Tier­quä­le­rei und Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren

Der Eigentümer/​Halter eines Tie­res ist in einem wegen des Ver­dachts der Tier­quä­le­rei geführ­ten Ver­fah­ren nicht Ver­letz­ter i.S.v. § 172 Abs. 1 StPO.

Tier­quä­le­rei und Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren

Soweit dem Beschul­dig­ten Tier­quä­le­rei gemäß § 17 TierSchG vor­ge­wor­fen wird, ist der Antrag unzu­läs­sig, da die Anzei­ge­er­stat­te­rin als Tier­hal­te­rin nicht als Ver­letz­te im Sin­ne des § 172 Abs. 1 StPO anzu­se­hen ist.

Ver­letz­te im Sin­ne des § 172 Abs. 1 StPO ist grund­sätz­lich, wer durch die behaup­te­te Tat – ihre tat­säch­li­che Bege­hung unter­stellt – unmit­tel­bar in einem Rechts­gut ver­letzt ist 1.

Da das Tier­schutz­ge­setz in ers­ter Linie das leben­de Tier vor Beein­träch­ti­gun­gen durch den Men­schen schützt und Aus­druck eines auf den Schutz des Tie­res aus­ge­rich­te­ten ethi­schen Tier­schut­zes ist, ist nach ganz über­wie­gen­der Mei­nung, der sich der Senat anschließt, der Eigentümer/​Halter des Tie­res vom Schutz­zweck des Geset­zes nicht erfasst und damit nicht als Ver­letz­ter anzu­se­hen 2.

Die Rech­te des Hal­ters wer­den durch die Vor­schrift des § 303 StGB aus­rei­chend geschützt.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 29. August 2013 – 1 Ws 227/​13

  1. OLG Hamm, NStZ 86, 327; OLG Koblenz, NJW 85, 1409; Mey­er-Goß­ner, StPO, 56. Auf­la­ge, § 172, Rn. 9[]
  2. OLG Cel­le, Beschluss vom 10.01.2007 – 1 Ws 1/​07; Graal­mann-Schee­rer in Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Auf­la­ge, § 172, Rn. 100 m. w. N.; Pfohl in Münch­ner Kom­men­tar, StGB Bd. VI, Neben­straf­recht, 2. Auf­la­ge, § 17 Tier­schutz­ge­setz, Rn. 149; anders OLG Koblenz, Urteil vom 14.12.1988, 1 Ws 676/​88, ohne Begrün­dung[]