs­wid­ri­gem Ver­hal­ten nei­ge71.

Die in den § 323a StGB, § 122 OWiG ent­hal­te­ne Wer­tung ist schließ­lich nicht dar­auf zu redu­zie­ren, dass einem Rausch nur dann straf­recht­lich erheb­li­ches Unrecht inne­wohnt, wenn er zumin­dest nicht aus­schließ­bar zur völ­li­gen Auf­he­bung der Steue­rungs­fä­hig­keit führt72. Der hier­auf begrenz­te Anwen­dungs­be­reich der genann­ten Nor­men ist nicht Aus­druck eines nur beschränk­ten Straf- und Rege­lungs­be­dürf­nis­ses. Denn die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit eines nur erheb­lich ver­min­dert schuld­fä­hi­gen Täters besteht fort. Hier­aus folgt, dass es inso­weit einer geson­der­ten tat­be­stand­li­chen Erfas­sung des dem vor­werf­ba­ren Rausch inne­woh­nen­den Unwerts nicht bedarf.

Die hie­si­ge Lösung steht im Ein­klang mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers. Die­ser hat die Ent­schei­dung über die Straf­mil­de­rung bei erheb­lich ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit gera­de mit Blick auf die ver­schul­de­te Trun­ken­heit dem tatrich­ter­li­chen Ermes­sen über­ant­wor­tet. Im Ein­zel­nen:

Der "Ent­wurf eines All­ge­mei­nen Deut­schen Straf­ge­setz­bu­ches" von 192773 hat­te den zwin­gen­den Aus­schluss der Straf­mil­de­rung bei ver­schul­de­ter Trun­ken­heit mit dem Hin­weis auf das Schuld­prin­zip abge­lehnt und statt­des­sen erst­mals eine "Kann"-Vorschrift vor­ge­se­hen. Zu der mit einer sol­chen Rege­lung ver­folg­ten Inten­ti­on äußer­te sich die Begrün­dung des Ent­wurfs dahin, dass er es "dem rich­ter­li­chen Ermes­sen (über­lässt), zu ent­schei­den, ob und inwie­weit eine selbst­ver­schul­de­te Trun­ken­heit, die die Zurech­nungs­fä­hig­keit nicht aus­schließt, als straf­mil­dernd zu berück­sich­ti­gen ist"74. Mit dem Gesetz gegen gefähr­li­che Gewohn­heits­ver­bre­cher und über Maß­re­geln der Siche­rung und Bes­se­rung vom 24.11.193375 wur­de die ver­min­der­te Zurech­nungs­fä­hig­keit in § 51 Abs. 2 StGB aF als fakul­ta­ti­ver Straf­mil­de­rungs­grund erst­mals kodi­fi­ziert.

Die Reform­ar­bei­ten in der Nach­kriegs­zeit führ­ten dazu, dass an der fakul­ta­ti­ven Straf­mil­de­rung fest­ge­hal­ten und kein Mil­de­rungs­zwang ein­ge­führt wur­de, und mün­de­ten letzt­lich in den seit dem 1.01.1975 gel­ten­den § 21 StGB. Zum Ermes­sen heißt es in der Begrün­dung des Ent­wurfs eines Straf­ge­setz­bu­ches von 1962 (E 1962): Ob die Schuld ver­rin­gert ist, "beruht auf einer Gesamt­wür­di­gung, bei der außer dem Gra­de der Schuld­fä­hig­keit auch ande­re Umstän­de zu berück­sich­ti­gen sind; so die Tat­schuld­um­stän­de (…), aber auch Schuld­um­stän­de vor der Tat (z.B. schuld­haf­te Her­bei­füh­rung der ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit). Dass die Mil­de­rung nur zuge­las­sen und nicht vor­ge­schrie­ben ist, ermög­licht einen Aus­gleich zwi­schen der Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit einer­seits und erschwe­ren­den Schuld­um­stän­den ande­rer­seits bei der Gesamt­wür­di­gung der Schwe­re der Schuld"76. Durch die vor­zugs­wür­di­ge "elas­ti­sche­re" Ermes­sens­vor­schrift erüb­ri­ge sich eine Rege­lung über den zwin­gen­den Aus­schluss der Straf­rah­men­mil­de­rung bei selbst­ver­schul­de­ten Bewusst­seins­stö­run­gen77.

Zusam­men­fas­send kommt es nach all­dem nicht mehr ent­schei­dungs­er­heb­lich dar­auf an, ob mit dem vor­le­gen­den Senat anzu­neh­men ist, für die hie­si­ge Lösung strit­ten wei­te­re Gesichts­punk­te, dar­un­ter etwa die Rege­lung des § 7 WStG78. Das Tat­ge­richt über­schrei­tet aus den dar­ge­leg­ten Grün­den jeden­falls nicht die Gren­zen des ihm bei der Ent­schei­dung über eine Straf­rah­men­mil­de­rung nach den §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ein­ge­räum­ten Ermes­sens, wenn es im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de in den Blick nimmt, dass der Ange­klag­te die Trun­ken­heit selbst ver­schul­det hat. Ihm obliegt die Bewer­tung, ob das Gewicht die­ses Umstands nach den Umstän­den des Ein­zel­falls hoch genug ist, um die auf­grund der erheb­lich ver­min­der­ten Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit ver­rin­ger­te Tat­schuld auf­zu­wie­gen. An fes­te Regeln ist es dabei nicht gebun­den.

Da die Ent­schei­dung – zumin­dest auch – auf den spe­zi­fi­schen Aus­wir­kun­gen des Alko­hol­kon­sums und der all­ge­mei­nen Kennt­nis hier­über beruht, ist davon abzu­se­hen, die dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze der Anre­gung des Gene­ral­bun­des­an­walts fol­gend auf alle ande­ren Fäl­le vor­werf­ba­rer Rausch­zu­stän­de zu erstre­cken79.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2017 – GSSt 3/​17

  1. BGH, Beschluss vom 02.08.2012 – 3 StR 216/​12, NStZ 2012, 687, 688 []
  2. BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 31 []
  3. BGH, Beschluss vom 15.10.2015 – 3 StR 63/​15, NStZ 2016, 203 []
  4. BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2016 – 1 ARs 21/​15; vom 07.11.2016 – 2 ARs 386/​15, NStZ-RR 2017, 70; vom 01.03.2016 – 5 ARs 50/​15 []
  5. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, BGHSt 49, 239 []
  6. BGH, Beschluss vom 28.04.2016 – 4 ARs 16/​15, NStZ-RR 2016, 305 f. []
  7. vgl. hier­zu Beu­kel­mann, NJW-Spe­zi­al 2017, 184 []
  8. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.08.1975 – 3 StR 212/​75, BeckRS 1975, 00206; vom 28.10.1985 – 3 StR 189/​85, NStZ 1986, 114, 115 []
  9. OGH­BrZ, Urteil vom 10.01.1950 – StS 427/​49, OGHSt 2, 324 []
  10. BGH, Urteil vom 02.08.1951 – 3 StR 395/​51, bei Dal­lin­ger MDR 1951, 657 []
  11. BGH, Urteil vom 10.09.1953 – 2 StR 695/​52, NJW 1953, 1760 []
  12. BGH, Urteil vom 16.01.1962 – 5 StR 588/​61; zu wei­te­ren ähn­li­chen Ent­schei­dun­gen des BGH aus den Jah­ren 1954 und 1960 vgl. Foth, DRiZ 1990, 417, 418; Schnarr in Het­tin­ger [Hrsg.], Reform des Sank­tio­nen­rechts, Bd. 1, 2001, S. 1, 49 ff. []
  13. BGH, Beschluss vom 24.03.1972 – 2 StR 413/​71, bei Dal­lin­ger, MDR 1972, 570 []
  14. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.03.1972 – 2 StR 413/​71, aaO; vom 01.08.1975 – 3 StR 212/​75, BeckRS 1975, 00206; vom 26.07.1977 – 1 StR 317/​77, bei Holtz, MDR 1977, 982; ähn­lich Urteil vom 21.09.1971 – 5 StR 410/​71, bei Dal­lin­ger, MDR 1972, 16; Beschluss vom 14.10.1980 – 1 StR 498/​80, BeckRS 1980, 02962 []
  15. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.10.1986 – 4 StR 501/​86, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 3; vom 06.05.1993 – 1 StR 136/​93, NJW 1993, 2544, 2545; Beschlüs­se vom 28.10.1985 – 3 StR 189/​85, NStZ 1986, 114, 115; vom 13.06.1986 – 2 StR 276/​86, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 14; vom 07.09.1989 – 4 StR 433/​89, BGHR StGB § 21 Vor­ver­schul­den 1; vom 07.01.2003 – 4 StR 490/​02, NStZ-RR 2003, 136, 137; fer­ner Urtei­le vom 06.03.1986 – 4 StR 48/​86, BGHSt 34, 29, 33; vom 29.04.1997 – 1 StR 511/​95, BGHSt 43, 66, 78; Beschlüs­se vom 25.01.1991 – 5 StR 600/​90, BGHR StGB § 177 Abs. 2 Straf­rah­men­wahl 7; vom 16.02.1993 – 5 StR 675/​92, StV 1993, 355 f. []
  16. BGH, Urteil vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 31 []
  17. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.07.2003 – 2 StR 106/​03, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 32; vom 16.09.2004 – 1 StR 233/​04, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 36; vom 19.10.2004 – 1 StR 254/​04, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 37; offen gelas­sen in den Beschlüs­sen vom 05.08.2003 – 1 StR 302/​03, bei Schä­fer, JR 2004, 425 f.; vom 10.09.2003 – 2 StR 304/​03, bei Schä­fer aaO, S. 426 []
  18. 1. Straf­se­nat: Beschluss vom 25.03.2014 – 1 StR 65/​14, NStZ-RR 2014, 238, 239; vgl. fer­ner Beschlüs­se vom 23.04.2013 – 1 StR 105/​13 9; vom 10.11.2016 – 1 StR 501/​16 4; 2. Straf­se­nat: Urtei­le vom 15.02.2006 – 2 StR 419/​05, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 40; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15 24 []
  19. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, BGHSt 49, 239 []
  20. vgl. im Ein­zel­nen auch BGH, Urtei­le vom 11.06.2008 – 5 StR 612/​07, NStZ 2008, 619, 620; vom 29.10.2008 – 5 StR 456/​08, NStZ 2009, 202, 203; vom 07.05.2009 – 5 StR 64/​09, NStZ 2009, 496, 497; Beschlüs­se vom 13.01.2010 – 5 StR 510/​09, NStZ-RR 2010, 234, 235; vom 10.03.2010 – 5 StR 62/​10 10; Urteil vom 01.12 2011 – 5 StR 360/​11 26 []
  21. BGH, Urteil vom 15.12 2005 – 4 StR 314/​05, NStZ 2006, 274, 275 []
  22. BGH, Urteil vom 23.02.2006 – 4 StR 444/​05, NStZ-RR 2006, 185, 186 []
  23. vgl. BGH, Urteil vom 12.06.2008 – 3 StR 84/​08, NStZ 2009, 258 f.; Beschlüs­se vom 16.01.2008 – 3 StR 479/​07, NStZ 2008, 330; vom 02.08.2012 – 3 StR 216/​12, NStZ 2012, 687, 688 []
  24. vgl. Fischer, StGB, 64. Aufl., § 21 Rn. 25, 25b; SSW-StG­B/­Kas­par, 3. Aufl., § 21 Rn. 28; Matt/​Renzikowski/​Safferling, StGB, § 21 Rn. 22; Schäfer/​Sander/​van Gemme­ren, Pra­xis der Straf­zu­mes­sung, 5. Aufl., Rn. 1016 ff.; LK/​Schöch, StGB, 12. Aufl., § 21 Rn. 52, 54 f. mwN; noch wei­ter­ge­hend – Anwen­dung der Grund­sät­ze der actio libe­ra in cau­sa – SK-StG­B/­Ru­dol­phi, 38. Lfg., § 21 Rn. 4b; S/​S‑Perron/​Weißer, StGB, 29. Aufl., § 21 Rn. 21; NK-StG­B/­Schild, 4. Aufl., § 21 Rn. 18; Münch­Komm-StG­B/Streng, 3. Aufl., § 21 Rn. 26; vgl. auch AnwK-StG­B/­Co­nen, 2. Aufl., § 21 Rn. 41, 43 []
  25. vgl. Foth, NStZ 2003, 597 sowie – ten­den­zi­ell – Det­ter, NStZ 2003, 471, 472 []
  26. vgl. Bai­er, JA 2004, 104, 106; Neu­mann, StV 2003, 527, 528; Rau, JR 2004, 401, 405; Scheff­ler, Blut­al­ko­hol 2003, 449 []
  27. vgl. Fris­ter, JZ 2003, 1019; Verrel/​Hoppe, JuS 2005, 308, 310 []
  28. vgl. Fris­ter aaO, S. 1019 f.; Neu­mann aaO, S. 530 f. []
  29. vgl. Duen­sing, Stra­Fo 2005, 15, 22; Rau aaO, S. 404 []
  30. vgl. Bai­er aaO; Neu­mann aaO, S. 529 []
  31. vgl. Neu­mann aaO, S. 530; Scheff­ler aaO, S. 450; Streng, NJW 2003, 2963, 2965 []
  32. vgl. Bai­er aaO, S. 107; Duen­sing aaO; Rau aaO, S. 404; Streng aaO, S. 2964; Verrel/​Hoppe aaO, S. 310 f. []
  33. vgl. Fris­ter aaO, S. 1020; Neu­mann aaO, S. 530 []
  34. h.M., vgl. LK/​Schöch, StGB, 12. Aufl., § 21 Rn. 1 mwN; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 21 Rn. 2; S/​S‑Perron/​Weißer, StGB, 29. Aufl., § 21 Rn. 1; SSW-StG­B/­Kas­par, 3. Aufl., § 21 Rn. 1; Duen­sing, Stra­Fo 2005, 15, 18, 21 mwN; Schnarr, Alko­hol als Straf­mil­de­rungs­grund, in: Het­tin­ger, Reform des Sank­tio­nen­rechts, 2001, S. 40; aA – Straf­zu­mes­sungs­grund: Foth, NStZ 2003, 597 ff.; Beck­OK-StG­B/E­schel­bach, 33. Ed., Einl. zu § 21 []
  35. vgl. LK/​Schöch, aaO, § 21 Rn. 1 mwN; Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 21 Rn. 1; S/​S‑Perron/​Weißer, aaO, § 21 Rn. 1; Fischer, aaO, § 21 Rn. 2 []
  36. vgl. BT-Drs. IV/​650, S. 142 lin­ke Spal­te []
  37. vgl. S/​S‑Perron/​Weißer, aaO, § 21 Rn.19, 21; Mau­rach-Zipf, Straf­recht AT, 5. Aufl., 1977, Teilbd. 1, S. 529; Schmid­häu­ser, Straf­recht AT, 2. Aufl., 1975, S. 778 Fn. 23; Stra­ten­werth, Straf­recht AT Bd. I, 2. Aufl., 1976, S. 165; Lenck­ner, in Göppinger/​Witter, Hand­buch der foren­si­schen Psych­ia­trie, 1972, Bd. I, S. 129 ff.; Jacobs, Straf­recht AT, 2. Aufl., 1991, 18. Abschn. Rn. 33; Rau­ten­berg, Ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit, S. 180 ff. []
  38. LK/​Schöch, aaO, § 21 Rn. 40; vgl. auch Schnarr, aaO, S. 1, 66 ff. []
  39. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.11.1954 – 5 StR 476/​54, BGHSt 7, 28, 30 f.; vom 11.06.2008 – 5 StR 612/​07, NStZ 2008, 619, 620; und vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15, aaO, 40, 42; Beschlüs­se vom 04.09.1992 – 2 StR 380/​92, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 24; vom 07.01.2003 – 4 StR 490/​02, NStZ-RR 2003, 136; vom 23.06.2010 – 2 StR 222/​10, NStZ-RR 2010, 336; vom 07.09.2015 – 2 StR 350/​15, aaO []
  40. vgl. insb. LK/​Schöch, aaO, § 21 Rn. 1 mwN; LK/​Jähnke, StGB, 11. Aufl., § 21 Rn. 18; Münch­Komm-BGB/StG­B/Streng, 3. Aufl., § 21 Rn.20 ff.; Fischer, aaO, § 21 Rn.20; SSW-StG­B/­Kas­par, aaO, § 21 Rn. 16 ff.; Roxin, Straf­recht AT, Bd. I, 4. Aufl., 2006, § 20 Rn. 41; Jescheck/​Weigend, Lehr­buch des Straf­rechts, All­ge­mei­ner Teil, 5. Aufl., 1996, S. 443 f.; Bruns, Straf­zu­mes­sungs­recht, 2. Aufl., 1974, S. 524 ff. []
  41. BVerfG, Beschluss vom 25.10.1978 – 1 BvR 983/​78, BVerfGE 50, 5 []
  42. Münch­Komm-BGB/StG­B/Streng, aaO, § 21 Rn. 21; LK/​Schöch, aaO, § 21 Rn. 44; NK-StG­B/­Schild, 4. Aufl., § 21 Rn. 30; SSW-StG­B/­Kas­par, aaO; Roxin, aaO, § 20 Rn. 39 []
  43. vgl. Rau­ten­berg, DtZ 1997, 45, 47 []
  44. vgl. Münch­Komm-BGB/StG­B/Streng, aaO, § 21 Rn. 21 mwN []
  45. vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2016 – 4 ARs 16/​15, NStZ-RR 2016, 305 mwN []
  46. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336 f.; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15 23 []
  47. vgl. BGH, Urtei­le vom 19.10.2004 – 1 StR 254/​04, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 37; vom 15.02.2006 – 2 StR 419/​05, aaO; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15, aaO []
  48. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, aaO, S. 241 []
  49. BGH, Urtei­le vom 10.11.1954 – 5 StR 476/​54, BGHSt 7, 28, 30; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15, aaO Rn. 24; Beschluss vom 07.09.2015 – 2 StR 350/​15 4 []
  50. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2016 – 1 ARs 21/​15 mwN; Roxin, aaO, § 20 Rn. 37 ff.; Salger/​Mutzbauer, NStZ 1993, 561, 562 []
  51. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, aaO; vom 15.02.2006 – 2 StR 419/​05, aaO; vom 26.05.2004 – 2 StR 386/​03, NStZ 2004, 619; Münch­Komm-BGB/StG­B/Streng, aaO, § 21 Rn. 22; SSW-StG­B/­Kas­par, aaO, § 21 Rn. 28; Fischer, aaO, § 21 Rn. 18; jeweils mwN []
  52. vgl. BGH, Beschluss vom 04.09.1992 – 2 StR 380/​92, aaO; vom 25.10.1989 – 2 StR 350/​89, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 18 mwN; LK/​Jähnke, StGB, 11. Aufl., § 21 Rn.19; SSW-StG­B/­Kas­par, aaO, § 21 Rn. 18 []
  53. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.02.2006 – 2 StR 419/​05, aaO; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15, aaO, Rn. 24 [Sen­kung der Hemm­schwel­le gegen­über sozi­al auf­fäl­li­gem und aggres­si­vem Ver­hal­ten] []
  54. vgl. Konrad/​Rasch, aaO, S. 121; Nedopil/​Müller, Foren­si­sche Psych­ia­trie, 4. Aufl., S. 148 f.; Schalast/​Leygraf, in: F. Schneider/​Frister [Hrsg.] Alko­hol und Schuld­fä­hig­keit S. 182 f. []
  55. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.05.1961 – 1 StR 139/​61, BGHSt 16, 124, 125; vom 22.08.1996 – 4 StR 217/​96, BGHSt 42, 235, 243; vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 31 []
  56. vgl. etwa Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik, Jahr­buch 2015, S. 161 []
  57. vgl. etwa die Über­sicht bei Görgen/​Nowak, Alko­hol und Gewalt, S. 5 ff. []
  58. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 07.05.1957 – 5 StR 127/​57, BGHSt 10, 247, 251; vom 02.05.1961 – 1 StR 139/​61, BGHSt 16, 124, 125; vom 22.08.1996 – 4 StR 217/​96, BGHSt 42, 235, 242; vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, aaO; vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, aaO, S. 242; vom 15.02.2006 – 2 StR 419/​05, aaO; vom 24.08.2016 – 2 StR 504/​15, aaO Rn. 24 ff.; Beschluss vom 06.11.1996 – 5 ARs 59/​96, NStZ-RR 1997, 163, 165 []
  59. vgl. etwa Foth, DRiZ 1990, 417, 419 f.; Schnarr, aaO, S. 83 f.; Rau­ten­berg, DtZ 1997, 45; Schä­fer, DRiZ 1996, 196; Lack­ner, JuS 1968, 215, 218 f. []
  60. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, aaO, S. 242 []
  61. vgl. Proescholdt/​Walter/​Wiesbeck, Fort­schrNeu­rol­Psych­iatr 2012, 441 f., 447; Görgen/​Nowak, aaO, S. 22; Konrad/​Rasch, aaO, S. 120; Schalast/​Leygraf, aaO []
  62. vgl. schon BGH, Urteil vom 29.10.1957 – 5 StR 483/​57, JR 1958, 28; Lack­ner, JuS 1968, 215, 218 f.; vgl. auch Nedopil/​Müller, aaO, S. 154; Proescholdt/​Walter/​Wiesbeck, aaO, 441, 445 []
  63. vgl. Schalast/​Leygraf, aaO []
  64. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.04.1951 – 4 StR 78/​50, BGHSt 1, 124, 126; vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, aaO []
  65. vgl. BGH, Urteil vom 07.05.1957 – 5 StR 127/​57, BGHSt 10, 247, 251 []
  66. Lack­ner aaO, S. 220; eben­so Schnarr aaO, S. 83 []
  67. vgl. BGH, Urteil vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, aaO []
  68. vgl. schon Begrün­dung zu § 351 StGB im Ent­wurf eines Straf­ge­setz­bu­ches von 1960 [E 60], BT-Drs. III/​2150 S. 498 und im Ent­wurf eines Straf­ge­setz­bu­ches von 1962 [E 62], BT-Drs. IV/​650 S. 537 []
  69. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.1976 – 2 StR 101/​76, BGHSt 26, 311, 312; fer­ner BGH, Urtei­le vom 21.07.1984 – 1 StR 330/​84, NStZ 1984, 548; vom 09.02.2000 – 3 StR 392/​99, NStZ-RR 2000, 166, 168; Beschluss vom 02.07.1985 – 1 StR 280/​85, NJW 1986, 793, 794; Schäfer/​Sander/​van Gemme­ren, Pra­xis der Straf­zu­mes­sung, 5. Aufl., Rn. 1127; Schnarr in Het­tin­ger [Hrsg.], Reform des Sank­tio­nen­rechts, 2001, Bd. 1, S. 1, 43; S/​S‑Stree/​Kinzig, StGB, 29. Aufl., § 46 Rn. 49 []
  70. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.04.1951 – 4 StR 78/​50, BGHSt 1, 124, 125; vom 02.05.1961 – 1 StR 139/​61, BGHSt 16, 124, 125 f.; vom 01.06.1962 – 4 StR 88/​62, BGHSt 17, 333, 334; vom 26.10.1965 – 1 StR 394/​65, BGHSt 20, 284, 285; vom 22.08.1996 – 4 StR 217/​96, BGHSt 42, 235, 242 f.; Beschlüs­se vom 18.08.1983 – 4 StR 142/​82, BGHSt 32, 48, 55 f.; vom 17.10.1991 – 4 StR 465/​91, BGHR StGB § 323a Abs. 2 Straf­zu­mes­sung 5; KK/​Rengier, OWiG, 4. Aufl., § 122 Rn. 8 mwN []
  71. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.04.1951 – 4 StR 78/​50, BGHSt 1, 124, 125; vom 23.11.1951 – 2 StR 491/​51, BGHSt 2, 14, 18; vom 02.05.1961 – 1 StR 139/​61, BGHSt 16, 124, 127; Beschlüs­se vom 15.10.1956 – GSSt 2/​56, BGHSt 9, 390, 394; vom 17.10.1991 – 4 StR 465/​91, BGHR StGB § 323a Abs. 2 Straf­zu­mes­sung 5; Bohnert/​Krenberger/​Krumm, OWiG, 4. Aufl., § 122 Rn. 2, 14; Göhler/​Gürtler, OWiG, 16. Aufl., § 122 Rn. 7a; KK/​Rengier, aaO, Rn. 25; Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 323a Rn. 14 mwN; s. aber auch zu vie­len abwei­chen­den Stim­men in der Lite­ra­tur Münch­Komm-StG­B/Geis­ler, 2. Aufl., § 323a Rn. 57 ff. mwN []
  72. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, aaO, S. 252 []
  73. vgl. Deut­scher Reichs­an­zei­ger und Preu­ßi­scher Staats­an­zei­ger vom 27.11.1933; Rau­ten­berg, DtZ 1997, 45, 47 []
  74. Reichs­tags­druck­sa­che, III. Wahl­pe­ri­ode 1924/​27, Nr. 3390, Begrün­dung S. 15; abge­druckt in Schubert/​Regge/​Rieß/​Schmid [Hrsg.], Quel­len zur Reform des Straf- und Straf­pro­zeß­rechts, I. Abt.: Wei­ma­rer Repu­blik, Bd. 1, 1995, S. 495 []
  75. RGBl. I, S. 995 []
  76. BT-Drs. IV/​650, S. 142; eben­so – wort­laut­i­den­tisch – die Begrün­dun­gen zum "Ent­wurf eines All­ge­mei­nen Teils eines Straf­ge­setz­bu­ches nach den Beschlüs­sen der Gro­ßen Straf­rechts­kom­mis­si­on in ers­ter Lesung" von 1958 [E 1958, ver­öf­fent­licht vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz, Begrün­dung S. 30 f.] und zum Ent­wurf eines Straf­ge­setz­bu­ches von 1960 [E 1960, BR-Drs. 270/​60, S. 134]; s. hier­zu Rau­ten­berg, Ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit, 1984, S. 176 []
  77. vgl. BT-Drs. IV/​650, S. 142; fer­ner E 1958, aaO, Begrün­dung S. 31; E 1960, BR-Drs. 270/​60, S. 134 []
  78. vgl. BGH, Beschluss vom 20.12 2016 – 3 StR 63/​15 43 ff. []
  79. vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 591/​03, StV 2005, 19 []
  80. Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 571/​13, Rn. 14 []