Abwei­chun­gen des Beur­tei­lers von Beur­tei­lungs­bei­trä­gen

Nur Abwei­chun­gen des Beur­tei­lers von Beur­tei­lungs­bei­trä­gen müs­sen nach­voll­zieh­bar begrün­det wer­den.

Abwei­chun­gen des Beur­tei­lers von Beur­tei­lungs­bei­trä­gen

Macht sich ein Erst­be­ur­tei­ler die Aus­füh­run­gen und Fest­stel­lun­gen eines den Beur­tei­lungs­zeit­raum betref­fen­den Beur­tei­lungs­bei­trags zu eigen, gel­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kei­ne beson­de­ren Anfor­de­run­gen an die Art und Wei­se der Begrün­dung der eige­nen Gesamt­wür­di­gung. Nur Abwei­chun­gen des Beur­tei­lers von Beur­tei­lungs­bei­trä­gen müs­sen nach­voll­zieh­bar begrün­det wer­den 1. Über­nimmt ein Beur­tei­ler einen Beur­tei­lungs­bei­trag, bedarf es hier­für kei­ner Begrün­dung.

Beur­tei­lungs­bei­trä­ge müs­sen die Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten, die es dem Beur­tei­ler erlau­ben, die­je­ni­gen in der Beur­tei­lung zu bewer­ten­den Ele­men­te der Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung (Art. 33 Abs. 2 GG) zutref­fend zu erfas­sen, über die er kei­ne oder kei­ne hin­rei­chen­de aus eige­ner Anschau­ung gewon­ne­ne Erkennt­nis besitzt 2.

Schließ­lich lei­det die dienst­li­che Beur­tei­lung auch nicht des­halb an einem Begrün­dungs­de­fi­zit, weil das Gesamt­ur­teil nicht geson­dert begrün­det wor­den ist. Zwar ist das Gesamt­ur­teil einer dienst­li­chen Beur­tei­lung regel­mä­ßig begrün­dungs­pflich­tig. Ent­behr­lich ist eine Begrün­dung für das Gesamt­ur­teil aber aus­nahms­wei­se dann, wenn im kon­kre­ten Fall eine ande­re Note nicht in Betracht kommt, weil sich die ver­ge­be­ne Note – ver­gleich­bar einer Ermes­sens­re­du­zie­rung auf Null – gera­de­zu auf­drängt 3.

Ein sol­cher Fall lag in dem hier ent­schie­de­nen Fall vor: Die Beam­tin ist in der ent­schei­den­den Leis­tungs­be­wer­tung bei 15 Ein­zel­kri­te­ri­en 13-mal mit der Höchst­no­te "9" und zwei­mal mit der nächst­nied­ri­ge­ren Noten­stu­fe "8" beur­teilt wor­den. Damit ist eine geson­der­te schrift­li­che Begrün­dung für das Gesamt­ur­teil "9" ent­behr­lich. Etwas ande­res folgt auch nicht aus dem gemisch­te­ren Bild der Befä­hi­gungs­be­ur­tei­lung der Beam­tin (10-mal Höchst­be­wer­tung D, 9‑mal Bewer­tung C). Die Befä­hi­gungs­no­te erlangt hier kei­ne Aus­wir­kung, weil die Beam­tin bereits die Spit­zen­no­te hat und für die künf­ti­ge Ver­ga­be eines höhe­ren Sta­tusam­tes kei­ne Beson­der­hei­ten ersicht­lich sind, die in der Leis­tungs­be­wer­tung auf dem bis­he­ri­gen Dienst­pos­ten nicht abge­bil­det wer­den konn­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. März 2016 – 2 A 4.15

  1. stRspr, BVerwG, Urtei­le vom 05.11.1998 – 2 A 3.97, BVerw­GE 107, 360, 361 f. und zuletzt vom 27.11.2014 – 2 A 10.13, BVerw­GE 150, 359 Rn. 24[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 05.11.1998 – 2 A 3.97, BVerw­GE 107, 360, 361 f.; und vom 27.11.2014 – 2 A 10.13, BVerw­GE 150, 359 Rn. 23[]
  3. BVerwG, Urteil vom 17.09.2015 – 2 C 27.14ZBR 2016, 134 Rn. 37[]