Doping­vor­wür­fe und Spit­zen­sport­ler­för­de­rung der Bun­des­po­li­zei

Die Eis­schnell­läu­fe­rin Clau­dia Pech­stein hat kei­nen Anspruch dar­auf, wei­ter in der Spit­zen­för­de­rung der Bun­des­po­li­zei zu blei­ben. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat einen ent­spre­chen­den Eil­an­trag der Eis­schnell­läu­fe­rin zurück­ge­wie­sen.

Doping­vor­wür­fe und Spit­zen­sport­ler­för­de­rung der Bun­des­po­li­zei

Pech­stein steht seit 1993 im Dienst des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern, zuletzt im Rang einer Poli­zei­haupt­meis­te­rin. Bis Novem­ber 2009 war sie als "Poli­zei­voll­zugs­be­am­tin (zugleich Spit­zen­sport­le­rin)" der Bun­des­po­li­zei­sport­schu­le Bad Endorf zuge­wie­sen, wo sie nach der stän­di­gen Pra­xis der Antrags­geg­ne­rin kei­nen Dienst als Voll­zugs­be­am­tin ver­sah, son­dern aus­schließ­lich mit dem Trai­ning und Wett­kämp­fen befasst war. Nach­dem die Inter­na­tio­na­le Eis­schnell­lauf-Uni­on Pech­stein im Juli 2009 wegen Doping­vor­wür­fen gesperrt hat­te, wur­de sie von ihren bis­he­ri­gen Auf­ga­ben bei der Bun­des­po­li­zei­sport­schu­le ent­bun­den, an die Bun­des­po­li­zei­aka­de­mie in Lübeck umge­setzt und zugleich an die Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Ber­lin abge­ord­net. Mit ihrem Eil­an­trag mach­te sie gel­tend, sie sei zu Unrecht gesperrt wor­den, weil sie nicht gedopt habe. Da sie wei­ter­hin zur Welt­spit­ze im Eis­schnell­lauf zäh­le, sei ihr nicht zuzu­mu­ten, die Fol­gen ihrer Umset­zung auch nur vor­über­ge­hend hin­zu­neh­men, zumal sie wei­ter an natio­na­len und inter­na­tio­na­len Wett­kämp­fen teil­neh­men dür­fe und dies auch wol­le.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin lehn­te den Eil­an­trag jedoch ab: Es sei schon frag­lich, ob die Antrag­stel­le­rin sich auf ein sub­jek­ti­ves Recht auf Auf­nah­me in die Sport­för­de­rung beru­fen kön­ne. Die­se lie­ge näm­lich vor­ran­gig im öffent­li­chen Inter­es­se.

Vor dem Hin­ter­grund einer gerin­gen Zahl von För­der­stel­len sei im Übri­gen nicht zu bean­stan­den, wenn die Antrags­geg­ne­rin eine beson­ders sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl der för­de­rungs­wür­di­gen Spit­zen­sport­ler vor­neh­me. Bei der Ent­schei­dung über die Wie­der­auf­nah­me in die Sport­för­de­rung habe die Antrags­geg­ne­rin daher neben dem Lebens­al­ter vor allem berück­sich­ti­gen dür­fen, dass Pech­stein nach den sog. Osa­ka-Regeln des Inter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Komi­tees nicht berech­tigt sei, an den Olym­pi­schen Spie­len in Sot­schi 2014 teil­zu­neh­men. Damit kön­ne das Ziel der Sport­för­de­rung, den Mit­glie­dern die Teil­nah­me an inter­na­tio­na­len Wett­kämp­fen, ins­be­son­de­re den Olym­pi­schen Spie­len, zu ermög­li­chen, in ihrem Fall nicht mehr erreicht wer­den. Indem die Antrags­geg­ne­rin der Antrag­stel­le­rin ange­bo­ten habe, zukünf­tig als Lehr­kraft an der Bun­des­po­li­zei­aka­de­mie tätig zu sein, habe sie den per­sön­li­chen Lebens­um­stän­den Pech­steins hin­rei­chend Rech­nung getra­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 28. März 2011 – 36 L 88.11