Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Beschrän­kung der Revi­si­on

Die Beschrän­kung der Revi­si­on auf die Anord­nung der Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus nach § 63 StGB ist wirk­sam (§ 344 Abs. 1 StPO).

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Beschrän­kung der Revi­si­on

Eine Beschrän­kung der Revi­si­on ist zuläs­sig, wenn die Beschwer­de­punk­te nach dem inne­ren Zusam­men­hang des Urteils los­ge­löst von sei­nem nicht ange­foch­te­nen Teil recht­lich und tat­säch­lich unab­hän­gig beur­teilt wer­den kön­nen. Gewähr­leis­tet sein muss, dass die Gesamt­ent­schei­dung frei von inne­ren Wider­sprü­chen bleibt 1. Eine neben Stra­fe ange­ord­ne­te Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB ist grund­sätz­lich selbst­stän­dig anfecht­bar 2, sofern sich nicht aus beson­de­ren Grün­den Trenn­bar­keits­hin­der­nis­se erge­ben.

Auch § 5 Abs. 3 JGG steht in der vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on der Beschrän­kung des Rechts­mit­tel­an­griffs auf den Maß­re­gel­aus­spruch nicht ent­ge­gen. Denn ein Weg­fall der von dem Rechts­mit­tel­füh­rer in Zwei­fel gezo­ge­nen Maß­re­gel könn­te sich nach die­ser Vor­schrift nicht zu sei­nen Guns­ten auf die – unter Berück­sich­ti­gung des § 5 Abs. 3 JGG – ver­häng­te und von ihm unbe­an­stan­det gelas­se­ne Jugend­stra­fe aus­wir­ken. Soweit in der Recht­spre­chung eine Trenn­bar­keit von Unter­brin­gungs­an­ord­nung und Jugend­straf­aus­spruch mit Rück­sicht auf § 5 Abs. 3 JGG ver­neint wor­den ist, betraf dies Fäl­le, in denen eine Unter­brin­gung nach § 63 oder § 64 StGB unter­blie­ben ist und deren Anord­nung im zwei­ten Rechts­gang in Betracht kam 3. Wür­de in einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on die Jugend­stra­fe infol­ge einer ent­spre­chen­den Rechts­mit­tel­be­schrän­kung nach § 343 Abs. 1 StPO in Rechts­kraft erwach­sen, wäre es dem neu­en Tatrich­ter ver­wehrt, im Anschluss an die – im Fall des § 63 StGB zwin­gen­de – Anord­nung einer Maß­re­gel die nun nach § 5 Abs. 3 JGG gebo­te­ne Ent­schei­dung über die Ent­behr­lich­keit der Ver­hän­gung von Jugend­stra­fe noch zu tref­fen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 334/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 14.01.2015 – 1 StR 93/​14, Rn. 58 zitiert nach juris; Urteil vom 08.01.1954 – 2 StR 572/​73, BGHSt 2, 252; Fran­ke in: Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 344 Rn. 15 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 22.04.1969 – 1 StR 90/​69, NJW 1969, 1578; Urteil vom 10.01.1961 – 1 StR 517/​60, BGHSt 15, 279, 285; Urteil vom 11.02.1954 – 4 StR 755/​53, BGHSt 5, 312, 313; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 318 Rn. 24; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 63 Rn. 26; Kas­par in: SSW-StGB, 2. Aufl., § 63 Rn. 50; krit. Fran­ke in: Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 344 Rn. 53[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 12.03.2012 – 3 StR 42/​12, Rn. 2 zitiert nach juris; Beschluss vom 05.05.2009 – 4 StR 99/​09, NStZ-RR 2009, 277; Beschluss vom 06.09.2007 – 4 StR 318/​07; Beschluss vom 27.06.2007 – 2 StR 135/​07, Rn. 7 zitiert nach juris; Beschluss vom 02.12 1997 – 4 StR 581/​97, NStZ-RR 1998, 188, 189 [jeweils Mit­auf­he­bung der Jugend­stra­fe bei feh­ler­haf­ter Nicht­an­ord­nung der Unter­brin­gung nach § 63 oder § 64 StGB]; BayO­bLG, Urteil vom 15.03.1989 – RReg 3 St 38/​89, BayO­bLGSt 1989, 48 [kei­ne iso­lier­te Anfech­tung der Nicht­an­ord­nung einer Unter­brin­gung neben ver­häng­ter Jugend­stra­fe]; vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.12 2012 – 4 StR 494/​12, BGHR JGG § 5 Abs. 3 Abse­hen 3[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 02.12 1997 – 4 StR 581/​97, NStZ-RR 1998, 188, 189[]