Straf­zu­mes­sung – und der Prü­fungs­um­fang des Revi­si­ons­ge­richts

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tat­ge­richts. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den es in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und hier­bei gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Straf­zu­mes­sung – und der Prü­fungs­um­fang des Revi­si­ons­ge­richts

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1. Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist dage­gen aus­ge­schlos­sen 2.

Dem Revi­si­ons­ge­richt ist es ver­wehrt, sei­ne eige­ne Wer­tung an die Stel­le des Tat­ge­richts zu set­zen; viel­mehr muss es die von ihm vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung bis an die Gren­ze des Ver­tret­ba­ren hin­neh­men 3.

Der Tatrich­ter muss nicht sämt­li­che Straf­zu­mes­sungs­grün­de, son­dern nur die für die Stra­fe bestim­men­den Umstän­de ange­ben (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO); eine erschöp­fen­de Auf­zäh­lung aller Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen ist weder vor­ge­schrie­ben noch mög­lich. Was als wesent­li­cher Straf­zu­mes­sungs­grund anzu­se­hen ist, ist unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des Ein­zel­falls vom Tatrich­ter zu ent­schei­den 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Okto­ber 2017 – 1 StR 226/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 320; vom 07.02.2012 – 1 StR 525/​11, BGHSt 57, 123, 127; und vom 12.01.2016 – 1 StR 414/​15, BFH/​NV 2016, 719; jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2017 – 1 StR 606/​16, wis­tra 2017, 242 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 02.02.2017 – 4 StR 481/​16, NStZ-RR 2017, 105, 106[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 16.04.2015 – 3 StR 638/​14, NStZ-RR 2015, 240; vom 12.05.2016 – 4 StR 487/​15, NStZ 2016, 605, 606 f.; und vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336 mwN; Beschluss vom 13.04.2017 – 4 StR 414/​16, Stra­Fo 2017, 196[]