Abschie­be­haft – und die sofor­ti­ge Wirk­sam­keit der Haft­an­ord­nung

Die Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit gemäß § 422 Abs. 2 FamFG muss sich ein­deu­tig und unmiss­ver­ständ­lich aus dem Haft­an­ord­nungs­be­schluss erge­ben 1. Hier­für ist es uner­heb­lich, ob die Anord­nung im Tenor ent­hal­ten ist oder ob sie sich den Grün­den des Beschlus­ses ent­neh­men lässt.

Abschie­be­haft – und die sofor­ti­ge Wirk­sam­keit der Haft­an­ord­nung

Ent­ge­gen einer in der Lite­ra­tur ver­ein­zelt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung 2 ist es aber uner­heb­lich, ob die Anord­nung im Tenor ent­hal­ten ist oder ob sie sich den Grün­den des Beschlus­ses ent­neh­men lässt. Die­se kön­nen zur Aus­le­gung des Tenors her­an­ge­zo­gen wer­den 3. So bestan­den im hier ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richtsh­fo an der Anord­nung gemäß § 422 Abs. 2 FamFG kei­ne Zwei­fel, weil es in den Grün­den des Beschlus­ses des Amts­ge­richts heißt, die "Anord­nung der sofor­ti­gen Wirk­sam­keit gem. § 422 FamFG (sei) erfor­der­lich, da sonst der Zweck der Maß­nah­me nicht erreicht wür­de".

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Juli 2017 – V ZB 69/​17

  1. vgl. Münch­Komm-FamFG/Wendt­land, 2. Aufl., § 422 Rn. 3; Prütting/​Helms/​Jennissen, FamFG, 3. Aufl., § 422 Rn. 5; Keidel/​Budde, FamFG, 19. Aufl., § 422, Rn. 4, die jeweils eine "aus­drück­li­che" Anord­nung ver­lan­gen[]
  2. vgl. Grot­kopp in: Bah­ren­fuss, FamFG, 3. Aufl., § 422 Rn. 3[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 07.04.2011 – V ZB 141/​10, InfAuslR 2011, 30 Rn. 6[]