Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Gefahr zukünf­ti­ger hang­be­ding­ter Straf­ta­ten

Die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se im Sin­ne des § 64 Satz 1 StGB setzt die "begrün­de­te" bzw. "nahe­lie­gen­de" Wahr­schein­lich­keit der Bege­hung wei­te­rer erheb­li­cher Straf­ta­ten vor­aus [1], wobei die Fra­ge der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr auf­grund einer umfas­sen­den Gesamt­ab­wä­gung zu beant­wor­ten ist [2].

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Gefahr zukünf­ti­ger hang­be­ding­ter Straf­ta­ten

Fak­to­ren, die eine sol­che Gefahr begrün­den, kön­nen sich erge­ben [3] aus

  • der Per­sön­lich­keit des Täters,
  • sei­nem bis­he­ri­gen Rausch­mit­tel­kon­sum – Zeit­raum, Men­ge und Art –,
  • Vor­le­ben, Vor­stra­fen, Vor­ahn­dun­gen,
  • Nacht­at­ver­hal­ten und
  • Anlass­tat.

Durch eine hang­be­ding­te schwe­re Gewalt­tat als Anlass­tat wird sie regel­mä­ßig hin­rei­chend belegt sein [4].

Allein der Umstand, dass der Ange­klag­te Kon­takt mit der voll­zugs­in­ter­nen Dro­gen­be­ra­tung auf­ge­nom­men hat, um eine ambu­lan­te The­ra­pie zu orga­ni­sie­ren, ist für sich nicht geeig­net, die Gefahr zukünf­ti­ger hang­be­dingt began­ge­ner rechts­wid­ri­ger Taten des Ange­klag­ten zu ent­kräf­ten und die kon­kre­te Aus­sicht zu begrün­den, der Ange­klag­te kön­ne auch ohne Voll­zug der Maß­re­gel geheilt, jeden­falls aber über eine erheb­li­che Zeit­span­ne vor einem Rück­fall bewahrt wer­den, sei­ne Gefähr­lich­keit also auch ohne Maß­re­gel­voll­zug auf­ge­ho­ben oder deut­lich her­ab­ge­setzt wer­den.

Der Annah­me sei­ner Gefähr­lich­keit steht nicht ent­ge­gen, dass der Ange­klag­te bis­lang nicht durch Gewalt­ta­ten auf­ge­fal­len ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Janu­ar 2020 – 1 StR 490/​19

  1. BGH, Urtei­le vom 22.11.2018 – 4 StR 356/​18 Rn. 10 mwN; und vom 11.12 1990 – 1 StR 611/​90 Rn. 4; Beschluss vom 09.10.2019 – 4 StR 367/​19 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 09.10.2019 – 4 StR 367/​19 Rn. 6; und vom 13.12 2018 – 3 StR 386/​18 Rn. 11[]
  3. BGH, Beschluss vom 09.10.2019 – 4 StR 367/​19 Rn. 6[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 13.12 2018 – 3 StR 386/​18 Rn. 13; vom 25.11.2014 – 5 StR 509/​14 Rn. 2; vom 20.01.2004 – 4 StR 464/​03 Rn. 6; und vom 18.07.2000 – 5 StR 289/​00 Rn. 2; Urteil vom 29.06.1988 – 2 StR 200/​88 Rn. 14[]