Straf­recht im Juni 2015

Fal­sche Auto­kenn­zei­chen, Deal­er­ban­den, Schrott­im­mo­bi­li­en, kor­rup­te kom­mu­na­le Ehren­be­am­te, Pro­ble­me bei der Straf­zu­mes­sung und ein Rei­hen­gen­test.

Über­teu­er­ter Immo­bi­li­en­ver­kauf – und der Betrugs­vor­wurf

Mit Rück­sicht auf das Prin­zip der Ver­trags­frei­heit ist grund­sätz­lich kein Raum für die Annah­me kon­klu­den­ter Erklä­run­gen über die Ange­mes­sen­heit oder Üblich­keit des Prei­ses; es ist viel­mehr Sache des Käu­fers, abzu­wä­gen und sich zu ent­schei­den, ob er die gefor­der­te Ver­gü­tung auf­wen­den will 2.

Für den Ver­käu­fer besteht bis zur Gren­ze der Sit­ten­wid­rig­keit und des Wuchers grund­sätz­lich auch kei­ne Pflicht zur Offen­le­gung des Werts des Kauf­ob­jek­tes, selbst wenn die­ser erheb­lich unter dem gefor­der­ten Preis liegt 3.

Im Regel­fall muss der Ver­käu­fer den Käu­fer auch nicht auf ein für die­sen ungüns­ti­ges Geschäft hin­wei­sen, son­dern darf davon aus­ge­hen, dass sich sein künf­ti­ger Ver­trags­part­ner im eige­nen Inter­es­se selbst über Art und Umfang sei­ner Ver­trags­pflich­ten Klar­heit ver­schafft hat 4.

Es führt nach den hier gege­be­nen Umstän­den zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis, dass die hohen Pro­vi­si­ons­an­tei­le, aus denen über­dies viel­fach den Käu­fern zugu­te­kom­men­de Zah­lun­gen geleis­tet wur­den, nicht offen­ge­legt wur­den. Denn auf der Grund­la­ge der rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen erhöh­ten die­se nicht die Kauf­prei­se der Woh­nun­gen und hat­ten somit kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Ren­ta­bi­li­tät der Immo­bi­li­en 5.

Die für die Eigen­tums­woh­nun­gen gefor­der­ten Prei­se beruh­ten in den hier ent­schie­de­nen Fäl­len jeweils auf Bewer­tun­gen der Ban­ken, auf deren Grund­la­ge die­se fest­leg­ten, bis zu wel­chem Kauf­preis sie jeweils zur Finan­zie­rung des Wei­ter­ver­kaufs bereit waren. Die­se Prei­se wur­den vom Ange­klag­ten über­nom­men und den jewei­li­gen Woh­nungs­ver­käu­fen zugrun­de gelegt. Der Ange­klag­te nahm beim Wei­ter­ver­kauf der Woh­nun­gen kei­ne Pro­vi­si­ons­auf­schlä­ge auf die von den Ban­ken ermit­tel­ten Kauf­prei­se vor. Ein kol­lu­si­ves Zusam­men­wir­ken des Ange­klag­ten mit den kre­dit­ge­wäh­ren­den Ban­ken ist nicht fest­ge­stellt; hier­für bie­tet der Sach­ver­halt auch kei­ner­lei kon­kre­te Anhalts­punk­te.

Dass die jeweils meh­re­re Jah­re nach dem Ver­kauf erfolg­ten Neu­be­wer­tun­gen der Woh­nun­gen in vie­len Fäl­len deut­lich nied­ri­ger aus­fie­len, kann auf viel­fäl­ti­ge die Wert­bil­dung beein­flus­sen­de Fak­to­ren zurück­zu­füh­ren sein und sagt über die Ange­mes­sen­heit des ursprüng­li­chen Kauf­prei­ses nichts aus. Ange­sichts der in die Kauf­preis­kal­ku­la­ti­on über­nom­me­nen Bewer­tun­gen der finan­zie­ren­den Ban­ken liegt ein sit­ten­wid­ri­ges oder wuche­ri­sches Ver­hal­ten der Ange­klag­ten fern. Dem­ge­mäß begrün­det die feh­len­de Mit­tei­lung der Ver­kehrs­wer­te der Woh­nun­gen im Zeit­punkt ihres Ver­kaufs kei­nen Erör­te­rungs­man­gel.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Mai 2015 – 5 StR 547/​14

  1. vgl. Cramer/​Perron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 263 Rn. 17c[]
  2. Tie­de­mann in LK, 12. Aufl., § 263 Rn. 35 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 14.03.2003 – V ZR 308/​02, NJW 2003, 1811, 1812 mwN[]
  4. BGH aaO mwN[]
  5. vgl. zu den mög­li­chen Aus­wir­kun­gen über­höh­ter Innen­pro­vi­sio­nen auf die Wert­hal­tig­keit von Ver­mö­gens­an­la­gen BGH, Urtei­le vom 07.03.2006 – 1 StR 379/​05, BGHSt 51, 10; vom 12.02.2004 – III ZR 359/​02, BGHZ 158, 110, 118, 121; und vom 14.03.2003 – V ZR 308/​02 aaO[]