Zwangs­pro­sti­tu­ti­on – unter Anwen­dung einer List

List im Sin­ne des § 232a Abs. 3 StGB ver­langt, dass sich die irre­füh­ren­den Machen­schaf­ten auf die Tat­sa­che der Pro­sti­tu­ti­ons­aus­übung an sich beziehen.

Zwangs­pro­sti­tu­ti­on – unter Anwen­dung einer List

Das ledig­lich arg­lis­ti­ge Schaf­fen eines Anrei­zes gegen­über einer Per­son, die sich frei für oder gegen eine Pro­sti­tu­ti­ons­auf­nah­me oder ‑fort­set­zung ent­schei­den kann, genügt nicht. Das Her­vor­ru­fen eines blo­ßen Moti­virr­tums wird des­halb regel­mä­ßig von dem Tat­be­stands­merk­mal nicht erfasst.

List ist jede Ver­hal­tens­wei­se des Täters, die dar­auf gerich­tet ist, sei­ne Zie­le unter geflis­sent­li­chem und geschick­tem Ver­ber­gen der wah­ren Absich­ten und Umstän­de durchzusetzen.

Das Her­vor­ru­fen eines blo­ßen Moti­virr­tums fällt aller­dings regel­mä­ßig nicht unter § 232a Abs. 3 StGB.

Das bedeu­tet, dass sich die irre­füh­ren­den Machen­schaf­ten auf die Tat­sa­che der Pro­sti­tu­ti­ons­aus­übung an sich bezie­hen müs­sen1, wäh­rend das ledig­lich arg­lis­ti­ge Schaf­fen eines Anrei­zes gegen­über einer Per­son, die sich frei für oder gegen eine Pro­sti­tu­ti­ons­auf­nah­me oder ‑fort­set­zung ent­schei­den kann, nicht ausreicht.

Die­se restrik­ti­ve Aus­le­gung war für den schwe­ren Men­schen­han­del nach § 181 Abs. 1 Nr. 1 StGB in der bis zum 18.02.2005 gül­ti­gen Fas­sung und den schwe­ren Men­schen­han­del zum Zweck der sexu­el­len Aus­beu­tung nach § 232 Abs. 4 Nr. 1 StGB in der bis zum 14.10.2016 gül­ti­gen Fas­sung aner­kannt2. Hier­an ist für das seit dem 15.10.2016 gel­ten­de Recht, den – geän­der­ten – schwe­ren Men­schen­han­del gemäß § 232 Abs. 2 Nr. 1 StGB sowie die – neu­ge­schaf­fe­ne – schwe­re Zwangs­pro­sti­tu­ti­on gemäß § 232a Abs. 3 StGB, fest­zu­hal­ten. Aus dem Wort­laut der Straf­nor­men erge­ben sich kei­ne dem ent­ge­gen­ste­hen­de Anhalts­punk­te. In den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu §§ 232 nF, 232a StGB ist dar­ge­legt, dass „in Bezug auf das Tat­mit­tel der ‚List’ kei­ne Erwei­te­rung“ vor­ge­se­hen ist, die „künf­tig das Her­vor­ru­fen eines blo­ßen Moti­virr­tums genü­gen“ lie­ße3. Unter Hin­weis auf unver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Ber­lin ist dort ledig­lich ergän­zend aus­ge­führt, dass das Tat­be­stands­merk­mal der List auch die­je­ni­gen Fäl­le erfas­sen soll, in denen „der Täter mit Hil­fe der ‚Loverboy’-Masche“ unter Ver­de­ckung der Absicht, das Opfer in die Pro­sti­tu­ti­on zu brin­gen, erst „güns­ti­ge­re Vor­aus­set­zun­gen (etwa Lösen aus der fami­liä­ren Bin­dung oder Abbruch der Aus­bil­dung) dafür schafft“, die Absicht zu rea­li­sie­ren, bevor er sie zu die­sem Zweck offen­bart4.

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Gemes­sen dar­an erfüll­ten weder das Vor­spie­geln einer part­ner­schaft­li­chen Bezie­hung durch den Täter noch das Vor­täu­schen von des­sen Hilfs­be­dürf­tig­keit – Schul­den und Krank­heit – das Merk­mal der List. Denn der Täter lie­ßen die Geschä­dig­te von Anfang an nicht im Unkla­ren dar­über, dass sie von ihr die Aus­übung der Pro­sti­tu­ti­on erwar­te­ten. Da sie die 18-Jäh­ri­ge nicht durch die Ver­de­ckung die­ser Erwar­tung zuvor in eine ungüns­ti­ge Situa­ti­on gebracht hat­ten, braucht der Bun­des­ge­richts­hof hier nicht zu ent­schei­den, ob auch der­je­ni­ge mit List im Sin­ne des § 232a StGB han­delt, der das Opfer zunächst über sei­ne Absicht, es der Pro­sti­tu­ti­on zuzu­füh­ren, täuscht und dadurch in eine Lage bringt, die für eine nach­fol­gen­de Ver­wirk­li­chung die­ser Absicht güns­ti­ge­re Vor­aus­set­zun­gen schafft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. August 2020 – 3 StR 132/​20

  1. s. LK/​Kudlich, StGB, 12. Aufl., § 232 Rn. 53 mwN[]
  2. s. zu § 181 StGB aF BGH, Urtei­le vom 20.10.1976 – 3 StR 266/​76, BGHSt 27, 27; vom 03.06.1980 – 1 StR 192/​80 4 f.; zu § 232 StGB aF BGH, Urteil vom 09.10.2013 – 2 StR 297/​13, NStZ 2014, 453, 454[]
  3. BT-Drs. 18/​9095 S. 30, 34[]
  4. BT-Drs. 18/​9095 S. 34; vgl. Beck­OK StGB/​Valerius, 46. Ed., § 232 Rn. 43 f.; offen­ge­las­sen von BGH, Urteil vom 20.10.1976 – 3 StR 266/​76, aaO, S. 28[]

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