Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung mit Emp­fangs­be­kennt­nis

Eine Hono­rar­ver­ein­ba­rung ist nicht des­we­gen unwirk­sam, weil der Man­dant dar­in bestä­tigt, eine Abschrift der Ver­ein­ba­rung erhal­ten zu haben.

Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung mit Emp­fangs­be­kennt­nis

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te in sei­nem Beru­fungs­ur­teil noch aus­ge­führt, bei der Hono­rarab­re­de han­de­le es sich um einen Vor­druck im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO. Die Rege­lung in Zif­fer 6 hin­sicht­lich des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses sei nicht unmit­tel­bar und aus­schließ­lich hono­rar­be­zo­gen. Es die­ne ledig­lich dazu, dem Erklä­rungs­emp­fän­ger im Streit­fall Beweis­erleich­te­run­gen zu ver­schaf­fen. Das Emp­fangs­be­kennt­nis rege­le nichts, was sich unmit­tel­bar und aus­schließ­lich auf den Grund oder die Höhe des ver­ein­bar­ten Hono­rars bezie­he. Ohne Belang sei es, ob die Rege­lung über­haupt sinn­voll und kon­kret geeig­net sei, den Man­dan­ten zu ver­wir­ren. Maß­geb­lich sei allei­ne, dass vor­ge­druck­te Hono­rarab­re­den, die dem Anwalt eine höhe­re als die gesetz­li­che Ver­gü­tung ver­schaf­fen soll­ten, von hono­rar­frem­den Neben­ab­re­den gänz­lich und ohne jede Aus­nah­me frei­ge­hal­ten wer­den müss­ten. Wegen Ver­sto­ßes gegen § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO kom­me der Zeitho­no­rarab­re­de kei­ne Wirk­sam­keit zu. Das gesetz­li­che Hono­rar betra­ge gemäß §§ 83 ff BRAGO 1.320 €, so dass dem Klä­ger im Hin­blick auf die erfolg­te Anzah­lung kei­ne wei­te­ren Ver­gü­tungs­an­sprü­che zustün­den.

Die­se Auf­fas­sung fand jedoch nicht die Bil­li­gung des BGH: Nach dem – im vor­lie­gen­den Streit­fall noch anzu­wen­den­den – § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO kann der Rechts­an­walt aus einer Ver­ein­ba­rung eine höhe­re als die gesetz­li­che Ver­gü­tung nur for­dern, wenn die Erklä­rung des Auf­trag­ge­bers schrift­lich abge­ge­ben und nicht in einem Vor­druck, der auch ande­re Erklä­run­gen umfasst, ent­hal­ten ist. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts han­delt es sich bei der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Hono­rar­ver­ein­ba­rung, so der BGH, nicht um einen Vor­druck, der auch ande­re Erklä­run­gen ent­hält.

Ein Schrift­stück, das sich nach sei­ner äuße­ren Auf­ma­chung als Form­blatt (For­mu­lar) dar­stellt, von dem ange­nom­men wer­den kann, dass es in glei­cher Wei­se häu­fi­ger ver­wen­det wird, ist als Vor­druck im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO anzu­se­hen; auf die Art der Her­stel­lung kommt es nicht an 1.

Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen hat das Beru­fungs­ge­richt zu Recht fest­ge­stellt. Der Umstand, dass das Schrift­stück mög­li­cher­wei­se mit der Schreib­ma­schi­ne ange­fer­tigt wur­de, stellt die Eigen­schaft als Vor­druck nicht in Fra­ge 2. Zutref­fend ist das Beru­fungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass die in der Hono­rar­ver­ein­ba­rung nie­der­ge­leg­ten Rege­lun­gen all­ge­mei­ner Art sind und sich für eine Viel­zahl von Hono­rarab­re­den eig­nen, um das Ver­gü­tungs­in­ter­es­se des Klä­gers mög­lichst güns­tig für unter­schied­li­che Fall­ge­stal­tun­gen ab-zude­cken. Uner­heb­lich ist in die­sem Zusam­men­hang, ob die Hono­rarab­re­de, wie vom Klä­ger ohne nähe­ren Vor­trag pau­schal gel­tend gemacht wur­de, zwi­schen den Pro­zess­par­tei­en aus­ge­han­delt wur­de. Die Eigen­schaft eines Vor­drucks im Sin­ne des § 3 BRAGO knüpft ledig­lich an die Ver­wen­dungs­fä­hig­keit für ver­schie­de­ne Fall­ge­stal­tun­gen 3 sowie an den Umstand an, dass es sich um ein vom Anwalt stam­men­des Schrift­stück han­delt.

Nach Auf­fas­sung des BGH umfasst der Vor­druck mit dem Emp­fangs­be­kennt­nis kei­ne "ande­re Erklä­run­gen" im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO. Unbe­denk­lich ist die Auf­nah­me sol­cher Neben­ab­re­den, die sich aus­schließ­lich und unmit­tel­bar auf die Hono­rarab­re­de bezie­hen, wie dies etwa bei Bestim­mun­gen über Stun­dung, Raten­zah­lung, Erfül­lungs­ort und außer­dem zu ver­gü­ten­de Neben­leis­tun­gen der Fall ist 4.

Das hier in Rede ste­hen­de Emp­fangs­be­kennt­nis in Zif­fer 6 der Hono­rar­ver­ein­ba­rung bezieht sich aus­schließ­lich und unmit­tel­bar auf die Hono­rarab­re­de, deren Erhalt der Auf­trag­ge­ber mit der ange­führ­ten Erklä­rung bestä­tigt und kann sich auch auf nichts ande­res bezie­hen. Sie erweist sich damit als unschäd­lich 5. Im Übri­gen hat das Beru­fungs­ge­richt selbst fest­ge­stellt, dass es sich bei dem ange­führ­ten Emp­fangs­be­kennt­nis um eine übli­che, für eine Viel­zahl von Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen ein­setz­ba­re Klau­sel han­delt.

Nichts ande­res gilt für die in Zif­fer 5 der Hono­rar­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­ne Siche­rungs­ab­tre­tung etwai­ger Erstat­tungs­an­sprü­che des Beklag­ten an den Klä­ger. Die Siche­rungs­ab­tre­tung ist hono­rar­be­zo­gen und beinhal­tet kei­ne "ande­re Erklä­rung" im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 BRAGO. Der aus­schließ­li­che und unmit­tel­ba­re Bezug zur Hono­rar­ver­ein­ba­rung ist nicht nur gege­ben, wenn die Abtre­tung erfül­lungs­hal­ber in der Hono­rarab­re­de auf­ge­nom­men wird. Der Bezug ist nicht weni­ger aus­schließ­lich und unmit­tel­bar, wenn die Abtre­tung siche­rungs­hal­ber ver­ein­bart wird. Wenn Rege­lun­gen über die Erfül­lung des Hono­rar­an­spruchs unschäd­lich sind 6, muss Ent­spre­chen­des auch für Siche­rungs­ver­ein­ba­run­gen gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Mai 2009 – IX ZR 174/​06

  1. BGH, Urteil vom 8. Juni 2004 – IX ZR 119/​03, NJW 2004, 2818, 2819; fer­ner Fraun­holz, in: Riedel/​Sußbauer, BRAGO 8. Aufl. § 3 Rn. 17; Madert, in: Gerold/​Schmidt/​v. Eicken/​Madert, BRAGO 15. Aufl. § 3 Rn. 5; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze 33. Aufl. § 3 BRAGO Rn. 18[]
  2. Fraun­holz, in: Riedel/​Sußbauer, BRAGO, aaO; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze 33. Aufl., aaO[]
  3. BGH, Urteil vom 8. Juni 2004 – IX ZR 119/​03, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 12. Janu­ar 1978 – III ZR 53/​76, AnwBl. 1978, 227; Urteil vom 8. Juni 2004 – IX ZR 119/​03, aaO[]
  5. Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze 33. Aufl., aaO[]
  6. so z.B. Madert aaO[]