Teil­nah­me an Ein­schleu­ser­hand­lun­gen

Durch die Straf­vor­schrift des § 96 Abs. 1 Auf­en­thG wer­den sonst nach den all­ge­mei­nen Regeln (§§ 26, 27 StGB) straf­ba­re Teil­nah­me­hand­lun­gen an den in § 96 Abs. 1 Auf­en­thG in Bezug genom­me­nen Taten nach § 95 Auf­en­thG zu selb­stän­di­gen, in Täter­schaft (§ 25 StGB) began­ge­nen Straf­ta­ten her­auf­ge­stuft, wenn der Teil­neh­mer zugleich eines der in § 96 Abs. 1 Auf­en­thG gere­gel­ten Schleu­ser­merk­ma­le erfüllt 1.

Teil­nah­me an Ein­schleu­ser­hand­lun­gen

Trotz die­ser tat­be­stand­li­chen Ver­selb­stän­di­gung zur Täter­schaft gel­ten für die Tat­hand­lun­gen des § 96 Abs. 1 Auf­en­thG die all­ge­mei­nen Regeln der Teil­nah­me ein­schließ­lich des Grund­sat­zes der limi­tier­ten Akzess­orie­tät 2. Die Straf­bar­keit wegen voll­ende­ten Ein­schleu­sens von Aus­län­dern setzt daher das Vor­lie­gen einer vor­sätz­li­chen und rechts­wid­ri­gen Haupt­tat des Geschleus­ten vor­aus.

Fehlt es an einer in § 96 Abs. 1 Auf­en­thG genann­ten Bezug­s­tat oder wird die­se nur ver­sucht, kommt für den mit Schleu­ser­merk­ma­len han­deln­den Teil­neh­mer eine Straf­bar­keit wegen ver­such­ten Ein­schleu­sens von Aus­län­dern nach § 96 Abs. 3 Auf­en­thG in Betracht 3. Für die durch § 96 Abs. 3 Auf­en­thG straf­recht­lich erfass­te ver­such­te Teil­nah­me gel­ten die all­ge­mei­nen zur Ver­suchs­straf­bar­keit ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze. Sowohl für die Anfor­de­run­gen, die an den Tat­vor­satz des Täters zu stel­len sind, als auch für die Prü­fung des unmit­tel­ba­ren Anset­zens kann ergän­zend die Recht­spre­chung zur ver­such­ten Anstif­tung nach § 30 Abs. 1 StGB her­an­ge­zo­gen wer­den 4.

Der Ver­such des Ein­schleu­sens von Aus­län­dern in der Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve des Hil­fe­leis­tens erfor­dert danach in sub­jek­ti­ver Hin­sicht, dass der Vor­satz des Schleu­sers auf die För­de­rung einer in ihren wesent­li­chen Merk­ma­len oder Grund­zü­gen kon­kre­ti­sier­ten Bezug­s­tat im Sin­ne des § 96 Abs. 1 Auf­en­thG gerich­tet ist 5. Die objek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen des Ver­suchs sind erfüllt, wenn der Täter eine Hand­lung vor­nimmt, mit der er nach sei­ner Vor­stel­lung von der Tat unmit­tel­bar zur För­de­rung der prä­sum­ti­ven Bezug­s­tat ansetzt. Maß­ge­bend ist, wie weit sich der Täter bereits dem von ihm anvi­sier­ten Unter­stüt­zungs­er­folg ange­nä­hert und durch sein Han­deln eine Gefahr für das betrof­fe­ne Rechts­gut begrün­det hat 6.

Indem der Ange­klag­te die Beschaf­fung der für die Ein­rei­se nach Däne­mark und die dor­ti­ge Ehe­schlie­ßung erfor­der­li­chen gefälsch­ten spa­ni­schen Auf­ent­halts­er­laub­nis aus Spa­ni­en über­nahm und die Ehe­schlie­ßung in Däne­mark orga­ni­sa­to­risch vor­be­rei­te­te, leis­te­te er im Fall II. 2. der Urteils­grün­de einen die Ein­rei­se des V. S. ali­as M. nach Däne­mark am 19.02.2013 objek­tiv för­dern­den Bei­trag. Die Ein­rei­se erfolg­te unter Zuwi­der­hand­lung gegen die Rechts­vor­schrif­ten Däne­marks über die Ein­rei­se und den Auf­ent­halt von Aus­län­dern. Hier­für reicht aus, dass die Ein­rei­se nach Maß­ga­be der däni­schen Rechts­ord­nung uner­laubt war 7. Dies war hier der Fall, da dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Urteils­grün­de noch hin­rei­chend zu ent­neh­men ist, dass V. S. ali­as M. , der als Nega­tiv­staat­ler der Visums­pflicht nach Art. 1 Abs. 1 der Verord- nung (EG) Nr. 539/​2001 des Rates vom 15.03.2001 (EG-Vis­a­VO) unter­lag, ein für die Ein­rei­se nach Däne­mark erfor­der­li­ches Visum nicht besaß.

Dabei war der Vor­satz des Ange­klag­ten dar­auf gerich­tet, V. S. ali­as M. bei der Ehe­schlie­ßung in Däne­mark und der dafür erfor­der­li­chen Ein­rei­se nach Däne­mark zu unter­stüt­zen. Da der Ange­klag­te mit sei­ner Mit­wir­kung bei der Beschaf­fung der gefälsch­ten spa­ni­schen Auf­ent­halts­kar­te und der Orga­ni­sa­ti­on des Hoch­zeits­ter­mins in Däne­mark wesent­li­che Tei­le sei­ner Unter­stüt­zungs­hand­lun­gen erbracht hat, liegt auch das unmit­tel­ba­re Anset­zen zur Hil­fe­leis­tung vor.

Tat­ein­heit­lich zu den Ver­stö­ßen gegen das Auf­ent­halts­ge­setz hat er sich durch das mit­tä­ter­schaft­lich mit sei­nem Hin­ter­mann in Spa­ni­en bewirk­te Ein­füh­ren der fal­schen Auf­ent­halts­pa­pie­re ins Inland jeweils des gewerbs­mä­ßi­gen Ver­schaf­fens von fal­schen auf­ent­halts­recht­li­chen Papie­ren nach §§ 276a, 276 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StGB straf­bar gemacht. Durch die Vor­schrift des § 276a StGB, die den Anwen­dungs­be­reich des § 276 StGB u.a. auf auf­ent­halts­recht­li­che Papie­re erstreckt, wer­den auch aus­län­di­sche auf­ent­halts­recht­li­che Papie­re von Schen­gen-Staa­ten erfasst, die auf­grund der im Schen­gen-Raum gel­ten­den Rechts­re­geln (vgl. etwa Art. 21 SDÜ, Art. 5 Abs. 1b Schen­ge­ner Grenz­ko­dex) im Inland unmit­tel­ba­re auf­ent­halts­recht­li­che Bedeu­tung besit­zen 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2015 – 4 StR 378/​14

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.06.2012 – 4 StR 144/​12, NStZ 2013, 483; vom 30.05.2013 – 5 StR 130/​13, BGHSt 58, 262, 265 f.; Urteil vom 11.07.2003 – 2 StR 31/​03, NStZ 2004, 45; vgl. Geri­cke in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 96 Auf­en­thG Rn. 2[]
  2. vgl. Geri­cke aaO, Rn. 3; Sen­ge in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze [Stand: Juli 2014], § 96 Auf­en­thG Rn. 3[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.06.2012 – 4 StR 144/​12 aaO; Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 344/​98, NStZ 1999, 409[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 06.06.2012 – 4 StR 144/​12 aaO; Urteil vom 23.03.1999 – 1 StR 344/​99 aaO[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.10.1997 – 2 StR 239/​97, NStZ 1998, 347, 348; vom 21.04.1986 – 2 StR 661/​85, BGHSt 34, 63, 66; vgl. Schü­ne­mann in LK-StPO, 12. Aufl., § 30 Rn. 24 ff.[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 06.06.2012 – 4 StR 144/​12 aaO[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 08.11.2000 – 1 StR 447/​00, NStZ 2001, 157, 158; Mos­ba­cher in GK-Auf­en­thG [Stand: Juli 2008], § 96 Auf­en­thG Rn. 52 f.; enger Geri­cke aaO, § 96 Auf­en­thG Rn. 41 unter Ver­weis auf BGH, Beschluss vom 05.09.2001 – 3 StR 174/​01, NStZ 2002, 33[]
  8. vgl. Gesetz­ent­wurf zum Ver­bre­chens­be­kämp­fungs­ge­setz, BT-Drs. 12/​6853, S. 30; Heger in Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 276a Rn. 1[]