Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Ein Hang im Sin­ne des § 64 Satz 1 StGB liegt nicht nur im Fal­le einer chro­ni­schen, auf kör­per­li­cher Sucht beru­hen­den Abhän­gig­keit vor. Viel­mehr genügt bereits eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­scher Dis­po­si­ti­on beru­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne inten­si­ve Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel im Über­maß zu sich zu neh­men, wobei noch kei­ne phy­si­sche Abhän­gig­keit bestehen muss 1.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Aus­rei­chend für die Annah­me eines Han­ges zum über­mä­ßi­gen Genuss von Rausch­mit­teln ist, dass der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Kon­sum­ge­wohn­hei­ten sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint.

Inso­weit kann auch dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­ge­nuss bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit beein­träch­tigt sind, indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men; das Feh­len die­ser Beein­träch­ti­gun­gen schließt indes nicht not­wen­di­ger­wei­se die Beja­hung eines Han­ges aus 2.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen ange­sichts der Fest­stel­lun­gen nahe, wonach der Ange­klag­te im über­wie­gen­den Tat­zeit­raum täg­lich 1 g Mari­hua­na sowie alle zwei Tage zusätz­lich 1 g Koka­in kon­su­mier­te, die Taten durch sei­nen Betäu­bungs­mit­tel­kon­sum mit­mo­ti­viert waren und er seit sei­ner Haft­ver­scho­nung im Dezem­ber 2015 eine ambu­lan­te Dro­gen­the­ra­pie absol­viert. Soweit der Ange­klag­te dem­ge­gen­über nach den Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen sei­nen regel­mä­ßi­gen Kon­sum ohne aus­ge­präg­te Tole­ranz­ent­wick­lung kon­trol­liert und in der Unter­su­chungs­haft kei­ne schwer­wie­gen­den Ent­zugs­sym­pto­me ent­wi­ckelt hat­te, steht dies zwar der Dia­gno­se eines Abhän­gig­keits­syn­droms im Sin­ne von ICD 10, F 12.2 ent­ge­gen, schließt aber einen Hang im Sin­ne von § 64 Satz 1 StGB nicht aus.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juli 2016 – 3 StR 243/​16

  1. BGH, Beschlüs­se vom 04.04.1995 – 4 StR 95/​95, BGHR StGB § 64 Abs. 1 Hang 5; vom 13.01.2011 – 3 StR 429/​10[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13[]