Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand – und die Wochenfrist

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand ist auf Antrag dem­je­ni­gen zu gewäh­ren, der ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine Frist ein­zu­hal­ten (§ 44 Satz 1 StPO).

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand – und die Wochenfrist

Der Antrag ist bin­nen einer Woche nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len (§ 45 Abs. 1 Satz 1 StPO); inner­halb der Wochen­frist muss der Antrag­stel­ler auch Anga­ben über den Zeit­punkt des Weg­falls des Hin­der­nis­ses machen. Zudem ist inner­halb der Antrags­frist die ver­säum­te Hand­lung nach­zu­ho­len (§ 45 Abs. 2 Satz 2 StPO).

Im hier ent­schie­de­nen Fall ist zwar der mit Schrei­ben des Ange­klag­ten vom 28.09.2020 gestell­te Wie­der­ein­set­zungs­an­trag frist­ge­recht ange­bracht wor­den. Nach­dem der Ange­klag­te am 24.09.2020 von der Ver­säu­mung der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist Kennt­nis erlangt hat­te und damit das Hin­der­nis für die Fris­t­wah­rung ent­fal­len war, hat er mit sei­nem am 1.10.2020 beim Land­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben die Wochen­frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO hin­sicht­lich des Anbrin­gens des Wie­der­ein­set­zungs­an­tra­ges gewahrt. Jedoch ist ent­ge­gen § 45 Abs. 2 Satz 2 StPO inner­halb der am 1.10.2020 enden­den Wochen­frist die Revi­si­ons­be­grün­dung und damit die ver­säum­te Hand­lung nicht nach­ge­holt wor­den. Die Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO gilt – von hier nicht rele­van­ten Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen – auch dann, wenn es sich bei der ver­säum­ten und nach­zu­ho­len­den Hand­lung um die Begrün­dung einer Revi­si­on han­delt. Die Monats­frist des § 345 Abs. 1 StPO wird inso­fern durch die Wochen­frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO ersetzt1. Die Revi­si­ons­be­grün­dung ist jedoch erst mit dem Ver­tei­di­ger­schrei­ben vom 05.10.2020 nach­ge­holt wor­den. Anhalts­punk­te dafür, dass der Ange­klag­te schuld­los gehin­dert war, für ein Anbrin­gen der Revi­si­ons­be­grün­dung inner­halb der Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO Sor­ge zu tra­gen, sind nicht ersicht­lich, zumal er in sei­nem Schrei­ben vom 28.09.2020 vor­ge­bracht hat, er habe bereits einen ande­ren Anwalt mandatiert.

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Auch der mit Ver­tei­di­ger­schrift­satz vom 05.10.2020 gestell­te wei­te­re Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand genügt den Form­erfor­der­nis­sen des § 45 StPO nicht. Denn maß­ge­bend für den Beginn der Wochen­frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO ist der Zeit­punkt, zu dem der Ange­klag­te selbst Kennt­nis von der Ver­säu­mung der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist erlangt hat2. Dies gilt selbst dann, wenn der Ver­tei­di­ger – wie hier – eige­nes Ver­schul­den gel­tend macht, das dem Ange­klag­ten nicht zuzu­rech­nen wäre3. Auf den im Schrift­satz vom 05.10.2020 mit­ge­teil­ten Zeit­punkt der Kennt­nis­er­lan­gung durch den Ver­tei­di­ger kommt es hin­ge­gen nicht an. Daher hät­ten mit dem Ver­tei­di­ger­vor­brin­gen Anga­ben dazu gemacht wer­den müs­sen, wann der Ange­klag­te Kennt­nis von der Ver­säu­mung der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist erlangt hat4. Hier­an fehlt es jedoch. Zudem ergibt sich aus dem Vor­brin­gen des Ange­klag­ten in sei­nem Schrei­ben vom 28.09.2020, dass die­ser – wie dar­ge­tan – am 24.09.2020 Kennt­nis davon erlangt hat, dass die Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist ver­säumt wor­den war. Die Unzu­läs­sig­keit des mit dem Ver­tei­di­ger­schrift­satz vom 05.10.2020 gestell­ten wei­te­ren Wie­der­ein­set­zungs­an­trags folgt des­halb auch dar­aus, dass die mit die­sem Schrei­ben ange­brach­te Revi­si­ons­be­grün­dung ent­ge­gen § 45 Abs. 2 Satz 2 StPO nicht inner­halb der Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO nach­ge­holt wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2020 – 3 StR 423/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.1997 – 1 StR 543/​96, NStZ-RR 1997, 267; KK-StPO/­Maul, 8. Aufl., § 45 Rn. 9; Münch­Komm-StPO/­Va­le­ri­us, § 45 Rn.19[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 27.11.2019 – 5 StR 539/​19, juris; vom 20.11.2019 – 4 StR 522/​19, NStZ-RR 2020, 49, 50; vom 26.06.2018 – 3 StR 197/​18 3 f.; vom 29.11.2016 – 3 StR 444/​16, Stra­Fo 2017, 66; vom 14.01.2015 – 1 StR 573/​14, NStZ-RR 2015, 145[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 20.11.2019 – 4 StR 522/​19, NStZ-RR 2020, 49, 50; vom 02.07.2019 – 2 StR 570/​18, Stra­Fo 2019, 469, 470; vom 02.04.2019 – 3 StR 63/​19 5 f.[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.07.2019 – 2 StR 570/​18, Stra­Fo 2019, 469, 470; vom 26.06.2018 – 3 StR 197/​18 3 f.; vom 29.11.2016 – 3 StR 444/​16, Stra­Fo 2017, 66; vom 14.01.2015 – 1 StR 573/​14, NStZ-RR 2015, 145[]